Ein Herz für Bullenhaie

Mit unserem Projekt „Ein Herz für Bullenhaie“ wollen wir gemeinsam mit der Schweizer Meeresbiologin und Haiforscherin Dr. Kerstin Glaus junge Bullenhaie in Fidschi schützen. Denn im Rewa, dem größten Fluss auf Fidschi, gibt es für das Überleben dieser spektakulären Haiart bedeutende Kinderstuben. Zunächst geht es darum, die kleinen Haie und ihre Lebensräume aufzuspüren. Dies geschieht mit einer cleveren, nicht invasiven Untersuchungsmethode: der Analyse von Umwelt-DNA (eDNA).

Bullenhaie – wie lange noch?

Sie tragen kein „Lächeln“ im Gesicht, sind von bulliger Statur und lassen sich so schnell nicht einschüchtern – die Rede ist von Bullenhaien. Als Top-Prädatoren sind sie bedeutend für die Gesundheit von Meeres- und Süßwasserökosystemen und müssen nur wenige natürliche Feinde fürchten. Und doch ist ihr Überleben, wie das vieler anderer Haiarten, gefährdet.

Zwei Bullenhaie mit einem Taucher. Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank.

Bullenhaie – Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank

Bullenhaie leben entlang von Küsten, Mündungsgebieten und sogar in Flüssen. Das macht sie anfällig für die Folgen von Zerstörung und Veränderung ihrer Lebensräume. Zudem stehen sie unter enormem Fischereidruck. Bullenhaie, auch junge, werden gezielt befischt. Dabei sind vor allem ihr Fleisch und die Flossen begehrt.

Toter Bullenhai in Hainetz Provinz KwaZulu-Natal.

Toter Bullenhai in einem Hainetz – Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank.

Hohe Beifangverluste treten aber auch in der Stell- oder Treibnetzfischerei, in Schleppnetzen und in der Langleinenfischerei auf. Eine weitere Gefahr droht ihnen von der sogenannten Sportfischerei, wo sie als beliebte Trophäe herhalten müssen. Andere sterben in Hainetzen, mit denen zahlreiche südafrikanische Badestrände ausgerüstet sind.

Lebensraumverlust und Ausbeutung setzen Bullenhaien hart zu. In der Folge sind die Bestände in den letzten Jahrzehnten um 30–49 % zurückgegangen. Auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten der Weltnaturschutzorganisation IUCN ist die Art als gefährdet mit abnehmender Bestandsentwicklung gelistet.

Neues Bullenhai-Projekt

„Ein Herz für Bullenhaie“ ist bereits unser drittes Bullenhai-Projekt mit Kerstin Glaus auf Fidschi. Diesmal gilt es herauszufinden, ob und wenn ja wo, im Fluss Rewa junge Bullenhaie, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben (young of the year/YOY), und ältere Jungtiere leben. Im Anschluss sollen daraus Konzepte für eine bessere Umsetzung bereits bestehender und eventuell neue Schutzmaßnahmen entstehen.

eDNA-Analyse

Für ihre Untersuchung setzt Kerstin eine clevere, nicht invasive und relativ neue Methode ein: die Analyse von Umwelt-DNA (eDNA). Sie basiert auf der Gewinnung von genetischem Material. Denn jeder Organismus hinterlässt genetische Spuren (DNA) in seiner natürlichen Umgebung. Auf diese Weise lässt sich das Vorkommen selbst seltenster oder schwer auffindbarer Arten in einem Ökosystem effizient untersuchen.

Kerstin Glaus entlässt einen Babyhai nach einer kurzen Untersuchtung in die Freiheit.

Kerstin Glaus lässt einen markierten jungen Bullenhai frei – © Tom Vierus

Daher muss man die jungen Bullenhaie weder einfangen noch aufwendig unter Wasser aufspüren. Auch auf andere gängige Methoden wie den ressourcenintensiven Einsatz ferngesteuerter Unterwasservideokameras mit Ködern kann verzichtet werden.

Aus zeitlich wiederholten Wasserproben isolierte eDNA wird anschließend im Labor vervielfältigt und sequenziert.

Ein Abgleich mit Artendatenbanken liefert dann das Ergebnis. Man weiß dann, welche Arten an einem bestimmten Ort leben oder dort vorbeigeschwommen sind. Zudem lassen sich örtliche und saisonale Schwankungen der Artenzusammensetzung anhand unterschiedlicher eDNA-Konzentrationen nachweisen.

Dringend gesucht: junge Bullenhaie

Aus früheren Arbeiten von Kerstin Glaus wissen wir, dass der Fluss Rewa der wichtigste Lebensraum für neugeborene Bullenhaie in Fidschi ist (siehe Karte mit Bullenhai-Fundstellen).

Fundstellen junger Bullenhaie im Fluss Rewa, Fidschi

aus: Glaus KBJ, Brunnschweiler JM, Piovano S, et al. Essential waters: Young bull sharks in Fiji’s largest riverine system. Ecol Evol. 2019;00:1–12. https://doi.org/10.1002/ece3.5304

Damals gelang es ihr, 161 Neugeborene einzufangen. Sie markierte die Haibabys und ließ sie sofort wieder frei.

Ältere Jungtiere, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben (young of the year/YOY), waren jedoch kaum zu finden. Wo sind sie geblieben? Wo leben sie? Dies wollen wir klären.

Offene Fragen

Haben die kleinen Haie vielleicht gelernt, Netze zu meiden? Oder sterben zu viele in den Netzen lokaler Fischer? Gibt es andere ökologisch für junge Bullenhaie negative Einflüsse, wie Wasserverschmutzung oder Eutrophierung? Finden sie nicht mehr genug Beute?

Bullige Haie

Bullenhaie verdanken ihren Namen nicht nur ihrem bulligen Aussehen. Denn die mitunter bis zu ca. 3,40 m großen Raubfische stoßen potenzielle Beute erst mit ihrem Kopf an. Mit dieser Jagdstrategie (bump and bite) prüfen sie blitzschnell, ob z. B. ein Fisch, den sie in den oft trüben Küsten- und Flussgewässern nur schlecht erkennen können, auch tatsächlich essbar ist. Denn Haie haben keine Hände.

Bullenhai im Shark-Reef Meeresschutzgebiet Fidschi

Bullenhai im Meeresschutzgebiet Shark Reef Marine Reserve, Fidschi – © Valerie Tayler

Dabei sind sie wenig wählerisch: Sie fressen im Prinzip alles, was ihren Weg kreuzt: von Wirbellosen über Knochenfische, Knorpelfische, Seevögel, Meeresschildkröten, Delfine oder Innereien von Walen. Aber auch Landsäugetiere stehen auf ihrem Speiseplan.

Überleben im Süßwasser

Bullenhaie gehören zu den wenigen Haiarten, die auch lange im Süßwasser leben können. So sollen schon Exemplare mehr als 4.000 km landeinwärts im südamerikanischen Amazonas-Flusssystem gesichtet worden sein!

Möglich ist dies, weil sich ihr Organismus an den Salzgehalt des Umgebungswassers anpasst. Je weniger salzhaltig, desto mehr trinken Bullenhaie, mitunter 20-mal mehr als andere Haie.


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Spendenurkunde Projekt „Ein Herz für Bullenhaie“ Für Spenden ab 50 Euro für das Bullenhai-Projekt gibt es eine spezielle Projekturkunde (PDF oder Print).

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Foto oben:
Kerstin Glaus lässt einen markierten jungen Bullenhai frei – © Tom Vierus