Küstenökosysteme in Kolumbien

Von April bis Ende Juli 2022 führte die angehende Meeresbiologin Soyla Kraus auf Isla Barú in Kolumbien Feldstudien zu ihrer Masterarbeit „Identifizierung des Einflusses von Eigentumsrechten und Management auf vegetationsreiche Küstenökosysteme“ durch. Wir förderten dieses Masterprojekt der Universität Bremen Studiengang „International Studies of Aquatic Tropical Ecology“ (ISATEC) und dem Verbundprojekt sea4soCiety.

Isla Barú

Die Halbinsel Barú liegt südlich der Stadt Cartagena an der kolumbianischen Karibikküste. Es gibt hier noch ausgedehnte Mangrovenwälder sowie weitläufige Sandstrände. Im nördlichen Teil befindet sich der Nationalpark „Corales del Rosario y San Bernardo“. Er erstreckt sich hauptsächlich auf das Meer und die auf der westlichen Seite gelegenen tidebeeinflussten Bereiche der Halbinsel. Die Halbinsel ist bei in- wie ausländischen Touristen ein gefragtes Urlaubsziel in Kolumbien.

sea4soCiety: Für den Klimaschutz – für die Artenvielfalt – für den Küstenschutz

Die Masterarbeit von Soyla Kraus ist Teil des Verbundprojekts sea4soCiety. Hierbei geht es um die Entwicklung innovativer und gesellschaftlich akzeptierter Ansätze zur Verbesserung der CO2-Speicherkapazität vegetationsreicher Küstenökosysteme in tropischen und gemäßigten Breiten wie Mangrovenwäldern, Seegraswiesen, Salzmarschen oder Tangwäldern. Denn sie können für lange Zeiträume gewaltige Mengen Kohlendioxid (CO2) als „blauen Kohlenstoff“ (blue carbon) speichern. Doch viele dieser Küstenökosysteme wurden zerstört oder degradiert. Deshalb sank ihre globale Kapazität zur Verringerung von Treibhausgasemissionen drastisch. Gleichzeitig verloren die Ozeane Hotspots der marinen Artenvielfalt.

Mangroven am Strand.

Weltweit verlieren Küstenbewohner ihre Nahrungsgrundlage oder wegen des Verlusts der Küstenschutzfunktionen intakter Küstenökosysteme ihre Heimat. Nicht von ungefähr schätzen Experten, dass die Senkung der Gefahren des weltweiten Anstiegs des Meeresspiegels und der damit verbundenen negativen Folgen für die Küstenbevölkerung eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit ist. © pixabay

Forschungsstandorte von sea4soCiety sind die deutsche Nord- und Ostseeküste, die indonesische See und die Karibik. Hauptfokus liegt darin, diese wertvollen Ökosysteme im Einklang mit der lokalen Bevölkerung wiederaufzubauen. Dadurch will man die Kapazität der vor Ort noch vorhandenen CO2-Senken vergrößern. Damit einher geht die Aufwertung von Lebensräumen und Kinderstuben für unzählige Arten von Meerestieren, die auf vegetationsreiche Küstenökosysteme wie Mangroven angewiesen sind. Zusätzlich werden die Nahrungssicherheit der Küstenbevölkerung und der Küstenschutz gesichert und aufgewertet.

Artenreiche Küstenökosysteme in Kolumbien

Kolumbien hat Zugang zum Pazifischen Ozean und zum Karibischen Meer. Das Land verfügt über umfang- und artenreiche Küstenökosysteme. Allerdings sind sie durch verschiedenste menschliche Aktivitäten und die Klimakrise in Gefahr.

Pelikan im Mangrovenwald Isla Baru, Kolumbien

Pelikan im dichten Mangrovenwald auf Isla Barú, Kolumbien. Foto: Carolina Hortua

Kolumbien hat zwar mehr als 10 % seiner Landesfläche und Küsten, die von besonderer Bedeutung für die biologische Vielfalt und für Ökosystemleistungen sind, unter Schutz gestellt. Doch wie erreicht man, dass unter besonderem Nutzungsdruck stehende Schutzgebiete in der Praxis nachhaltig und effizient sind? Dieser Frage geht Soyla Kraus in ihrer Masterarbeit nach. Dazu arbeitete sie im sea4soCiety-Forschungsgebiet auf der südlich von Cartagena gelegenen Halbinsel Isla Barú an der kolumbianischen Karibikküste.

Ökosystem-Design vegetationsreicher Küstenökosysteme

Als Ökosystem-Design ist bei sea4soCiety-Projekten die mit menschlichem Einsatz potenziell sicher erfolgende Rehabilitation vegetationsreicher Küstenökosysteme definiert. Das kann allerdings nur funktionieren, wenn man die dort lebenden Menschen und ihre unterschiedlichen Interessen konfliktvermeidend einbezieht, ihre Bedürfnisse und Anforderungen anhört und damit arbeitet.

„Es ist von höchster Wichtigkeit, Einblicke in die lokale Gesellschaft zu bekommen und eng mit ihr zusammenzuarbeiten, um ein Rehabilitierungsdesign zu erstellen, welches nicht nur für die Kohlenstoffspeicherung, sondern ebenfalls für die Gesellschaft, ihre Lebensgrundlagen und ihr Wohlsein nutzbringend ist“.

Soyla Kraus
Soyla Kraus mit Forschungsassistentin bei einem ihrer Interviews auf Isla Baru, Kolumbien.
Soyla Kraus mit Forschungsassistentin Carolina Hortua bei einem ihrer Interviews auf Barú.
Sedimentkern zur Kohlenstoff-Analyse.
Ein Sedimentkern aus 0-50cm Tiefe wird nach Beschaffenheit aufgeteilt, um anschließende Kohlenstoff Analysen durchzuführen – © Carolina Hortua
Befreiung einer großen Krabbe „cangrejo rojo“ aus einem Fischernetz.
Befreiung einer großen „cangrejo rojo“ Krabbe, die sich in einem Fischer-Netz verfangen hatte und befreit werden musste. Sie hat überlebt und keine Gliedmaßen verloren – © Carolina Hortua
Probenahme von Seegras-Biomasse zur Kohlenstoff-Analyse
Probenahme von Seegras-Biomasse zur Kohlenstoff-Analyse – © Carolina Hortua
Infotafel über Mangroven im Nationalpark auf Isla Baru, Kolumbien.
Infotafel über Mangroven im Nationalpark auf Isla Barú. © Soyla Kraus
Anzucht von Mangrovensetzlingen auf Isla Baru, Kolumbien
Mangroven-Nursery in Ararca. Hier werden hauptsächlich Rhizophora mangle (Manglar rojo)
angepflanzt. Hier sind die meisten MitarbeiterInnen weiblich. Sie alle kommen aus Ararca. Die Nursery wird durch verschiedene größere Unternehmen finanziert. © Soyla Kraus

Positive Effekte auf Umwelt- und Ressourcenschutz und eine nachhaltige Entwicklung

Die lokale Bevölkerung auf Isla Barú wie auch allgemein viele Küstenbevölkerungen weltweit werden bereits durch die Folgen der Klimakatastrophe erheblich beeinträchtigt. Manche Menschen verlassen ihre Heimat noch rechtzeitig. Viele andere verlieren sie auf einen Schlag durch häufiger und stärker auftretende Naturkatastrophen wie Sturmfluten. Um dies zu verhindern, ist es bedeutsam, die Menschen an der Küste zu schützen, ihre Heimat und ihre Lebensgrundlagen zu bewahren.

Ziele des Projekts

Mit dem Projekt sollen mehr Flächen für vulnerable vegetationsreiche Küstenökosysteme gewonnen werden. Daraus soll dann ein „Master-Bauplan“ für das Ökosystem-Design von Küstenökosystemen in anderen Teilen der Welt entstehen. Hierbei werden dann auch die Ergebnisse der Studien aus den anderen Ländern des bis zum 31. Juli 2024 dauernden sea4soCiety-Projekts einfließen.

Positive Wirkungen für den Arten-, Küsten- und Klimaschutz

  • Erhöhung der „blue carbon“-CO2-Speicherkapazität von Küstenökosystemen, lokal und global
  • Ausweitung von Lebensräumen und Kinderstuben (Biodiversitätshotspots) für unzählige Arten von Meerestieren
  • Sicherung der Nahrungsmittelversorgung mit nachhaltigen Fischereimethoden
  • Beteiligung der lokalen Bevölkerung am Ökotourismus
  • Verbesserter Schutz der Küsten und der Menschen vor steigenden Meeresspiegeln oder unerwarteten Wetterereignissen wie Sturmfluten
  • Menschen wird eine neue Lebensgrundlage gegeben

Günstig und effektiv: die Werkzeuge der Natur

Naturbasierte Lösungen (Nature-based Solutions, NbS) gehören heutzutage zu den aussichtsreichsten und kostengünstigsten Ansätzen im Kampf gegen die Klimakatastrophe und das globale Massenaussterben. Darunter versteht man die Wiederherstellung und Erweiterung gesunder Naturräume mit dem Ziel, deren vielfältigen Nutzen zu verbessern (Ökosystemleistungen) und sie nachhaltig zu bewirtschaften.

Resort "Las Islas" in Ciénaga de Cholón, Barú im Mangrovenwald.
Resort „Las Islas“ in Ciénaga de Cholón, Barú, am Meer zwischen den Mangroven. © Soyla Kraus
Privat-Eigentum, wie die meisten Gebiete auf der Halbinsel, eingezäunt mit Stacheldraht
Privat-Eigentum, wie die meisten Gebiete auf der Halbinsel, eingezäunt mit Stacheldraht. © Soyla Kraus
Mangroven-Passage mit Hinweisschild:“El es de todo cuidaro para un mejor futuro”
Mangroven-Passage “El es de todo cuidaro para un mejor futuro” – „It needs a lot of care for a better future“. Es braucht viel Hilfe, für eine bessere Zukunft. © Soyla Kraus
Einsiedlerkrebs
© Soyla Kraus
Müll-Ablagestelle in den Mangroven, um die Halbinsel Barú.
Müll-Ablagestelle in den Mangroven, um die Halbinsel Barú. © Nadim Katzer
Wandmalerei Meeresschildkröte, Isla Barú, Kolumbien.
© Soyla Kraus
Ein gut getarnter Rochen am Meeresgrund.
Gelber Stachelrochen, Yellow Stingray (Urobatis jamaicensis) kann Durchmesser von bis zu 76 cm erreichen. Die Art ist nicht bedroht. © Soyla Kraus
Federwurm, Karibischer Röhrenwurm.
Federwurm aus der Familie der Sabellidae, wahrscheinlich ein Karibischer-Röhrenwurm (Sabellastarte magnifica), der auf einem Schwamm an der Wurzel einer Mangrove wächst. © Soyla Kraus
Roter Seestern in einer Seegraswiese.
Seestern aus der Familie der Oreasteridae. Wahrscheinlich ein Roter Kissenseestern, Red cushion star (Oreaster reticulatus). Diese Seesterne können 45 bis 50 cm Durchmesser erreichen. Jungtiere sind meist grün gefärbt. © Soyla Kraus
Roter Krebs.
Die Große Karibikkrabbe, Batwing coral crab (Carpilius corallinus) ist die größte Krabbe in der Karibik. Sie kann bis zu 15 cm groß werden. © Soyla Kraus

Quelle: Förderantrag und Abschlussbericht von Soyla Kraus

Erhalt und Renaturierung von Mangrovenwäldern

Auf dem Heimweg von der Feldarbeit, Fluss Rewa, Fidschi.

Engagieren Sie sich für den Erhalt unverzichtbarer Küstenökosysteme. Für den Klimaschutz! Für den Küstenschutz! Für die Artenvielfalt!



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