Nachhaltige Fischerei in Mangrovenwäldern

Forschungsprojekt auf Fidschi: „Räumliche Verteilung der makrobenthischen* Mangrovenfauna von wirtschaftlicher Bedeutung für die handwerkliche Fischerei“

Quari Mangrovenkrabben zum Verkauf, Fidschi.

„Quari“-Mangrovenkrabben (Scylla serrata) vom Markt in Suva. Die Krabben sind in typischen Bündeln (lebend) ausgelegt. Je nach Krabbenart können das 5 bis ca. 40 Individuen pro Bündel sein – Foto: Karl Schrader

Insgesamt säumen ca. 385 km2 die Küste der Fidschi Inseln. Eines der größten zusammenhängenden Mangrovengebiete auf Fidschi liegt im Südosten Viti Levus bei Suva im Rewa-Delta. Circa 20 % der Existenz- und Kleinfischerei der Bevölkerung finden in Küstennähe in den Mangroven statt und eine der dabei mit am intensivsten genutzten Arten ist die bis zu 15 cm große Mangrovenkrabbe (Scylla serrata). Es handelt sich um eine fischereilich und ökologisch bedeutende Krabbenart. In vielen ihrer Lebensräume steht die Art unter starkem Überfischungsdruck . Doch nicht nur deshalb ist es wichtig, Möglichkeiten zur nachhaltigen Fischerei in Mangrovenwäldern zu erforschen.
* im und am Gewässerboden lebende Tiere

Nachhaltige Nutzung der Mangroven

Research Team Fiji mit Karl Schrader.

Research Team Fidschi, (von links nach rechts)
vorne: Peniasi Naimoso (Bezirks Repräsentant des Bezirks Vutia in der Provinz Rewa, Fiji) – Kontaktperson im Dorf Muaniaira und unermüdliche Hilfe im Projekt, Karl Schrader (Masterstudent der Universität Bremen), Simione Naivalu (Student der USP in Suva, zeitweise Hilfe für Feldarbeit)
Hinten: Peniasis Frau und Tochter (herzliche Gastgeber während der Zeit im Feld)

Karl Schrader, Biologiestudent der Uni Bremen, will nun im Rahmen seiner Masterarbeit im Studiengang International Studies in Aquatic Tropical Ecology des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) die Nachhaltigkeit der Nutzung der Mangroven auf Fidschi erforschen.

Dies soll anhand der für die Subsistenzfischerei relevanten Arten (Krabben, Maulwurfskrebse sowie Schnecken) unter den Aspekten der Artenvielfalt und Abundanz untersucht werden. Dabei unterstützen wir ihn.

Interviews und ökologische Untersuchungen

Die Forschungsarbeit ist in zwei Phasen unterteilt. Da ist zum einen eine sozioökologische Untersuchung. Sie beinhaltet eine Kombination aus Interviews und der Erstellung einer interaktiven Karte.

Zum anderen finden ökologische Untersuchungen der Makrobenthos-Fauna im Rewa-Flussdelta statt.

Karte Rewa Delta auf Fidschi

Untersuchungsgebiet auf Fidschi

Lokale Fischer werden mit ins Boot geholt

Vier Mangrovenkrabben in einer Falle.

Die Krabben werden gefangen, ihr Geschlecht bestimmt, sie werden markiert und dann wieder freigelassen. Diese box traps sind spezifisch für den Fang von Scylla serrata ausgelegt –
Foto: Karl Schrader

Interviews und Kartenerstellung sind in Zusammenarbeit mit Fischern der Region geplant. Um Fehler in der Kartenerstellung zu vermeiden, ist angedacht, Fischer auf Fahrten in das relevante Areal zu begleiten. Damit soll per GPS die gemeinsam erstellte Karte verifiziert werden.

Wichtige zu klärende Fragen sind unter anderem: Wie viele Fischer nutzen das Areal? Was und wie viel wird gefischt/entnommen? Gibt es (regelmäßigen) Holzeinschlag und wenn ja, wo?

Was kreucht und fleucht denn da und wie lange noch?

Für den biologisch-ökologischen Teil der Studie wird der junge Biologe mehrere Probestellen zur Datenerhebung einrichten. Die Verteilung der Probestellen richtet sich primär nach der Nutzung, aber auch die Vegetation wird mit berücksichtigt. Entlang des Flusses Rewa lassen sich die Mangroven in von einzelnen Arten (Rhizophora sp. und Brugureia sp.) dominierte Bereiche einteilen.

"Mana" Maulwurfskrebs in traditioneller Falle, Fiji.

“Mana” Maulwurfskrebs in der Schlinge einer traditionellen Falle – Foto: Karl Schrader

Da die unterschiedlichen Wurzelsysteme verschiedene Habitatstrukturen bereitstellen, sind Unterschiede in der Makrobenthos-Gesellschaft zu erwarten. Als weitere wichtige Umweltfaktoren sollen unter anderem die Überflutungszeit der Probestellen festgestellt und der Anteil an organischem Material im Sediment gemessen werden.

Mangroenkrabbe mit mächtigen Scheren.

Die Scheren von Mangrovenkrabben sind beeindruckend und nicht zu unterschätzen. Bei Bedrohung verteidigen sich die Krabben aggressiv. Problemlos können sie blutige Verletzungen durch mehrere Paar Handschuhe verursachen. Bei der Handhabung ist absolute Vorsicht geboten. um sich selbst und die Krabben zu schützen. Kneift eine Krabbe dieser Art sich fest, kann es sein, dass sie nicht mehr loslässt und als Verteidigung die Schere stecken lässt und den ganzen Arm abwirft. Krabben könne abgeworfene Gliedmaßen nachwachsen lassen, das dauert jedoch lange und beeinträchtigt das Tier entsprechend –
Foto: Karl Schrader

Mit unterschiedlichen Methoden wird dann die Diversität und Abundanz von Krabben, Maulwurfskrebsen und Schnecken erfasst. Für die gesamte Feldarbeit ist eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Fischern geplant.

Sozioökologischer und ökologischer Wert der Arbeit

Die Mangroven Fidschis sind für viele der dort lebenden Menschen ein essenzieller Bestandteil ihrer Existenzgrundlage. Insbesondere in den ländlicheren Regionen, in denen wenig Alternativen existieren, um den Lebensunterhalt der Familien zu sichern. Auch traditionell ist die Fischerei in den Mangroven tief verankert.

Allerdings wächst der Druck auf das Ökosystem durch Bevölkerungswachstum und der damit verbundenen Intensivierung von Siedlungsbau, Tourismus und Fischerei.

Rhizophora Mangrovenwald.

Rhizophora-Mangrovenwald auf Fidschi – Foto: Karl Schrader

Von dieser Studie sind wichtige Informationen über Zusammenhänge zwischen den genutzten Arten und dem Einfluss des Menschen zu erwarten. Insbesondere zum Umfang möglicherweise bereits existierenden Veränderungen in der Artenzusammensetzung in der Makrobenthos-Fauna der Mangroven.

Von nachhaltiger Fischerei in Mangroven profitieren auch angrenzende Ökosysteme

Markiertes adultes Exemplar der Art Scylla serrata.

Markiertes adultes Exemplar der Mangrovenkrabben-Art Scylla serrata – Foto: Karl Schrader

Die Ergebnisse können einen wichtigen Teil dazu beitragen, den Schutz der Mangroven und ein nachhaltiges Management, in Zusammenarbeit mit den lokalen Fischern, voranzutreiben.

Davon werden auch angrenzende Ökosysteme profitieren, wie etwa Seegraswiesen. Denn Mangroven filtern Sedimente und Nährstoffe aus Flüssen und Abflüssen von Regenwasser aus terrestrischen Gebieten.

Auch die Biodiversität in Korallenriffen wird von einem intakten Mangrovenwald gefördert und geschützt. Zum Beispiel als Kinderstube für Fische. Indirekt kommt dies dann auch wieder der Kleinfischerei in den entsprechenden Gebieten zugute.
Foto oben: Mangrovenkrabbe – Foto: Karl Schrader
Zusammengestellt aus Informationen des Förderantrags von Karl Schrader