Weniger Plastik im Alltag

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Deutschland nimmt in Europa die wenig ruhmreiche Spitzenposition beim Verbrauch von Plastik ein. Das muss nicht sein! Machen auch Sie mit! Man kann mit viel weniger Plastik im Alltag auskommen. Es ist ganz einfach und tut auch nicht weh.

Wie lässt sich der Eintrag von Plastik in die Meere verringern?

Lassen Sie Plastik-Umverpackungen für Obst und Gemüse oder andere Produkte im Laden zurück. Denn der Handel ist verpflichtet, hierfür entsprechende Sammelboxen aufzustellen. Am Ende des Tages müssen sich Hersteller und Handel dem Problem stellen. So gerät der universelle Verpackungswahn zum Boomerang.

Nehmen Sie zum Einkaufen Jute- oder Baumwolltaschen aus zertifzierter Bio-Baumwolle mit. Denn diese lassen sich jahrelang immer wieder nutzen.

Mehrwegprodukte sollten, wo immer möglich, genutzt werden! Zwar ist in der EU seit Juli 2021 die Verwendung von zehn Einwegkunststoffprodukten verboten. Dazu gehören u. a. Einweg-Geschirr aus Plastik und aus „Bioplastik“, Trinkhalme oder Einweg-Behälter aus Styropor. Restbestände dürfen allerdings noch verbraucht werden. Dies und einiges mehr regelt die Einwegkunststoff-Verbotsverordnung oder Single-Use Plastics Directive (SUP-Richtlinie).

Plastikmüll am Strand.

Die meisten der an Stränden entdeckten Abfälle sind aus Einwegkunststoffprodukten und weggeworfener Fischereiausrüstung

Dennoch sind die bereits in der Umwelt befindlichen Einwegplastikprodukte damit nicht verschwunden. Einwegbecher gehören immer noch zur „Top Ten“ der kunststoffhaltigen Einwegprodukte, die in Europa am häufigsten an Meeresstränden zu finden sind. Aber auch in Wald und Flur sind sie nach wie vor alltäglich. Hinzu kommt, dass einige der Einwegersatzprodukte wie plastikbeschichtete Pappbecher die Umwelt gleichermaßen belasten. Zudem sind sie schwieriger zu recyceln.

Corona-Einwegplastik – Todesfallen für Tiere

Eine neues globales und gefährliches Müllproblem ist durch Corona-Einwegplastik hinzugekommen. Denn achtlos in der Natur entsorgte oder verloren gegangene Masken und Handschuhe sind Todesfallen für Tiere – ob an Land, am Strand oder im Wasser. Bisher lässt sich das Ausmaß des COVID-19-Müllproblems nur ansatzweise abschätzen. Um dies zu ändern, sammeln Forscher der Universität Leiden, Niederlande, auf der Plattform www.covidlitter.com seit Mitte 2021 Informationen zu Auswirkungen von Corona-Einwegplastik auf Tiere.

Bei diesem Citizen-Science-Projekt kann jeder mitmachen. Es geht darum, Funde zu melden, bei denen Tiere mit Corona-Einwegplastik Berührung gekommen sind.

Tödlich: Wenn Tiere Corona-Einwegplastik fressen

Igel oder Vögel verfangen sich mit ihren Beinchen in den Gummischnüren der Masken. Vögel verwenden Covid-19-Müll zum Nestbau. Doch ihre Küken können sich mit den Bändern von FFP-2- und OP-Masken strangulieren. Gelangen Masken und Handschuhe in Gewässer, werden sie für Wasservögel gefährlich. Sie verheddern sich, können nicht mehr schwimmen oder Futter aufnehmen. Sie verenden qualvoll.

Möve hat sich in einer OP-Einwegplastik-Schutzmaske verheddert

Neue Patienten im Robbenzentrum Föhr: Tiere, die mit Corona-Einwegplastik in Kontakt gekommen sind – Foto Robbenzentrum Föhr

Masken- und Plastikreste von Corona-Schutzausrüstung finden sich mittlerweile im Magen von Katzen und Hunden. Das führt bestenfalls „nur“ zu Verstopfungen. Schlimmstenfalls folgt der Hungertod. Das gleiche Schicksal droht Füchsen, Wildschweinen und vielen anderen Wildtieren, wenn sie auf in der Natur herumliegende Corona-Einwegplastik-Reste stoßen und diese fressen. Sie erkennen die Gefahr nicht.

Fische ersticken in Gummihandschuhen

Gummihandschuhe sind weder recycelbar noch bauen sie sich biologisch ab. Ein achtlos im Fluss oder am Meer „entsorgter“ Gummihandschuh ist eine langlebige Gefahr für Fische, Krebstiere und andere Wasserbewohner. Auch für große Meerestiere: Meeresschildkröten verwechseln im Wasser treibende flächige Plastikteile mit ihrer Lieblingsbeute, Quallen. Das ist tödlich. Kleine Fische schwimmen mitunter in einen der Finger eines Gummihandschuhs. Dann finden sie aber nicht wieder hinaus. Sie zappeln noch eine Weile hin und her, dann rührt sich nichts mehr.

Toter kleiner Flussbarsch im Finger eines Gummihandschuhs

Der kleine Flussbarsch wurde mitsamt des Handschuhs, in dem er steckt, in Ethanol konserviert. Er ist nun Teil der Sammlung „De Grachtwacht“ in Leiden, Niederlande. © Auke-Florian Hiemstra

Aktionstipp: Mit einfachen Schritten Tiere und Umwelt vor Corona-Einwegplastik schützen

  • Masken (und anderen Müll) nie achtlos entsorgen. Denn das Leben von Tieren steht auf dem Spiel!
  • Alles Ringförmige ist für Wildtiere gefährlich! Daher Schlaufen von Masken vor der Entsorgung durchtrennen.
  • Gummihandschuhe zerschneiden.
  • Abfälle aus Corona-Einwegplastik wie Masken, Visiere und Gummihandschuhe nie lose wegwerfen.
  • Immer in reißfeste, dichte Müllsäcke geben. Diese dann fest verschließen und in den Restmüll geben.
  • Masken, Visiere und Gummihandschuhe gehören NICHT in die Gelbe Tonne oder in Sammelcontainer von Wertstoffinseln!
  • Beim Einsammeln von herumliegendem Corona-Einwegplastik sollte man besondere Schutzmaßnahmen treffen, wie Abstand halten, keinen direkten Hautkontakt, unmittelbar in einen fest verschließbaren Behälter oder Müllsack überführen.

Aktionstipps: Mikroplastik

Kosmetikprodukte, Körperpflege

Mikroplastik ist eine Gefahr für das Leben in den Meeren. Zu guter Letzt aber auch für uns! Daher kann man z. B. Kosmetikprodukte verwenden, die kein Mikroplastik enthalten. Auch ist Mikroplastik leider in sehr vielen Peelings, Duschgels, Hautcremes und anderen Körperpflegeprodukten enthalten. Doch auch hier gibt es Online-Einkaufsratgeber für Produkte ohne Mikroplastik.

Oder probieren Sie es doch einmal mit nicht in Plastikspendern daherkommender Seife zum Duschen und Haare waschen (mit speziellen Haarseifen).

Müllsammelaktionen

Müllsammelaktionen gibt es weltweit an vielen Stränden, so auch an Nord- und Ostsee. Die US-Umweltorganisation Ocean Conservancy ruft jedes Jahr am dritten Samstag im September zum weltgrößten Reinigungstag auf. In Deutschland organisiert der NABU die Müllsammelaktionen.

sana mare social cleanup, Kenia.

social cleanup / Strandsäuberung in Mombasa, Kenia – Foto: sana mare

Abgesehen davon, dass gemeinsames Handeln für eine saubere Umwelt viel Spaß macht, liefern Sammelaktionen auch noch wichtige Informationen über das Ausmaß des Meeres-Müllproblems sowie über Zusammensetzung und Herkunft der Abfälle.

Auch in vielen Städten und Gemeinden werden Müllsammelaktionen veranstaltet. Man kann natürlich auch einfach mal so die Natur ein wenig aufräumen. Herumliegender Plastikmüll – ausgenommen Schutzhandschuhe, FFP-2- und OP-Masken – lässt sich dann im nächstgelegenen Müllbehälter entsorgen. Auch damit sorgt man für weniger Plastik im Alltag und in der Umwelt.