Projekt fĂŒr nachhaltige Fischerei

Voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Von der Masterarbeit zur Projektkooperation: Wie aus der Förderung einer Masterarbeit ein Projekt fĂŒr nachhaltige Fischerei entstand. 2018 forschte der auch von uns unterstĂŒtzte Meeresbiologe Julian Engel auf der Insel Malapascua (Philippinen) zum Thema Haitourismus als Alternative zu Haifang und Shark Finning (Haiflossenfischerei). Er bekam viel Hilfe vor Ort, unter anderem von der auf der Insel aktiven Meeresschutzorganisation people and the sea. Seit 2020 unterstĂŒtzen wir in Kooperation „Stop Finning e. V.“ die Arbeit mit den Schwerpunkten nachhaltige Fischerei, Abfallmanagement und BiodiversitĂ€tsschutz.

Projektvideo von people and the sea

Über die Arbeit von People and the Sea auf der Insel Malapascua (Philippinen)

Fuchshaie

Malapascua ist bei Tauchern fĂŒr ein ganz besonderes „Hai-Light“ bekannt: An ihrem unterseeischen Monad Shoal befindet sich eine „Putzerstation“. Haie und andere große Fische lassen sich hier „sĂ€ubern“. Es ist weltweit eine der wenigen Stellen, an denen man Pazifische Fuchshaie (Alopias pelagicus) beobachten kann.

Pazifischer Fuchshai

Der Pazifische Fuchshai ist die kleinste der drei Fuchshaiarten. Foto: Nicholas Daniel

Auch Mantarochen (Manta birostris) und andere Rochenarten finden sich ein, mitunter auch Große Hammerhaie (Sphyrna mokarran), Grauhaie (Hexanchus griseus), Silberspitzenhaie (Carcharhinus albimarginatus) und Weißspitzenriffhaie (Triaenodon obesus). Die Insel ist umgeben von Seegraswiesen, Mangroven und Korallenriffen.

Touristische Entwicklung fĂŒhrt zu Konflikten

Die kleine Insel hat sich mit dem Tauchtourismus rasant entwickelt. Unweigerlich hat dies zu Konflikten zwischen den verschiedenen Interessengruppen gefĂŒhrt. Vor allem Fischer und Tourismus-Anbieter sehen sich als Kontrahenten: „Taucher, die FischereigerĂ€t zerstören, und Fischer, die Tauchbojen kappen, sind hĂ€ufige Beispiele fĂŒr den Streit zwischen den beiden Gruppen“, beklagt Axelle Jorcin, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin von people and the sea. Fischer wĂŒrden marginalisiert, ihre FischgrĂŒnde ohne Alternativangebote verkleinert. Zudem fehle den Fischern das Wissen, wie man nachhaltig fischt oder welche Fangmethoden illegal sind.

Schrumpfende FischbestÀnde

Das Vorkommen kommerzieller Fischarten, die fĂŒr etliche Insulaner die Lebensgrundlage bilden, ist inzwischen stark geschrumpft. Zudem werden die Beutefische immer kleiner und grĂ¶ĂŸere Raubfische sind selten, wie eine 2018 von people and the sea durchgefĂŒhrte Studie ergab. Mit dem Ausbleiben von Touristen wĂ€hrend der Coronapandemie wandten sich viele Inselbewohner mangels Einkommen wieder der Fischerei zu. Auch von daher ist es notwendig, die Weichen fĂŒr eine nachhaltige Fischerei zu stellen.

Das Vermessen der FischgrĂ¶ĂŸe ist Teil der Projektarbeit zur nachhaltigen Fischerei von people and the sea.

Das Vermessen der FischgrĂ¶ĂŸe ist Teil des Fischereimonitorings.

Schutzzonen – nur auf dem Papier

Rund um Malapascua gibt es sechs Meeresschutzzonen: fĂŒnf, in denen Schnorcheln, aber keine Fischerei erlaubt ist, sowie ein Meeresschutzgebiet. Doch leider fehlt es bei fast allen an entsprechenden Markierungen, ebenso an Kontrollen.

Was muss getan werden?

People and the sea setzen sich auch aktiv fĂŒr einen besseren Schutz und die Restaurierung von Korallenriffen ein. Die Insel Malapascua braucht dringend ein nachhaltiges, gemeindebasiertes Management ihrer marinen Ressourcen. Dabei mĂŒssen alle lokalen Interessengruppen (Fischer, große und kleine touristische Unternehmen, die Gemeinde, Behördenvertreter) gehört und mit eingebunden werden. Denn nur so wird es gelingen, die marine Umwelt vor Zerstörung zu schĂŒtzen.

Boote von Kleinfischern auf Malapascua, Philippinen.

Zu den wichtigsten AktivitÀtsbereichen von People and the Sea gehören der Schutz beziehungsweise die Wiederherstellung der BiodiversitÀt, der Aufbau einer nachhaltigen Fischerei, Umweltbildung und Abfallmanagement.

Schutz der BiodiversitĂ€t – Riffschutzmaßnahmen

Vier Freitaucher befestigen KorallenstĂŒcke an Metallgestellen zum Wiederaufbau eines Korallenriffs, Insel Malapascua, Philippinen

Mit Hilfe der Bevölkerung („Citizen Science“-Programme) werden Daten ĂŒber Riffe und ihre Bewohner durchgefĂŒhrt sowie Gefahren fĂŒr Riffe beseitigt. GefĂ€hrdet sind Riffe nicht nur durch VermĂŒllung, sondern auch durch natĂŒrlich Feinde, wie Dornenkronenseesterne, die ganze Korallenriffe zerstören können.

Außerdem sollen mit der Einrichtung von kĂŒnstlichen Riffen neue Korallenriffe entstehen.

Nachhaltige Fischerei und Umweltbildung

Damit sich die FischbestĂ€nde wieder erholen können und um das marine Habitat zu schonen, bringen die MeeresschĂŒtzer den Fischern nachhaltige Fangmethoden bei und klĂ€ren sie ĂŒber illegale Fangmethoden auf. Langzeitmonitoring der Fischerei ist dabei ein wichtiger Bestandteil.

Kinder lernen, was nachhaltige Fischerei ist.

Kinder von Malapascua beim Fischen. Mit Umweltunterricht in Schulen und Freizeitcamps lernen sie, ihre Meeresressourcen zu schĂŒtzen.

Die Fischer sollen aktiv bei allen Entscheidungen zu Meeresschutz und nachhaltiger Fischerei mit einbezogen werden. Eine besondere Rolle kommt dabei einer einheimischen Koordinatorin mit zehnjĂ€hriger Erfahrung zu, die fĂŒr die Zusammenarbeit mit den Fischern zustĂ€ndig ist. Zudem kooperieren people and the sea mit dem Fischereiwissenschaftler Dr. Simone Franceschini von der UniversitĂ€t Rom.

Umweltunterricht in Schulen sowie Freizeitcamps schaffen schon bei der jungen Generationen ein besseres VerstĂ€ndnis fĂŒr die Notwendigkeit, marine Ressourcen zu schĂŒtzen.

WCE-Programm (Waste Collection and Education)

Das Programm fĂŒr Abfallsammlung und -erziehung (WCE) ist eine laufende Initiative fĂŒr die Dorfbevölkerung ĂŒber MĂŒlltrennung in Haushalten. Es besteht seit 2018, initiiert von people and the sea und der Malapascua Business Association.

MĂŒllsammlung, WCE-Programm von people and the sea fĂŒr Abfallsammlung auf Malapascua, Philippinen

Trotz aller Schwierigkeiten, die die Pandemie mit sich brachte, gelang es, WCE-MĂŒllsamlungen ohne Unterbrechung fortzusetzen.

Seit Mai 2018 bis Ende 2021 sind im Rahmen des WCE-Programms unglaubliche 335.000 kg Abfall von Haushalten gesammelt und entsorgt worden. Zu diesem Erfolg beigetragen haben TĂŒr-zu-TĂŒr-Schulungen und die enge Einbeziehung der Dorfgemeinschaft. Das WCE-Programm ist heute als erfolgreicher und kooperativer Prozess zur nachhaltigen Bewirtschaftung fester AbfĂ€lle auf Malapascua anerkannt.

Außerdem richtete man Kompostierstellen ein, sodass die Inselbewohner aufgrund der besseren BodenqualitĂ€t eigenes GemĂŒse und Obst anbauen können.

Beach cleanup von people and the sea

Jeden Monat werden etwa 10 Tonnen Abfall gesammelt.

Was wir gemeinsam erreichen wollen

  • Abschaffung von zerstörerischen und illegalen FischereiaktivitĂ€ten
  • Monitoring der FischereiaktivitĂ€ten sowie Identifizierung und Monitoring ökologischer SchlĂŒsselgebiete: LaichgrĂŒnde, Korallenriffe, Seegraswiesen, Mangroven
  • Gesundung und Wachstum von Korallenriffen und Seegraswiesen
  • Restauration von Korallenriffen durch die Einrichtung von kĂŒnstlichen Riffen
  • Erhalt gesunder FischbestĂ€nde, die wiederum höhere Fangmengen fĂŒr die Subsistenzfischerei ermöglichen
  • RĂŒckkehr wichtiger Indikatorarten, wie Haie und pelagische Fischarten
  • Ausweitung des Projekts auf die Insel Biliran (seit 1992 eigenstĂ€ndige Provinz der Philippinen)
Das Team von people and the sea sagt Danke / Thank you!

Die Philosophie dahinter

Die Arbeit von people and the sea fußt auf:

  • Lokaler Ausrichtung
  • Basisorientierung
  • Offenheit fĂŒr Austausch und Zusammenarbeit
  • Umsetzung konkreter Maßnahmen fĂŒr die Menschen und mit den Menschen, fĂŒr stabile und produktive KĂŒstenökosysteme

Informationen und Fotos (soweit nicht anders angegeben)nd the Sea

UN-Nachhaltigkeitsziele des Projekts

Nachhaltige Fischerei unterstĂŒtzen!

Alternative zur industriellen Fischerei: Nachhaltiger Fischfang mit Pole and Line.

Nachhaltige Fischerei ist der einzige Ausweg aus der globalen Fischereikrise. FĂŒr die Menschen! FĂŒr die Artenvielfalt in den Meeren!


Projektberichte von people and the sea