Hai-Forschungsprojekt Philippinen – Zwischenbericht

Nachhaltiger Haitourismus als Alternative zu Haifang und Shark Finning

DSM unterstützt Hai-Forschungsprojekt auf den Philippinen: Im Rahmen seiner Masterarbeit setzt sich der Tropenökologe Julian Engel mit der Entwicklung alternativer Existenzmöglichkeiten in Entwicklungsländern auseinander. Sein Fokus ist der Ökotourismus in Korallenriffen am Beispiel des Pazifischen Fuchshais (Alopias pelagicus) auf der philippinischen Insel Malapascua. Die Hälfte seiner Zeit ist vorbei. Hier zieht er eine Zwischenbilanz.

Am Strand wurde eine geschwächte Oliv-Bastardschildkröte gefunden. Julian Engel (rechts) leitet den „Noteinsatz“ ein. Im Tauchcenter Evolution Diving wurde das Tier dann aufgepäppelt und schon bald wieder in die Freiheit entlassen.

Am Strand wurde eine geschwächte Oliv-Bastardschildkröte gefunden. Julian Engel (rechts) leitet den „Noteinsatz“ ein. Im Tauchcenter Evolution Diving wurde das Tier dann aufgepäppelt und schon bald wieder in die Freiheit entlassen.
Foto: Matt Reed/Evolution Diving

Rückblick auf die bisherigen Projektereignisse

Am 16. September 2016 wurde der Fuchshai im Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) im zweiten Anhang gelistet. Das bedeutet, dass der internationale Handel mit Art nur noch unter strikten Vorgaben eingeschränkt erlaubt ist. Es waren die Philippinen, die diese wegweisende Entscheidung mitgetragen haben, denn hier hat sich auf der kleinen Insel Malapascua im Zentrum der über 7000 Inseln ein Tourismus um den pelagischen Fuchshai (Alopias pelagicus) etabliert.

Tourismus statt Shark Finning und destruktiven Fischereimethoden, ein Erfolgskonzept?

Dieser Frage wollte ich nachgehen und begann meine Recherche. Aus der Idee entwickelte sich ein Konzept und daraus ein Projekt, dass ich über ein Jahr lang leiten sollte. Durch die Unterstützung der Deutschen Stiftung Meeresschutz, des DAADs und der Kellner und Stoll Stiftung für Klima und Umwelt, konnte ich mit meiner Organisation Stop Finning für fünf Monate nach Malapascua reisen. Seit Anfang Oktober bin ich nun hier und habe damit etwa die Hälfte der Zeit hinter mir.

Tauchtourismus ist in den letzten Jahren sehr beliebt geworden (Uyarra et al., 2009), steht aber auch in der Kritik sowohl in Bezug auf die Umwelt, Kultur als auch dahingehend, soziale Ungerechtigkeit zu erzeugen (Daldeniz & Hampton, 2011).

Das Ziel sollte es also sein, einen sowohl sozialen als auch ökologisch nachhaltigen Tourismus zu entwickeln. Neben dem Einfluss des Tourismus, vor allem auf die Fischerei, schaue ich mir diese Aspekte durch Interviews mit verschiedenen Akteuren, die direkt vom Meer abhängen, an. Dazu gehören Touristen, Taucher und Fischer sowohl vom Festland als auch von der Insel selbst.

Welche Faktoren spielen eine besonders wichtige Rolle?

Im Oktober haben wir fast fünfzig Interviews geführt, die als Grundlage dienten, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Faktoren eine besonders wichtige Rolle spielen.

Diese Faktoren haben wir dann weiter analysiert, indem wir mit weiteren Interviewpartner*innen als auch Gruppen Karten erstellten (Gray et al., 2013). In diesen Karten sind die wichtigen Einflüsse auf die sozio-ökologische Dynamik der Insel dargestellt, wodurch wir letztlich simulieren können, wie sich das System entwickelt.

Befragungen der Fischer sind Teil der Forschungsarbeit von Julian Engel.

Befragungen der Fischer sind Teil der Forschungsarbeit von Julian Engel. Foto: Axelle Jorcin (People and the Sea)

Dies kann beispielsweise die Handlungen und Entscheidungen von Menschen beeinflussen. Das Wissen darüber kann dabei helfen, diese nachzuvollziehen und entsprechende Managementstrategien zu entwickeln.

Malapascua ist sicher kein schlechtes Beispiel für Tourismus, doch es gibt viele Bereiche, in denen Verbesserungen wünschenswert wären, ob sich das System langfristig erhalten kann, bleibt abzuwarten. Vor allem in Berücksichtigung auf klimatische Veränderung und der damit erhöhten Frequenz und Stärke von Umweltkatastrophen.
Julian Engel, 19. Dezember 2017
Foto oben: Fuchshai von Nicholas Daniel

 


Daldeniz, B., & Hampton, M. P. (2013). Dive tourism and local communities: Active participation or subject to impacts? Case studies from Malaysia. International journal of tourism research, 15(5), 507-520.

Gray, S. A., Gray, S., Cox, L. J., & Henly-Shepard, S. (2013, January). Mental modeler: a fuzzy-logic cognitive mapping modeling tool for adaptive environmental management. In System Sciences (HICSS), 2013 46th Hawaii International Conference on (pp. 965-973). IEEE.

Uyarra, M. C., Watkinson, A. R., & Cote, I. M. (2009). Managing dive tourism for the sustainable use of coral reefs: validating diver perceptions of attractive site features. Environmental Management, 43(1), 1-16.