Junge Bullenhaie in Fidschi

Publikation der von uns unterstützten Haiforscherin Kerstin Glaus zum besseren Schutz junger Bullenhaie in Flüssen auf Fidschi

In ihrer Studie untersuchte Kerstin Glaus erstmals Auftreten und Häufigkeit junger Bullenhaie (Carcharhinus leucas) in den drei größten Flusssystemen Fidschis. Dabei bestätigte sich: Sie kommen in allen drei untersuchten Flüssen vor.

Die Republik Fidschi ist ein Archipel im Südpazifik. Mindestens 30 Haifischarten einschließlich Bullenhaie sind hier zu finden. Viele sind ansässige Arten. Sie verbringen wahrscheinlich ihr ganzes oder einen großen Teil ihres Lebens innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone Fidschis. Doch Informationen über ihre Geburtsstätten und Kinderstuben gibt es nur für wenige Arten. Wie etwa für jugendliche Bogenstirn-Hammerhaie (Sphyrna lewini).

Haibabys fangen für eine gute Sache

Karte des Mündungsbgebiets der Navua auf Fidschi.

Fanggebiete junger Bullenhaie im Navua-Fluss.

Kerstin Glaus konnte nun im Rahmen ihrer Doktorarbeit die entscheidende Rolle, die die Flusssysteme Fidschis mit den Flüssen Rewa, Sigatoka und Navua für den Arterhalt bei Bullenhaien einnehmen, belegen.

Von Januar 2016 bis April 2018 fing die Haiforscherin 172 junge Bullenhaie. Hinzu kamen 22 Exemplare, die man bei fischereiabhängigen Untersuchungen im Fluss Navua fing. Selbstverständlich wurden alle Haie wieder freigelassen.

Ganz überwiegend handelte es sich um Neugeborene mit einer definierten Geburtszeit im Sommer.

Ein markiertes Bullenhaiweibchen wird freigelassen.

Ein neugeborenes Bullenhaiweibchen wird wieder freigelassen, das vermessen und getaggt wurde. Die Prozedur dauert ca. 40 Sekunden. Die Resultate der Untersuchungen werden entscheidend sein, um kritische Habitate und Hai-Kinderstuben in Fidschi klar zu identifizieren.

Bei allen entnahm Kerstin Glaus Gewebeproben, um das Geschlecht der Tiere festzustellen. Im Ergebnis stehen 99 Männchen (51 %) fast genauso viel Weibchen 95 (49 %) gegenüber.

Einbindung lokaler Fischer

Einheimische Fischer wurden über den Zweck der Untersuchungen informiert und ermutigt, gefangene Haie freizulassen, wenn sie noch leben.

Kinderstube in Gefahr

Karte der Flüsse Rewa und Sigatok auf Fidschi.

Fanggebiete junger Bullenhaie in den Flüssen (a) Rewa und (b) Sigatok.

Kerstin Glaus konnte mit ihrer Forschungsarbeit den Rewa-Fluss als vielleicht wichtigste Kinderstube für neugeborene Bullenhaie auf Fidschi identifizieren. Denn noch vor 10 bis 15 Jahren, das berichten Fischer, kamen kleine und große Bullenhaie auch häufig im Sigatoka-Fluss vor. Heute sind sie hier selten.

Kerstin Glaus vermutet, dass Wetterbedingungen, Baggerarbeiten oder Bergbauaktivitäten den Fluss derart veränderten, dass seine Lebensraumqualität für die kleinen Haie zurückgegangen ist. Als vergleichsweise intakt erwies sich dagegen die Rewa. Hier fing Kerstin Glaus 22 junge Bullenhaie. An einem Tag. Rekord.

Bessere lokale Schutzkonzepte für kleine Haie

Mit der erstmals durchgeführten mehrjährigen Bewertung von drei Flüssen auf Fidschi konnte Kerstin Glaus wesentliche Lebensräume für junge Bullenhaie eingrenzen. Zudem gelang es ihr, wichtige Umweltparameter zu identifizieren, die ihre Verteilungsmuster beeinflussen.

Mit den nun vorliegenden Erkenntnissen lassen sich wirkungsvolle lokale Strategien zum Schutz junger Bullenhaie und ihrer Lebensräume aufstellen.

Dies wird von entscheidender Bedeutung für den Arterhalt sein. Denn auch die Haifischbestände im Südpazifik sind bereits deutlich zurückgegangen. Insbesondere die von Küstenhaien.

Glaus KBJ, Brunnschweiler JM, Piovano S, et al. Essential waters: Young bull sharks in Fiji’s largest riverine system. Ecol Evol. 2019;00:1–12. https ://doi. org/10.1002/ece3.5304

Meerwissen für Schlauberger – Bullenhaie

Bullenhaie (Carcharhinus leucas) gehören zu den ganz wenigen Haiarten, die auch im Süßwasser leben. Man kennt den über 3 m langen Requiemhai auch als Stierhai oder Sambesihai.

Bullenhaie beim Synchronschwimmen.

Bullenhaie beim Synchronschwimmen.
Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank

Diese imposanten Knorpelfische fühlen sich in Flüssen, Flussmündungen und Seen so wohl, dass sie dort auch ihre Jungen zur Welt bringen. Hier, in geschützten Küstengewässern, entlassen die Weibchen nach 10 bis 11 Monaten Tragzeit ein bis dreizehn lebendgeborene Jungtiere.

Doch ihre Vorliebe für Süß- oder Brackwasserlebensräume macht es ihnen heute schwer. Zwar sind junge Bullenhaie hier vor Fressfeinden gut geschützt. Anthropogenen Einflüssen jedoch, wie Fischfang, Wasserverschmutzung, Baggerarbeiten oder Eutrophierung können sie nicht entkommen.

Bullenhai-Männchen sind mit ihrer Körpergröße von bis zu 2,1 m Länge und ihren ca. 90 kg Gewicht deutlich kleiner als die bis zu 3,5 m großen und ca. 320 kg schweren Weibchen. Man findet diese Haiart vor Amerika im Atlantik und Pazifik, südlich der Sahara vor Afrika, vor Indien, Südostasien und Australien.

Da sie recht küstennah leben und zu den Arten gehören, die hin und wieder Menschen angreifen, werden sie häufig gezielt bejagt oder verenden in zum Schutz von Stränden aufgestellten Hainetzen.