Abstand halten – auch bei Wildtieren!

Ich will doch nur hier liegen …

Social distancing – Abstand halten – könnte zu einem positiven Nebeneffekt der Coronapandemie geraten. Wenn, ja wenn, diese für viele Menschen ungewohnte Verhaltensweise in den Köpfen überdauert und sich fest in unserem Verhaltensrepertoire verankert. Denn wir schützen derzeit damit nicht nur uns selbst und unsere Mitmenschen. Abstand halten ist ein Gebot, mit dem wir auch viele Wildtiere vor dem Verderben bewahren können. Darauf hat jetzt auch die amerikanische Fischereibehörde NOAA in ihrem aktuellen Coronavirus (COVID-19)-Update hingewiesen.

Warum meinen wir, Wildtiere unbedingt anfassen zu müssen?

Abstand halten - auch von Wildtieren wie Robben.

Helfen Sie mit! Halten Sie Abstand von Wildtieren wie Robben, Seehunden oder auch Delfinen. Foto: NOAA Fisheries

Wer kennt sie nicht die Szenen hektisch kreischender Menschenmengen, die sich chaotisch ins Wasser stürzen, wenn dort ein zutraulicher Delfin seine Runden dreht? Jeder will dem Tier nahe sein. Jeder will es anfassen.

In vielen Regionen der Welt sind aus diesem jeglichen Respekt gegenüber einem anderen Lebewesen ignorierenden, grenzwertigen Verhalten ganze Tourismuszweige entstanden.

Schwimmen mit Delfinen wurde zum Hit. Dann machte das Coronavirus dem illustren Treiben vorerst ein Ende.

Auch das Anfassen von Walhaien und anderen Haien, von großen Rochen, Dugongs, Elefanten, Koalas und unzähligen anderen Tierarten gilt als hip und immer für ein „tolles“ Selfie geeignet.

Im Gebiet der Virungas lebende Berggorillafamilien mussten vor vielen Jahren gegen für sie tödliche Masern geimpft werden. Eine Krankheit, die es bei ihnen nicht gibt. Sie kam von Menschen, die meinten, den großen Primaten unbedingt ganz nah sein zu müssen. Seitdem gilt hier: Abstand halten!

Wenn wohlmeinende Menschen rastenden Meeressäugern den Tod bringen

Auch Robben brauchen mal Pause.

Lasst mir meine Pause, ich brauche sie dringend! Foto: NOAA Fisheries

Mit der Verhängung drastischer Maßnahmen gegen das Coronavirus verbinden zahllose US-Bürger im Nordosten des Landes Frühlingswetter und Zwangspausen mit ausgiebigen Besuchen der Strände.

Doch dort liegen auch gerne Robben in der warmen Frühlingssonne und lassen es sich gut gehen. Sie ruhen sich einfach nur aus und machen eine Pause. Zu viele Menschen jedoch interpretieren dies falsch. Mit verheerenden Folgen.

Auch Wildtiere haben ein Bedürfnis nach sozialer Distanz

Es gab bereits erste Fälle, wo wohlmeinende Menschen Tieren versehentlich den Tod statt vermeintlicher Rettung brachten. So schleppten Strandbesucher auf Fire Island, New York, am 25. März eine erwachsene Sattelrobbe, die sich am Strand ausruhte, zurück ins Wasser. Was wenig später zum Tod des Tieres führte.

Auch in New York zogen Strandbesucher eine andere gesunde, ruhende erwachsene Sattelrobbe sogar mithilfe von Schleppbändern ins Wasser. Sie starb vermutlich ebenfalls, jedenfalls sah man sie nie wieder.

Wenn Abstandhalten ignoriert wird

An Land ruhende Robben brauchen keine Hilfe, sie brauchen eine Pause!

Halten Sie Abstand, mindestens 45 m. An Land ruhende Robben brauchen keine Hilfe, sie brauchen nur eine Pause! Foto: NOAA Fisheries

In den USA ist es, wie in Deutschland auch, streng verboten, Meeressäuger zu stören, zu füttern oder zu streicheln. Man gefährdet sich dabei im Übrigen auch selbst. Der Biss eines Seehundes ist nicht nur sehr schmerzhaft, er birgt zudem ein tödliches Infektionsrisiko.

Nur Experten, die über eine Genehmigung verfügen, dürfen sich um an Land befindliche Meeressäuger kümmern.

Geschwächte Tiere nicht einfach wieder ins Meer werfen

Wenn man einen an Land liegenden lebenden Schweinswal findet, ist er wahrscheinlich krank oder verletzt. Doch auch dann gilt: Abstand halten!

Nur geschulte Rettungskräfte können den Zustand des Tieres beurteilen und die richtigen Entscheidungen treffen. Bringt man einen derart geschwächten Schweinswal zurück ins Wasser, verkehrt sich die wohlmeinende Rettungsabsicht in ein Todesurteil für den Meeressäuger.

Was Sie tun können, um Tragödien in der Tierwelt zu vermeiden

Respektieren Sie die soziale Distanz, die diese empfindlichen Tiere brauchen. Halten Sie Abstand! In den meisten Fällen benötigen rastende Robben oder Seehunde keine Hilfe.

Haben Sie dennoch den Eindruck, es handele sich um ein krankes oder verletztes Tier, rufen Sie in Deutschland die Feuerwehr, den zuständigen Seehundjäger oder eine Robbenaufzuchtstation um Hilfe.

Robben brauchen – laut Empfehlung von NOAA Fisheries – mindestens 45 m Abstand zu Menschen oder ihren Haustieren. Sie brauchen auch kein auf sie gekipptes Wasser. Sie müssen nicht gefüttert werden. Das Abdecken einer Robbe mit Decken oder Strandtüchern kann dazu führen, dass sie sich überhitzt.

Social distancing – Abstand halten gilt auch bei Wildtieren. Auch in Zeiten nach der Coronakrise.

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