Malapascua: Nachhaltige Fischerei – Riff-Restauration – Müll-Management

10 Minuten

Von der Masterarbeit zur Projektkooperation: 2018 forschte der auch von uns unterstützte Meeresbiologe Julian Engel auf der Insel Malapascua (Philippinen) zum Thema Haitourismus als Alternative zu Haifang und Shark Finning (Haiflossenfischerei). Er bekam viel Hilfe vor Ort, unter anderem von der auf der Insel aktiven Organisation People and the sea (PepSea). Seit 2020 unterstützen wir PepSea (in Kooperation mit Stop Finning e. V.). Schwerpunkte der Arbeit sind nachhaltige Fischerei, Abfallmanagement, Gemeindeentwicklungsprogramme zur Armutsbekämpfung sowie Restauration und Schutz von Korallenriffen.

Übergeordnetes Ziel ist, dass die Menschen Verantwortung für ihre Ressourcen übernehmen und diese nachhaltig nutzen. Nur gemeinsam können sie den Rückgang von Küstenökosystemen wie Korallenriffen umkehren und lernen, mit den Auswirkungen der Klimakatastrophe zu leben.

Die Insel Malapascua

Malapascua liegt nördlich von Cebu in der Visayas-See. Die Insel ist nur ca. 2 Kilometer lang, etwa 800 m breit und vergleichsweise dicht besiedelt. Das liegt am Tourismus. Die meist ausländischen Tauchresorts bieten den Einwohnern alternative Einkommensquellen und einen besseren Lebensstandard. Zuvor lebte die Inselbevölkerung hauptsächlich vom Fischfang. Dabei kam illegal auch immer wieder Dynamit zum Einsatz.

Auf der philippinischen Insel Malapascua erforschte Julian Engel Möglichkeiten zu nachhaltigem Haitourismus.
Foto: Robert Marc Lehmann

Fuchshaie

Malapascua ist international bei Tauchern für ein ganz besonderes „Hai-Light“ bekannt: An ihrem unterseeischen Monad Shoal befindet sich eine „Putzerstation“. Haie und andere große Fische lassen sich hier „säubern“. Es ist weltweit eine der wenigen Stellen, an denen man Pazifische Fuchshaie (Alopias pelagicus) beobachten kann.

Malapascua ist eine der wenigen Stellen, an denen man Pazifische Fuchshaie beobachten kann.

Der Pazifische Fuchshai ist die kleinste der drei Fuchshaiarten. Foto: Nicholas Daniel

Auch Mantarochen (Manta birostris) und andere Rochenarten finden sich ein, mitunter auch Große Hammerhaie (Sphyrna mokarran), Grauhaie (Hexanchus griseus), Silberspitzenhaie (Carcharhinus albimarginatus) und Weißspitzenriffhaie (Triaenodon obesus). Die Insel ist umgeben von Seegraswiesen, Mangroven und Korallenriffen.

Touristische Entwicklung führt zu Konflikten

Malapascua hat sich mit dem Tauchtourismus rasant entwickelt. Unweigerlich führte dies zu Konflikten. Fischer und Tourismus-Anbieter sehen sich als Kontrahenten: „Taucher, die Fischereigerät zerstören, und Fischer, die Tauchbojen kappen, sind häufig“, beklagt Axelle Jorcin, Geschäftsführerin von People and the sea. Fischer würden marginalisiert, ihre Fischgründe ohne Alternativangebote verkleinert. Zudem fehlte den Fischern das Wissen, wie man nachhaltig fischt oder welche Fangmethoden illegal sind.

Programm für schonenden Fischfang

Damit sich die Bestände wieder erholen können, bringen PepSea den Fischern nachhaltige Fangmethoden bei und klären sie über illegale Fangmethoden auf.

Fangdaten sind der Schlüssel zum Verständnis von Fischerei-Auswirkungen auf Fischbestände. Deshalb erfasst PepSea neben der Artenzusammensetzung die Größe der gefangenen Fische sowie das eingesetzte Fanggerät (siehe Foto). Inzwischen reichen die Datensätze bis in den Juli 2019 zurück. Dabei zeigte sich ein deutlicher Fangmengen-Rückgang (kleinere Fische, weniger größere Raubfische). Die Fischer selbst sind überzeugt, dass dies mit der Überhitzung des Meeres in Verbindung mit steigender Nachfrage nach Fisch zusammenhängt.

Verschiedene Fischfanggeräte, Projekt „Nachhaltige Fischerei – Insel Malapascua (Philippinen)“

Um ein vollständiges Verständnis zur Fischereidynamik und über Fischfangmethoden zu erhalten, erstellt PepSea ein Basisprofil aller eingesetzten Fanggeräte. Bislang wurden 19 verschiedene Fangmethoden mit einer Vielzahl von Fanggeräten erfasst.

Im Zuge des Programms für nachhaltige Fischerei etablierte PepSea auch Kontakte zu lokalen Fischereigemeinschaften wie der Malapascua Fishermen Association (MAFA). Zusätzlich half man 2022 dörflichen Kleinfischern bei der Gründung einer neuen Fischereivereinigung (LogFA). Innerhalb weniger Monate schlossen sich der LogFA 114 Fischer an.

Zudem sorgt PepSea mit Umweltunterricht in Schulen und Freizeitcamps für ein besseres Meeresschutz-Verständnis bei der jungen Generation.

Kinder lernen, was nachhaltige Fischerei ist.

Kinder von Malapascua beim Fischen. Mit Umweltunterricht in Schulen und Freizeitcamps lernen sie, ihre Meeresressourcen zu schützen.

Fischen an der Armutsgrenze

Die handwerklichen Fischer von Malapascua landen eine Vielzahl von Arten an. PepSea erfasste bislang 95 Arten Fische, Krusten- und Schalentiere sowie Tintenfische. Der größte Ertragsanteil nach Gewicht und Wert stammte 2022 allerdings von nur 14 Arten, die 80 % des Fangertrags ausmachen. Darunter waren Pelagische Küstenfische (Thunfisch, Makrele und Sardinen) sowie Riff- und Mangrovenbewohner (Kaiserfische, Schnapper, Zackenbarsche und Tintenfische).

Im Durchschnitt fangen die Fischer von Malapascua wenig Fisch. Nur 4,3 kg pro Kopf und Ausfahrt. Damit lässt sich nicht viel Geld verdienen. Mit einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 9,02 Dollar (450 Pesos) vor Abzug der Kosten pro Fangfahrt bleibt ihr Einkommen gering. Es liegt um oder unter der offiziellen Armutsgrenze (8.000 Pesos für eine fünfköpfige Familie) für die Philippinen.

Edwin, Kleinfischer aus Malapascua, Philippinen

„Eine unserer größten Herausforderungen ist es, die kommerziellen Schiffe fernzuhalten, und wir hoffen, dass die Regierung uns helfen wird. Wenn die Fischereigesetze richtig umgesetzt werden, kann das Meer wieder gesund werden, und das wäre eine große Hilfe für Kleinfischer wie uns.“

Edwin

Kleinfischer auf Malapascua

Den größten Fangertrag erzielte man 2022 mit dem Fang von Rifffischen (z. B. Kaiserfische). Damit bekommt der Erhalt der vor der Insel befindlichen Korallenriffe auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Denn intakte Riffe, Schutzgebiete und temporäre Fangverbote führen nicht nur zu einer größeren Artenvielfalt. Es gibt dann auch mehr Fische rund um das Schutzgebiet (Spillover-Effekt). In der Folge fangen handwerkliche Fischer dort wieder mehr und größere Fische.

Restauration und Schutz von Korallenriffen

Ein Dornenkronenseestern crown-of-thorns starfish auf einer Koralle, Riff vor Malapascua, Phlippinen

Weltweit leiden Korallenriffe nicht nur unter Überfischung, Überdüngung, Zerstörung und den Folgen der Klimakatastrophe.

Oft kommt es auch zu Massenvermehrungen von Dornenkronenseesternen, auf Englisch Crown-of-Thorns starfish (COTS) genannt. In einigen Riffsystemen ist die COTS-Population auf das 500-Fache ihres natürlichen Niveaus angestiegen.

Die Folgen sind verheerend. Sie führen letztlich zum Verlust der betroffenen Riffsysteme. PepSea setzt sich daher auch für einen besseren Schutz und die Restaurierung von Korallenriffen ein.

Absammeln von Dornenkronenseesternen

Vor Malapascua stellten PepSea an 10 von 15 untersuchten Riff-Flächen zu viele COTS fest. Zwei dieser Flächen liegen im Coral-Gardens-Meeresschutzgebiet auf der Ostseite der Insel.

Absammelstellen von Dornenkronenseesternen (COTS) aus Korallenriffen vor Malapascua, Philippinen.
Absammelstellen aus Korallenriffen vor Malapascua.
Absammeln von Dornenkronenseesternen im Coral Gardens Riff vor Malapascua, Philippinen

Hier fanden im Oktober und November 2021 Absammelaktionen mit vorher trainierten Freitauchern statt. PepSea stellt hierfür die Werkzeuge für das nicht ganz ungefährliche manuelle Absammeln der mit unzähligen spitzen Giftstacheln bewehrten Seesterne.

Bei Freitaucher-Einsätzen benötigt man keine ausgebildeten Taucher. Außerdem können viele Menschen teilnehmen.

Bis Ende 2022 hatten einheimische Fischer 1.407 Seesterne abgesammelt. Langfristiges Ziel ist es, die COTS-Zahl so niedrig zu halten, dass es nicht zur Massenvermehrung kommt.

Bryan, Kleinfischer aus Malapascua, Philippinen

„Ich habe so viel gelernt und hatte das Gefühl, dass ich wirklich etwas beitragen kann, als ich bei PepSea an der Ecocean-Umfrage teilnahm. Ich lernte, wie man die Ausrüstung aufbaut und welche Jungfische vor Malapascua zu finden sind. Ich habe auch so viel gelernt, als wir anfingen, die COTS-Entnahmen [Absammeln von Dornenkronenseesternen/Crown-of-Thorns Starfish] durchzuführen. Mir wurde klar, wie wichtig unsere Riffe sind und wie sehr sie zu unserem Lebensunterhalt beitragen. Jetzt weiß ich, dass Korallenriffe sehr empfindlich sind und dass ein geringes Ungleichgewicht sie beeinträchtigen kann.“

Bryan

Kleinfischer auf Malapascua

Aufbau künstlicher Korallenriffe

Im Süden der Insel befindet sich vor dem Tepanee Resort eine künstliche Riff-Installation aus Stahlgerüsten. Das Gebiet wurde 2020 unter Schutz gestellt.

Projekt zur Riff-Restauration mit Beteiligung von Fischern und Tauchbasen von People and the Sea.
Schutzgebiet mit künstlichen Riffstrukturen vor dem Tepanee Resort im Süden der Insel Malapascua.

Seit dem Beginn der Coronapandemie blieb es weitgehend unberührt. Dies führte zu einer bemerkenswerten Entwicklung. Es gibt jetzt mehr und größere Fische und sogar eine Kinderstube für Schwarzspitzenriffhaie. Dadurch entstand eine einzigartige Gelegenheit, Küstenfischer und Tauchtourismus-Anbieter für ein gemeinsames Ziel zusammenzubringen.

Vier Freitaucher befestigen Korallenstücke an Metallgestellen zum Wiederaufbau eines Korallenriffs, Insel Malapascua, Philippinen

PepSea schulte acht Fischer darin, als Freitaucher Korallenwachstumsformen (Verzweigung, Felsen, Weichkorallen usw.) zu identifizieren, Probleme der Korallengesundheit zu erkennen, Fragmente zu sammeln, an den Stahlgerüsten zu befestigen und das Wachstum der Fragmente zu überwachen.

Fischer und Tauchbasen gemeinsam im Einsatz

Als sich herausstellte, dass das Fixieren der Korallenfragmente für Freitaucher zu anstrengend ist, aktivierte PepSea Tauchbasen zur freiwilligen Unterstützung. Jetzt sammeln die Fischer Korallen-Fragmente. Dann fixieren Taucher diese an den Stahlgerüsten. Das hat gut funktioniert. Projekte wie dieses sind ein wichtiges Instrument für Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den oft konfliktträchtigen Bereichen Tourismus und Fischerei.

WCE-Programm (Waste Collection and Education)

Das Programm für Abfallsammlung und -erziehung (WCE) ist eine seit 2018 laufende Initiative für die Dorfbevölkerung über Mülltrennung in Haushalten.

Sammelstelle des WCE-Programms für Abfallsammlung auf Malapascua, Philippinen

Kampagne für Mehrwegwindeln

Zwischen 2019 und 2021 machten Wegwerfwindeln zwischen 22 und 38 % der im Rahmen des WCE-Programms gesammelten festen Abfälle aus. Einwegwindeln sind die einzige Abfallkategorie, die gegenüber 2019 nur leicht zurückging und gegenüber 2020 sogar zunahm.

Im April 2021 übernahmen PepSea eine bereits bestehende Mehrwegwindel-Bank und bauten sie aus. Familien können jetzt ein Set von 10 wiederverwendbaren Windeln erhalten und diese im Laufe eines Jahres zurückzahlen. Entweder durch persönliche Zahlungen oder aus den Ersparnissen von lokalen Sparklubs (Community-Managed Savings and Credit Associations/CoMSCA).

Mehrwegwindeln von der Mehrwegwindel-Bank, Malapascua

Die Mehrwegwindel-Bank spart pro Familie und Jahr den Gebrauch von über 1.000 Wegwerfwindeln bzw. Kosten von über 10.000 Pesos.

Außerdem richtete PepSea Kompostierstellen ein, sodass die Inselbewohner aufgrund der besseren Bodenqualität eigenes Gemüse und Obst anbauen können.

Was wir gemeinsam erreichen wollen

  • Abschaffung von zerstörerischen und illegalen Fischereiaktivitäten
  • Monitoring der Fischereiaktivitäten sowie Identifizierung und Monitoring ökologischer Schlüsselgebiete: Laichgründe, Korallenriffe, Seegraswiesen, Mangroven
  • Gesundung und Wachstum von Korallenriffen und Seegraswiesen
  • Restauration von Korallenriffen durch die Einrichtung von künstlichen Riffen
  • Erhalt gesunder Fischbestände, die wiederum höhere Fangmengen für die Subsistenzfischerei ermöglichen
  • Rückkehr wichtiger Indikatorarten, wie Haie und pelagische Fischarten
  • Ausweitung des Projekts auf die Insel Biliran (seit 1992 eigenständige Provinz der Philippinen)
Das Team von people and the sea sagt Danke / Thank you!

Die Philosophie dahinter

Die Arbeit von People and the sea fußt auf:

  • Lokaler Ausrichtung
  • Basisorientierung
  • Offenheit für Austausch und Zusammenarbeit
  • Umsetzung konkreter Maßnahmen für die Menschen und mit den Menschen für stabile und produktive Küstenökosysteme

Das PepSea-Projekt auf Malapascua

Informationen und Fotos (soweit nicht anders angegeben): People and the sea

UN-Nachhaltigkeitsziele des Projekts

Nachhaltige Fischerei unterstützen!

Alternative zur industriellen Fischerei: Nachhaltiger Fischfang mit Pole and Line.

Nachhaltige Fischerei ist der einzige Ausweg aus der globalen Fischereikrise. Für die Menschen! Für die Artenvielfalt in den Meeren!


Projektberichte von People and the sea