Jagd auf Delfine und andere Kleinwale: über 100.000 Tiere jährlich!

6 Minuten

Im Jahr 2023 förderten wir Pro Wildlife e.V. für die Erstellung des Hintergrundberichts „Small cetaceans, even bigger problems“ (Kleine Meeressäuger, noch größere Probleme). Die gemeinsam mit WDC erstellte umfassende Studie über die Jagd auf Delfine und andere Kleinwale weltweit wurde im Februar 2024 veröffentlicht und erzeugte viel Aufmerksamkeit. Denn die recherchierten Zahlen der unter dem offiziellen Artenschutz-Radar stattfindenden Nutzung kleinerer Meeressäuger überraschten Fachwelt und Medien gleichermaßen. Jedes Jahr sterben ca. 100.000 Delfine und andere Kleinwale durch direkte Jagd: darunter auch solche, die auf der Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion IUCN stehen! Man nutzt ihr Fleisch als „Bushmeat aus dem Meer“ zur Nahrungsversorgung oder als Köder in der Hai-Fischerei. Hinzu kommen zahlenmäßig nicht erfassbare Beifangverluste in der Industriefischerei, z. B. beim Einsatz von Supertrawlern oder pelagischen Stellnetzen. Letztere sind z. B. für die hohen Beifangverluste unter unseren heimischen Schweinswalen in Nord- und Ostsee verantwortlich.

Bibliothek des Grauens zur Jagd auf Delfine und andere Kleinwale

Für die Studie werteten die Artenschutzexperten mehr als 250 wissenschaftliche Studien, Augenzeugen- und Zeitungsberichte aus. Die berechnete Gesamtzahl der im Kontext menschlicher Nahrungsversorgung getöteten Delfine und anderen Kleinwale ist seit einem früheren Bericht von 2018 noch weiter gestiegen.

„Die Vielzahl der Länder, in denen man derzeit erbarmungslos Jagd auf die kleinen Meeressäuger macht, ist erschütternd“, so Ulrich Karlowski, Biologe von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Ein Großer Tümmler wird zerlegt, Republik Kongo.
© Tim Collins

Artenschutz-Ungleichgewicht – Größe entscheidet über Leben und Tod

Für Großwale wie Buckel-, Finn- oder Blauwale gelten Jagdverbote und strikte internationale Handelsverbote (an die sich die Walfangländer Island, Japan und Norwegen nicht halten). Kleinwale dagegen sind nicht durch das kommerzielle Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) geschützt.

Bericht Jagd auf Delfine und andere Kleinwale.

Der Bericht „Small cetaceans, even bigger problems“ entlarvt Länder wie Dänemark, Russland, Japan und Peru, die verhindern, dass sich an dieser Situation etwas ändert. Deshalb sind Delfine und andere Kleinwale in vielen Ländern nahezu vogelfrei. Auf internationaler Ebene gibt es nur einen Flickenteppich aus Artenschutzbestimmungen.

In Europa denkt man beim Thema Jagd auf Delfine denken viele vermutlich an die Delfinmassaker auf den nordeuropäischen Färöer-Inseln oder an die Bilder aus der berüchtigten Bucht des japanischen Fischerstädtchens Taiji. Doch auch andernorts sind die Meeressäuger durch direkte Jagd gefährdet. Und das in erheblichem und zunehmenden Umfang!

Jagd auf Delfine und andere Kleinwale: globale Top 10

  • Peru: bis zu 15.000 Tiere (v. a. Köder für die Haifischerei)
  • Ghana: annähernd 10.000 Tiere, zunehmend (kommerzialisierter Beifang, nun v. a. als Hai-Köder)
  • Nigeria: fast 10.000 Tiere, zunehmend (kommerzialisierter Beifang)
  • Brasilien: 5–10.000 Tiere, zunehmend (v. a. als Köder in der Fischerei)
  • Venezuela: mehrere Tausend Tiere, zunehmend (als Fleisch, Köder in der Fischerei und für religiöse Rituale)
  • Grönland: > 5.000 Tiere, zunehmend (deutlich über nachhaltigem Level stattfindende Subsistenzjagd)
  • Taiwan: mehrere Tausend Tiere, zunehmend (v. a. als Köder für die Fischerei, auch auf hoher See)
  • Indonesien: mehrere Tausend Tiere, zunehmend (für Fleischmarkt und als Fischerei-Köder)
  • Südkorea: mehrere Tausend Tiere, vermutlich zunehmend (für Fleischmarkt und Köder in der Fischerei)
  • Indien: mehrere Tausend Tiere (für Fleischmarkt und als Fischerei-Köder)

Jedoch jagt man Delfine und andere Kleinwale noch in vielen anderen Ländern. Darunter Kanada oder Malaysia. Lediglich in Japan sank in den vergangenen 20 Jahren die Zahl getöteter Delfine von mehr als 18.000 auf weniger als 1.900 Tiere.

Warum müssen so viele kleine Meeressäuger sterben?

Delfine und andere Kleinwale enden jedoch nicht nur als Nahrungsmittel oder als Haiköder. Der Bericht deckt weitere Nutzungsarten auf, wie:

Jagd auf Delfine: vier getötete Clymene-Delfine liegen and einem Strand in Ghana.
Clymene-Delfine, Ghana. © Prowildlife
  • Delfinöl als Wundermittel gegen Corona-Infektionen (Orinoko-Becken in Südamerika) oder
  • Delfinzähne als begehrter Brautschmuck auf den Salomonen

Allerdings ist nicht nur das Ausmaß der Jagd erschreckend, sondern auch ihre Grausamkeit. Die Fischer setzen Harpunen, Speere, Lanzen, Macheten, Gewehre, Messer oder Haken ein. Auch der Einsatz von Dynamit ist dokumentiert.

Vernichtungsfeldzug der Fischer

In vielen Ländern Lateinamerikas, Afrikas und Asiens verzeichnet man einen drastischen Anstieg der Jagd auf Delfine. Das Fleisch der Meeressäuger dient als Köder für die boomende Fischerei auf Hai, Thunfisch, Piracatinga (ein welsartiger Fisch im Amazonas). Damit ist eine doppelte Tier- und Artenschutz-Tragödie entstanden: Die begehrten Fischarten sind bereits überfischt. Um trotzdem noch Beute machen zu können, töten und zerschneiden die Fischer Delfine und nutzen das Fleisch an Langleinenhaken oder in Reusenfallen.

Viele Fischer sehen in Delfinen und anderen Kleinwalen ohnehin verhasste Konkurrenten um die letzten Fische – entsprechend brutal gehen sie auch bei der Jagd auf die kleinen Meeressäuger vor.

Faktenbasierte Überzeugungsarbeit

Der Bericht „Small cetaceans, even bigger problems“ dient als Grundlage für Überzeugungsarbeit bei politischen Entscheidungsträgern im Vorfeld der 69. IWC-Tagung im Herbst 2024. Die Tagung wird in Peru stattfinden, einem der Länder, in denen Fischer jedes Jahr viele tausend Delfine in großer Zahl jagen.

Ziel ist es, den Weg für eine IWC-Resolution zu bereiten, die die Jagd auf Delfine und Kleinwale verurteilt und einen strengeren Schutz einfordert. Für einzelne Arten, die auch für den internationalen Handel relevant sind (z. B. Narwale), soll der Bericht auch die Grundlagen liefern, um ggf. Schutzinitiativen für die CITES-Konferenz (Washingtoner Artenschutzübereinkommen) im Frühjahr 2025 den Weg zu ebnen.

Bericht Jagd auf Delfine und andere Kleinwale.

Download des Berichts von Pro Wildlife und WDC:

Titelfoto: Jagd auf Delfine, Salomon-Inseln. © Dolphin Project


Zum Hintergrund: Artenschutzexpertin Dr. Sandra Altherr

Projektleiterin der Berichterstellung ist Dr. Sandra Altherr. Die Diplom-Biologin nimmt seit 1999 für Pro Wildlife als akkreditierte Beobachterin an den IWC-Konferenzen und an den Treffen von CITES teil. Entsprechend verfügt sie über exzellente Kontakte zu Delegierten der Mitgliedsstaaten und ist mit Tier- und Artenschutzorganisationen weltweit hervorragend vernetzt.

Im September 2018 förderten wir die Teilnahme von Sandra Altherr an der 67. Tagung der Internationalen Walfangkommission, die im brasilianischen Florianópolis stattfand. Damals stand zum wiederholten Mal das weltweite Walfangverbot auf dem Spiel. Doch es wurde ein Sieg für die Wale! Japans Antrag wurde mit 41 zu 27 Stimmen abgelehnt. Neben den klassischen Walfangbefürwortern Island und Norwegen unterstützten hauptsächlich Länder aus Afrika und dem asiatischen Raum den Antrag für den Walfang.


Weiterführende Informationen

Projekt für Mönchsrobben in Israel

8 Minuten

Logo von Delphis.

Seit August 2023 unterstützen wir die israelische Organisation zum Schutz von Meeressäugern, Delphis bei ihrem Projekt „Schaffung von Lebensräumen für die Rückkehr von Mittelmeer-Mönchsrobben an die Küste Israels“. Es geht um die Wiederherstellung von vor dem Menschen geschützten Höhlen und Grotten, damit sich die stark bedrohten Mittelmeer-Mönchsrobben (Monachus monachus) dauerhaft an der israelischen Mittelmeerküste ansiedeln.

Zu Beginn sollen mehrere geschützte Höhlen an der israelischen Küste restauriert werden. Denn die Robben benötigen für Menschen unzugängliche Höhlen zum Ruhen und für die Geburt ihrer Jungtiere. Diese gibt es an der israelischen Küste nicht mehr. Geeignete Standorte hat Delphis bereits identifiziert. Es handelt sich um eingestürzte oder teilzerstörte Höhlen, die nach Ansicht der Delphis-Experten passende Mönchsrobbenhöhlen sein könnten. Ziel ist es, den seltenen Meeressäugern gute Lebensbedingungen in Israel zu verschaffen.

Mönchsrobben kehren nach Israel zurück

Die bis zu fast 3 m große Mittelmeer-Mönchsrobbe gehört zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Meeressäugetieren Europas.

Sichtungen von Mittelmeer-Mönchsrobben an der israelischen Küste von 2009 bis 2020.
© Roditi-Elasar, M., Bundone, L., Goffman, O., Scheinin, A. P. and Kerem, D.H. 2021. Mediterranean monk seal (Monachus monachus) sightings in Israel 2009-2020: Extralimital records or signs of population expansion? Marine mammal Science 37: 344-351. DOI: 10.1111/mms.12734

Bis 2010 galt die Art in Israel als lokal ausgestorben. Dann tauchten nach 50 Jahren Abwesenheit zwei Tiere für eine wenige Tage dauernde Stippvisite auf.

Seitdem dokumentierte Delphis fast 100 Sichtungen an der israelischen Mittelmeerküste. Um wie viele Individuen es sich dabei insgesamt handelt, ist nicht bekannt. Immerhin konnten bislang nachweislich mindestens vier Robben identifiziert werden.

Man nimmt an, dass einzelne Tiere aus der türkischen Population südwärts wandern.

Im März 2023 veröffentlichte Delphis eine umfassende Bestandsaufnahme möglicher Mönchsrobben-Habitate an der israelischen Mittelmeerküste. Das Ergebnis ist alarmierend.

Für eine dauerhafte Ansiedlung der Mittelmeer-Mönchsrobbe Rückkehr gibt es an der israelischen Küste keine geeigneten Lebensräume mehr. Passende Höhlen sind eingestürzt, wurden vom Menschen verändert oder sind durch den Anstieg des Meeresspiegels und intensiven Tourismus nicht mehr für die Tiere nutzbar.

„Mönchsrobben, die die israelische Küste erreichen, finden nur einige wenige Höhlen vor, die für eine kurze Rast geeignet sind, mehr aber auch nicht“, erklärt Dr. Mia Elasar von Delphis, Leiterin des Mönchsrobben-Projekts in Israel.

Höhlenrestauration und Schaffung künstlicher Höhlen

Experten gehen davon aus, dass die einzigen Robben des Mittelmeers früher ungeschützte Strände zum Ausruhen und die Geburt der Jungen nutzten. Nach Jahrzehnten intensiver Bejagung und anschließend einsetzenden, bis heute anhaltenden Störungen durch den Mittelmeer-Tourismus zogen sie sich dann immer mehr in schwer zugängliche Felsenhöhlen an der Küste zurück.

Um ihnen eine Möglichkeit zu geben, in Israel wieder heimisch zu werden, wird Delphis geeignete bestehende Höhlen wiederherzustellen. Zusätzlich will man künstliche Höhlen bauen.

Künstliche Höhle für Mönchsrobben.

Ein Beispiel für geeignete Mönchsrobbenhöhlen sind die Höhlen im Meeresschutzgebiet Rosch HaNikra (Marine Protected Area/MPA). Sie stürzten in den 1990er-Jahren ein.

Die eingestürzte Höhle für Mittelmeer-Mönchsrobben bei Rosh Hanikra an der israelischen Mittelmeerküste.

Regelmäßiger Gast in der Gegend um Rosch HaNikra ist die Mönchsrobbe Maya. Sie wurde hier von 2010 bis 2018 fünfmal gesichtet. Nun wurde sie im Norden des Libanons beobachtet.

Am Küstenabschnitt zwischen HaBonim und Ma’agan Micha‘el plant Delphis den Bau einer künstlichen Höhle. Zusammen mit zwei restaurierten Höhlen in Rosch HaNikra, die beide in einem Meeresschutzgebiet liegen, könnte das Gebiet dann zu einem attraktiven Lebensraum für Mönchsrobben werden.

Mönchsrobbe Yulia verzaubert Israel

Die Vision, den Mönchsrobben wieder Lebensräume in Israel zu bieten, erschien den meisten Beteiligten anfangs wie ein ferner Traum. Dann kam Yulia. Seelenruhig suchte die etwa 2 m große Robbe für ihren Fellwechsel verschiedene Strände an der israelischen Mittelmeerküste auf.

Yulia an einem Strand von Tel Aviv, Israel.
Yulia bestaunt die vielen Schaulustigen.
© Gil Lupo/Delphis

„Nur zwei Monate nach dem Start des Projekts beschloss eine Mittelmeer-Mönchsrobbe aus eigenem Antrieb, ohne auf eine offizielle Einladung zu warten, in unserem Land aufzutauchen“, schreibt Delphis augenzwinkernd über Yulia. Sie kam Mitte Mai zum Fellwechsel an einen Strand bei Tel Aviv-Jaffa und blieb dort eine Weile.

Ganz untypisch für die sonst eher scheuen Tiere, robbte Yulia an Land, ließ sich von Menschen nicht aus der Ruhe bringen und begann, sich von ihrer langen Reise von der türkischen Mittelmeerküste auszuruhen und in der Sonne zu baden. Freiwillige von Delphis und Behördenmitarbeiter stellten rund um die Uhr sicher, dass Yulia nicht gestört würde.

Auch als sie einen Strand im Gazastreifen aufsuchte, arbeiteten Israelis und Palästinenser zusammen, damit Yulia ihre Ruhe hatte. „Sie kennt keine Grenzen, keine Kriege zwischen den Ländern“ sagte Ruthy Yahel, Meeresökologin bei der staatlichen Naturparkbehörde, gegenüber der New York Times.

Yulia verzaubert die Menschen in Israel

Ihren Namen erhielt Yulia von Muhammad, einem Teenager, der zufällig am Strand war, als sie dort auftauchte. Delphis-Forscher hatten ihn um Hilfe gebeten, damit er seine Freunde davon abhielte, das Tier mit Steinen zu bewerfen. Dafür durfte er dann einen Namen für die Mönchsrobbe aussuchen.

Yulia ist keine Unbekannte: Das reisefreudige etwa 20 Jahre alte Weibchen wurde erstmals 2007 in der Türkei gesichtet, wie türkische Forschende anhand von Fotos erkannten! In der Türkei hatten zwei Forschergruppen sie auf die Namen Tugra und Gulgez getauft.

Ein neues Zuhause für Mönchsrobben in Israel

Mia Elser und Aviad Sheinin von Delphis.
Dr. Mia Elasar und Dr. Aviad Sheinin von Delphis.

Entgegen allen Erwartungen hat sich die Population der Mittelmeer-Mönchsrobben in den vergangenen Jahren leicht erholt. Man schätzt, dass es derzeit rund 700 Individuen gibt. Etwa 400 von ihnen leben an den Küsten Griechenlands, Zyperns und der Türkei.

„Es gibt also Grund zum Optimismus“, sagt Dr. Mia Elasar. „Wenn wir wollen, dass sie hierbleiben, müssen wir ihnen Orte bieten, an denen sie ungestört leben können. Wir müssen ein Zuhause für sie schaffen.“

Bildungsarbeit im Dolphin & Sea Center

Das Dolphin and Sea Center von Delphis in Ashdod.

Flankiert werden die Schutzbemühungen für die Meeressäuger durch Aufklärungs- und Bildungsarbeit. Hierzu betreibt Delphis das Dolphin & Sea Center in Aschdod.

Dort finden Bildungsprogramme, Führungen und Erlebnistouren für Jung und Alt rund um das Thema Delfine, Mönchsrobben und andere Meerestiere des Mittelmeers statt.

UN-Nachhaltigkeitsziele des Projekts

Titelfoto: Mittelmeer-Mönchsrobbe Yulia.
Alle Fotos © Delphis (soweit nicht anders angegeben)

Mönchsrobben-Projekt, Israel

Julia liegt entspannt an einem Strand an der israelischen Mittelmeerküste.

Lebensräume für Mönchsrobben an der israelischen Küste schaffen. Helfen Sie mit!

Meerestiere in der Adria 2021

7 Minuten

Als auf Meeressäuger spezialisierte Veterinäre eilen unsere Partner von der Tierärztlichen Fakultät der Uni Zagreb zwar immer wieder auch Meeressäugern in Not zur Hilfe. Doch leider haben sie mehr mit toten als mit lebenden Delfinen zu tun. Denn sie sind in Kroatien auch dafür zuständig, die Todesursachen von tot aufgefundenen Delfinen, Walen und Mönchsrobben herauszufinden. 2021 war trotz allem ein spannendes Jahr, denn es gab auch Sichtungen sehr ungewöhnlicher Meerestiere in der Adria.

Traurige Bilanz 2021

2021 wurden 28 tote Delfine gemeldet, plus vier Nachträge aus dem Vorjahr. Darunter waren 25 Große Tümmler und 2 Streifendelfine. Bei 5 Tieren konnte die Art nicht bestimmt werden. Leider ließ sich die Todesursache bei keinem der gestrandeten Meeressäuger feststellen, da die Tierärzte coronabedingt nur einen Kadaver bergen konnten.

Delfinrettung per Telefon

Delfin wird von verwickeltem Seil befreit.
Delfinrettung bei Split im Oktober 2021
Foto: Pomorska policija

Zumindest in einem Fall gelang die Rettung eines Delfins vor dem sicheren Tod – per telefonischer Anleitung von Tierarzt Tom Gomerčić. Fischer hatten einen wie leblos im Wasser treibenden Großen Tümmler nahe der vor Split gelegenen kroatischen Insel Čiovo entdeckt. Er war verletzt und wirkte bereits sehr geschwächt. Seine Fluke hatte sich heillos in einem Seil verwickelt.

Über die kroatische Notrufnummer 112 forderten die Fischer Hilfe an. Gemeinsam mit einem dreiköpfigen Team der Wasserschutzpolizei gelang es den Helfern, das Tier mit Hilfe der telefonischen Anweisungen von Tom Gomerčić zu befreien. Nach kurzer Zeit kam wieder Leben in den Delfin und er schwamm davon. Rettung geglückt!

Sichtungen Meerestiere in der Adria 2021

Große Tümmler und andere Meeressäuger

Große Tümmler (Tursiops truncatus) sind die einzigen Delfine, die das ganze Jahr über in den kroatischen Küstengewässern leben. Andere Meeressäugerarten schauen nur gelegentlich vorbei, vor allem wenn sie nahrungsreichen Wasserströmungen folgen.

So gab es – wie fast jedes Jahr – auch 2021 wieder eine dokumentierte Sichtung eines Finnwals (Balaenoptera physalus) im Juli bei Sušac in Süddalmatien. Im Oktober erreichte uns eine Meldung über eine der seltenen Mittelmeer-Mönchsrobben (Monachus monachus) bei der Insel Pag und später noch einmal über eine Sichtung zweier Tiere bei Pula in Istrien. Mittelmeer-Mönchsrobben gelten in der Adria als ausgestorben. Man nimmt an, dass einzelne Jungtiere aus der griechischen Population in die Adria wandern.

Ganz außergewöhnliche Gäste besuchten im Frühjahr 2021 die Kvarner Bucht. Eine fünfköpfige Schule von Kleinen Schwertwalen (Pseudorca crassidens), darunter auch ein Kalb, wurde nahe des Container-Terminals in Rijeka mehrfach gesichtet, wie der Biologe Draško Holcer und seine Kollegen berichten. Es ist die erste dokumentierte in der kroatischen Adria seit einem historischen Beleg aus dem Jahr 1936. Im gesamten Mittelmeer kommt die Art nur gelegentlich vor.

Zu den Meerestieren in der Adria zählten 2021 auch Kleine Schwertwale.

Kleine Schwertwale, die zur Delfinfamilie zählen, erreichen Größen von 5 bis 6 m. Foto: iStock.com/Debra McGuire

Adria-Delfine besser schützen!

Großer Tümmler aus der kroatischen Adria starb an verschlucktem Fischernetz

Aussterben verhindern – bedrohte Populationen schützen! Ihre Hilfe für die Adria-Delfine.


Meeresschildkröten

Sogar eine Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) hatte es hierher verschlagen – leider mit Ballast: Sie hatte sich in einem Fischernetz verheddert. Aufmerksame Bootsfahrer entdeckten sie bei Maslenica (Norddalmatien). Glücklicherweise konnten sie das Meeresreptil befreien und so vor einem qualvollen Tod bewahren! Die Art ist weltweit gefährdet. Eine Touristin berichtete uns von der Sichtung einer Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta). Sie ist die häufigste der drei in der Adria vorkommenden Meeresschildkrötenarten.

Meeresschildkröte in der Adria.

Unechte Karettschildkröte bei der Insel Vrgada im August 2021. Die Art ist die häufigste in der Adria. Foto: Mariella En Henri Janssen

Haie und Rochen

Unter den ungewöhnlichen Meerestiere in der Adria des Jahres 2021 war ein Exemplar des weltweit stark gefährdeten Riesenhais (Cetorhinus maximus). Er wurde im März zwischen der Insel Cres und dem Ort Koromačno in Istrien entdeckt.

Mehrfach erreichten uns auch Sichtungen von Blauhaien (Prionace glauca), etwa bei den Inseln Vis, Korčula und im Norden vor der Hafenstadt Rijeka. Im Mittelmeer gilt die Art als vom Aussterben bedroht.

Im September dann meldete man uns sogar die Sichtung eines Meeresteufels (Mobula mobular) bei der kroatischen Insel Žirje. Die zu den Teufelsrochen zählende Art ist in der Adria eher selten. Vor allem in den Sommermonaten sollen sie aber teils zu Hunderten oder gar Tausenden im offenen Meer im südlichen und zentralen Teil der Adria zusammenkommen. Die Art gilt weltweit als stark gefährdet.

Mondfisch

Diese außergewöhnliche Fischart fingen Hobbyangler im Juli nahe der Insel Cres. Sie ließen das rund 200 kg schwere Tier zum Glück jedoch wieder frei. Mondfische (Mola mola) zählen zu den schwersten und größten Knochenfischen. Weltweit gelten sie nach der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet.

Mola mola mit Taucher: auch Mondfische gehören zu den Meerestieren in der Adria.

Mondfische (Mola mola) werden durchschnittlich 1,80 m groß und 1 t schwer. Foto: © istock.com/Michael Zeigler

Marine Lebensräume: Seegras

Neues Citizen-Science-Projekt: Wie man als Kroatien-Urlauber bei der Seegras-Renaturierung helfen kann.

Unser neuer Partner Manuel Marinelli von Project Manaia war in den vergangenen drei Jahren mit seinem Team in der Adria unterwegs, um den Zustand der Seegraswiesen zu dokumentieren. Das Ergebnis seiner Forschung ist ernüchternd: „Was die Seegraswiesen in der Adria angeht, sieht es leider nicht so rosig aus. Wir hatten durchwegs um die zwanzig Prozent Verlust bei den Wiesen, sowohl in der Ausbreitung als auch in der Dichte der Wiesen selbst“, erklärt er.


Bedrohte Artenvielfalt in der Adria

In unserer Broschüre „Bedrohte Artenvielfalt in der Adria“ stellen wir insgesamt 32 Meerestiere in der Adria von Groß bis Klein vor: von Walen, Delfinen und Mönchsrobben über Haie, Schildkröten und Thunfische bis zu Seepferdchen.

Broschüre Bedrohte Artenvielfalt in der Adria: Meeresschildkröten

Neben kurzen Steckbriefen und Wissenswertem zu den Arten stellen wir auch Infos über Sichtungen und Gefahren für die Tiere bereit sowie Leitlinien zum korrekten Verhalten bei Begegnungen mit Meeressäugern. Ebenso informieren wir darüber, wie und wo man Hilfe im Falle von verletzten Tiere holt.

Ergänzend gibt es Tipps, wie jeder zum Schutz der Adria – und der Meere überhaupt – beitragen kann.

Titelfoto: Mitglieder des DSM-Teams im Einsatz nahe der Insel Ugljan bei Zadar. Fotoidentifikation von Adria-Delfinen. Foto: Martina Đuras


Weiterführende Informationen

Robbenzentrum Föhr

4 Minuten

Sie sind da, wenn eine kleine Robbe die Mutter verloren hat oder verletzte und kranke Tiere Hilfe benötigen – die Helfer vom Robbenzentrum Föhr. Wir unterstützen das Robbenzentrum in Wyk auf Föhr seit 2020. Gegründet wurde es im Mai 2010 von der Tierärztin Janine Bahr- van Gemmert und dem Robbenspezialisten Andrè van Gemmert.

Hilfe für Robben in Not

Neben umfangreicher Informations- und Aufklärungsarbeit leistet die gemeinnützige Organisation kranken, verletzten und gestrandeten Meeressäugern (Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale) Erste Hilfe und versorgt sie veterinärmedizinisch. Bei in Not geratenen Robben sind die Helfer an 365 Tagen und rund um die Uhr erreichbar. Nach erfolgreicher Rehabilitation unterstützt das Zentrum auch die Auswilderung der Tiere.

Janine Bahr van Gemmert und André van Gemmert mit einem geretteten Heuler im Arm, Robbenzentrum Föhr.

Janine Bahr- van Gemmert und André van Gemmert retten einen Seehundwelpen.

Öffentlichkeitsarbeit und Weiterbildung im Robbenzentrum

Zusätzlich bietet das Zentrum vielfältige Möglichkeiten für verständliche Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungen, Führungen und spezielle Tage für Kinder.

Da das Infozentrum mittlerweile etwas „in die Jahre“ gekommen ist, soll es neugestaltet werden. Pläne und Konzepte für die Neugestaltung der Dauerausstellung im Innen und einen neuen Außenbereich sind erstellt. Jetzt fehlt es noch an der Finanzierung. Es gilt, Kosten zwischen 280.000 und 300.000 € zu stemmen. In der neuen Ausstellung sollen spezielle Themenbereiche klar voneinander gegliedert und modern gestaltet präsentiert werden. Angefangen von „unseren“ Meeressäugern, Schweinswal, Kegelrobbe und Seehund bis zu Problemen wie Plastikmüll im Meer, mit denen Meerestiere weltweit zu kämpfen haben.

Auch die an der Nordsee typischen Lebensräume Sandflächen, Wattflächen, Deich und ihre Funktion im Ökosystem werden anschaulich dargestellt. Neben interaktiven Mitmach-Elementen für spielerische Wissensvermittlung gibt es zudem einen gesonderten Kinderbereich.

Kindertag im Robbenzentrum.

„Heulersaison“ ist Alarmsaison für das Robbenzentrum

Jedes Jahr im Frühsommer beginnen die harten Tage für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Robbenzentrums. Seehunde, die wohl bekanntesten Bewohner des schleswig-holsteinischen Wattenmeers, bekommen Nachwuchs. Immer wieder verlieren nicht entwöhnte Welpen den Kontakt zu ihren Müttern. Häufig, weil Menschen, z. B. Wattwanderer, nicht genug Abstand halten. Oder weil Schiffe zu nah an Seehundbänke heranfahren. Aber auch Nordseestürme, Todesfälle in Stell- oder Geisternetzen oder Verluste durch Kegelrobben können Ursachen dafür sein, dass Mütter nicht mehr zurückkehren.

Solcherart von der Mutter getrennte Seehundwelpen nennt man „Heuler“. Denn sie rufen (heulen) mit tiefen, heiseren Tönen. Das klingt für unsere Ohren nach Verzweiflung, Not und Einsamkeit. Auf sich allein gestellt, haben die Kleinen keine Überlebenschance.

Die Seehundbabys Kleiner Onkel und Judith auf ihren Liegeplätzen.

Kleiner Onkel und Judith auf ihren Liegeplätzen im Robbenzentrum Föhr.

Auf Föhr und soweit möglich, auch auf der Nachbarinsel Amrum stranden jedes Jahr zahlreiche verletzte, kranke oder verlassene Robbenwelpen und Jungtiere. Wenn die Tierretter rechtzeitig zur Stelle sind, können sie die meisten von ihnen gesund pflegen. Seit seiner Gründung wurden im Robbenzentrum Föhr mehrere Hundert Robben gerettet!

Die kleinen Lungenwurmpatienten wurden in der niederländischen Auffangstation gesund gepflegt und dann wieder ausgewildert. © Mariella En Henri Janssen

Rettungsstation für Seehunde und Kegelrobben

Kleiner Seehund im Robbenzentrum Föhr

Aufnahme und Pflege verletzter, kranker und verlassener Seehunde und Kegelrobben. Helfen Sie mit!

alle Fotos: © Robbenzentrum Föhr


Weiterführende Informationen

Meeresschutz in der kroatischen Adria

9 Minuten

Seit vielen Jahren setzen wir uns gemeinsam mit Dr. Martina Đuras und anderen Tierärzten von der Tiermedizinischen Fakultät der Universität Zagreb für den Erhalt der Artenvielfalt in der kroatischen Adria ein. Denn das Adriatische Meer überrascht mit zahlreichen Meerestierarten. Mit Abstand am bekanntesten dürften die sogenannten Adria-Delfine sein. Hierbei handelt es sich um eine kleine Population Großer Tümmler. Sie leben das ganze Jahr über nahe der kroatischen Küste und Inseln. Meist trifft man sie weniger als 5 Kilometer vom Land entfernt.

Artenvielfalt in der Adria

Doch auch andere Meeressäugerarten wie Finnwale, Pottwale, Buckelwale, Cuvier-Schnabelwale oder immer wieder auch reiselustige Jungtiere der vom Aussterben bedrohten Mittelmeer-Mönchsrobben tauchen in der kroatischen Adria auf, wenngleich eher selten.

Im Frühjahr 2021 verschlug es sogar eine der größten Delfinarten, Kleine Schwertwale (Pseudorca crassidens), in die Kvarner Bucht in der nördlichen Adria. Es war eine fünfköpfige Gruppe, darunter ein Jungtier.

Kleiner Schwertwal

Diese mächtigen Delfine sind selbst im Mittelmeer seltene Gäste. Zwischen 1988 und 2013 gab es hier nur neun Sichtungen und acht Strandungen. Foto: NOAA/Unsplash

Seltenere Anblicke sind Lederschildkröten, Echte Karettschildkröten, Rote Thunfische, Mondfische, Weiße Haie, Riesenhaie und sogar Kurzflossen-Makohaie, eine Haiart, die im Mittelmeer fast ausgerottet ist. Mit ein wenig Glück kann man auch die zu den Teufelsrochen gehörenden Meeresteufel (Mobula mobular) bei ihren hohen Luftsprüngen beobachten.

Während manche Arten lediglich Irrgäste sind oder Jäger, die ihrer Beute folgen, leben viele andere ständig im Adriatischen Meer. Jedoch sind die meisten von ihnen heute ein seltener Anblick. Die Ursachen sind Meeresverschmutzung, Nahrungsverknappung durch Überfischung, Beifangtod in unselektivem Fanggerät, schlechtes Fischereimanagement und Auswirkungen des Massentourismus (Overtourism).

Welche Delfinarten leben in der Adria?

Delfine agieren wie Haie, Rote Thune und andere große Meeresraubtiere ganz oben im marinen Nahrungsnetz. Sie gehören zu den Topindikatoren für den Zustand des Ökosystems, in dem sie leben. Verschwinden sie, dann sieht es düster aus für all die anderen Tierarten, derer man größtenteils gar nicht gewahr wird.

Bergung eines gestrandeten Adria-Delfins

Bergung eines toten Adria-Delfins, der zur Untersuchung der Todesursache in die tierärztliche Fakultät der Uni Zagreb transportiert wird. Foto: T. Gomercic/DSM

Die einst großen Delfinbestände in der Adria gibt es nur noch in den Erzählungen alter Fischer. Denn Wasserverschmutzung, Überfischung, Beifangtod in Fischernetzen und direkte Tötung ließen die Bestände im Laufe der Jahre zusammenbrechen.

Nur eine Art erwies sich als robust genug, dem Vernichtungsfeldzug standzuhalten. Es ist der Große Tümmler (Tursiops truncatus) oder „Gute Delfin“ (dobri dupin) auf Kroatisch.

Fischerboot begegnet einem Großer Tümmler in der Adria.
Großer Tümmler in der Adria. Foto: U. Kirsch/DSM

Der Gesamtbestand der Großen Tümmler in der kroatischen Adria ist nicht bekannt. Es gibt kleinere ortstreue Populationen bei den Insel Mali Lošinj in der Kvarner Bucht und Vis weiter im Süden geben. Sie sind die letzten Delfine, die dauerhaft in der kroatischen Adria leben. Mit erstaunlicher Beharrlichkeit halten sie fest an ihrem Lebensraum, „ihrem“ kroatischen Meer.

Experten schätzen die Gesamtpopulation auf etwa 5.600 Tiere.

Rundkopfdelfine (Grampus griseus), die einst häufigen Gemeinen Delfine (Delphinus delphis) oder Blau-Weiße Delfine (Stenella coeruleoalba) kommen in der kroatischen Adria dagegen nur noch als Irrgäste vor.

Adria-Delfine: Viele Gefahren

Auch wenn die Population der Adria-Delfine seit Jahren relativ stabil ist, sterben immer noch zu viele Tiere durch menschlichen Einfluss: etwa 50 Prozent. Sie ertrinken in Fischernetzen. Sie sterben an den Folgen von verschluckten Netzteilen oder Plastikmüll. Andere werden beschossen, harpuniert oder beim illegalen Fischen mit Dynamit zerfetzt.

Nach Auswertung der Totfunddaten aus den letzten Jahren beschreibt Martina Đuras die Lage als nach wie vor kritisch.

Adria-Delfine besser schützen!

Großer Tümmler aus der kroatischen Adria starb an verschlucktem Fischernetz

Aussterben verhindern – bedrohte Populationen schützen! Ihre Hilfe für die Adria-Delfine.


Finnwale

Finnwale (Balaenoptera physalus), die zweitgrößten Tiere der Erde, sind ständige Bewohner des Mittelmeers und lassen sich gelegentlich auch in der kroatischen Adria blicken. Dies dürfte mit einem zeitweise günstigen Nahrungsangebot zusammenhängen. Fast jedes Jahr gibt es ein oder zwei Meldungen über Sichtungen von Finnwalen. Mehrfach gab es hier auch schon Strandungen.

Gestrandeter Finnwal im Karinsko More.

DSM-Team dokumentiert die Sektion eines jungen Finnwals, der sich ins Karinsko More verirrt hatte, strandete und starb. © U. Karlowski/DSM


Haie

Die Zeiten, da Strände in Kroatien mit Netzen vor gefährlichen Haien geschützt wurden, sind schon sehr lange vorbei. Angst vor Haien muss man beim Urlaub in der kroatischen Adria nicht mehr haben. Zwar war das Adriatische Meer zu keiner Zeit ein Hai-Hotspot. Doch gab es hier früher auch große Arten häufiger, wie Weiße Haie, Blauhaie oder Riesenhaie. Mittlerweile ist es im gesamten Mittelmeer um diese Knorpelfische allerdings schlecht bestellt.

Kurzflossen-Makohaie kommen gelegentlich in die kroatische Adria.

Sogar Kurzflossen-Makohaie tauchen vereinzelt auch in der kroatischen Adria auf. So versetzte im Juni 2019 ein Drei-Meter-Mako Touristen und Einheimische bei Makarska in (völlig unnötige) Aufruhr.
© Fred Buyle


Mittelmeer-Mönchsrobben

Mittelmeer-Mönchsrobben (Monachus monachus) gehören zu den europäischen Meeressäugetieren mit dem höchsten Aussterberisiko. Im Mittelmeer gibt es vielleicht noch 350 bis 450 erwachsene Individuen. In Kroatien gelten sie offiziell als ausgestorben.

Auch Mittelmeer-Mönchsrobben lassen sich manchmal in  kroatischen Küstengewässern blicken.

Seit einigen Jahren ziehen junge Mittelmeer-Mönchsrobben vermutlich aus Griechenland nach Norden und zeigen sich gelegentlich in Albanien und in der kroatischen Adria.
Foto: Edith und Jürgen Fleissner/DSM


Broschüre „Bedrohte Artenvielfalt in der Adria“

Broschüre Bedrohte Artenvielfalt in der Adria.
Broschüre Bedrohte Artenvielfalt in der Adria: Die Seidenspinnerin (Große Steckmuschel)

32 Meerestiere aus der Adria von Groß bis Klein. In unserem Artenführer „Bedrohte Artenvielfalt in der Adria“ stellen wir 32 Meerestiere von Groß bis Klein vor, die in der Adria leben: von Meeressäugern und Haien über Meeresschildkröten und Thunfische oder Seepferdchen.

Fast alle haben eines gemeinsam: Sie sind gefährdet oder wurden regional oder gar global an den Rand der Ausrottung getrieben.



Rettet die Adria!

Von 2014 bis 2016 unterstützten wir die erfolgreiche internationale Kampagne „Rettet die Adria“ gegen den großflächigen Bau von Offshore-Öl- und Gasförderanlagen in der kroatischen Adria. Eine Katastrophe wie bei der Ölförderplattform Deep Water Horizon im Golf von Mexiko würde das gesamte Ökosystem des relativ kleinen, umschlossenen Meeresgebiets der Adria irreparabel zerstören.

Tourismus – ein Großteil des kroatischen Bruttoinlandsprodukts stammt von dort – und Fischerei wären ruiniert. Meeresflora und -fauna, darunter die letzten Adria-Delfine, hätten keine Überlebenschance. Im Juni 2016 schließlich erklärte der damalige kroatische Wirtschaftsminister Tomislav Panenić, dass die Pläne vom Tisch seien. Es wird keine Offshore-Förderung von Öl und Gas in der Adria geben. Ein großer Erfolg für die Kampagne „Rettet die Adria“.

Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko

Explosion der Deepwater Horizon im Jahr 2010. Foto: US Coast Guard


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