Whalewatching-Beobachtungsstation La Gomera: Update

Projekt „Landgestützte Beobachtung von Walen und Delfinen vor La Gomera“

2017 förderte die Stiftung das Projekt Permanente Station zur landgestützten Beobachtung von Delfinen und Walen auf La Gomera des gemeinnützigen Vereins MEER e. V. aus Berlin. Es ist die erste derartige Station auf den Kanaren. Sie befindet sich ca. 150 m über dem Meeresspiegel im Süden der Insel, nahe dem Valle Gran Rey. Hier ist der Ausgangspunkt für die meisten Whalewatching-Touren vor La Gomera. Ziel ist es vor allem, den Walbeobachtungstourismus der Whalewatching-Anbieter vor La Gomera in naturverträglichere Bahnen zu lenken.

Was hat sich ein Jahr nach Einrichtung der Station getan? Ein Bericht von Fabian Ritter, Meeresbiologe und Vorsitzender von MEER e. V.

Aufbau, Eröffnung, Erfahrungen der ersten Monate

Im Oktober 2017 fand ein weiteres Treffen mit allen Whalewatching-Anbietern vor Ort statt.

Treffen mit allen Whalewatching-Anbietern vor Ort im Oktober 2017

Nach dem Bau und der Ausrüstung mit den hochwertigen optischen Geräten eröffnete die Plattform im April 2017.

Ein Treffen im selben Monat mit den örtlichen Whalewatching-Anbietern diente der Vorstellung des Projektes, der Ziele und Methoden. Es wurde veranschaulicht, dass sowohl der Walbeobachtungstourismus an sich als auch die Tiere davon profitieren können. Aber nur, wenn alle Beteiligten die Ziele gemeinsam verfolgen.

Mit großem Wohlwollen (und teilweise Überraschung) registrierten die Anbieter, dass die Plattform allen Whalewatching-Booten auf See dienen soll. So gab das Treffen für die verschiedenen Anbieter erstmals Gelegenheit, im selben Raum zu sitzen und zu diskutierten.

Von großem Vorteil: die hochwertige Ausrüstung

In der anschließenden Testphase erwies sich das optische Equipment auf der Station als hervorragend geeignet. Denn die Hochwertigkeit der Ausrüstung ermöglicht es, mehrere Stunden am Stück die Meeresoberfläche nach Cetaceen zu scannen. Zusätzlich kann so eine unangenehme Überanstrengung der Augen der Beobachter vermieden werden. Natürlich musste zu Beginn erst eine Beobachtungsroutine gefunden werden. Anschließend wurde die Methodik verbessert sowie das Verfahren, wie die Sichtungen von der Plattform effektiv an die Boote kommuniziert wurden. Letzteres geschah zunächst ausschließlich individuell mit jeweils einzelnen Booten per Mobiltelefon.

Karte für die Standardisierung der Ortsangaben von der Beobachtungsstation auf La Gomera.

Standardisierte Ortsangaben werden von der Beobachtungsstation aus mit einem Funkgerät allen Anbietern gleichzeitig und transparent kommuniziert

Später fand eine Standardisierung der Ortsangaben statt. Zusätzlich wurde ein Funkgerät angeschafft. Seitdem werden alle Informationen allen Anbietern gleichzeitig und transparent (auf demselben Funkkanal)  kommuniziert.

Weiteres Treffen mit allen Whalewatching-Anbietern

Im Oktober 2017 fand ein weiteres Treffen mit allen Whalewatching-Anbietern vor Ort statt. Im Ergebnis erwies es sich als wirkungsvoll, Vertreter der Unternehmen gemeinsam an einen Tisch zu holen. Dabei konnte man die bisherigen Erfahrungen diskutieren und Neuerungen vorstellen. Gleichzeitig war dies eine Gelegenheit zum erneuten Austausch.

Forschung

Die Datenerhebung erfolgte in der gefundenen Routine systematisch. Denn ein adaptierter Sichtungsdaten-Erhebungsbogen war speziell für die Plattform erarbeitet worden. Damit war die Datenerfassung standardisiert und vergleichbar mit den von Booten erhobenen Daten.

Im April 2018 präsentierten wir erste Ergebnisse als wissenschaftlichen Posterbeitrag auf dem Jahrestreffen der ECS (European Cetacean Society) in La Spezia (Italien). Das Poster trug den Titel „Observing Cetaceans from Land – Developing Co-operation as the Driving Force behind Sustainable Whale Watching Tourism”. Zusammen mit dem dazugehörigen Handout, welches 69 dokumentierte Sichtungen während knapp 97 Beobachtungsstunden im Jahr 2017 analysierte, stieß es auf lebendiges Interesse. In einem weiteren Schritt werden die Ergebnisse im Wissenschaftsausschuss der IWC (Internationale Walfangkommission) vorgestellt.

Integration in Dauerausstellung und Praktikumskurs

Anschließend wurde das wissenschaftliche Poster in die dreisprachige, ganzjährig geöffnete Dauerausstellung „Delfine und Wale vor La Gomera – Artenvielfalt im Wandel“ auf La Gomera integriert. Ebenso erfolgte die Erstellung einer ins Spanische übersetzten Variante des Posters. Die Ausstellung wird von Touristen und Einheimischen besucht. Zudem nutzen wir sie für die Praktikumskurse von M.E.E.R. e.V. und andere Veranstaltungen. Außerdem wurde ein Poster mit Logos der Förderer der Plattform dauerhaft in der Ausstellung ergänzt.

In das Programm der verhaltensbiologischen Praktikumskurse von M.E.E.R. e.V., die ein- bis zweimal pro Jahr stattfinden, ist nun auch ein Besuch der Plattform zur landgestützten Beobachtung von Cetaceen integriert.

Im März 2018 besuchte der erste Praktikumskurs die Plattform, die Teilnehmer*innen zeigten sich sehr beeindruckt von diesem Ansatz zur Verbesserung des nachhaltigen Managements im Walbeobachtungstourismus. Bei der Auswertung des Kurs-Feedbacks wurde der Aufenthalt auf der Plattform als eines der Highlights des Kurses genannt. Der MEER-Kurs im Oktober wird die Station ebenfalls besuchen.

BIGEYE Fernglas zur Lenkung des Walbeobachtungstourismus.

Aktionen auf der Plattform selbst

Bei mehrfach veranstalteten „Tagen der offenen Tür“ konnten sich Besucher (Touristen und Einheimische) das Projekt vorstellen lassen. So verschafften sie sich einen eigenen Eindruck von der Datenaufnahme und der Arbeit des Vereins.

Zusammenfassung und Ausblick

Sowohl die Inbetriebnahme der Plattform als auch die Testphase verlief sehr erfolgreich. Zudem ist eine stimmige Einbindung des Projektes in die Dauerausstellung und den Praktikumskurs gelungen. Als besonderen Erfolg vermerken wir, dass derzeit die Stimmung unter den Whalewatching-Anbietern so positiv wie noch nie zuvor ist.

Die Kollegialität hat sich verbessert, was auch an den Geschehnissen rund um die Plattform zur landgestützten Beobachtung liegt. Obwohl hier noch ein gutes Stück Weg zu gehen ist, sehen wir eine positive Entwicklung in die Richtung. Denn die um Kunden konkurrierenden Whalewatching-Anbieter werden immer besser darin, Wale und Delfine vor der Küste La Gomeras als gemeinsame Ressource zu verstehen. Unser Ziel ist, dass dieses Verständnis auch zum langfristigen Schutz der Tiere und ihres Lebensraums beiträgt.

Systematische Datenerhebung

Eine systematische Datenerhebung gab es 2018 von Januar bis Juni in regelmäßiger Routine zweimal wöchentlich für jeweils 2 Stunden. Schließlich fand ein Austausch über die Sichtungen mit den Whalewatching-Anbietern statt. Nach einer Sommerpause wurde die Datenerhebung zum Walbeobachtungstourismus ab Anfang Oktober 2018 wieder aufgenommen.

Für 2019 ist die Datenaufnahme in gleichem zeitlichem Umfang geplant. Darüber hinaus ist eine weiterführende Auswertung der Daten zur Erstellung weiterer Publikationen anvisiert. Des Weiteren ist die Kooperation mit Student*innen im Rahmen von Bachelor-/Masterarbeiten angedacht. Sie sollen Sichtungsdaten selbst erheben und/oder Daten auswerten. Weitere Treffen und Diskussionen mit den örtlichen Whalewatching-Anbietern zur Entwicklung des Walbeobachtungstourismus sind ebenfalls geplant.

Wir bedanken uns herzlich für die Förderung durch die DSM. Wir freuen uns darauf, diese neuen Möglichkeiten, die sich durch die landgestützte Beobachtung von Cetaceen für uns ergeben, zu gestalten und auszubauen!
Fabian Ritter, Meeresbiologe und Vorsitzender von MEER e. V.