Forschungsprojekt Mangroven auf Riffdächern

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Manchmal wachsen Mangroven auch dort, wo man sie am wenigsten erwartet. In Fidschi sogar auf Riffdächern! Theresa-Marie Fett und Hannah von Hammerstein, Studentinnen der Universität Bremen, Fachbereich 2 (Biologie), gingen diesem Phänomen im Rahmen ihrer von uns geförderten Masterarbeit nach. Denn man weiß so gut wie nichts darüber. Wissenschaftliche Partner sind die Arbeitsgruppe Mangrovenökologie und die Arbeitsgruppe Riffsysteme des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung in Bremen (ZMT) sowie Dr. Stuart Kininmonth von der University of the South Pacific (USP) auf Fidschi.

Was machen Mangroven auf dem Riff?

Auf einem Riffdach in der Nähe von Suva, Fidschi, hat man relativ junge Mangrovenbäume entdeckt. Und sie scheinen sich dort auszubreiten. Doch ein derartiges Vorkommen an dieser Stelle einer Riffstruktur ist nicht nur sehr ungewöhnlich, sondern wurde in der Literatur noch nie erwähnt. Im Rahmen ihrer Masterarbeit im Studiengang „International Studies of Aquatic Tropical Ecology“ erforschten die jungen Biologinnen die ungewöhnliche Lebensgemeinschaft. Dabei hofften sie auch, neue, bislang nicht bekannte Möglichkeiten für Aufforstungsprogramme für Mangrovenwälder zu finden.

Mangroven auf Riffdächern: Übersicht des Forschungsgebietes und die Entwicklung der Mangrovenbaum-Abundanz über einen Zeitraum von 9 Jahren.

Bedeutung der ungewöhnlichen Koexistenz aus ökologischer und ökonomischer Sicht

Theresa-Marie Fett und Hannah von Hammerstein nahmen die ökologische Bedeutung der ungewöhnlichen Koexistenz von Riff und Mangroven unter ihre wissenschaftlichen Lupen.

Forschungsprojekt Mangroven auf Riffdächern: Layout des Versuchsaufbaus an einem Mangrovenbaum.

Layout des Versuchsaufbaus an einem Mangrovenbaum.

Denn Mangroven auf Riffdächern können als Kinderstube für ökologisch und wirtschaftlich wichtige Arten nicht nur das Habitat verändern und bereichern. Zusätzlich beugen sie durch Steigerung der Sedimentationsraten der lokalen Küstenerosion vor. Somit wäre diese Lebensgemeinschaft besonders schützenswert. Die Resultate der Forschungsarbeit teilten die jungen Biologinnen mit lokalen Interessenvertretern. Damit sollte ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung des Gebietes geleistet werden.

Leitstudie zur Anwendung neuer Technologien für Riffforschungs-Projekte

Für ihre Studie zogen die Biologinnen gekonnt alle Register moderner Technik. So installierten sie zu Vergleichsstudien Mangrovenimitate aus PVC-Rohren auf einem Riffdach. Sie ähneln in ihrer Struktur Mangrovenbäumen. Jedoch geben sie keinerlei organische Stoffe in die Umgebung ab.

Forschungsprojekt Mangroven auf Riffdächern: Modell eines Mangrovenimitats aus PVC-Rohren

Modell eines Mangrovenimitats aus PVC-Rohren.

Auf Backsteinen mit wasserfestem Kleber befestigte Gipswürfel dienten zur Berechnung der Wellendämpfungseigenschaften. Zusätzlich wurden Einträge von organischem Kohlenstoff, Sauerstoffgehalt und Nährstoffkonzentration gemessen, analysiert und verglichen. Auch Häufigkeit und Verhaltensmuster von Jungfischen in beiden Habitaten werden ausgewertet.

Von Drohnen aufgenommene Luftbilder runden die Studie durch ein zweidimensionales Modell des Forschungsgebiets ab. „Die technologischen Fortschritte der letzten Jahre, insbesondere auf dem Gebiet der Fernerkundung, bieten spannende Möglichkeiten, um die Habitat- und Ökosystemforschung effektiver und präziser zu machen. Zum Beispiel durch das Erstellen detaillierter bathymetrischer Karten. Wir erwarten, dass die Anwendung der Luftbildmessung in Riffsystemen das Management dieses Gebietes verbessern und vereinfachen kann“, hoffen Theresa-Marie Fett und Hannah von Hammerstein.

Resultate von globaler Relevanz

Auf Fidschi gibt es bereits Mangroven-Aufforstungsprogramme. Diese können nun mit den positiven Effekten der Ausbreitung von Pionier-Mangrovenbäumen in einem Riffgebiet ergänzt und aufgewertet werden. Das wird nicht nur in Fidschi auf großes Interesse stoßen. Wahrscheinlich existieren auch in anderen tropischen Gebieten diese seltsamen Lebensgemeinschaften. Somit sind die Resultate des Projekts von globaler Relevanz. Daher suchten die beiden Forscherinnen parallel weltweit mit Satellitenbildern nach ähnlichen Vorkommen von Mangroven auf Riffdächern.

Positive Effekte, wohin man blickt

Es gibt zahlreiche Studien, die sich mit Mangroven oder Korallenriffen befassen. Doch die Kombination beider Ökosysteme – Mangroven auf Riffdächern – ist kaum erforscht.

Mangroven siedeln auf dem Riffdach, Fidschi.

Als natürliche Barriere gegen Wellengang und Stürme haben Mangrovenwälder eine herausragende Küstenschutzfunktion.

Jedoch ist das Verständnis für diese Ökosysteme besonders in der heutigen Zeit wichtig. Überfischung hat das ökologische Gleichgewicht der Meere ins Wanken gebracht. Die Klimakrise gefährdet durch den Anstieg des Meeresspiegels und fördert Intensität und Häufigkeit von Stürmen insbesondere in Küstenregionen. Zusätzlich dienen Mangrovenwälder wie ein Biodiversitäts-Hotspot unzähligen Fisch- und Wirbellosearten, Vögeln und Reptilien als sichere Aufwuchs- und Schutzrefugien.

„Mangrovenbestände gehen weltweit zurück. Daher ist es von großer Dringlichkeit, weitere dieser wertvollen Gebiete auf globaler Ebene zu identifizieren. Sowie das Verständnis ihrer ökologischen Dynamiken zu ergänzen und dieses Wissen auch weiterzuvermitteln. Dazu wollen wir mit unserem Projekt beitragen“, betonen die beiden engagierten Biologinnen.

Nach Informationen aus dem Förderantrag „Das Vorkommen und die Rolle von Mangrovenbäumen auf Riffdachbereichen“ von Theresa-Marie Fett und Hannah von Hammerstein, Universität Bremen, Fachbereich 2 (Biologie), aus dem auch die Grafiken und Illustrationen stammen.

Fotos, soweit nicht anders angegeben: Pixabay

Erhalt und Renaturierung von Mangrovenwäldern

Auf dem Heimweg von der Feldarbeit, Fluss Rewa, Fidschi.

Engagieren Sie sich für den Erhalt unverzichtbarer Küstenökosysteme. Für den Klimaschutz! Für den Küstenschutz! Für die Artenvielfalt!


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