Forschungsprojekt „Schnecken und Mangroven“ – Südafrika

Welche Auswirkungen haben Schnecken, wie die Kegel-Mangrovenschnecke, auf Sedimente in Mangroven und wie sieht ihr Verbreitungsgebiet entlang der Ostküste von KwaZulu-Natal in Südafrika aus? Diesen zwei zentralen Forschungsfragen bin ich im Rahmen meiner Masterarbeit nachgegangen. Während meines – auch von der DSM unterstützten – sechsmonatigen Aufenthalts in Südafrika hatte ich die Gelegenheit, vier verschiedene Mangrovenstandorte (Durban Bay, Beachwood, Isipingo und Umlalazi) entlang der Ostküste von KwaZulu-Natal zu untersuchen.

Schnecken und Mangroven

An einem Mangrovenstamm kletternde Kegel-Mangrovenschnecken (Cerithidea decollata).

Kegel-Mangrovenschnecken (Cerithidea decollata) – Foto: Niklas Reinhardt

Es wurden die Artenvielfalt und Verbreitung von Schnecken in Beständen der Grauen Mangrove (Avicennia marina) und der Schwarzen Mangrove (Bruguiera gymnorhiza) quantifiziert.

Ein Feldexperiment in einem Avicennia-marina-Bestand in Umlalazi ermöglichte es, die Auswirkungen von Schnecken auf die Sedimentatmung in Mangrovenwäldern, den Gehalt an organischen Substanzen und die Korngrößenverteilung über einen Zeitraum von 10 Wochen zu analysieren.

Artenarmut durch menschengemachte Stressoren?

Die zwischen Boden und Mangrovenstämmen kletternde Kegel-Mangrovenschnecke (Cerithidea decollata) konnte als einzige Schneckenart identifiziert werden. Im Naturschutzgebiet Umlalazi waren Kegel-Mangrovenschnecken am häufigsten. Wohingegen in Beachwood und Durban Bay nur relativ kleine Populationen dokumentiert wurden.

Schnecken in den Mangroven in Isipingo konnten nicht nachgewiesen werden. Die genauen Ursachen für die beobachtete Artenarmut bleiben ungeklärt. Allerdings dürfte die unmittelbare Nähe der drei Standorte Durban Bay, Beachwood und Isipingo zur Großstadt Durban einen Einfluss auf die Artenvielfalt in den Mangroven haben.

Eine Verschmutzung (u. a. durch urbane und industrielle Abwässer) und Zerstörung der Lebensräume war an allen drei Standorten zu beobachten.

Schnecken und Mangroven: Die Kegel-Mangrovenschnecken

Die Kegel-Mangrovenschnecke gilt als eine relativ widerstands- und anpassungsfähige Art und kann daher trotz anthropogener Störfaktoren existieren.

Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass Populationen, die menschengemachten Stressoren ausgesetzt sind, deutlich kleiner sind im Vergleich zu Populationen in streng geschützten Mangroven. Dies war z. B. in Umlalazi der Fall.

Schneckenschleim mit Klebefunktion

Das Feldexperiment in Umlalazi konnte nach 10 Wochen Laufzeit mit einer sehr interessanten Erkenntnis abgeschlossen werden: Schneckenschleim klebt!

Forschungsprojekt Schnecken in Mangrovenwäldern, Blick in einen Untersuchungskäfig.

Blick in einen Untersuchungskäfig – Foto: Niklas Reinhardt

Eine Analyse der Kerngrößenverteilung verdeutlichte, dass der Anteil der Sedimentpartikel der Größenklasse Sand (0.063 – 2 mm) unter dem Einfluss von Kegel-Mangrovenschnecken am Ende des Experiments signifikant angestiegen war.

Dieses Ergebnis zeigt, dass der Schneckenschleim feinere Partikel zu größeren Partikeln zusammenfügt. Der ansteigende Sandanteil kann der Erosion entgegenwirken – der Abtransport von feinen Partikeln durch die Gezeiten ist geringer.

Karte Forschungsprojekt Niklas Reinhardt Schnecken und Mangroven Südafrika.

Darüber hinaus wird möglicherweise die Sedimentation von sehr feinen Partikeln dadurch begünstigt, dass Partikel am Schleim haften bleiben.

Schnecken und Mangroven: Klebrige Erkenntnis

Auswirkungen auf die Sedimentatmung und den Gehalt an organischen Substanzen ließen sich nicht nachweisen. Allerdings bedeutet dies nicht, dass Schnecken keinen Einfluss darauf haben.

Dadurch, dass Kegel-Mangrovenschnecken sehr mobil sind und auf der Sedimentoberfläche regelmäßig nach Nahrung suchen, ist es wahrscheinlich, dass sie bei der Verwertung organischer Stoffe eine wichtige Rolle spielen. Zudem beeinflussen sie die mikrobielle Aktivität in den Sedimenten. Möglicherweise jedoch war die experimentelle Laufzeit nicht lang genug, um diese Prozesse erfassen zu können.

Am Ende bleibt die klebrige Erkenntnis, dass Kegel-Mangrovenschnecken eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung von Sedimenten in Mangrovenwäldern spielen. Vielleicht offenbaren diese auf den ersten Blick recht unscheinbaren Tiere noch weitere Talente, wenn wir ihnen in Zukunft mehr Aufmerksamkeit schenken.

Master-Forschungsprojekt Schnecken und Mangroven in Südafrika, Untersuchungskäfige.

Fotos: Niklas Reinhardt