Nachhaltige Fischerei in Mangrovenwäldern

Forschungsprojekt auf Fidschi: „Räumliche Verteilung der makrobenthischen* Mangrovenfauna von wirtschaftlicher Bedeutung für die handwerkliche Fischerei“

Mangrovenkrabbe.

Die bei Fischern sehr begehrten Mangrovenkrabben spielen eine wichtige Rolle im Mangrovenökosystem und sind vielerorts bereits stark überfischt. Foto: Bishnu Sarangi/Pixabay

Insgesamt säumen ca. 385 km2 die Küste der Fidschi Inseln. Eines der größten zusammenhängenden Mangrovengebiete auf Fidschi liegt im Südosten Viti Levus bei Suva im Rewa-Delta. Circa 20 % der Existenz- und Kleinfischerei der Bevölkerung finden in Küstennähe in den Mangroven statt und eine der dabei mit am intensivsten genutzten Arten ist die bis zu 15 cm große Mangrovenkrabbe (Scylla serrata). Es handelt sich um eine fischereilich und ökologisch bedeutende Krabbenart. In vielen ihrer Lebensräume steht die Art unter starkem Überfischungsdruck . Doch nicht nur deshalb ist es wichtig, Möglichkeiten zur nachhaltigen Fischerei in Mangrovenwäldern zu erforschen.
* im und am Gewässerboden lebende Tiere

Nachhaltige Nutzung der Mangroven

Karl Schrader, Biologiestudent der Uni Bremen, will nun im Rahmen seiner Masterarbeit im Studiengang International Studies in Aquatic Tropical Ecology des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) die Nachhaltigkeit der Nutzung der Mangroven auf Fidschi erforschen. Dies soll anhand der für die Subsistenzfischerei relevanten Arten (Krabben, Maulwurfskrebse sowie Schnecken) unter den Aspekten der Artenvielfalt und Abundanz untersucht werden. Dabei unterstützen wir ihn.

Interviews und ökologische Untersuchungen

Die Forschungsarbeit ist in zwei Phasen unterteilt. Da ist zum einen eine sozioökologische Untersuchung. Sie beinhaltet eine Kombination aus Interviews und der Erstellung einer interaktiven Karte. Zum anderen finden ökologische Untersuchungen der Makrobenthos-Fauna im Rewa-Flussdelta statt.

Karte Rewa Delta auf Fidschi

Untersuchungsgebiet auf Fidschi (genaue Lokalisierung der Probestellen ist noch in Arbeit)

Lokale Fischer werden mit ins Boot geholt

Mangrovenbaum.

Mangrovenökosysteme gehören zu den wahrscheinlich am intensivsten anthropogen beeinflussten Küstenökosystemen – Foto: Suzanne D. Williams/Pixabay

Interviews und Kartenerstellung sind in Zusammenarbeit mit Fischern der Region geplant. Um Fehler in der Kartenerstellung zu vermeiden, ist angedacht, Fischer auf Fahrten in das relevante Areal zu begleiten. Damit soll per GPS die gemeinsam erstellte Karte verifiziert werden.

Wichtige zu klärende Fragen sind unter anderem: Wie viele Fischer nutzen das Areal? Was und wie viel wird gefischt/entnommen? Gibt es (regelmäßigen) Holzeinschlag und wenn ja, wo?

Was kreucht und fleucht denn da und wie lange noch?

Grosser Maulwurfskrebs (Thalassina anomala)

Maulwurfskrebse der Art Thalassina anomala werden bis zu 15 cm groß – Foto: wikimedia

Für den biologisch-ökologischen Teil der Studie wird der junge Biologe mehrere Probestellen zur Datenerhebung einrichten. Die Verteilung der Probestellen richtet sich primär nach der Nutzung, aber auch die Vegetation wird mit berücksichtigt. Entlang des Flusses Rewa lassen sich die Mangroven in von einzelnen Arten (Rhizophora sp. und Brugureia sp.) dominierte Bereiche einteilen.

Da die unterschiedlichen Wurzelsysteme verschiedene Habitatstrukturen bereitstellen, sind Unterschiede in der Makrobenthos-Gesellschaft zu erwarten.

Als weitere wichtige Umweltfaktoren sollen unter anderem die Überflutungszeit der Probestellen festgestellt und der Anteil an organischem Material im Sediment gemessen werden.

Mit unterschiedlichen Methoden wird dann die Diversität und Abundanz von Krabben, Maulwurfskrebsen und Schnecken erfasst. Für die gesamte Feldarbeit ist eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Fischern geplant.

Sozioökologischer und ökologischer Wert der Arbeit

Mangrovenwälder gehören neben Korallenriffen und tropischen Regenwäldern zu den produktivsten Ökosystemen der Erde.

Mangrovenwälder gehören neben Korallenriffen und tropischen Regenwäldern zu den produktivsten Ökosystemen der Erde

Die Mangroven Fidschis sind für viele der dort lebenden Menschen ein essenzieller Bestandteil ihrer Existenzgrundlage. Insbesondere in den ländlicheren Regionen, in denen wenig Alternativen existieren, um den Lebensunterhalt der Familien zu sichern. Auch traditionell ist die Fischerei in den Mangroven tief verankert.

Allerdings wächst der Druck auf das Ökosystem durch Bevölkerungswachstum und der damit verbundenen Intensivierung von Siedlungsbau, Tourismus und Fischerei.

Von dieser Studie sind wichtige Informationen über Zusammenhänge zwischen den genutzten Arten und dem Einfluss des Menschen zu erwarten. Insbesondere zum Umfang möglicherweise bereits existierenden Veränderungen in der Artenzusammensetzung in der Makrobenthos-Fauna der Mangroven.

Von nachhaltiger Fischerei in Mangroven profitieren auch angrenzende Ökosysteme

Die Ergebnisse können einen wichtigen Teil dazu beitragen, den Schutz der Mangroven und ein nachhaltiges Management, in Zusammenarbeit mit den lokalen Fischern, voranzutreiben.

Davon werden auch angrenzende Ökosysteme profitieren, wie etwa Seegraswiesen. Denn Mangroven filtern Sedimente und Nährstoffe aus Flüssen und Abflüssen von Regenwasser aus terrestrischen Gebieten.

Auch die Biodiversität in Korallenriffen wird von einem intakten Mangrovenwald gefördert und geschützt. Zum Beispiel als Kinderstube für Fische. Indirekt kommt dies dann auch wieder der Kleinfischerei in den entsprechenden Gebieten zugute.
Zusammengestellt aus Informationen des Förderantrags von Karl Schrader

Mangrovenwald im Sonnenuntergang.