Hainetze in Südafrika

Hainetze sind in Südafrika immer noch im Einsatz. Besonders in der Provinz KwaZulu-Natal. Mit diesem etwa 400 m vor der Küste installierten 200m langen und 6 m hohen Stellnetzen will man beliebte Bade- und Surfstrände vor Haiangriffen schützen. Doch die Netze töten unterschiedslos viele Meerestiere. Darunter auch bedrohte Delfin- und Haiarten sowie Meeresschildkröten und Rochen. Der Abbau der Hainetze in Südafrika ist eine Überlebensfrage für die noch etwa 500 Bleifarbenen Delfine (Sousa plumbea), die an der Küste des Landes leben.

Hainetze in Südafrika

Todesfallen

Netze – egal ob Fischer- oder Haiabwehrnetze – sind tödliche Fallen für alle Meerestiere. Sie allerdings als Schutzwall für Surfer und Strandbesucher einzusetzen ist fragwürdig. In Hainetzen in Südafrika sterben unter anderem:

Toter Delfin wird aus einem Hainetz geborgen.

In Hainetz ertrunkener Delfin. Richards Bay, Südafrika – Foto: Brett Atkins

Die Todeszahlen gefangener und in Hainetzen vor Südafrika verendeter Meerestiere der letzten 30 Jahre laut offiziellen Statistiken des KwaZulu-Natal Shark Boards:

33.000 Haie (darunter 25 000 für Menschen völlig harmlose Tiere). Über 2.200 Meeresschildkröten. Fast 8.500 Rochen. 2.500 Delfine.

Für die kleine Delfinpopulation vor KwaZulu-Natal könnten Beifangverluste in Hainetzen sogar das Aus bedeuten. Tödlicher „Hotspot“ ist hier Richards Bay: Denn 60 Prozent aller von Hainetzen in Südafrika verursachten Todesfälle passieren hier. Dies fanden die Meeresbiologin Shanan Atkins von der Universität Witwatersrand und ihre Kollegen in einer Langzeitstudie heraus.

Toter Bullenhai in Hainetz Provinz KwaZulu-Natal.

Toter Bullenhai in Hainetz Provinz KwaZulu-Natal.
Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank.

Gibt es nicht-tödliche Alternativen?

„Um Haiangriffe zu vermeiden, muss man Haie nicht töten. Es gibt umweltverträglichere Methoden“, sagt Shanan Atkins.

Allerdings ist es schwierig, vor Richards Bay alternative Methoden einzusetzen. Denn „Elektrozäune“ (am Meeresgrund verankerte Elektrokabel, die die elektrosensiblen Haie vertreiben) können im sandigen Sediment nicht befestigt werden.

Auch für den zuverlässigen Einsatz von Shark Spottern ist Richards Bay ungeeignet. Dafür ist das Meerwasser zu trüb.

Die traurige Geschichte von Beebop

Beebop war ein junger, männlicher Bleifarbener Delfin. Normalerweise lassen sich bei Delfinen Jungtiere nicht identifizieren. Denn sie weisen noch keine markanten Narben oder Kerben auf. Daher sind sie nur erkennbar, wenn sie neben ihrer Mutter schwimmen. Und haben sie sich dann „abgenabelt“ und sind selbstständig geworden, können Delfinforscher ihren Lebensweg nicht mehr verfolgen.

Beebop wurde ein Fall für die traurige Statistik der Delfinbeifänge in Hainetzen. Anders „Beebop“: Als Zweijähriger war er bereits gut an einer auffälligen Finnenform mit zwei Kerben zu erkennen. Und so konnten die Meeresbiologin Shanan Atkins und ihre Kollegin den Lebensweg des Kleinen von Geburt an verfolgen. Auch als er dann allein durch die Gewässer zog.

Die Mutter war den Forschern schon seit Mai 1998 bekannt. Seitdem hatte das auf den Namen „Line L“ getaufte Weibchen schon dreimal Nachwuchs. „Beebop“ bekam sie dann 2001.

Trauriger Fund

Zwei Jahre später dann eine traurige Entdeckung. Zunächst sichteten die Forscher „Line L“ mit frischen, tiefen Wunden am Rücken. Vermutlich stammten diese von einer Auseinandersetzung mit Artgenossen. Kurze Zeit später fand man „Beebop“. Er war tot – gestorben in einem Hainetz.

„Beebop“ wurde ein typischer Fall für die traurige Statistik der Delfinbeifänge in Hainetzen. Denn mit einer Größe von 2,10 m gehörte er zu den am häufigsten in Hainetzen sterbenden Delfinen – junge männliche Tiere. Beebop wurde nur 3 Jahre alt.


Erfolge

Abbau von zwei Hainetzen

Im April 2019 wurde die Hainetzinstallation vor Richards Bay endlich reduziert. Und zwar von fünf Doppelnetzen auf drei Doppelnetze. Außerdem kam es zum Ersatz eines Doppelnetzes durch ein Einzelnetz.

Position der Hainetze vor Richards Bay.

Position der Hainetze vor Richards Bay bis 2019.

Dafür installierte das für den Strandschutz in Südafrika zuständide KwaZulu-Natal Sharks Board (KZNSB) als Ersatz neun drumlines. Zu den abgebauten Netzen jedoch gehörte auch das für Delfine gefährlichste Netz (net 99).

Auch die Zahl getöteter Delfine ging von 2018 bis heute langsam zurück. Dennoch sterben immer noch viele andere Meerestiere (Haie, Rochen oder Meeresschildkröten).

Internationale Walfangkonferenz (IWC) in Kenia

Im Mai 2019 stellte Shanan Atkins die Arbeit des Projekts auch auf der Tagung des wissenschaftlichen Komitees der Internationalen Walfangkonferenz in Kenia vor. Dort zeigte man sich sehr besorgt über die schlechte Überlebenssituation der Buckeldelfine.

Auf Empfehlung des IWC-Kleinwal-Komitees wurde eine Taskforce ins Leben gerufen. Sie soll sich auf “Sousa in Afrika” konzentrieren. Shanan Atkins wird in der Taskforce mitarbeiten.


👉 Bedrohten Meeressäugern helfen


Meerwissen für Schlauberger – Drumlines und SMART drumlines

Drumlines

Sind am Meeresboden verankert. Von dort führt ein Tau zu einer Boje, an der wiederum ein beköderter Haken befestigt ist. Dadurch konnte vor Australien und Brasilien die Delfinbeifangrate im Vergleich zu „normalen Haintezen“ (Stellnetzen) deutlich gesenkt werden. Doch locken die Köder gerade die Tiere an die Küste, die man hier nicht haben will: Haie. Und diese sterben an einer Drumline einen langsamen und grausamen Tod. Wenn man sie nicht rechtzeitig befreit.

SMART drumlines

In Australien setzt man daher auf SMART drumlines. Diese melden über einen Signalgeber, wenn ein Hai am Köderhaken hängt. Dadurch kann man ihn rechtzeitig befreien. Auf diese Weise befreite Haie erhalten zudem einen Sender. So lassen sich ihre Wanderrouten per GPS-Tracking mit der SharkSmart-App verfolgten. Bisherige Erfahrungen sind sehr positiv. Es zeigte sich beispielsweise, dass von Smart-Drumlines befreite Haie an dem betreffenden Küstenabschnitt bei ihrer Wiederkehr einen größeren Abstand einhalten. Sie haben gelernt, die Gefahr zu meiden.


Partner

Logo Humpback Dolphin Research Logo WITS-University, Johannesburg.
Logo SOUSA - Protecting South Africa'S humback dolphin

Foto oben: Brett Atkins