Forschungsprojekt „Schnecken und Mangroven“ – Südafrika

Zur ökologischen Funktion von Schnecken in Mangrovenwäldern

Im Kleinen ist oft Großes verborgen. So wird der ökologischen Funktion sogenannten Kleingetiers wie Krebsen oder Schnecken viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dies gilt in besonderem Maße für Mangrovenwälder. Daher will Niklas Reinhardt, Biologiestudent der Uni Bremen (Studiengang International Studies in Aquatic Tropical Ecology des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT)), mit seiner Masterarbeit zur ökologischen Funktion von Schnecken in Mangrovenwäldern dazu beitragen, die Prozesse in diesem Ökosystem besser zu verstehen.

Wir unterstützen dieses wichtige Projekt, das im Oktober 2019 an der Küste von KwaZulu-Natal in Südafrika begann. Denn im Ergebnis sollen Umwelt- und Ressourcenschutz sowie eine nachhaltige Entwicklung weiter vorangetrieben werden.

Die können einfach alles!

Forschungsprojekt Niklas Reinhardt Schnecken und Mangroven Südafrika.

Aufgrund ihres zahlreichen Vorkommens nehmen Schnecken einen großen Anteil der Biomasse in Mangroven ein und sind dadurch ein essenziell wichtiger Bestandteil des Ökosystems

Mit ihren vielfältigen Funktionen belegen Schnecken alle Stufen der Mangroven-Nahrungsnetze. Mal als Beutemacher (Prädatoren), dann als Pflanzenfresser (Herbivoren) oder Zersetzer (Destruenten) und schließlich sind sie auch noch Filtrierer.

Aufgrund ihrer grabenden, zersetzenden und filtrierenden Eigenschaften sind sie an zentralen Recyclingprozessen von organischen Materialien beteiligt. Somit beeinflussen diese nur auf den ersten Blick recht unscheinbaren Lebewesen sowohl Strukturen als auch ökologische Funktionen von Mangroven.

Bioindikator Schnecke

Forschungsprojekt Niklas Reinhardt Schnecken und Mangroven Südafrika.

Schnecken sind, nach Krebsen, die am zweithäufigsten in Mangrovenwäldern vorkommenden wirbellosen Tiere

Menschengemachte Stressoren, wie erhöhter Nährstoffeintrag oder starke Wasserverschmutzung, beeinflussen die Artenvielfalt von Schneckengemeinschaften und ihre Verbreitung. Denn die meisten Arten sind endemisch. Folglich gibt es für sie keine Möglichkeit, auf andere Habitate auszuweichen.

Schnecken sind also sehr gute Bioindikatoren für den Zustand von Mangrovenstandorten. Ihre ökologische Bedeutung wurde zwar bereits mehrfach hervorgehoben, qualitative Daten sind jedoch rar.

Für erfolgreiche und effiziente Management- und Schutzstrategien sind jedoch unbedingt mehr Daten zum ökologischen Zusammenspiel von Schnecken und Mangroven erforderlich.

Mangroven in Südafrika

Karte Forschungsprojekt Niklas Reinhardt Schnecken und Mangroven Südafrika.

Wie überall auf der Welt, wurden Mangroven auch in Südafrika in der Vergangenheit stark dezimiert. Heute dagegen sind immerhin im nordöstlichen Teil Südafrikas die meisten verbleibenden geschützt. Wohingegen eine Vielzahl der südöstlichen Standorte noch immer ungeschützt sind.

In Südafrika gibt es Mangroven ausschließlich entlang der Ostküste in der Provinz KwaZulu-Natal. Dort bedecken sie etwa 1 % der gesamten Landmasse und sind als kleinster und seltenster Waldtyp klassifiziert.

Insgesamt gibt es noch 37 Mangrovenwälder. Sie befinden sich in Mündungsgebieten, Lagunen oder Gezeitenbecken. 17 der südafrikanischen Mangrovenwälder verfügen über eine ständig offene Verbindung zum Indischen Ozean.

Was machen die denn da? – Schnecken und Mangroven

Bei der Feldarbeit in KwaZulu-Natal in Südafrika will Niklas Reinhardt mindestens sechs Mangrovenstandorte näher unter die Lupe nehmen. „Durban Bay“ beispielsweise repräsentiert einen Standort der stark geschädigt ist. Im Gegensatz dazu sind die Mangroven in „Mlalazi“ noch relativ unberührt.

Zusätzlich zur Erfassung der Schnecken sollen Experimente im Feld und im Labor stattfinden. Dabei gilt es, Sedimente unter Einfluss und ohne Einfluss von Schnecken zu untersuchen.

Besserer Schutz für Mangrovenwälder

Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit sollen wichtige Erkenntnisse für die ökologische Funktion von Schnecken im Ökosystem Mangrovenwald liefern. Mit diesen Kenntnissen könnten Mangrovenwälder zukünftig effizienter geschützt werden.
Zusammengestelt aus Informationen des Förderantrags von Niklas Reinhardt