1.400 Delfine auf den Färöer-Inseln bei Grindadráp getötet

Auf den zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln endete am Sonntag das Leben von mehr als 1.400 Weißseitendelfinen in einem Blutbad. Einheimische trieben die Meeressäuger in den Skálafjord auf der zweitgrößten Insel der Färöer, Eysturoy. Dann begann das große Schlachten. Fotos zeigen die eng beieinanderliegenden Körper der Tiere nach dem „Grindadráp“. Der Massentötung. Ihr Rückenmark ist hinter dem Kopf durchtrennt. Blutrot ist das Meer. Es ist das größte Delfinmassaker, das jemals auf der im Nordatlantik liegenden Inselgruppe verzeichnet wurde. Experten gehen davon aus, dass allein mit diesem einen Grindadráp etwa zwei Prozent der Weißseitendelfin-Population im Nordostatlantik vernichtet wurden.

Deutsche Stiftung Meeresschutz ruft zum Boykott auf!

Färinger im Blutrausch

Die Bilder sind nicht zu ertragen, man muss sich fast übergeben, so unvorstellbar grausam ist das von mehreren Organisationen und Newsseiten videodokumentierte Geschehen vom Sonntag auf den Färöern. Am Strand liegen Hunderte Delfine. Teils leben sie noch, zappeln im Todeskampf, während Fischer ihnen den Kopf abtrennen. Fischer waten im blutroten Meer umher. Volksfestartiges Geschrei. Mitten drin auch Kinder.

Färöer-Inseln: Getötete Grindwale bei einem Grindadrap 2018

Grindadráp 2018 – Foto: Himmelunäd (wikimedia/licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Angeblich eine traditionelle Jagd zur Nahrungsbeschaffung

Die Inselbewohner berufen sich bei der Grindadráp genannten Jagd auf traditionelle Subsistenzwirtschaft, die bis in die Wikingerzeit zurückreichen soll. Historische Aufzeichnungen gibt es dazu jedoch erst seit dem 16. Jahrhundert. Doch auf Delfinfleisch als Nahrung ist auf den Inseln niemand mehr angewisen. Die Färöer sind nicht notleidend. Außerdem steht ihnen das Königreich Dänemark mit Subventionen zur Seite.

Grindadrap, Färöer-Inseln: Boote treiben Grindwale in einen Fjord

Foto: Eileen Sanda (wikimedia/licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Meist fallen den Grindadráps allerdings an der Inselgruppe vorbeiziehende Grindwale, eine größere Delfinart, zum Opfer.

Auch sie treibt man mit Booten in zur Jagd freigegebene Fjorde, zwingt die Tiere zu stranden. Anschließend durchtrennen Bewohner aus anliegenden Dörfern Rückgrat und Kopfarterien der bis über 6 m großen Grindwale. Die wesentlich kleineren Weißseitendelfine sind dagegen seltener und wenn, dann nicht derart viele, Ziel eines Grindadráp.

Nach färöischen Angaben starben vergangenes Jahr 576 Grindwale sowie 35 Weißseitendelfine.

Langsames Sterben bei vollem Bewusstsein

Grindwal mit durchtenntem Rückgrat

Foto: IngBla (wikimedia/licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

„Für die Tiere ist das unvorstellbar grausam und schmerzhaft. Sie erleben ihr Sterben, und das ihrer Familienmitglieder, bei vollem Bewusstsein. Gehirn und Nervensystem der Meeressäuger sind darauf getrimmt, längere Zeit auch ohne Sauerstoffzufuhr zu funktionieren“, erläutert Ulrich Karlowski, Diplom-Biologe bei der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Dieser Grindadráp löst Diskussionen aus

Die ungewöhnlich hohe Zahl der jetzt getöteten Weißseitendelfine stößt laut Medienberichten selbst bei einigen hartgesottenen Färöern auf Unverständnis. Man fürchtet um den Ruf der Insel als touristisches Ziel und Boykotte färingischer Fischprodukte in Europa.

Hochriskant: Verzehr von Delfinfleisch

Der Verzehr des Delfinfleisches ist für die rund 50.000 Inselbewohner mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden. Denn das Fleisch von Grindwalen oder Weißseitendelfinen ist im Grunde Sondermüll. „Die Meeressäuger agieren auf der obersten Ebene der Nahrungsnetze im Meer. Daher akkumulieren sie Umweltgifte in Fett, Organen und Muskelgewebe“, erklärt Ulrich Karlowski. „Sie sind vollgestopft mit Quecksilber, PCB, Kadmium oder Pestiziden wie Dieldrin“.

Inselbewohner ignorieren wissenschaftliche Erkenntnisse

Grindwalfleisch Färöer-Inseln

Wenn es frischen Grindwal gibt, wird nur ein Teil davon auch sofort zubereitet. Meistens in einem großen Topf, Familie und Freunde essen dann zusammen. Der Großteil jedoch wird gepökelt und getrocknet. Foto: IngBla (wikimedia/licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license)

Seit 2004 ist bekannt, dass werdende Mütter und kleine Kinder auf den Färöern unter einer schleichenden Quecksilbervergiftung leiden. Auch fanden Wissenschaftler der Universität Odense, Dänemark, bei Kindern hohe Konzentrationen anderer bei Meeressäugern typischer Umweltgifte.

Bei Verhaltensstudien stellten Wissenschaftler beim Färingernachwuchs Sprach-, Konzentrations- und Erinnerungsstörungen fest. Typische Symptome einer Quecksilbervergiftung.

Gesundheitsbehörde warnt vergeblich

Als Reaktion auf die Testergebnisse wies die färingische Gesundheitsbehörde bereits vor Jahren an, dass Frauen, die Kinder wollen, schon schwanger sind oder bereits stillen, kein Delfinfleisch mehr essen sollen.

Erst wenn sie sich sicher sind, dass sie kein Kind mehr zur Welt bringen wollen, könnten sie wieder davon essen. Zusätzlich riet man allen Erwachsenen, den Konsum von Meeressäugerfleisch auf zweimal im Monat zu reduzieren. Dennoch geht die bei feuchtfröhlichen Volksfesten zelebrierte Jagd weiter. Nicht nur für Meeresschützer ist der Grindadráp ein barbarisches Relikt aus der Vergangenheit, das längst seine Bedeutung verloren hat.

Dänemark entzieht sich der Verantwortung

Die Färöer sind ein teilautonome, „gleichberechtigte Nation“ des Königreichs Dänemark. Sie sind nicht Teil der EU. Jedoch ist Dänemark zuständig für Fiskal- und Verteidigungsfragen. „Dänemark könnte, wenn es wollte, die Färöer zwingen, die für Dänemark geltenden, strengen Schutzabkommen für Delfine in Europa einzuhalten. Doch man schreckt aus Furcht vor damit verbundenen Protesten seit Jahrzehnten davor zurück, weist jede Verantwortung für die blutigen Grindadráps von sich“, sagt Ulrich Karlowski.

Wir rufen zum Boykott auf!

👉 reisen Sie nicht auf die Färöer-Inseln

👉 kaufen Sie keine Produkte von dort

Fischprodukte zum Beispiel machen mehr als 95 % der Exporte aus, rund die Hälfte davon sind Zuchtlachse.

Foto oben: Erik Christensen (wikimedia/licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported).