Ein Herz für Bullenhaie

Voraussichtliche Lesedauer: 7 minutes

Mit unserem Projekt „Ein Herz für Bullenhaie“ wollen wir gemeinsam mit der Schweizer Meeresbiologin und Haiforscherin Dr. Kerstin Glaus junge Bullenhaie in Fidschi schützen. Denn im Rewa, dem größten Fluss auf Fidschi, gibt es für das Überleben dieser spektakulären Haiart bedeutende Kinderstuben. Zunächst geht es darum, die kleinen Haie und ihre Lebensräume aufzuspüren. Dies geschieht mit einer cleveren, nicht invasiven Untersuchungsmethode: der Analyse von Umwelt-DNA (eDNA). Parallel dazu arbeitet Kerstin Glaus auch für unser neues Projekt „Ein Herz für Geigenrochen“.

Neues Haischutz-Projekt in Fidschi

Ein Herz für Bullenhaie“ ist bereits unser zweites Bullenhai-Projekt mit Kerstin Glaus auf Fidschi. Diesmal gilt es herauszufinden, ob und wenn ja wo, im Fluss Rewa junge Bullenhaie, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben (young of the year/YOY), und ältere Jungtiere leben. Im Anschluss sollen daraus Konzepte für eine bessere Umsetzung bereits bestehender und eventuell neue Schutzmaßnahmen entstehen.

Bullenhai im Shark-Reef Meeresschutzgebiet Fidschi

Bullenhai im Meeresschutzgebiet Shark-Reef Marine Reserve, Fidschi – © Valerie Tayler

eDNA-Analyse

Bei diesem Schutzprojekt für Bullenhaie kommt eine clevere, nicht invasive und relativ neue Methode zum Einsatz: die Analyse von Umwelt-DNA (eDNA). Sie basiert auf der Gewinnung von genetischem Material. Denn jeder Organismus hinterlässt genetische Spuren (DNA) in seiner natürlichen Umgebung. Auf diese Weise lässt sich das Vorkommen selbst seltenster oder schwer auffindbarer Arten in einem Ökosystem effizient untersuchen.

Deshalb muss man junge Bullenhaie weder einfangen noch aufwendig unter Wasser aufspüren. Auch auf andere gängige Methoden wie den ressourcenintensiven Einsatz ferngesteuerter Unterwasservideokameras mit Ködern kann verzichtet werden. Aus zeitlich wiederholten Wasserproben isolierte eDNA wird anschließend im Labor vervielfältigt und sequenziert.

Ein Abgleich mit Artendatenbanken liefert dann das Ergebnis. Man weiß dann, welche Arten an einem bestimmten Ort leben oder dort vorbeigeschwommen sind. Zudem lassen sich örtliche und saisonale Schwankungen der Artenzusammensetzung anhand unterschiedlicher eDNA-Konzentrationen nachweisen.

Dringend gesucht: junge Bullenhaie

Aus früheren Arbeiten von Kerstin Glaus wissen wir, dass der Fluss Rewa der wichtigste Lebensraum für neugeborene Bullenhaie in Fidschi ist (siehe Karte mit Fundstellen). Damals gelang es ihr, 161 Neugeborene einzufangen. Sie markierte die Haibabys und ließ sie sofort wieder frei. Ältere Jungtiere, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben (young of the year/YOY), waren jedoch kaum zu finden. Wo sind sie geblieben? Wo leben sie? Dies wollen wir klären.

Fundstellen im Fluss Rewa, Fidschi

aus: Glaus KBJ, Brunnschweiler JM, Piovano S, et al. Essential waters: Young bull sharks in Fiji’s largest riverine system. Ecol Evol. 2019;00:1–12. https://doi.org/10.1002/ece3.5304

Offene Fragen

Haben die kleinen Haie vielleicht gelernt, Netze zu meiden? Oder sterben zu viele in den Netzen lokaler Fischer? Gibt es andere ökologisch für junge Bullenhaie negative Einflüsse, wie Wasserverschmutzung oder Eutrophierung? Finden sie nicht mehr genug Beute?


Zeigen Sie ein Herz für Bullenhaie!

Für Spenden ab 50 Euro für dieses Haischutz-Projekt gibt es eine spezielle Projekturkunde (PDF oder Print).

Engagieren Sie sich für den Schutz dieser außergewöhnlichen Haie
und dieses einzigartige Haischutzprojekt!


Bullenhaie

Sie tragen kein „Lächeln“ im Gesicht, sind von bulliger Statur und lassen sich so schnell nicht einschüchtern – die Rede ist von Bullenhaien. Man kennt diese Requiemhaie auch als Stierhai oder Sambesihai.

Bullenhai vor Fidschi.

Foto: Terry Goss-2007/Marine Photobank Marine

Als Top-Prädatoren sind sie bedeutend für die Gesundheit von Meeres- und Süßwasserökosystemen und müssen nur wenige natürliche Feinde fürchten. Und doch ist ihr Überleben, wie das vieler anderer Haiarten, gefährdet. Bullenhaie leben entlang von Küsten, Mündungsgebieten und sogar in Flüssen. Sie fühlen sich in Flüssen, Flussmündungen und Seen so wohl, dass sie dort auch ihre Jungen zur Welt bringen.

Ihre Lebensraumnnutzung macht sie allerdings anfällig für die Folgen von Zerstörung und Veränderung von Küstengebieten und Flussläufen. Zudem stehen sie unter enormem Fischereidruck. Bullenhaie, auch junge, werden gezielt befischt. Dabei sind vor allem ihr Fleisch und die Flossen begehrt.

Hohe Beifangverluste treten aber auch in der Stell- oder Treibnetzfischerei, in Schleppnetzen und in der Langleinenfischerei auf. Eine weitere Gefahr droht ihnen von der sogenannten Sportfischerei, wo sie als beliebte Trophäe herhalten müssen. Andere sterben in Hainetzen, mit denen zahlreiche südafrikanische Badestrände ausgerüstet sind.

Toter Bullenhai in Hainetz Provinz KwaZulu-Natal.

Toter Bullenhai in einem Hainetz – Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank.

Artensteckbrief

Warum heißen Bullenhaie Bullenhaie?

Bullenhaie (Carcharhinus leucas) verdanken ihren Namen nicht nur ihrem bulligen Aussehen. Denn sie stoßen potenzielle Beute erst mit ihrem Kopf an. Mit dieser unberechenbaren Jagdstrategie (bump and bite) prüfen sie blitzschnell, ob z. B. ein Fisch, den sie in den oft trüben Küsten- und Flussgewässern nur schlecht erkennen können, auch tatsächlich essbar ist. Denn Haie haben keine Hände.

Wo leben Bullenhaie?

Man findet Bullenhaie vor Amerika im Atlantik und Pazifik, südlich der Sahara vor Afrika, vor Indien, Südostasien und Australien. Weil sie so küstennah leben und zu den Arten gehören, die hin und wieder Menschen angreifen, werden sie gezielt bejagt.

Was fressen Bullenhaie?

Sie fressen im Prinzip alles, was ihren Weg kreuzt: von Wirbellosen über Knochenfische, Knorpelfische, Seevögel, Meeresschildkröten, Delfine oder Innereien von Walen. Aber auch Landsäugetiere stehen auf ihrem Speiseplan.

Wie groß ist ein Bullenhai?

Bullenhai-Männchen sind mit bis zu 2,1 m Länge deutlich kleiner als die die bis zu 3,5 m großen Weibchen.

Wie schwer ist sind Bullenhaie?

Bullenhai-Weibchen können ca. ca. 320 kg schwer sein, während Männchen auf nur etwa 90 kg kommen.

Wieviel Nachwuchs haben sie?

Nach 10 bis 11 Monaten Tragzeit bringt ein Weibchen in geschützten Küstengewässern nur bis zu dreizehn lebendgeborene Jungtiere zur Welt.

Warum können Bullenhaie im Süßwasser leben?

Bullenhaie gehören zu den wenigen Haiarten, die auch im Süßwasser leben. So sollen schon Exemplare mehr als 4.000 km landeinwärts im südamerikanischen Amazonas-Flusssystem gesichtet worden sein! Möglich ist dies, weil sich ihr Organismus an den Salzgehalt des Umgebungswassers anpasst. Je weniger salzhaltig, desto mehr trinken Bullenhaie, mitunter 20-mal mehr als andere Haie.

Gefährdungsstatus

Lebensraumverluste und fischereiliche Ausbeutung setzen dieser Haiart hart zu. In der Folge sind die Bestände in den letzten Jahrzehnten um 30–49 % zurückgegangen. Auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten der Weltnaturschutzorganisation IUCN ist sind Bullenhaie als gefährdet mit abnehmender Bestandsentwicklung gelistet.

Foto oben: Kerstin Glaus lässt einen markierten jungen Bullenhai frei – © Tom Vierus


Ihre Hilfe für den Schutz von Haien