Projekt für nachhaltige Fischerei

Von der Masterarbeit zur Projektkooperation: Wie aus der Förderung einer Masterarbeit ein Projekt für nachhaltige Fischerei entstand. 2018 forschte der auch von uns unterstützte Meeresbiologe Julian Engel auf der Insel Malapascua (Philippinen) zum Thema Haitourismus als Alternative zu Haifang und Shark Finning (Haiflossenfischerei). Er bekam viel Hilfe vor Ort, unter anderem von der auf der Insel aktiven Meeresschutzorganisation People and the Sea. Seit 2020 unterstützen wir in Kooperation „Stop Finning e. V.“ die Arbeit von People and the Sea mit den Schwerpunkten nachhaltige Fischerei, Abfallmanagement und Biodiversitätsschutz.

Projektvideo

Über die Arbeit von People and the Sea auf der Insel Malapascua (Philippinen)

Fuchshaie

Malapascua ist bei Tauchern für ein ganz besonderes „Hai-Light“ bekannt: An ihrem unterseeischen Monad Shoal befindet sich eine „Putzerstation“. Haie und andere große Fische lassen sich hier „säubern“. Es ist weltweit eine der wenigen Stellen, an denen man Pazifische Fuchshaie (Alopias pelagicus) beobachten kann.

Pazifischer Fuchshai

Der Pazifische Fuchshai ist die kleinste der drei Fuchshaiarten. Foto: Nicholas Daniel

Auch Mantarochen (Manta birostris) und andere Rochenarten finden sich ein, mitunter auch Große Hammerhaie (Sphyrna mokarran), Grauhaie (Hexanchus griseus), Silberspitzenhaie (Carcharhinus albimarginatus) und Weißspitzenriffhaie (Triaenodon obesus). Die Insel ist umgeben von Seegraswiesen, Mangroven und Korallenriffen.

Touristische Entwicklung führt zu Konflikten

Die kleine Insel hat sich mit dem Tauchtourismus rasant entwickelt. Unweigerlich hat dies zu Konflikten zwischen den verschiedenen Interessengruppen geführt. Vor allem Fischer und Tourismus-Anbieter sehen sich als Kontrahenten: „Taucher, die Fischereigerät zerstören, und Fischer, die Tauchbojen kappen, sind häufige Beispiele für den Streit zwischen den beiden Gruppen“, beklagt Axelle Jorcin, Geschäftsführerin von People and the sea. Fischer würden marginalisiert, ihre Fischgründe ohne Alternativangebote verkleinert. Zudem fehle den Fischern das Wissen, wie man nachhaltig fischt oder welche Fangmethoden illegal sind.

Schrumpfende Fischbestände

Das Vorkommen kommerzieller Fischarten, die für etliche Insulaner die Lebensgrundlage bilden, ist inzwischen stark geschrumpft. Zudem werden die Beutefische immer kleiner und größere Raubfische sind selten, wie eine 2018 von People and the Sea durchgeführte Studie ergab. Mit dem Ausbleiben von Touristen während der Coronapandemie wandten sich viele Inselbewohner mangels Einkommen wieder der Fischerei zu. Auch von daher ist es notwendig, die Weichen für eine nachhaltige Fischerei zu stellen.

Das Vermessen der Fischgröße ist Teil der Projektarbeit zur nachhaltigen Fischerei.

Das Vermessen der Fischgröße ist Teil des Fischereimonitorings.

Schutzzonen – nur auf dem Papier

Rund um Malapascua gibt es sechs Meeresschutzzonen: fünf, in denen Schnorcheln, aber keine Fischerei erlaubt ist, sowie ein Meeresschutzgebiet. Doch leider fehlt es bei fast allen an entsprechenden Markierungen, ebenso an Kontrollen.

Was muss getan werden?

People and the Sea setzen sich auch aktiv für einen besseren Schutz und die Restaurierung von Korallenriffen ein. Die Insel Malapascua braucht dringend ein nachhaltiges, gemeindebasiertes Management ihrer marinen Ressourcen. Dabei müssen alle lokalen Interessengruppen (Fischer, große und kleine touristische Unternehmen, die Gemeinde, Behördenvertreter) gehört und mit eingebunden werden. Denn nur so wird es gelingen, die marine Umwelt vor Zerstörung zu schützen.

Boote von Kleinfischern auf Malapascua, Philippinen.

Zu den wichtigsten Aktivitätsbereichen von People and the Sea gehören der Schutz beziehungsweise die Wiederherstellung der Biodiversität, der Aufbau einer nachhaltigen Fischerei, Umweltbildung und Abfallmanagement.

Schutz der Biodiversität – Riffschutzmaßnahmen

Mit Hilfe der Bevölkerung („Citizen Science“-Programme) werden Daten über Riffe und ihre Bewohner durchgeführt sowie Gefahren für Riffe beseitigt. Gefährdet sind Riffe nicht nur durch Vermüllung, sondern auch durch natürlich Feinde, wie Dornenkronenseesterne, die ganze Korallenriffe zerstören können. Außerdem sollen mit der Einrichtung von künstlichen Riffen neue Korallenriffe entstehen.

Nachhaltige Fischerei und Umweltbildung

Damit sich die Fischbestände wieder erholen können und um das marine Habitat zu schonen, bringen die Meeresschützer den Fischern nachhaltige Fangmethoden bei und klären sie über illegale Fangmethoden auf. Langzeitmonitoring der Fischerei ist dabei ein wichtiger Bestandteil.

Kinder lernen, was nachhaltige Fischerei ist.

Kinder von Malapascua beim Fischen. Mit Umweltunterricht in Schulen und Freizeitcamps lernen sie, ihre Meeresressourcen zu schützen.

Die Fischer sollen aktiv bei allen Entscheidungen zu Meeresschutz und nachhaltiger Fischerei mit einbezogen werden. Eine besondere Rolle kommt dabei einer einheimischen Koordinatorin mit zehnjähriger Erfahrung zu, die für die Zusammenarbeit mit den Fischern zuständig ist. Zudem kooperieren People and the Sea mit dem Fischereiwissenschaftler Dr. Simone Franceschini von der Universität Rom.

Mit Umweltunterricht in Schulen sowie Freizeitcamps schaffen People and the Sea schon bei der jungen Generationen ein besseres Verständnis für die Notwendigkeit, marine Ressourcen zu schützen.

WCE-Programm (Waste Collection and Education)

Das Programm für Abfallsammlung und -erziehung (WCE) ist eine laufende Initiative für die Dorfbevölkerung über Mülltrennung in Haushalten. Es besteht seit 2018, initiiert von People and the Sea und der Malapascua Business Association.

Müllsammlung, WCE-Programm für Abfallsammlung auf Malapascua, Philippinen

Trotz aller Schwierigkeiten, die die Pandemie mit sich brachte, gelang es, WCE-Müllsamlungen ohne Unterbrechung fortzusetzen.

Seit Mai 2018 bis Ende 2021 sind im Rahmen des WCE-Programms unglaubliche 335.000 kg Abfall von Haushalten gesammelt und entsorgt worden. Zu diesem Erfolg beigetragen haben Tür-zu-Tür-Schulungen und die enge Einbeziehung der Dorfgemeinschaft. Das WCE-Programm ist heute als erfolgreicher und kooperativer Prozess zur nachhaltigen Bewirtschaftung fester Abfälle auf Malapascua anerkannt.

Außerdem richtete man Kompostierstellen ein, sodass die Inselbewohner aufgrund der besseren Bodenqualität eigenes Gemüse und Obst anbauen können.

People and the sea beach cleanup.

Jeden Monat werden etwa 10 Tonnen Abfall gesammelt.

Was wir gemeinsam erreichen wollen

  • Abschaffung von zerstörerischen und illegalen Fischereiaktivitäten
  • Monitoring der Fischereiaktivitäten sowie Identifizierung und Monitoring ökologischer Schlüsselgebiete: Laichgründe, Korallenriffe, Seegraswiesen, Mangroven
  • Gesundung und Wachstum von Korallenriffen und Seegraswiesen
  • Restauration von Korallenriffen durch die Einrichtung von künstlichen Riffen
  • Erhalt gesunder Fischbestände, die wiederum höhere Fangmengen für die Subsistenzfischerei ermöglichen
  • Rückkehr wichtiger Indikatorarten, wie Haie und pelagische Fischarten
  • Ausweitung des Projekts auf die Insel Biliran (seit 1992 eigenständige Provinz der Philippinen)
people and the sea - Thank you!

Die Philosophie dahinter

Die Arbeit von People and the Sea fußt auf:

  • Lokaler Ausrichtung
  • Basisorientierung
  • Offenheit für Austausch und Zusammenarbeit
  • Umsetzung konkreter Maßnahmen für die Menschen und mit den Menschen, für stabile und produktive Küstenökosysteme

Informationen und Fotos (soweit nicht anders angegeben) von People and the Sea

Nachhaltige Fischerei unterstützen!

Nachhaltiger Fischfang mit Pole and Line.

Nachhaltige Fischerei ist der einzige Ausweg aus der globalen Fischereikrise. Für die Menschen! Für die Artenvielfalt in den Meeren!


Projektberichte