Im Einsatz gegen Müll im Meer

Indonesien versinkt seit Jahren in einer selbst gemachten Plastikhölle. Denn im mit mehr als 17.000 Inseln weltweit größten Inselstaat und der viertgrößten Bevölkerung der Welt wird weltweit am zweithäufigsten Müll im Meer „entsorgt“. Eine der wesentlichen Ursachen ist, dass es auf vielen der kleinen und kleinsten Insel keine Müllabfuhr, kein kommunales Entsorgungssystem für Haus- und anderen Müll gibt. Aus Mangel an Wissen über die damit einhergehenden Gefahren verbrennen die Menschen ihren Müll oder werfen ihn ins Meer.

Doch auf den zu den Molukken gehörenden Banda-Inseln bekommt man das nun so langsam in den Griff. Durch das von uns unterstütze BandaSEA-Projekt gegen Müll im Meer. Gegründet wurde BandaSEA e. V.  2010 von einem Team aus Meeresbiologen, Tauchlehrern und Projektmanagern mit langjähriger Asienerfahrung. Der Name bezieht sich auf die in der indonesischen Bandasee gelegenen Banda-Inseln (Bandas).

Bandasee – Hotsopt der Biodiversität

Die etwa 5000 m tiefe Bandasee ist Heimat für eine überwältigende Zahl von Meereslebewesen:

  • 64 % der weltweit bekannten Korallenarten
  • über 500 Riff-Fischarten, darunter seltene Mandarinfische oder Napoleonwrassen
  • große pelagische Arten wie Thunfische oder viele Hai- und Rochenarten
  • hier gibt es noch bedeutende Bestände der vom Aussterben bedrohten Bogenstirn-Hammerhaie

Daher hat die indonesische Regierung hier das Meeresschutzgebiet »Banda Island Marine Protected Area« (Banda Island MPA) eingerichtet. Weniger engagiert zeigte man sich im Kampf gegen die auch in das Schutzgebiet driftenden Plastikmüllmengen.

Damit Müll erst gar nicht ins Meer gerät

Den Eintrag stoppen

BandaSEA will den Gesundheitszustand von Meeres- und Küstenlebensräumen wiederherstellen bzw. nachhaltig schützen. Dadurch sollen konkrete Verbesserungen für Erhalt bedrohter Arten und der Biodiversität in der Bandasee entstehen.

Lokale Müllsammelaktion von BandaSEA.

Die indonesische Regierung lässt die Bevölkerung mit ihrem Müll allein – Foto: BandaSEA e.V.

Zusätzlich wird die Inselbevölkerung der Bandas in nachhaltiger Ressourcennutzung und umweltschonender Entsorgung von Abfällen geschult. Auf diese Weise wird direkt verhindert, dass Müll überhaupt erst ins Meer gerät.

Die Banda-Müllproblematik: typisch für tropische Inseln

Die 11 Inseln der Bandas gehören zu den Molukken. Wie in so vielen anderen tropischen Inselnationen auch, gibt es hier keine nennenswerte öffentliche Infrastruktur zur Abfallentsorgung.

Modellsystem für umweltfreundliche Müllentsorgung

BandaSEA will unmittelbar verhindern, dass Müll überhaupt erst ins Meer gelangt. Damit will man auch beispielhaft für kleine, isolierte Inselgruppen in Indonesien und darüber hinaus zeigen, wie man Meeresmüll in den Griff kriegen kann. Indem er gar nicht erst entsteht!

Aufbeu eines Müllentsorgungssystem

Gesammelter Müll wird auf einen PickUp-Truck geladen, Indonesien. Seit 2013 findet auf der zweitgrößten Insel, Banda Naira, der Aufbau eines Müllentsorgungssystems statt. Dabei bietet BandaSEA für jeweils zwei Monate verschiedenen Dörfern eine kostenlose Müllabfuhr an.

Kostenlose Müllabfuhr – Foto: BandaSEADies organisiert Magga Fira, ein einheimischer ehemaliger Englischlehrer. Er bezieht aus Projektmitteln ein kleines Gehalt.

Mülltrennung, Recycling und Upcycling

Damit einhergehend klärt die Volontärgruppe „Kelompok Kreativ Anak Banda“ über Gesundheitsrisiken auf, wenn man Müll verbrennt oder ins Meer wirft.

Lokale Müllsammelaktion von BandaSEA.

Müllsammelaktion mit Kindern – Foto: BandaSEA

Flankierend erhalten die Einwohner Informationen zu Mülltrennung, Recycling und Upcycling. Dies geht ganz einfach los mit der Kompostierung organischer Abfälle.

Es endet schließlich bei Mülltrennung und Möglichkeiten zu Re- und Upcycling von Blech, Plastik oder Papier.

Die bei Kindern in Indonesien so beliebten weichen Plastiktrinkbecher zum Beispiel werden zerkleinert, gepresst und schließlich in Surabaya auf Java an einen Recycler verkauft.

Eine Frauengruppe verarbeitet Essensverpackungen, wie z. B. von Nudelsuppen und Instantkaffees, wiederum zu Taschen, Geldbörsen und anderen Souvenirs. Diese werden dann an Touristen und Einheimische verkauft.

Hilfe zur Selbsthilfe

Straßenreinigung, Müllabfuhr in einem Dorf in Indonesien.

Die Kombination aus Bereitstellung einer Müllabfuhr und Bildung wirkt – Foto: BandaSEA

Das Konzept geht auf. So sind heute alle 7 Dörfer auf Banda Naira und drei weitere Kommunen auf Banda Besar an ein Müllabfuhrsystem angeschlossen.

Und das Beste daran ist, dass nach den zwei Projektmonaten mit kostenloser Müllabfuhr fast jede der Kommunen ein System entwickelte, um die Kosten selbst zu tragen, und dies erfolgreich weiterführt. Jetzt will man das Müllentsorgungs- und Vermeidungskonzept auf weitere Kommunen und Inseln ausweiten.

Außerdem wird eine Müll-Bank oder „Bank Sampah“, bei der man recycelbare Abfälle im Austausch für eine kleine Entlohnung abgeben kann, errichtet.

Ocean Cleanups: Wir räumen das weg!

Tag für Tag sind nun einheimische Müllsammler an Stränden und entlang von Flüssen für Ocean Cleanups unterwegs. Vor dem Weitertransport ins Zentrallager, wo der Schredder steht, kommt der Müll in eigens hierzu gebaute Zwischenlager. Gesammelt wird in ausrangierten Reissäcken.

Ocean Cleanups – Indonesien: BandaSEA Sammelstation für Plastikmüll.

Zwischenlager für gesammelten Plastikmüll – © BandaSEA

Vor dem Schreddern sortieren einheimische Helfer die Abfälle. Es gilt, bis zu 26 verschiedene Plastiksorten sortenrein zu sortieren. Je nach Plastiksorte landet der Müll später in einer Recyclinganlage oder, wenn er dafür nicht geeignet ist, in einer Pyrolyseanlage. Mit dem hier erzeugten Dieselkraftstoff aus Plastikabfällen wird wiederum die Schredderanlage betrieben.

Wenn Abfall und seine Beseitigung einen Wert erhält

Schulung der Plastiksammler Vormals wertloser Abfall erhält mit den Ocean Cleanups für die einheimische Bevölkerung einen Wert. Denn das sorgsam sortierte, geschredderte und verpackte Plastik wird zum Wertstoff.

Jeder Plastiksammler erhält, je nach Plastiksorte, für den Anfang umgerechnet zwischen 4 und 8 Cent pro Kilo. Im Ergebnis wandelt sich das Bewusstsein der Menschen für ihre jetzt viel saubere Umwelt. Für die Inselbevölkerung eröffnen sich zudem neue Verdienstchancen.

Seit Mitte 2021 pendelt zudem die erste schwimmende Müllabfuhr in Indonesien zwischen den Banda-Inseln. Es ist das BandaSEA-Müllsammelschiff „Tirta Intan“ (Diamantwasser).

Das BandaSEA Plastiksammelschiff „Tirta Intan“ (Diamantwasser)

Da der CO2-Fußabdruck hier denkbar klein bleibt, setzt das Projekt zusätzlich positive Signale für den Klimaschutz.

Nach Informationen von BandaSEA e.V.

Fishing for Rubbish
Villagers in Indonesia’s Banda Islands are trying to cut the plastic waste littering their beaches and spilling into their coral reefs. Von CATHERINE LAMOUREUX, Earth Island Journal, July 13, 2020