Projekt Malapascua – Erfolge 2021

In der ersten Jahreshälfte setzte das Team von People and the sea viele seiner Meeresschutzziele auf der Insel Malapascua (Philippinen) um. Trotz Coronaeinschränkungen. Denn es gelang, die meisten Aktivitäten wie geplant durchzuführen. Zudem erweiterte man einige Gemeinde-Entwicklungsprogramme. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Zusammenarbeit mit der Fischereigemeinschaft. Deshalb vertiefte man die guten Beziehungen mit der Malapascua Fisherfolk Association (MAFA) auf regelmäßigen monatlichen Treffen. MAFA-Beamte und -Mitglieder werden so oft wie möglich in die Aktivitäten von People and the Sea einbezogen.

Auswirkungen der Covidpandemie

Erfassung der Fangmengen, Projekt „Nachhaltige Fischerei – Insel Malapascua (Philippinen)“

Aufgrund von Covid verloren einige hundert Tourismusdienstleister wie Tauchführer oder Crews ihre Jobs. Daraufhin suchten viele Beschäftigung in der Fischerei. Denn für sie gab es auf der Insel keine weitere Möglichkeit, Einkommen zu generieren, um ihre Familien zu unterstützen.

Solidarität auf Philippinisch: Bayanihan

Die Malapascua-Fischereigemeinschaft akzeptierte und unterstützte dies. „Bayanihan“ nennen sie dies auf den Philippinen. Das ist der „philippinische Geist“. Niemand soll zurückgelassen werden. Jeder hilft mit.

Daher tragen ehemalige Tourismusarbeiter jetzt Fischerboote am Ende eines jeden Fangtages an einen sichereren, höher gelegenen Ort. Im Gegenzug revanchierten sich die Fischer dafür mit ein oder zwei frischen Fischen.

Langleinenfischer verlassen Fanggründe

Fischer tragen ihren Fang in einem Bottich, Projekt „Nachhaltige Fischerei – Insel Malapascua (Philippinen)“

Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung während der Pandemie ist die Abwanderung der Langleinenfischer. Denn sie wechselten in benachbarte Fischereigebiete. Diese liegen außerhalb der Zuständigkeit der Großraumgemeinde von Daanbantayan (Provinz Cebu).

Normalerweise verlassen Langleinenfischer ihre Fanggründe vor Malapascua zwischen November und März. Diese Monate sind für sie fangarme Monate.

Nun konnten lokale Fischer die Fangerträge hoch halten und weiter ihr gewohntes Einkommen erzielen. Die Langleinenfischer wollten, wie einer von ihnen sagte, „Platz machen für Fischer, die keine Möglichkeit haben, ihre Fanggründe zu wechseln.“

In der Folge sah man dann auch z. B. ehemalige Touristiker ohne Boot in flachen Riffgebieten mit dem Speer fischen.

Fischereiprogramme

Fischanlandestellen, Projekt „Nachhaltige Fischerei – Insel Malapascua (Philippinen)“

Fischereidaten sind der Schlüssel zum Verständnis von Fischerei-Auswirkungen auf Fischbestände.

Deshalb erfasst People and the sea neben der Artenzusammensetzung auch die Größe der gefangenen Fische sowie das eingesetzte Fanggerät. Inzwischen reichen die Datensätze bis in den Juli 2019 zurück. Nun gilt es, diese 24 Monate auszuwerten.

Erfassung des Fanggewichts

Mit Unterstützung der Fischaufkäufer der Dorfgemeinschaften erfasste People and the sea das Fanggewicht angelandeter Fische. Fischaufkäufer oder Fischkonsolidierer sind spezielle Zwischenhändler. Denn sie haben sich auf bestimmte Fanggeräte spezialisiert und kaufen nur Fisch, der damit gefangen wurde. Tag für Tag notieren sie die Daten in Notizbüchern.

Vangie, Kontaktfrau für Fischerei von People and the sea

Vangie, Kontaktfrau für Fischerei

Außerdem gibt es mehrere Fischer, die ihren Fang direkt in Maya oder Tapilon auf Cebu verkaufen. Auch sie übermitteln ihre Anlandedaten an People and the sea.

Evangeline S. Faburada, Kontaktfrau für Fischerei, von Freunden Vangie genannt, und Marticela Pelayo, Koordinatorin für grüne Projekte und auf Malapascua besser bekannt unter dem Namen Mattie, übernehmen und speichern diese Daten.

Ergebnis

Zwischen Januar und Juni 2021 landeten die Fischer an 167 Tagen Fisch an. Dabei setzten sie 10 verschiedene Fanggeräte ein. Wobei drei Arten von Fanggeräten 79 % des Gesamtfangs ausmachten. Das Gesamtfanggewicht betrug 14.997 kg.

Fangstatistik nach Fangmethoden, Projekt „Nachhaltige Fischerei – Insel Malapascua (Philippinen)“

In der ersten Jahreshälfte beteiligten sich 132 Fischer an dem Programm zur Erfassung der Anlandedaten. Hiervon setzen 69 % nur ein Fanggerät ein, 16 % verwenden zwei verschiedene Fangmethoden.

Größe der gefangenen Fische

Vermessung der Größe der Fische, Projekt „Nachhaltige Fischerei – Insel Malapascua (Philippinen)“

Jede erste Woche im Monat werden die angelandeten Fische vermessen. Dabei sortieren Mitarbeiter von People and the sea sie nach ihren lokalen Namen.

Dann wird die Gesamtlänge gemessen. Bei Rochen vermessen sie die Breite, bei Krebsen die Größe des Cephalothorax (Kopf- und Brustpanzer).

Ergebnis

40 Fischer beteiligten sich an diesem Programm. Dabei handelte es sich um Kitang-Fischer (Fischfang mit traditionellen Lang- bzw. Handleinen) aus zwei Hauptfanggebieten. Eines davon ist im Süden der Insel (Tawigan), während ein anderes im Norden (Guimbitayan) liegt.

Fangstatistik nach Fischarten, Projekt „Nachhaltige Fischerei – Insel Malapascua (Philippinen)“
Die 8.263 vermessenen Fische setzen sich aus 16 verschiedenen Arten zusammen. Jedoch stammten 60 bis 80 % der in diesem Zeitraum vermessenen Fische aus fünf Hauptquellen. Darunter Brassen (Lagaw) aus der Familie der Steinschnapper (Nempterus japonicas, Nemipterus mesoprion, Nemipterus virgatus). Oder barschartige Kiros (Lethrinus laticaudis) und Alimbas (Lethrinus obsoletus) aus der Familie der Großkopfschnapper (Lethrinidae).  Eine weitere Gruppe stellten Arten aus der Familie der Schnapper (Lutjanidae) dar: Miransing (Lutjanus lutjanus) und Awuman (Lutjanus fulviflamma).

Erfassung der Fangmethoden

Verschiedene Fischfanggeräte, Projekt „Nachhaltige Fischerei – Insel Malapascua (Philippinen)“

Um ein vollständiges Verständnis zur Fischereidynamik und über Fischfangmethoden zu erhalten, hat People and the Sea begonnen, ein Basisprofil aller eingesetzten Fanggeräte zu erstellen. Hierzu soll ein detaillierter Bericht veröffentlicht werden.

Bislang wurden 19 verschiedene Fangmethoden mit einer Vielzahl von Fanggeräten erfasst und dokumentiert.

Earth Day 2021 Cleanup

Zudem organisiert People and the sea regelmäßig Strandsäuberungen. Am internationalen Tag der Erde konnten immerhin 492 kg Müll von den Stränden beseitigt werden!

people and the sea - can't stop! won't stop!

Ausblick

Planungen für die zweite Jahreshälfte 2021:

  • Fertigstellung des Malapascua-Fischereiprofils. Es soll Basisdaten über Fischereigeräte und -praktiken, Fischgründe und sozioökonomische Daten enthalten
  • Analyse der seit Juli 2019 gesammelten Fischereiüberwachungsdaten
  • Initiierung einer Studie zur Ermittlung der Wertschöpfungskette von der Insel bis zu den Märkten
  • Identifizierung von Finanzierungsquellen, um die Fischereigründe mithilfe von GPS- und GIS-Kartierung genau einzugrenzen

Mit diesen Aktivitäten will man effiziente, partizipative und integrative Fischereimanagementmaßnahmen vor Malapascua etablieren. Ziel ist dabei insbesondere der nachhaltige Schutz der besonderen Artenvielfalt vor der Insel. Denn hier leben neben vielen Haien, Rochen, Korallen und Fischen auch die seltenen Fuchshaie.

Alle Fotos und Grafiken von People and the sea