Philippinen: Nachhaltiger Haitourismus

Voraussichtliche Lesedauer: 9 Minuten

Im Rahmen seiner von uns geförderten Masterarbeit setzt sich Julian Engel mit der Entwicklung nachhaltiger und alternativer Existenzmöglichkeiten in Entwicklungsländern auseinander. Sein Fokus ist der Öko- und Haitourismus in Korallenriffen am Beispiel des Pazifischen Fuchshais (Alopias pelagicus) auf der philippinischen Insel Malapascua. Dort sind Fuchshaie DAS Highlight für Tauchtouristen. Denn in den Korallenriffen gibt es eine „Putzerstation“. An dieser lassen sich Haie von Putzerfischen (Labroides dimidiatus) Hautparasiten entfernen.

Haitourismus als Alternative zu Haifang und Shark Finning

Auf der nur ca. 2 Kilometer langen und etwa 800 m breiten Insel ist der Tourismus noch relativ jung. Die meist ausländischen Tauchresorts bieten den Einwohnern alternative Einkommensquellen und einen besseren Lebensstandard. Zuvor lebte die Inselbevölkerung hauptsächlich vom Fischfang. Dabei kam illegal auch immer wieder Dynamit zum Einsatz.

Auf der philippinischen Insel Malapascua erforschte Julian Engel Möglichkeiten zu nachhaltigem Haitourismus.
Foto: Robert Marc Lehmann

Oder es wurde das sogenannte Shark Finning praktiziert. Dabei werden Haien bei lebendigem Leibe die Flossen abgeschnitten. Dann wirft man sie lebend aber bewegungsunfähig zurück ins Meer. Beide Methoden findet man auch heute noch auf anderen Inseln der Philippinen.

Pazifische Fuchshaie

Am Anfang von Julian Engels Überlegungen stand dabei ein ganz besonderer Hai: Der Pazifische Fuchs- oder Drescherhai (Alopias pelagicus). Diese mit einer überaus imposanten Schwanzflosse ausgerüsteten Haie leben in Tiefen, in die der Mensch nur selten vordringt. Ihren Alternativnamen „Drescherhaie“ verdanken sie ihrer riesigen Schwanzflosse. Denn deren oberer Lappen kann so lang wie der restliche Körper sein. Er wird mit kräftigen Schlägen bei der Beutejagd eingesetzt.

Tote Fuchshaie.

Tote Fuchshaie. Foto: Matthew D Potenski, MDP Photography/Marine Photobank

Vor Malapascua können Taucher Drescherhaie aus nächster Nähe bewundern. Denn in den Korallenriffen gibt es „Putzerstationen“. Hier befreien spezialisierte Putzerfische (Labroides dimidiatus) die Haie von Hautparasiten. Geduldig schwimmen Fuchshaie hier „Schlange“, bis sie an der Reihe sind. Es ist ein Top-Highlight für Tauchtouristen aus der ganzen Welt.

Der Pelagische oder Pazifische Fuchshai ist mit bis zu 3,3 m Länge der kleinste der drei Fuchshai-Arten. Fuchshaie sind auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet gelistet. Seit 2017 stehen sie auf Anhang II des Washingtoner Artenschutzüberkommens (CITES). „Vielerorts sind die Haibestände erschöpft. Obwohl ein Hai lebend einen viel größeren ökonomischen Wert besitzt als tot“, erklärt Julian Engel, der sich im Vorstand der NGO „Stop Finning“ für den Schutz von Haien engagierte.

Wege zum schonenden Umgang mit dem Lebensraum Meer

Julians Arbeit, der heute für die Meeresschutzorganisation OceanMind in England arbeitet und sich für nachhaltige Fischerei einsetzt, hatte etliche positive „Nebenwirkungen“. Sie stieß bei Einheimischen und Experten auf großes Interesse. Dank seiner Arbeit wurden außerdem erste Schritte für ein marines Schutzgebiet eingeleitet.

Umweltwissenschaftler und Haischützer Julian Engel.

Foto: Robert Marc Lehmann


Erfahrungsbericht von Julian Engel zu seinem Einsatz auf den Philippinen:

Mit nachhaltigem Haitourismus Korallen und Haie schützen

Fünf Monate habe ich die sozio-ökologischen Folgen und Wahrnehmungen von Menschen auf der vom Haitourismus stark beeinflussten Insel Malapascua und der nebenliegenden Region in Cebu untersucht. Vor allem interessierte mich dabei, welche Probleme existieren. Wie die Menschen diese wahrnehmen. Welche Rolle der Tourismus in Bezug auf illegale Fischerei, vor allem in Form der Dynamitfischerei spielt.

Nun sind es schon zwei Monate, seit ich von den Philippinen zurück bin. In einem Monat geht es wieder zurück. Ich bin gespannt, inwieweit meine Forschungsergebnisse zu nachhaltigem Haitourismus von der Bevölkerung angenommen und übernommen wurden.

Ein neues Meeresschutzgebiet?

In meinem letzten Treffen mit den Fischern hieß es schließlich, dass ein neues Meeresschutzgebiet rund um Chocolate Island im Südwesten von Malapascua eingerichtet werden soll.

Befragungen der Fischer sind Teil der Forschungsarbeit von Julian Engel zum nachhaltigen Haitourismus.

Befragungen der Fischer sind Teil der Forschungsarbeit von Julian Engel. Foto: Axelle Jorcin (People and the Sea)

Einige Treffen und ein umfangreicher Austausch mit den Gemeinden führten dazu, dass die Fischer selbst zu diesem Entschluss kamen. Jedoch stellt sich die Frage, ob die lokale Regierung auf die Stimmen der Bevölkerung hört. Ein solches Ergebnis könnte als erster Meilenstein dienen, um Lösungen für den Haitourismus, den Tourismus und die illegale Fischerei zu finden. In meiner Arbeit werde ich hierzu Konzepte und Managementstrategien vorstellen.

Dank der DSM, der Kellner & Stollstiftung für Klima und Umwelt, dem DAAD und Stop Finning Deutschland e.V. konnte ich während der Studie meinen Fokus voll und ganz auf die Datenerhebung legen.

Interviews und Gruppensitzungen über nachhaltigen Haitourismus

Das Ergebnis waren über 150 Interviews, mehrere Gruppensitzungen und repräsentative Datenreihen. Diese gilt es noch zu analysieren, wofür ich die Zeit im Moment nutze. Es ist ein sehr spannendes Projekt.

Julian Engel (rechts) führte im Rahmen seiner Forschungsarbeit zahlreiche Gespräche mit Einheimischen.

Foto: Robert Marc Lehmann

Gerade in Zeiten von globalen Bedrohungen der Meeresumwelt durch die Klimakatastrophe, Überfischung, Verschmutzung, Versauerung und Todeszonen im Ozean wird es Zeit, Lösungen zu finden. Lösungen, in denen auch Probleme der sozialen Ungerechtigkeit und die Lebenswelt der lokalen Bevölkerung berücksichtigt werden.

Dies ist eine schwere Aufgabe. Sie muss mit großem Aufwand und Engagement von lokalen Institutionen und Touristikveranstaltern angegangen werden. Doch die Wünsche und Bedürfnisse der Gäste laufen an vielen Urlaubsorten entgegen einer nachhaltigen Nutzung. Deshalb steigt der Konsum. Genauso wie die Anzahl der Urlauber. Folglich auch die Flüge zu diesen Orten, die am stärksten vom Klimawandel und dem damit einhergehenden Meeresspiegelanstieg bedroht sind. Eine Möglichkeit, diesem Trend ein Stück entgegenzuwirken, ist beispielsweise, eine Ausgleichsmaßnahme zu buchen.

Am Strand wurde eine geschwächte Oliv-Bastardschildkröte gefunden. Julian Engel (rechts) leitet den „Noteinsatz“ ein. Im Tauchcenter Evolution Diving wurde das Tier dann aufgepäppelt und schon bald wieder in die Freiheit entlassen.

Am Strand wurde eine geschwächte Oliv-Bastardschildkröte gefunden. Julian Engel (rechts) leitet den „Noteinsatz“ ein. Im Tauchcenter Evolution Diving wurde das Tier dann aufgepäppelt und schon bald wieder in die Freiheit entlassen. Foto: Matt Reed/Evolution Diving

Wir sind Teil des Problems, lasst uns auch ein Teil der Lösung sein!
Julian Engel, Mai 2018

Die Publikation seiner Arbeit wird auch der lokalen Politik zur Umsetzung eines nachhaltigen Haitourismus zur Verfügung gestellt. Daher wird er bei seinem Projekt auch von der lokalen NGO „People and the Sea“ unterstützt.

Foto oben: Fuchshai von Nicholas Daniel

Ihre Spende für den Haischutz!

Toter Hai hängt in einem Fischernetz, Fidschi

Sterben die Haie, stirbt das Meer! Helfen Sie bedrohten Haien.


CAMPUS PREIS 2020 für Julian Engel

Campus Preis.

Im Sommer 2020 erhielt Julian Engel für seine Forschungsarbeit den renommierten „CAMPUS PREIS: Forschen für nachhaltige Zukunft“ der Universität Bremen. Teile des Preisgeldes in Höhe von 1.000 € stiftete er an „People and the sea“. Damit unterstützt Julian Engel Einheimische, deren touristische Aktivitäten von der Coronakrise betroffen sind.

Wir müssen lernen, einander mehr zuzuhören

Jurymitglied Fabio Nicoletti vom Vorstand des Vereins Alumni der Universität Bremen lobt die Masterarbeit für ihre „ausgewogene Berücksichtigung aller Dimensionen der Nachhaltigkeit“. Auch die kritische Reflexion der eigenen Forschungsergebnisse und die darauf aufbauenden Überlegungen zu Alternativen und deren Konsequenzen hätten die Jury beeindruckt. „Hinzu kam Julian Engels umsichtige, kulturell-sensible Art, mit der er den Wissensaustausch mit der lokalen Bevölkerung, Offiziellen und Nichtregierungsorganisationen eigenständig und mit großem persönlichen Einsatz organisiert und umgesetzt hat“, so Nicoletti.

„Ich verbinde mit der Auszeichnung und meiner Arbeit vor allem, dass wir interdisziplinäre Ansätze brauchen, um Ziele in der Nachhaltigkeit zu erreichen“, sagt Julian Engel. „Wir müssen lernen, einander mehr zuzuhören und mit Verständnis und Zuneigung aufeinander zuzugehen, um voneinander zu lernen.“

Inzwischen arbeitet Engel für die Meeresschutzorganisation OceanMind in England und setzt sich für nachhaltige Fischerei ein.


Über den CAMPUS PREIS

Der CAMPUS PREIS zeichnet herausragende, auf dem Campus der Universität Bremen erstellte Abschlussarbeiten aus, die sich thematisch der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, dem Schutz der Umwelt, des Klimas und der Meere widmen. Die Auszeichnung wurde 2016 ins Leben gerufen und wird einmal im Jahr von der KELLNER & STOLL-STIFTUNG FÜR KLIMA UND UMWELT, dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), der Universität Bremen und dem Verein Alumni der Universität Bremen ausgelobt. Sie ist mit insgesamt 3.000 Euro dotiert.


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