Nachhaltige Fischerei in Mangrovenwäldern

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Etwa 385 km2 Mangrovenwälder säumen die Küste der Fidschi-Inseln. Eines der größten zusammenhängenden Mangrovengebiete auf Fidschi liegt im Südosten Viti Levus bei Suva im Rewa-Delta. Circa 20 % der Existenz- und Kleinfischerei der Bevölkerung finden in Küstennähe in den Mangroven statt. Eine der dabei mit am intensivsten genutzten Arten ist die Mangrovenkrabbe (Scylla serrata). Ausgestattet mit mächtigen Scheren kann sie gut und gerne über 20 cm groß werden. Es handelt sich um eine fischereilich und ökologisch bedeutende Krabbenart. In vielen ihrer Lebensräume steht sie unter starkem Überfischungsdruck. Doch nicht nur deshalb ist es wichtig, Möglichkeiten zur nachhaltigen Fischerei in Mangrovenwäldern zu erforschen.

Masterprojekt „Einfluss von Fischereidruck auf Mangrovenkrabben (Crustacea) in Fidschi – Eine Fallstudie im Rewa-Delta“

Im Rahmen seines Masterstudiums „Internationale Studien für tropische Gewässerökologie“ führte Karl Schrader auf Fidschi eine Feldstudie über den Einfluss des Fischereidrucks auf mehrere Mangrovenkrabben-Arten durch, die für Subsistenzwirtschaft und kleingewerbliche Fischerei in Mangrovenwäldern von Bedeutung sind. Bei seiner Studie bekam er großartige Unterstützung und Mithilfe von der lokalen Bevölkerung. Die Ergebnisse der Studie werden auch an die Partner auf Fidschi weitergegeben und an die in die Studie involvierten Dörfer.

Bericht von Karl Schrader

Karl Schrader bei der Feldarbeit zu nachhaltiger Fischerei in Mangrovenwäldern in Fidschi.

Foto: Simione Naivalu

Von Mitte Oktober 2019 bis Mitte März 2020 untersuchte ich, ob und wie sich der Fischereidruck auf die Abundanz (Menge) und durchschnittliche Größe der Krabbenfänge auswirkt. Dazu fand, unter Berücksichtigung lokaler Interessen, in einem Teilbereich des Untersuchungsgebietes zwei Monate lang keine Krabbenfischerei statt. Als Test einer Schutzmaßnahme.

Intensive Vorbereitung und Überwindung vieler bürokratischer Hürden

Die Zeit zwischen der Anreise im Oktober 2019 und dem Jahresende floss in eine intensive Vorbereitung, Überwindung bürokratischer Hürden und das Kennenlernen des Untersuchungsgebiets sowie der Dörfer der Region.

Fischerei in Mangrovenwäldern: Fidschi Research Team mit Karl Schrader.

Research Team Fidschi (von links nach rechts), vorne: Peniasi Naimoso (Bezirksrepräsentant des Bezirks Vutia in der Provinz Rewa, Fidschi) – Kontaktperson im Dorf Muaniaira und unermüdliche Hilfe im Projekt –, Karl Schrader (Masterstudent der Universität Bremen), Simione Naivalu (Student der USP in Suva, zeitweise Hilfe für Feldarbeit). Hinten: Peniasis Frau und Tochter (herzliche Gastgeber während der Zeit im Feld)

Um ein besseres Bild der Gesamtsituation zu bekommen, führte ich dann im Dezember 2019 und Januar 2020 Interviews mit den Fischern und Fischerinnen der betroffenen Dörfer durch und unternahm mehrere kleine Exkursionen ins Untersuchungsgebiet. Diese waren auch sehr hilfreich, um das notwendige Vertrauen für eine intensive und gute Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung aufzubauen.

Nachdem im Januar alle Probestellen, Methoden und weiteren Vorgehensweisen besprochen und festgelegt waren, begann die eigentliche Feldarbeit über nachhaltige Fischerei in Mangrovenwäldern.

Mangrovenkrabben „Qari“ und „Kuka“

Der Fokus dieser Studie liegt auf zwei fischereilich wichtigen Taxa. Einmal Scylla serrata oder „Qari“, einer weitverbreiteten Schwimmkrabbenart mit hohem Marktwert. Und zum anderen auf „Kuka“, einer Gruppe kleinerer Mangrovenkrabben aus der Familie Sesarmidae. Auf Fidschi werden beide Taxa ganzjährig befischt, lokal verwertet oder auf Märkten in größeren Orten verkauft.

Neben diesen Krabben sind noch andere Krebstiere aus den Mangroven von saisonaler Bedeutung. Insbesondere die Landkrabbe „Lairo“, aus dem terrestrischen Randbereich der Mangroven, und ein Maulwurfkrebs „Mana“, welcher in Gangsystemen im Sediment der Mangrovenwälder lebt.

Fischerei in Mangrovenwäldern: "Mana" Maulwurfskrebs in traditioneller Falle, Fiji.

„Mana“-Maulwurfskrebs in der Schlinge einer traditionellen Falle.

Auf Schwimmkrabbenfang mit Netzkäfigen im Delta des Rewa-Flusses

Die Untersuchungen zur Mangroven-Schwimmkrabbe Scylla serrata fanden an acht verschiedenen Orten im Delta des Rewa-Flusses statt. Die Wahl fiel dabei auf Bereiche mit hohem Fischereidruck, mit geringem Fischereidruck und Gebiete ohne Fischerei. Zum Lebendfang der Krabben setzte ich beköderte Netzkäfige ein. Jede Krabbe wurde anschließend markiert, vermessen und wieder freigelassen.

Vier Mangrovenkrabben der Art Scylla serrata in einer Falle.

Diese box traps sind spezifisch für den Fang von Scylla serrata ausgelegt.

Auf Fidschi setzte ich zum Fang der als „Kuka“ bekannten Gruppe von Mangrovenkrabben-Arten sogenannte „pit fall traps“ ein. „Pit falls“ sind kleine Fallgruben, welche man aus Eimern, Blumentöpfen oder Rohren herstellt. Ihre Öffnung ist in der Regel mit einem Trichter versehen. Mit dieser Methode untersuchte ich vier Orte im Delta, aufgeteilt in Bereiche mit hohem und mit geringem Fischereidruck. Zusätzlich zu biologischen Daten (Größe und Geschlecht) der Individuen erfasste ich Umweltfaktoren wie Salinität, Temperatur und Gewässertrübung.

Deutliche Ergebnisse trotz coronabedingtem Projektabbruch

Trotz der Verkürzung des Projektes durch einen COVID-19 bedingten Abbruch im März war es möglich, deutliche Ergebnisse aus den Daten zu entwickeln.

Fischerei in Mangrovenwäldern: Markiertes adultes Exemplar der Art Scylla serrata.

Markiertes adultes Exemplar der Mangrovenkrabbenart Scylla serrata.

Die aus den Daten entwickelten statistischen Modelle setzen Umweltfaktoren und Fischerei-Intensität miteinander in Bezug. So konnten Faktoren ermittelt werden, welche die Variationen in Fangmenge und der Durchschnittsgröße der gefangenen Krabben am besten erklären. So wirkt sich hoher Fischereidruck zwar negativ auf die durchschnittliche Größe der Scylla serrata Fänge aus, hat aber kurzfristig keinen negativen Einfluss auf die Fangmenge.

Es wird allerdings vermutet – gestützt auf Berichte der lokalen Fischer und Fischerinnen und den Lebenszyklus dieser Krabbenart –, dass die Fischerei einen deutlichen Langzeiteinfluss auf das gesamte Gebiet hat.

Bislang vernachlässigt: Langzeitfolgen von starkem Fischereidruck

Aussagen der Bevölkerung zufolge ist die Zahl der gefangenen Scylla serrata Krabben in den letzten 30 Jahren sehr stark zurückgegangen. Der Umkehrschluss, dass eine Verminderung des Fischereidruckes sich positiv auf die Population(en) der Krabben auswirkt, wird durch die Untersuchungen in den Orten unter Ausschluss der Fischerei unterstützt.

Wie Umweltfaktoren zusammenwirken

Nur für eine der drei untersuchten „Kuka“-Arten (Sesarmidae) konnte ein Modell zur Abundanz entwickelt werden. Dies lag an den sehr unterschiedlichen Fangzahlen. Aus diesem Modell kann man eine komplexe Mischung aus Umweltfaktoren, Fischereidruck und der Untersuchungsmethode als Erklärung der Daten lesen. Im Gegensatz zur großen Scylla serrata Mangrovenkrabbe sind „Kuka“-Arten sehr standortreu und bewegen sich in verhältnismäßig kleinen Bereichen.

Daher haben Umweltfaktoren wie Sediment- und Baumstrukturen sowie Salinität hier einen großen Einfluss auf die Vorkommen. So entsteht bei variierendem Terrain ein feines Mosaik verschiedener Artzusammensetzungen und unterschiedlicher Häufigkeiten der einzelnen Arten. Meist sind es Frauen, die diese Krabben per Hand sammeln. Sie wissen genau, wo sie welche Krabben finden, und steuern diese gezielt an. In stark genutzten Gebieten konnte ich einen tendenziell negativen Einfluss der Fischerei auf die Krabbenpopulationen feststellen.

Forschungsarbeit zu nachhaltiger Fischerei in Mangrovenwäldern: "Kuka" Mangrovenkrabbe auf Fidschi.

Eine „Kuka“-Mangrovenkrabbe.

Fischer zeigen viel Interesse an Schutzmaßnahmen

Die Ergebnisse unterstützen das lokale Interesse an Schutzmaßnahmen und legen nahe, dass sich ein lokaler Stopp der Fischerei, primär für Scylla serrata, positiv auf das gesamte Delta auswirken könnte. Für die verschiedenen Sesarmiden-Krabben in den Mangrovenwäldern wären weitere Studien von großem Vorteil, um den anthropogenen Einfluss besser beurteilen zu können. Die Ergebnisse der Studie werden nun mit den Partnern auf Fidschi kommuniziert und an die in die Studie involvierten Dörfer weitergeleitet.

Danksagung

Vielen Dank für die finanzielle Unterstützung der involvierten Stiftungen (Deutsche Stiftung Meeresschutz, Brede Stiftung), an alle helfenden Hände im Feld und vor allem an die lokale Bevölkerung des Rewa-Deltas für ihre Unterstützung und unersetzliche Kooperation über die gesamte Projektzeit. Ohne diese Zusammenarbeit wäre das Projekt nicht möglich gewesen.

Karl Gustav Thor Schrader, im Dezember 2020
Fotos: Karl Schrader


CAMPUS PREIS 2021

Im April 2021 erhielt Kar Schrader für seine Forschungsarbeit den renommierten „CAMPUS PREIS: Forschen für nachhaltige Zukunft“ der Universität Bremen. Sein Preisgeld in Höhe von 1.000 € nahm er auf einer digitalen Preisverleihung am 15. April entgegen. Damit erhielt zum zweiten Mal hintereinander erhält ein von uns gefördertes meeresbiologisches Masterprojekt den CAMPUS PREIS.

Campus Preis.

2020 wurde Julian Engel damit ausgezeichnet. Für seine von uns unterstützte Masterarbeit auf der philippinischen Insel Malapascua. Dort hatte er Alternativen zu Haifang und Haiflossenfischerei durch nachhaltigen Haitourismus entwickelt. Als Folge seiner Studie entstand ein Meeresschutzgebiet im Südwesten der Insel.

Verbesserte Nahrungssicherheit durch nachhaltige Fischerei in Mangrovenwäldern

Jury-Mitglied Fabio Nicoletti vom Verein Alumni der Universität Bremen sagte in seiner Laudatio: „Karl Schrader erforscht in seiner Arbeit ein drängendes ökologisches Problem, das sich negativ auf die Nahrungssicherheit auf den Fidschi-Inseln auswirkt. Durch die enge Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung gelingt es ihm, gemeinsam mit den Betroffenen die Situation besser zu verstehen und mögliche Lösungsansätze zu formulieren. Beide Aspekte leisten einen wichtigen Beitrag für den Erhalt wertvoller Ressourcen für zukünftige Generationen.“

Für Karl Schrader ist der Preis in erster Linie eine hohe Wertschätzung seiner Arbeit. „Häufig ist es schwer, die eigene Forschung distanziert zu betrachten oder zu werten“, sagt er. „Schon die Nominierung für den Preis war eine schöne und motivierende Rückmeldung zu der investierten Zeit und Arbeit. Den Preis nun auch tatsächlich zu gewinnen, übertrifft die Erwartungen, ist eine sehr angenehme Überraschung und untermalt den Abschluss dieses Lebensabschnittes sehr positiv.“


Über den CAMPUS PREIS

Der CAMPUS PREIS zeichnet herausragende, auf dem Campus der Universität Bremen erstellte Abschlussarbeiten aus, die sich thematisch der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, dem Schutz der Umwelt, des Klimas und der Meere widmen. Die Auszeichnung wurde 2016 ins Leben gerufen und wird einmal im Jahr von der KELLNER & STOLL-STIFTUNG FÜR KLIMA UND UMWELT, dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), der Universität Bremen und dem Verein Alumni der Universität Bremen ausgelobt. Sie ist mit insgesamt 3.000 Euro dotiert. In diesem Jahr erhielt Dr. Tobias Wendler 2.000 € für seine Doktorarbeit, in der er den Zusammenhang zwischen den Entwicklungen grüner Technologien und Umweltschäden in der Europäischen Union (EU) untersuchte.