Indonesien: Müll-Projekt auf den Banda-Inseln

Indonesien versinkt seit Jahren in einer selbst gemachten Plastik-Hölle. Mit jährlich schätzungsweise 0,5 bis 1,3 Millionen Tonnen Plastikeintrag in die Ozeane rangiert das Land auf der Rangliste der Plastikverschmutzer auf Platz zwei. Das ist nicht verwunderlich, denn der größte Inselstaat steht mit seinen mehr als 17.000 Inseln und der viertgrößten Bevölkerung der Welt vor enormen logistischen Herausforderungen bei der Abfallbehandlung und -entsorgung. Daher sind erfolgreiche Abfall-Management-Strategien oft lokaler Natur, insbesondere wenn es sich um kleine und weit abgelegene Inseln handelt.

Die elf Inseln der Bandas gehören zu den Molukken. Wie in so vielen anderen tropischen Inselnationen auch gibt es hier keine nennenswerte öffentliche Infrastruktur zur Abfallentsorgung. Aus Mangel an Wissen über die damit einhergehenden Gefahren verbrennen die Menschen ihren Müll, werfen ihn in die Umwelt oder ins Meer. Doch auf den Banda-Inseln bekommt man das nun so langsam in den Griff: durch das von uns unterstützte Müll-Projekt von BandaSEA.

Projektinhalte

BandaSEA will den Gesundheitszustand von Meeres- und Küstenlebensräumen wiederherstellen und nachhaltig schützen. Dadurch sollen konkrete Verbesserungen für den Erhalt bedrohter Arten und der Biodiversität in der Bandasee entstehen. Zusätzlich wird die Inselbevölkerung in nachhaltiger Ressourcennutzung und umweltschonender Entsorgung von Abfällen geschult. Auf diese Weise wird direkt verhindert, dass Müll überhaupt erst ins Meer gerät.

  • Müll wird von Küsten und Ufern entfernt, bevor er im Ozean landet. Jedes Stück Plastik, das nicht im Meer landet, ist eine Gefahrenquelle weniger für Meerestiere.
  • Sinnvolle Arbeit mit Einkommensverbesserung (Cash for Trash / Müllbanken).
  • Stärkung des Problembewusstseins in der Bevölkerung.
  • Schaffung einer sauberen und damit gesünderen Umwelt für die lokale Bevölkerung.
  • Anleitung für die Fertigung von Upcycling-Produkten.
  • Erziehung und Aufklärung für Schulklassen mit dem Programm „plastikfreie Schule“.

Die etwa 5.000 m tiefe Bandasee ist Heimat für eine überwältigende Zahl von Meereslebewesen:

  • 64 % der weltweit bekannten Korallenarten.
  • über 500 Riff-Fischarten, darunter seltene Mandarinfische oder Napoleon-Lippfische.
  • große pelagische Arten wie Thunfische oder viele Hai- und Rochenarten.
  • bedeutende Bestände der vom Aussterben bedrohten Bogenstirn-Hammerhaie.

Zwar hat die indonesische Regierung das Meeresschutzgebiet „Banda Island Marine Protected Area“ (Banda Island MPA) eingerichtet. Weniger engagiert zeigt man sich jedoch im Kampf gegen Müll im Meer und die auch in das Schutzgebiet driftenden Plastikmüllmengen.

Müllmanagement-Modellsystem für abgelegene Inseln

Das Müll-Projekt will beispielhaft für kleine, isolierte Inselgruppen in Indonesien und darüber hinaus zeigen, wie man das Entstehen von Meeresmüll lokal in den Griff bekommen kann.

Im Einsatz gegen Müll im Meer: Gesammelter Müll wird auf einen PickUp-Truck geladen, Indonesien.

BandaSEA bietet für jeweils zwei Monate verschiedenen Dörfern eine kostenlose Müllabfuhr an. Dies organisiert Maga Fira, ein einheimischer ehemaliger Englischlehrer. Er bezieht aus Projektmitteln ein kleines Gehalt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Konzept gegen Müll im Meer geht auf. So sind heute alle sieben Dörfer auf Banda Naira und drei weitere Dörfer auf Banda Besar an ein Müllabfuhrsystem angeschlossen. Und das Beste daran ist, dass nach den zwei Projektmonaten mit kostenloser Müllabfuhr fast jede der Kommunen ein System entwickelte, um die Kosten selbst zu tragen, und dies erfolgreich weiterführt. Langfristig soll das Müllentsorgungs- und -vermeidungskonzept auf alle Inselgemeinden ausgeweitet werden.

Im Einsatz gegen Müll im Meer: Straßenreinigung, Müllabfuhr in einem Dorf in Indonesien.

Die Kombination aus Bereitstellung einer Müllabfuhr und Bildung wirkt

Tag für Tag sind einheimische Müllsammler an Stränden und entlang von Flüssen unterwegs. Vor dem Weitertransport ins Zentrallager, wo der Schredder steht, kommt der Müll in eigens hierzu gebaute Zwischenlager. Gesammelt wird in ausrangierten Reissäcken. Vor dem Schreddern sortieren einheimische Helfer die Abfälle.

BandaSEA Sammelstation für Plastikmüll.
Zwischenlager für gesammelten Plastikmüll.

Es gilt, bis zu 26 verschiedene Plastiksorten sortenrein zu sortieren. Je nach Plastiksorte landet der Müll später in einer Recyclinganlage oder, wenn er dafür nicht geeignet ist, in einer Pyrolyseanlage. Mit dem hier erzeugten Dieselkraftstoff aus Plastikabfällen wird wiederum die Schredderanlage und das Müllsammelschiff Tirta Intan betrieben.

Vormals wertloser Abfall erhält für die einheimische Bevölkerung einen Wert. Denn das sorgsam sortierte, geschredderte und verpackte Plastik wird zum Wertstoff. Im Ergebnis gelangt sehr viel weniger Müll im Meer.

Im Einsatz gegen Müll im Meer: Schulung der Plastiksammler

Jeder Plastiksammler erhält, je nach Plastiksorte, für den Anfang umgerechnet zwischen 4 und 8 Cent pro Kilo. Im Ergebnis wandelt sich das Bewusstsein der Menschen für ihre jetzt viel saubere Umwelt. Für die Inselbevölkerung eröffnen sich zudem neue Verdienstchancen.

Mülltrennung, Recycling und Upcycling

Die Volontärgruppe „Kelompok Kreativ Anak Banda“ klärt die Bevölkerung über Gesundheitsrisiken auf, wenn man Müll verbrennt oder ins Meer wirft. Flankierend erhalten die Einwohner Informationen zu Mülltrennung, Recycling und Upcycling. Dies geht ganz einfach los mit der Kompostierung organischer Abfälle. Es endet schließlich bei Mülltrennung und Möglichkeiten zu Re- und Upcycling von Blech, Plastik oder Papier.

Aus Plastikmüll von einheimischen Frauen hergestellte Täschchen

Von Einheimischen aus Plastikmüll, wie Verpackungen von Nudelsuppen und Instantkaffees, hergestellte Täschchen

Die bei Kindern in Indonesien so beliebten weichen Plastiktrinkbecher zum Beispiel werden zerkleinert, gepresst und schließlich in Surabaya auf Java an einen Recycler verkauft. Eine Frauengruppe verarbeitet Essensverpackungen (Nudelsuppen, Instantkaffees und andere Produkte), wiederum zu Taschen, Geldbörsen und Souvenirs. Diese verkaufen sie an Touristen und Einheimische.

Vorstellung von Produkten, was man alles aus Plastikmüll basteln kann, Banda-Inseln, Indonesien.
Vorstellung von Upcycling-Produkten: Was man alles aus Plastikmüll basteln kann

Meilensteine

Das Bank-Sampah-Konzept – Müllbanken

Bei Bank Sampah (indonesisch für Müllbanken) handelt es sich um ein sozio-ökologisches Konzept zur Bekämpfung der Müllproblematik in Indonesien.

Plastikmüllabgabestelle und Müllbank auf der Insel Pulau-Pisang, Indonesien.
Die Bank-Sampah auf der Insel Pulau Pisang.

Im ersten Schritt erhält die lokale Bevölkerung eine Schulung, ihren anorganischen Müll korrekt zu sortieren. Anschließend wird dieser Abfall gewogen. Dafür erhalten die Einwohner ein Guthaben auf ihrem „Plastiksparbuch“ als monetären Gegenwert für recycelbaren Abfall. Es kann monatlich ausgezahlt oder angespart werden. Zwei lokale Bankfilialen haben sich bereit erklärt, die Auszahlungen zu übernehmen.

So soll vermieden werden, dass der Müll verbrannt oder als Meeresmüll endet. Bislang hat das Plastikbank-Konzept erfreulich viel Zulauf aus der Bevölkerung. Jetzt sollen noch mehr Haushalte auf den Banda-Inseln für die „Plastikbank“ begeistert werden.

Pulau Pisang

Die kleine Insel Pulau Pisang liegt wenige Kilometer östlich von Banda Naira. Hier lebt eine kleine, hauptsächlich vom Fischfang abhängige Dorfgemeinschaft. Im Winter 2022 konnte das Projekt die Insel an das Plastiksammelsystem anschließen. Das Engagement der Menschen, die ihre Umwelt nicht in einer Plastikflut versinken sehen wollen, ist beeindruckend. Gleichzeitig erarbeiten sie sich die Möglichkeit, mit dem Müllsammeln ein kleines Einkommen zu erwirtschaften.

Er tut was gegen Meeresmüll: Einer der älteren Dorfbewohner von Pulau Pisang (im Foto rechts) fährt 2-3 mal pro Woche zum Plastiksammeln mit dem Kanu rund 20 km um die Insel!

Bapak Mira, einer der älteren Dorfbewohner von Pulau Pisang (im Foto rechts), fährt zwei- bis dreimal pro Woche mit dem Kanu rund 20 km um die Insel und sammelt herumtreibenden Meeresmüll. Er allein lieferte 50 kg Plastikmüll bei der Müllbank ab!

Einweihung des Gebäudes für den Plastikschredder auf der Inel Pulau-Pisang, Indonesien.
Kofinanziert wurde dieses Projekt von der indonesischen Stiftung Econusa

Im Laufe des Jahres 2023 konnte das Projekt der Dorfgemeinschaft von Pulau Pisang mit der Errichtung eines kleinen Gebäudes mit einem Plastikschredder noch weiter unter die Arme greifen. Die Eröffnung der Schredderstation war im November 2023.

Seitdem schreddern die Bewohner ihre sortierten Plastikabfälle selbst und verpacken sie in Reissäcke. Das vereinfacht den Weitertransport zum Recycler deutlich.

Müll-Lagerhäuschen auf Pulau Rhun

Im Januar 2022 feierte BandaSEA die Eröffnung des ersten Lagerhäuschens für gesammelten Meeresmüll aus Plastik auf Rhun. Die entlegene Insel ist damit an das Recycling-System angeschlossen. „Auf Rhun hat sich eine Gruppe Frauen zusammengefunden, um Plastik zu sammeln, zu sortieren und zu schreddern. Es läuft spitze! Da gleichzeitig auf der Insel ein Kulturfestival stattfand, hatten wir die Ehre, dass die Frau des Gouverneurs der Molukken das Häuschen eröffnen konnte“, freut sich Meeresbiologin Mareike Huhn von BandaSEA.

Mittlerweile organisieren die Frauen eigenständig das Trennen und Schreddern des Plastiks, das sie anschließend an das Müll-Projekt verkaufen. Gelegentlich erhalten sie auch Unkostenzuschüsse.

Erfolgreicher Einsatz gegen Meeresmüll: Eröffnung des Lagerhäuschens für Plastik auf der Banda-Insel Rhun

Eröffnung des Lagerhäuschens für Plastik auf der Insel Rhun. Jetzt fährt die „Tirta Intan“ auch diese entlegene Banda-Insel an

Schwimmende Müllabfuhr

Seit Mitte 2021 pendelt die erste schwimmende Müllabfuhr in Indonesien, die „Tirta Intan“ (Diamantwasser), zwischen den Banda-Inseln. Da der CO₂-Fußabdruck hier denkbar klein bleibt, setzt das Projekt zusätzlich positive Signale für den Klimaschutz.

Im Einsatz gegen Müll im Meer: Das BandaSEA Plastiksammelschiff „Tirta Intan“ (Diamantwasser)

UN-Nachhaltigkeitsziele

Das Projekt arbeitet nachhaltig. Es verursacht nur einen kleinen CO₂-Fußabdruck, kleine Rohstoff-Rucksäcke und verfolgt die Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals / SDGs) der UN:

Informationen und Fotos von BandaSEA

Lesetipp:
Fishing for Rubbish – Villagers in Indonesia’s Banda Islands are trying to cut the plastic waste littering their beaches and spilling into their coral reefs. Von CATHERINE LAMOUREUX, Earth Island Journal, July 13, 2020

Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag

Erstes Müllschiff in Indonesien

Seit Mitte 2021 pendelt das von uns mitfinanzierte erste Müllschiff Indonesiens, die „Tirta Intan“ (Diamantwasser), zwischen den Banda-Inseln in der Bandasee. Ihr Auftrag: Plastikmüll zum Recycling bringen. Und davon so viel wie möglich. Bewohner der Insel-Dörfer sammeln die für die Meeresumwelt so gefährlichen Zivilisationsabfälle an Stränden, Flüssen und im Land. Dann sortieren sie die Kunststoffe, schreddern sie und verpacken sie in große Reissäcke. Von Bord des Müllschiffs wird die Ladung auf ein Cargoschiff verfrachtet. Dieses transportiert die Plastikabfälle anschließend zu einer Recyclinganlage in Surabaya (Java). Das Cargoschiff transportiert Güter von Surabaya auf die Banda-Inseln. Früher fuhr es diese Strecke unbeladen zurück.

Neue Möglichkeiten zur Beseitigung von Plastikmüll auch auf abgelegenen Inseln

BandaSEA e. V. aus Bonn arbeitet seit einigen Jahren auf den Banda-Inseln mit verschiedenen Projekten gegen die Plastikvermüllung in der Bandasee. „Wir sind stolz und froh, dass wir jetzt mit einem eigenen Müllschiff operieren können“, freut sich Meeresbiologin Dr. Mareike Huhn, Gründerin von BandaSEA. „Damit stoßen wir, auch dank der Unterstützung der Deutschen Stiftung Meeresschutz, in ganz neue Dimensionen vor.“ Das neue Müllschiff kann 17 Tonnen Ladung an Bord nehmen.

Projektkoordinator Magafira Ali freut sich über das BandaSEA Müllsammelschiff „Tirta Intan“ (Diamantwasser)

Projektkoordinator Magafira Ali freut sich über das BandaSEA Müllschiff „Tirta Intan“.

Umgerechnet etwa 19 Cent – je nach Marktlage und Plastiksorte – zahlt der Recycler pro Kilo vorsortierter Plastikabfälle. Mit der Pyrolyse-Anlage des Projekts lässt sich zudem Diesel zum Betrieb der schwimmenden Müllabfuhr aus nicht recyclingfähigem Müll produzieren.

Ab einer Müllmenge von etwa 10 Tonnen Plastikmüll monatlich würde sich der Betrieb des Müllschiffs selbst tragen. Dann könnten nicht nur die vierköpfige Besatzung sowie die Müllsammlungen, sondern auch zusätzlicher Diesel sowie ausgediente Reissäcke zum Verpacken der Kunststoffabfälle mit Erlösen aus dem Plastikverkauf an den Recycler bezahlt werden.

Davon ist das Projekt noch ein Stück weit entfernt. 2024 wurden alle zwei Monate 2,5 bis 3 Tonnen Plastik zum Recycling verschifft.

Verladung von gesammeltem Plastikmüll an Bord des Müllschiffs „Tirta Intan“ (Diamantwasser).

Verladung des Plastikmülls in alten Reissäcken an Bord des Müllschiffs.

„Ich empfinde es als unglaublich, wenn ich mir vorstelle, dass wir bald schon jeden Monat 5–6 t Plastik zum Recycling schicken können. Das meiste wäre sonst wahrscheinlich im Meer gelandet. Dazu kommt natürlich noch das, was in der Pyrolyse verarbeitet wird“, freut sich Mareike Huhn über den bisherigen Erfolg.

Kleiner ökologischer Rucksack

Das BandaSEA Müllsammelschiff Tirtan Intan wartet vor der Insel Rhun auf eingesammelten Plastikmüll
Das Müllschiff vor der Insel Rhun.

„Das Konzept besticht durch seinen denkbar kleinen ökologischen Rucksack“, betont der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz. „Fast alles ist unter Recycling-Gesichtspunkten konzipiert. Angefangen mit dem im Land in Holzbauweise gebauten Schiff. Über die großen gebrauchten Reissäcke, mit denen man das sortierte Plastik im Schiff bunkert. Bis zum aus Müll selbst hergestellten Kraftstoff.“

Ausflüge für Schulklassen

Der Einsatz der Tirta Intan ist eng mit dem Programm „Plastikfreie Schulen“ verzahnt. Teilnehmende Schulklassen werden zu einem Erlebnistag auf dem Müllschiff eingeladen. Dann können Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Betreuern von BandaSEA schnorcheln, Korallen mit eigenen Augen sehen und Plastikmüll aus dem Wasser fischen.

Schulklasse lernt das Müllssammelschiff kennen.

Durch „echtes“ Erleben in und auf dem Meer versucht BandaSEA Kinder und Jugendliche für den Meeresschutz zu begeistern.

Außerdem erfahren die Kinder von verschiedenen Behörden etwas über deren Arbeit. So berichtete die für den Meerespark Taman Wisata Perairan Laut Banda oder einfach TWP Banda zuständige Behörde über das Konzept von Meeresschutzzonen. Der Chef der Fischereibehörde erzählte über seine Arbeit. Die Seerettungsbehörde führte Rettungsübungen mit den Kindern durch. Das Werfen eines Rettungsrings und anschließende Bergen von Personen bereitete dabei besonders viel Spaß.


Früher war die aus Eisenholz gebaute Tirta Intan ein schmuckloser Holztransporter. Sie bediente Routen zwischen der Molukken-Insel Seram und den Banda-Inseln. 2021 wurde sie vollständig überholt.

Generalüberholung der „Tirta Intan“ (Diamantwasser).

Angetrieben wird das 15,5 m lange Müllschiff von einem 4-Zylinder-Dieselmotor. Damit sind etwa 7 kn oder fast 13 km/h Reisegeschwindigkeit drin. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 10 kn oder 18,5 km/h. Pro Stunde verbraucht der Motor im Schnitt 14 l Diesel, der, sobald die Lizenz hierfür von der zuständigen Behörde erteilt ist, größtenteils selbst hergestellt wird.

Den Hauptteil der Kosten für den Kauf und die Grundüberholung des Schiffs für sein neues Leben als Müllschiff trug die indonesische Stiftung „Tirto Utomo Foundation“. Ihre Vorsitzende wünschte sich den Namen „Tirta Intan“. Zu Deutsch: Diamantwasser.

Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag

Alle Fotos: © BandaSEA


Weiterführende Informationen

Indonesien: Programm „plastikfreie Schule“ auf den Banda-Inseln

Vor einigen Jahren starteten unsere Partner von BandaSEA auf den Banda-Inseln in Indonesien das Programm „plastikfreie Schule“. Es beinhaltet eine weitreichende Transformation des Schulalltags. So lernen Kinder und Lehrer unter anderem, kein Einwegplastik mehr im Schulalltag in den Klassen und der Schulkantine zu verwenden. Die Schule soll „plastikfrei“ werden, jedenfalls in Bezug auf Einwegplastik. Um das zu erreichen, wird jede am Programm teilnehmende Schule in der Regel ein Jahr lang von BandaSEA-Volontären begleitet und unterrichtet. Danach führen die Schulen das Konzept selbstständig weiter. Im vergangenen Jahr förderten wir drei und 2024 zwei Schulen, damit sie plastikfrei werden. Die Teilnahme kostet pro Schule 1.200 €.

Programminhalte:

  • Es werden keine Einwegtrinkbecher und Plastikverpackungen mehr verwendet.
  • An den teilnehmenden Schulen findet kein Verkauf von in Plastik verpackten Snacks mehr statt.
  • Ausstattung der Schulen mit Mehrwegbechern und Mehrweggeschirr (Teller, Dosen).
  • Wiederbefüllbare Wasserspender als Alternative zu Plastik-Einwegtrinkbechern.
  • Mal- und Bastelmaterialien zur Umsetzung von Upcycling- und Recyclingideen.
  • Verpflegungskosten für die „Antiplastik-Trainer“ (Volontärinnen / Volontäre).
  • Die Volontärinnen bieten Englischunterricht an und sensibilisieren die Schüler für Umweltthemen.
  • Exkursionstage für die Kinder mit dem Müllsammelschiff „Tirta Intan“.

Nachhaltiges Aufklärungs- und Bildungsprogramm

In Indonesien wird weltweit am zweithäufigsten Müll und Plastik im Meer entsorgt. Das umfangreiche Aufklärungs- und Bildungsprogramm von BandaSEA ist ein wesentlicher Baustein im Müllkonzept auf den Banda-Inseln. Damit wird verhindert, dass Müll überhaupt erst ins Meer gelangt.

„Natürlich ist nichts so nachhaltig wie die Entwicklung eines grünen Bewusstseins“, betont Meeresbiologin Mareike Huhn von BandaSEA.

Die Kinder lernen während des Programms plastikfreie Schule, wie man die Abfälle reduziert, sie entwickeln eigene Recyclingideen und steigen um auf Mehrwegbecher und Geschirr.

Aus Kapazitätsgründen kann jedes Jahr nur eine begrenzte Zahl von Schulen an dem Programm teilnehmen. Mit der Zeit sollen alle 35 Schulen auf den Banda-Inseln zu plastikfreien Schulen transformiert sein.

Von den vier im Jahr 2024 teilnehmenden Schulen sind drei auf der Insel Banda Besar. Dort verläuft die Umstellung so erfolgreich, dass nicht mehr ein ganzes Jahr für die Umwandlung zur „plastikfreien Schule“ nötig ist, sondern lediglich sechs Monate. Anschließend kann bereits die nächste Schule an dem Programm teilnehmen.

Kinder einer Grundschule auf Banda Besar bei der Einführungsveranstaltung des Plastik-frei Programms.
Grundschule auf Banda Besar bei der Einführungsveranstaltung des plastikfrei Programms. Man sieht, dass viele Kinder noch Trinkpäckchen mit Strohhalmen benutzen.

Eindrücke aus dem Programm plastikfreie Schule

Alle Fotos: BandaSEA e. V.

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Weiterführende Informationen

Küsten- und Flusssäuberungen, Armutsbekämpfung

In Küstenstaaten, in denen es keine oder noch keine ausreichend organisierte Abfallentsorgung gibt, landet ein Großteil des Zivilisationsmülls, darunter enorme Mengen großteiliger Kunststoffmüll (Makroplastik), direkt in der Natur. Meist in Bächen und Flüssen. Sie werden als „natürliche Müllabfuhr“ missbraucht. Zwangsläufig landet die Müllfracht dann im Meer. So „reist“ Müll aus dem Victoriasee über den Nil bis ins Mittelmeer. Genau hier setzt die Arbeit des Vereins Sana Mare mit seinen social clean-ups an, den wir seit Oktober 2020 unterstützen.

Der Ansatz ist hierbei, die Mülllast der Ozeane zu bekämpfen, bevor sie entsteht. Gleichzeitig leistet man mit den social clean-ups einen Beitrag zur Armutsbekämpfung. Sana Mare ist in Kamerun, Kenia, Tansania, Sri Lanka, auf den Philippinen sowie in Portugal und Deutschland mit Clean-up-Aktionen aktiv.

Stand März 2024

Armutsbekämpfung und Müllbeseitigung Hand in Hand

Sana Mare organisiert sogenannte social clean-ups (bezahlte Tätigkeit) und volunteer clean-ups (freiwilliger Einsatz) an Stränden, Küsten und Flüssen in Küstenstaaten Zentral- und Ostafrikas und in Asien. Bei social clean-ups sind, neben einer kleinen Anzahl freiwilliger Helfer, hauptsächlich Frauen und Männer eingebunden, die in Armut leben. Für die Teilnahme erhalten sie einen fairen Tageslohn. Dieser liegt je nach Land und Region zwischen vier und sechs Euro.

Gesäuberter Flusslauf im Stadtteil Cité Des Nation in Yaoundé (Kamerun).
Nachher-Vergleich zum Titelfoto eines des gereinigten Flusslaufs im Stadtteil Cité des Nations in Yaoundé (Kamerun). In der Regenzeit werden hier Unmengen Plastikflaschen angespült. Die Flaschen häufen sich im Laufe des Jahres an den Straßen und Gräben an. Bei starkem Regen sammeln sie sich an Engstellen der Entwässerungsgräben, wie hier vor einer Brücke. Die Plastikflut verstopft die Abflüsse, was regelmäßig zu Überschwemmungen führt.

Einheimische Koordinatoren organisieren die Säuberungsaktionen. Sie stellen feste Teams zusammen, mit denen sie langfristig zusammenarbeiten. Somit haben Helferinnen und Helfer regelmäßig entlohnte Arbeit. In einigen Regionen bestehen bereits Kooperationen mit Recyclingunternehmen. Denn nach Möglichkeit wird verwertbarer Müll als Wertstoff verkauft. Die dadurch erzielten Einnahmen fließen in das Projekt zurück.

UN-Nachhaltigkeitsziele des Projekts

Das Projekt arbeitet nachhaltig. Es verursacht nur einen kleinen CO₂-Fußabdruck, kleine Rohstoff-Rucksäcke und verfolgt die Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals / SDGs) der UN:

  • Müll wird von Küsten und Ufern entfernt, bevor er im Ozean landet. Jedes Stück Plastik, das nicht im Meer landet, ist eine Gefahrenquelle weniger für Meerestiere.
  • Sinnvolle Arbeit für einen fairen Lohn.
  • Stärkung des Problembewusstseins in der Bevölkerung.
  • Schaffung einer sauberen und damit gesünderen Umwelt für die lokale Bevölkerung.
  • Anleitung für die Fertigung von Upcycling-Produkten.

Erfolge 2023: fast 80 Tonnen Müll

2023 organisierten Sana-Mare-Teams in sieben Ländern 186 Sammelaktionen und beseitigten dabei 79.843 kg Müll aus Flüssen, von Stränden und – im Fall der Abfallsammler in Mombasa – von Straßen. Etwa 70.000 kg verkauften die örtlichen Sana-Mare-Gruppen an Recyclingunternehmen oder überließen sie ihnen zur Wiederverwertung. Die Erlöse aus dem Verkauf der Wertstoffe verbleiben bei den örtlichen Sana-Mare-Gruppen, die als eigenständige Körperschaften registriert sind und wirtschaftlich unabhängig von Sana Mare e.V. agieren.

In Kenia sind acht Personen in einer Vollzeitanstellung (20 Tage pro Monat) beschäftigt.

Kenia: Wertstoff-Annahmestellen in Limuru und Mombasa

Unabhängige Müllsammler (Obdachlose und andere Mitglieder der besonders armen Bevölkerungsschicht) liefern Wertstoffe (Kunststoffabfälle) an den Wertstofflagerplätzen in Mombasa und Limuru, einer Kleinstadt ca. 100 km nordwestlich von Nairobi, ab. Dafür erhalten sie eine Auszahlung, die sich auf Basis der Art und Menge der Wertstoffe bemisst. Im Anschluss sortieren Sana-Mare-Teammitglieder die Wertstoffe und verkaufen sie mit einem kleinen Gewinn an Recyclingfirmen.

Sana Mare Wertstofflagerplatz in Limuru, Kenia mit Teamkoordinator Isumael Isaac Ndungu.
Sana-Mare-Wertstofflagerplatz in Limuru, Kenia. Im Vordergrund ist der Teamkoordinator Isumael Isaac Ndungu.

Neue Wege aus der Armutsfalle

Armut kann eine wesentliche Ursache für Umweltzerstörung sein. Als Antwort auf die miteinander verbundenen Herausforderungen von Armut und Umweltverschmutzung entwickelte Sana Mare das Social-clean-up-Programm. Das Projekt stärkt Menschen, die in extremer Armut leben. Durch Müllsammeln können sie ein monatliches Einkommen erzielen und ihren bescheidenen Lebensstandard aufbessern.

In vielen Entwicklungsländern können die Menschen mit einem Einkommen von weniger als 150 Euro im Monat einen Weg aus der Armutsfalle finden. Denn damit kann eine vierköpfige Familie in einem Steinhaus mit fließendem Wasser und Strom leben. Das Budget reicht dann auch für eine ausgewogene Ernährung und das Schulgeld für eine staatliche Sekundarschule. Ein Leben außerhalb der extremen Armut und mit Chancen auf wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg ist damit gesichert, umweltfreundliche Verhaltensweisen werden möglich.

Erfolgsgeschichten

Mitglieder des Sana-Mare-Kernteams in Limuru (Zentralkenia) John Mburu, Samuel Kilion Elika und
Stephen Mutua Masila berichten über die konkreten Auswirkungen des Projekts auf ihr Leben.

Sana Mare Kernteam-Mitarbeiter Kenia Samuel Elisa Kilion.

„Ich bin 55 Jahre alt. Ich habe 7 Kinder und vier Enkelkinder. Mein ganzes Leben lang habe ich in Armut gelebt. Ich konnte nicht zur Schule gehen und hatte fast nie ein regelmäßiges Einkommen. Mit dem Geld, das ich durch das Social-clean-up-Programm verdiene, kann ich Lebensmittel für meine Familie kaufen und die Schulbildung meiner Enkelkinder sichern. Sana Mare ist meine einzige Einkommensquelle und gibt mir Auftrieb, um im Leben weiterzukommen. Nachdem ich fast drei Jahre lang Teil der Sana-Mare-Gruppe bin, habe ich genug Geld gespart, um eine Maismühle zu kaufen. Mit dieser Maschine werde ich in Zukunft Geld verdienen können. Ich bin ein alter Mann und werde bald nicht mehr in der Lage sein, die harte Clean-up-Arbeit zu machen. Ich danke Gott für Sana Mare. Das Projekt hat es mir ermöglicht, ein glücklicher Mann zu sein.“

Samuel Elisa Kilion

Sana-Mare-Kernteam Kenia

Sana Mare CleanUp-Mitarbeiter Isumael Isaac Ndungu.

„Obwohl ich einen Master-Abschluss in Management and Leadership und einen Bachelor-Abschluss in Theologie habe, verlor ich meinen früheren Arbeitsplatz während der Corona-Krise. Zuvor hatte ich als Pastor in einer Kirche gearbeitet. Glücklicherweise hatte ich die Chance, Gruppenkoordinator des Sana-Mare-Teams in Limuru zu werden. Auch meine Frau verdient Geld. Mein ältester Sohn hat gerade die Schule abgeschlossen und ich bin froh, dass ich ihm ein Studium ermöglichen kann. Ohne Sana Mare als verlässliche Stütze seit fast vier Jahren wäre das nicht möglich. Als Pastor kümmere ich mich um meine Brüder und Schwestern und preise Gottes Schöpfung. Wir sollten jede Pflanze und jedes Tier schützen. Ich bin stolz auf unsere Arbeit zum Schutz der Umwelt. Jeden Tag gehen wir hinaus, um die Flüsse von Müll zu befreien. Wir haben bereits mehr als 23.000 kg Müll gesammelt. Mein Team in Limuru, die Leitung von Sana Mare in Deutschland und die Spender, die das alles möglich machen, sind einfach fantastisch.“

Isumael Isaac Ndungu

Sana-Mare-Kernteam Kenia

Sana Mare Kernteam-Mitarbeiter Kenia John Mburu.

„Mein Name ist John Mburu. Ich bin 37 Jahre alt und Vater von drei Kindern im Alter von 7, 11 und 15 Jahren. Meine Frau hat keine Arbeit. Die Schule musste ich in der 7. Klasse verlassen, weil wir das Schulgeld nicht bezahlen konnten. Mein Wunsch ist, dass meine Kinder die Schule abschließen können, denn ich möchte nicht, dass es meinen Kindern so ergeht wie mir. Ich bin dankbar für Sana Mare. Durch das Social-clean-up-Programm von Sana Mare verdiene ich Geld für meine Familie und mich.“

John Mburu

Sana-Mare-Kernteam Kenia

Sana Mare Kernteam-Mitarbeiter Kenia Stephen Mutua.

„Mein Name ist Stephen Mutua Masila. Ich bin 25 Jahre alt. Ich habe nur die Grundschule besucht. Bevor ich mich der Sana-Mare-Gruppe anschloss, lebte ich in sehr armen Verhältnissen. Jetzt lebe ich in einer kleinen Hütte und kann Geld sparen und Dinge kaufen. Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich auf einer Matratze schlafen. Kürzlich konnte ich meine Wände mit Textilien verkleiden, damit die Kälte nicht mehr hereinkommt. Außerdem spare ich jeden Monat Geld. Bald werde ich genug Geld haben, um einen Führerschein zu machen. Das ist ein großer Schritt, der mir helfen wird, der Armut entkommen. Ich werde Zugang zu vernünftig bezahlten Arbeitsplätzen haben. Ich möchte dann weiter ein Teil der Sana-Mare-Gruppe sein und Fahrer des Teams werden.“

Stephen Mutua Masila

Sana-Mare-Kernteam Kenia

Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag

Informationen und Fotos von Sana Mare e.V.
Titelfoto: Entwässerungsgraben in Yaoundé (Kamerun).