Auszeichnung für Masterarbeit

Meeresbiologe Julian Engel.

© Kellner-Stoll

Der von uns geförderte Meeresbiologe Julian Engel erhält den „CAMPUS PREIS: Forschen für nachhaltige Zukunft“ 2020 der Universität Bremen. Julian Engel schrieb seine Masterarbeit beim Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) zur Frage, ob man auf der philippinischen Insel Malapascua mit nachhaltigem Haitourismus eine Alternative zum Fang der Tiere und der Haiflossenfischerei schaffen kann. Und es gelang. Als Folge seiner Studie wurde ein Meeresschutzgebiet rund um Chocolate Island im Südwesten von Malapascua eingerichtet. Das Konzept von Julian Engel wird nun von der einheimischen Organisation „People and the Sea“ weiterverfolgt.

„Damit hat die Masterarbeit von Julian Engel konkrete und nachhaltige Verbesserungen für den Meeresschutz erzielt. Genau aus diesem Grund fördern wir junge Wissenschaftler aus Deutschland“, freut sich die Deutsche Stiftung Meeresschutz über die Auszeichnung. Der „CAMPUS PREIS: Forschen für nachhaltige Zukunft“ wird jedes Jahr von der KELLNER & STOLL-STIFTUNG zusammen mit ihren Partnerinnen und Partnern verliehen.

Der Drescherhai – ein ganz besonderer Hai

Am Anfang von Julian Engels Überlegungen stand dabei ein ganz besonderer Hai: Der Pazifische Fuchs- oder Drescherhai (Alopias pelagicus). Diese mit einer überaus imposanten Schwanzflosse ausgerüsteten Haie leben in Tiefen, in die der Mensch nur selten vordringt.

Fuchshai.

Fuchshai – Foto: Nicholas Daniel

Bei der nur ca. 2 Kilometer langen und etwa 800 m breiten philippinischen Insel Malapascua jedoch können Taucher Drescherhaie aus nächster Nähe bewundern. Denn in den Korallenriffen gibt es „Putzerstationen“. Hier befreien spezialisierte Putzerfische (Labroides dimidiatus) die Haie von Hautparasiten. Geduldig schwimmen die etwas über 3 m großen Fuchshaie dann „Schlange“, bis sie an der Reihe sind. Es ist ein Top-Highlight für Tauchtouristen aus der ganzen Welt.

Öko-Tourismus statt zerstörerischer Fischereipraktiken und Überfischung

Tote Fuchshaie.

Tote Fuchshaie – Foto: Matthew D Potenski, MDP Photography/Marine Photobank.

Als weit oben im marinen Nahrungsnetz agierender Jäger spielt der Fuchshai eine bedeutende Rolle in seinem Ökosystem. Doch die sich nur sehr langsam vermehrenden Knorpelfische sind zunehmend bedroht, auch in philippinischen Gewässern.

Denn zerstörerische Fischereipraktiken wie Haiflossenfischerei (Sark Finning) und Überfischung haben auch hier verheerende Folgen für die Bestände des Fuchshais und vieler anderer Fischarten.

„Für die Menschen vor Ort sollte es deshalb alternative Verdienstmöglichkeiten geben, verbunden mit einer Entwicklung zum Öko-Tourismus, der die verschiedenen Interessen vom Fischer bis zum Tauchanbieter berücksichtigt“, meint Julian Engel.

In seiner Masterarbeit ging er dann der Frage nach, wie man diese Symbiose auf der Insel Malapascua fördern kann. Dabei stand für den 30-Jährigen stets der Dialog mit allen Beteiligten im Vordergrund.

Preisträger initiiert Meeresschutzgebiet

Befragungen der Fischer sind Teil der Forschungsarbeit von Julian Engel.

Befragungen der Fischer waren Teil der Forschungsarbeit von Julian Engel – Foto: Axelle Jorcin (People and the Sea)

Nach Abschluss seiner Forschung kehrte Engel dann auf die Insel zurück. Dort erläuterte er Fischern und Verantwortlichen der Inselverwaltung seine Ergebnisse.

Der Einsatz fiel auf fruchtbaren Boden: Nicht zuletzt auf Julian Engels Anregung hin diskutierten die verschiedenen Akteure, ein Meeresschutzgebiet rund um Chocolate Island im Südwesten von Malapascua einzurichten – ein Vorhaben, das seitdem von der Organisation „People and the Sea“ weiterverfolgt wird.

Auf der philippinischen Insel Malapascua erforschte Julian Engel Möglichkeiten zu nachhaltigem Haitourismus.

Foto: Robert Marc Lehmann

Teile des Preisgeldes in Höhe von 1.000 € von Julian Engel gehen jetzt nach Malapascua. Damit will er Einheimische unterstützen, deren touristische Aktivitäten von der Corona-Krise betroffen sind.

Wir müssen lernen, einander mehr zuzuhören

Am Strand wurde eine geschwächte Oliv-Bastardschildkröte gefunden. Julian Engel (rechts) leitet den „Noteinsatz“ ein. Im Tauchcenter Evolution Diving wurde das Tier dann aufgepäppelt und schon bald wieder in die Freiheit entlassen.

Am Strand wurde eine geschwächte Oliv-Bastardschildkröte gefunden. Julian Engel (rechts) leitet den „Noteinsatz“ ein. Im Tauchcenter Evolution Diving wurde das Tier dann aufgepäppelt und schon bald wieder in die Freiheit entlassen. Foto: Matt Reed/Evolution Diving

Jurymitglied Fabio Nicoletti vom Vorstand des Vereins Alumni der Universität Bremen lobt die Masterarbeit für ihre „ausgewogene Berücksichtigung aller Dimensionen der Nachhaltigkeit“.

Auch die kritische Reflexion der eigenen Forschungsergebnisse und die darauf aufbauenden Überlegungen zu Alternativen und deren Konsequenzen hätten die Jury beeindruckt. „Hinzu kam Julian Engels umsichtige, kulturell-sensible Art, mit der er den Wissensaustausch mit der lokalen Bevölkerung, Offiziellen und Nichtregierungsorganisationen eigenständig und mit großem persönlichen Einsatz organisiert und umgesetzt hat“, so Nicoletti.

„Ich verbinde mit der Auszeichnung und meiner Arbeit vor allem, dass wir interdisziplinäre Ansätze brauchen, um Ziele in der

Nachhaltigkeit zu erreichen“, sagt Julian Engel. „Wir müssen lernen, einander mehr zuzuhören und mit Verständnis und Zuneigung aufeinander zuzugehen, um voneinander zu lernen.“

Inzwischen arbeitet Engel für die Meeresschutzorganisation OceanMind in England und setzt sich für nachhaltige Fischerei ein.

Über den CAMPUS PREIS

Der CAMPUS PREIS zeichnet herausragende, auf dem Campus der Universität Bremen erstellte Abschlussarbeiten aus, die sich thematisch der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, dem Schutz der Umwelt, des Klimas und der Meere widmen. Die Auszeichnung wurde 2016 ins Leben gerufen und wird einmal im Jahr von der KELLNER & STOLL-STIFTUNG FÜR KLIMA UND UMWELT, dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), der Universität Bremen und dem Verein Alumni der Universität Bremen ausgelobt. Sie ist mit insgesamt 3.000 Euro dotiert. Die Bremer Unternehmen ADLER Solar, REETEC und ecolo – Agentur für Ökologie und Kommunikation unterstützen den CAMPUS PREIS als Sponsorinnen und Sponsoren.

Weitere Informationen:
www.campuspreis.de
www.stiftung-klima-umwelt.org
www.leibniz-zmt.de
www.uni-bremen.de/alumni