People and the Sea – Projektbericht 2021

Voraussichtliche Lesedauer: 6 Minuten

Die vergangenen zwei Jahre waren schwierige Jahre für die Menschen auf der philippinischen Insel Malapascua und das dortige Team von People and the Sea (PepSea). Aufgrund der Coronapandemie verloren einige hundert Tourismusdienstleister wie Tauchführer oder Crews ihre Jobs. Daraufhin suchten viele Beschäftigung in der Fischerei. Denn für sie gab es auf der Insel keine weitere Möglichkeit, Einkommen zu generieren, um ihre Familien zu unterstützen. Viele Menschen mussten die Insel verlassen. Am stärksten litten die Kinder unter zunehmender Armut und monatelangen Schulschließungen.

Dennoch leistete das PepSea-Team mit großartigem Engagement eine unglaubliche Arbeit. Zum Jahresende 2021 hin zeigte sich einmal mehr die Anpassungsfähigkeit philippinischer Gemeinschaften. Die Menschen begannen sich auf eine neue Normalität einzustellen. Dabei sind die gemeinsamen Ziele wichtiger denn je: Die Menschen sollen Verantwortung für ihre eigenen Ressourcen übernehmen. Nur gemeinsam können sie den Rückgang von Küstenökosystemen wie Korallenriffen umkehren und lernen, mit den Auswirkungen der Klimakatastrophe zu leben.

Das Tteam von People and the Sea auf Malapascua, Philippinen

Die Ziele von People and the Sea haben sich nicht geändert, nur die Spielregeln. Denn COVID-19 wird nicht verschwinden. Auch auf Malapascua wird das Leben nie wieder so sein, wie es vor der Pandemie war.

Programm für nachhaltige Fischerei

Fischereidaten sind der Schlüssel zum Verständnis von Fischerei-Auswirkungen auf Fischbestände. Deshalb erfasst PepSea neben der Artenzusammensetzung die Größe der gefangenen Fische sowie das eingesetzte Fanggerät (siehe Foto). Inzwischen reichen die Datensätze bis in den Juli 2019 zurück. Dabei zeigte sich ein deutlicher Rückgang der Fangmengen.

Verschiedene Fischfanggeräte, Projekt „Nachhaltige Fischerei – Insel Malapascua (Philippinen)“

Um ein vollständiges Verständnis zur Fischereidynamik und über Fischfangmethoden zu erhalten, erstellt PepSea ein Basisprofil aller eingesetzten Fanggeräte. Bislang wurden 19 verschiedene Fangmethoden mit einer Vielzahl von Fanggeräten erfasst.

Die Fischer selbst sind überzeugt, dass dies mit der Überhitzung des Meeres in Verbindung mit steigender Nachfrage nach Fisch zusammenhängt. Im Zuge des Programms für nachhaltige Fischerei etablierten People and the Sea zudem dauerhafte Kontakte zu lokalen Fischereigemeinschaften wie der der Malapascua Fishermen Association.

Edwin, Kleinfischer aus Malapascua, Philippinen

„Eine unserer größten Herausforderungen ist es, die kommerziellen Schiffe fernzuhalten, und wir hoffen, dass die Regierung uns helfen wird. Wenn die Fischereigesetze richtig umgesetzt werden, kann das Meer wieder gesund werden, und das wäre eine große Hilfe für Kleinfischer wie uns.“

Edwin

Kleinfischer auf Malapascua

Bryan, Kleinfischer aus Malapascua, Philippinen

„Ich habe so viel gelernt und hatte das Gefühl, dass ich wirklich etwas beitragen kann, als ich bei PepSea an der Ecocean-Umfrage teilnahm. Ich lernte, wie man die Ausrüstung aufbaut und welche Jungfische vor Malapascua zu finden sind. Ich habe auch so viel gelernt, als wir anfingen, die COTS-Entnahmen [Absammeln von Dornenkronenseesternen/Crown-of-Thorns Starfish] durchzuführen. Mir wurde klar, wie wichtig unsere Riffe sind und wie sehr sie zu unserem Lebensunterhalt beitragen. Jetzt weiß ich, dass Korallenriffe sehr empfindlich sind und dass ein geringes Ungleichgewicht sie beeinträchtigen kann.“

Bryan

Kleinfischer auf Malapascua

Langleinenfischer verlassen Fanggründe

Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung während der Pandemie ist die zeitweise Abwanderung indonesischer Langleinenfischer. Viele wechselten in benachbarte Fanggebiete, außerhalb der Zuständigkeit der Großraumgemeinde von Daanbantayan (Provinz Cebu). Sie wollten, wie einer von ihnen sagte, „Platz machen für Fischer, die keine Möglichkeit haben, ihre Fanggründe zu wechseln.“

Marine Biodiversität: Schutz von Korallenriffen

Ein Dornenkronenseestern crown-of-thorns starfish auf einer Koralle, Riff vor Malapascua, Phlippinen

Weltweit leiden Korallenriffe nicht nur unter Überfischung, Überdüngung, Zerstörung und den Folgen Klimakatastrophe. Immer häufiger kommt es auch zu Massenvermehrungen von Dornenkronenseesternen, auf Englisch Crown-of-Thorns Starfish (COTS) genannt.

In einigen Riffsystemen ist die COTS-Population auf das 500-Fache des natürlichen Niveaus angestiegen. Die Folgen sind verheerend. Sie führen letztlich zum Verlust der betroffenen Riffsysteme.

Absammeln von Dornenkronenseesternen

Vor Malapascua stellten People and the Sea an 10 von 15 untersuchten Riff-Flächen zu hohe COTS-Bestandsdichten fest. Zwei der betroffenen Riffabschnitte liegen im Coral-Gardens-Riff auf der Ostseite der Insel.

Sammelstellen für Dornenkronenseesterne im Coral Gardens Riff vor Malapascua, Philippinen

Hier fand das erste Absammel-Training für Freitaucher statt. Das hat den Vorteil, dass man keine ausgebildeten Taucher benötigt und viele Menschen dabei mitmachen können.

Zusätzlich koordinierte PepSea im letzten Quartal des Jahres 2021 ein Managementprogramm zur Kontrolle der COTS-Population. Ausgewogene Regulierungsmaßnahmen sollen dafür sorgen, dass die Bestandsdichte des gefürchteten Korallenzerstörers langfristig so niedrig bleibt, dass es nicht zur Massenvermehrung kommt.

Absammeln von Dornenkronenseesternen im Coral Gardens Riff vor Malapascua, Philippinen

Die Fischer von Malapascua sollen lernen, ihre Meeresressourcen selbst zu verwalten und zu pflegen. Dazu stellt People and the Sea neben den notwendigen Schulungen Werkzeuge für das manuelle Absammeln der Seesterne zur Verfügung.

Bei den ersten Aktionen im Oktober und November 2021 entfernten einheimische Fischer 648 Seesterne aus dem Coral-Gardens-Riff.

WCE-Programm (Waste Collection and Education)

Das Programm für Abfallsammlung und -erziehung (WCE) ist eine seit 2018 laufende Initiative für die Dorfbevölkerung über Mülltrennung in Haushalten.

Abfallmenge auf Malapascua sinkt kontinuierlich

Im Jahr 2021 sammelten PepSea 59.000 kg Haushaltsabfälle. Die WCE-Sammeldaten zeigen, dass die Gesamtabfallmenge 2021 gegenüber 2019 um 49 % gesunken ist. Ein Teil des reduzierten Müllaufkommens ist dabei allerdings auch auf die Pandemie zurückzuführen.

Sammelstelle des WCE-Programms für Abfallsammlung auf Malapascua, Philippinen

Kampagne für Mehrwegwindeln

Zwischen 2019 bis 2021 machten Wegwerfwindeln zwischen 22 und 38 % der im Rahmen des WCE-Programms gesammelten festen Abfälle aus. Einwegwindeln sind die einzige Abfallkategorie, die gegenüber 2019 nur leicht zurückging und gegenüber 2020 sogar zunahm.

Im April 2021 übernahmen People and the Sea eine bereits bestehende Mehrwegwindel-Bank und bauten sie aus. Familien können jetzt ein Set von 10 wiederverwendbaren Windeln erhalten und diese im Laufe eines Jahres zurückzahlen. Entweder durch persönliche Zahlungen oder aus den Ersparnissen von lokalen Sparklubs (Community-Managed Savings and Credit Associations – CoMSCA).

Mehrwegwindeln von der Mehrwegwindel-Bank, Malapascua

Mit der Teilnahme an der Mehrwegwindel-Bank können die Familien den Gebrauch von über 1.000 Wegwerfwindeln vermeiden und dabei über 10.000 Pesos pro Jahr sparen.

„Wir sind bereit für alles, was 2022 auf uns zukommen wird.“

Axelle Jorcin, Gründerin und Geschäftsführerin

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