Geigenrochen in Fidschi: Spurensuche

Voraussichtliche Lesedauer: 4 Minuten

Seit Jahresbeginn ist Kerstin Glaus, Schweizer Meeresbiologin und Haiforscherin, für uns auf den Spuren der letzten Geigenrochen, die in den Gewässern vor Fidschi leben. Was hat sich bisher getan?

Detektivarbeit in den Küstengewässern der Fidschi-Inseln

Jedes Lebewesen hinterlässt Spuren in seiner Umwelt in Form der DNA: auch Meerestiere. Und so sucht Kerstin Glaus genetische Spuren von Geigenrochen in den Gewässern von Fidschi. Die Analyse von Umwelt-DNA (eDNA) ist eine relativ neue, nicht invasive Forschungsmethode. Sie basiert auf der Gewinnung von genetischem Material, das Organismen auf natürliche Weise ins Meerwasser abgeben. Damit kann man, ohne Tiere einfangen zu müssen, selbst seltenste und nur schwer auffindbare Arten entdecken.

Transport der Ausrüstung auf einem SUP Paddleboard
Transport der Ausrüstung auf einem SUP-Paddleboard
Peristaltische Pumpe für die Wasserproben
Peristaltische Pumpe zur Entnahme der Wasserproben
Vorbereitung eines Sammelbehälters
Vorbereitung eines SPYGEN-Filters für die Wasserproben
Befestigung eines Sammelbehäters an der peristaltischen Pumpe
Befestigung des SPYGEN-Filters an der peristaltischen Pumpe
Kerstin Glaus nach einem erfolgreichen sampling mit einer gefilterten Wasserprobe
Kerstin Glaus nach einem erfolgreichen sampling. Jede einzelne Probe enthält DNA, die aus 40 Litern Meerwasser filtriert wurde.
Saki, einheimischer Helfer aus Fidschi für die Feldarbeit
Saki unterstützt Kerstin Glaus bei der Feldarbeit in Fidschi

Es ist der erste gezielte Versuch, mit Umwelt-DNA Vorhandensein und Artenvielfalt von Geigenrochen auf den Fidschi-Inseln nachzuweisen. Mittlerweile hat Kerstin Glaus erfolgreich die ersten eDNA-Proben gesammelt.

Entnahmestellen für eDNA-Proben vor Vanua Levu und Viti Levu, Fidschi-Inseln

Die Proben stammen aus den Gewässern der Inseln Vanua Levu und Viti Levu

Insgesamt sind jeweils 20 Wasser- und Sedimentproben in der Regen- und Trockenzeit geplant. Jede einzelne Probe enthält DNA, die aus 40 Litern Meerwasser filtriert wurde. Dazu pumpt Kerstin Glaus mit einer peristaltischen Pumpe (auch als Schlauch- oder Rohrpumpe bekannt) das Meerwasser durch einen SPYGEN-Filter (0.2 μm Porengröße) in eine kleine Probenkapsel. Darin befindet sich auch DNA aus dem abgepumpten Meerwasser. Ein SPYGEN-Labor in Frankreich extrahiert sie dann später und führt die Sequenzierung durch, wodurch schlussendlich die Arten identifiziert werden können.

Licht in dunkle Diversität bringen

Von dunkler Diversität (dark diversity/versteckter Artenvielfalt) spricht man in der Biodiversitätsforschung, wenn Arten, die es in einem Biotop eigentlich geben sollte, dort nicht gefunden werden können. Sind sie tatsächlich verschwunden? Oder sind sie einfach so selten, dass man sie mit gängigen Methoden nicht (mehr) findet? Mit Hilfe von eDNA-Analysen kann man in kurzer Zeit und auf sanfte Weise Licht in dunkle Diversität bringen.

Arbeiten an der Grenzlinie des globalen Massenaussterbens

Artenschützer und Wissenschaftler, die sich mit dunkler Diversität beschäftigen, arbeiten unmittelbar an der unsichtbaren Grenzlinie des sechsten globalen Massenaussterbens. Es ist menschengemacht. Wir haben es jedoch in der Hand, den fatalen Trend umzukehren. Doch um seltene Arten schützen zu können, muss man wissen, wer wo noch vorkommt. Erst dann können Schutzgebiete eingerichtet und Artenschutzgesetze angepasst werden. Ohne dieses Wissen würden Schutzbemühungen für vom Aussterben bedrohte Arten ins Leere laufen. Wissenschaftliche Daten sind die Grundvoraussetzung für jegliche Schutzbemühungen.

Beifang eines Weißfleck-Geigenrochen aus Fidschi, vor Navua Insel Viti Levu

Beifang eines Weißfleck-Geigenrochen aus Fidschi, vor Navua Insel Viti Levu

Wir wollen zusammen mit Kerstin Glaus, den Behörden in Fidschi und der lokalen Bevölkerung die Restbestände der Geigenrochen wiederaufbauen und langfristig wirkende Schutzkonzepte für Geigenrochen in Fidschi und ihre Lebensräume auf den Weg bringen.

Geigenrochen in Fidschi

Immerhin weiß man, dass noch einige Geigenrochenarten in den Küstengewässern bei Fidschi leben. Bis auf Weißfleck-Geigenrochen, ist unbekannt, um welche Arten es sich handelt und wie viele von ihnen es noch gibt. Bereits im Januar 2022 fing Andrew Paris, Masterstudent an der University of the South Pacific (USP) in Fidschi, ungewollt ein Exemplar unbekannter Art an der Nordküste der Insel Viti Levu. Er ließ das Tier sofort frei und filmte das Ganze. Andrew unterstützt Kerstin Glaus bei unserem Projekt.

Und Anfang Mai tauchten zwei mindestens 3 m große Geigenrochen an der Coral Coast vor Votua (Viti Levu) auf. Man konnte die spektakulären Rochen gut von Land aus beobachten. Ganz gemächlich schwammen sie im Flachwasser den Strand entlang. Ein atemberaubender Anblick!

Alle Fotos: © K. Glaus/DSM

Zeigen Sie ein Herz für Geigenrochen!

Spendenurkunde Projekt „Ein Herz für Geigenrochen“

Engagieren Sie sich jetzt für den Schutz dieser außergewöhnlichen Rochen und unser Schutzprojekt auf Fidschi. Für Projekt-Spenden ab 50 Euro gibt es eine spezielle Projekturkunde.


Weiterführende Informationen