Artenschutz größtes Problem unseres Jahrhunderts

Der Verlust von Biodiversität könnte auf lange Sicht bedeuten, dass wir nichts mehr zu essen haben

Dirk Steffens.

„Artenschutz ist das größte Problem unseres Jahrhunderts“, sagt Tierfilmer und „Terra X“-Moderator Dirk Steffens im Titelinterview mit DB MOBIL. Quelle: obs/TERRITORY

Dirk Steffens traut sich was: „Das Artensterben ist möglicherweise das größte Menschheitsproblem unseres Jahrhunderts. Wir haben das Gefühl entwickelt, dass alles wieder gut wird, wenn wir die Klimakatastrophe in den Griff bekommen. Aber das stimmt nicht.“ Darf man das sagen? Man darf! Man muss!

Seit 25 Jahren ist der Journalist Dirk Steffens als Tierfilmer unterwegs, füllt mit seinen Vorträgen Arenen. Im Interview mit der November-Ausgabe der DB MOBIL räumt Steffens im Magazin der Deutschen Bahn mit Missverständnissen im Artenschutz auf: „Es geht eben nicht nur um Eisbären und Pandas. Wenn die Eisbären morgen aussterben, hat das keine Folgen für unseren Alltag. Die spielen für uns gar keine Rolle.“

Der 50-jährige Moderator (u. a. „Terra X“, „Steffens entdeckt“, „Terra Xpress“) scheucht heilige Kühe übers Eis. So etwa wenn er mit der provokanten These, Palmöl-Produkte nicht pauschal zu boykottieren, auch wenn für diese in großem Maße Tropenwälder gerodet werden, für einige Irritationen sorgen und wenig Beifall einheimsen dürfte.

Denn laut Steffens müsste das Pflanzenfett bei einem Palmöl-Boykott hierzulande produziert werden, was „ökologisch möglicherweise die noch größere Katastrophe“ bedeute: „Wir benehmen uns wie ein Affe am Schaltpult im Atomkraftwerk. Er ist intelligent genug, die Knöpfe zu bedienen, aber er ahnt nicht, was passiert, wenn er einen bestimmten Knopf drückt. Wenn es gut läuft, geht im Klo nur das Licht aus. Aber wenn es schlecht läuft, gibt es eine Kernschmelze.“

Das Ganze ist übergroß

Steffens brennt für die Artenvielfalt: „Das Ganze ist so übergroß, und es hat Besitz von meinem Leben ergriffen. Fast alles, was ich mache, hat mit Biodiversität zu tun. Das finde ich manchmal Furcht einflößend.“

Lesen Sie nachfolgend das vollständige Interview mit Dirk Steffens aus DB MOBIL
(mit freundlicher Genehmigung von TERRITORY).

Herr Steffens, was ist das größte Problem beim Artenschutz?

Das mangelnde Interesse der Menschen. Das Thema ist kompliziert, und die Folgen sind für uns alle unangenehm. Es ist normal, dass wir das so lange verdrängen, wie es geht. Nur hilft das natürlich nicht. Wir erleben genau jetzt das größte Massen­sterben seit dem Verschwinden der Dinosaurier. 

Klappt es mit dem Verdrängen, weil wir noch so wenig vom Artensterben mitbekommen?

Was wir bemerken, sind tatsächlich erst die Anfänge – zum Beispiel wenn wir weniger Insekten von der Windschutzscheibe kratzen als noch vor 20 Jahren. Erdhistorisch betrachtet verläuft das aktuelle Artensterben rasend schnell, aus der Perspektive eines Menschen jedoch ziemlich langsam. Uns interessiert, wie unser Leben morgen, übermorgen und nächstes Jahr aussieht. An 2050 denken wir selten. Außerdem sterben zum größten Teil Arten aus, die wir weder kennen noch wahrnehmen. 

Was ist schlimm daran, wenn diese unsichtbaren Tiere verschwinden?

Es müssen viele Lebewesen zusammenarbeiten, damit Ökosysteme so funktionieren, wie wir sie kennen. Damit Ackerboden überhaupt fruchtbar wird, müssen Myriaden von Kleinstlebewesen gemeinsam wirken. Wir merken erst, wie wichtig diese unsichtbaren Wesen sind, wenn sie weg sind – weil das Korn nicht mehr sprießt oder weil wir keine Äpfel mehr ernten. Der Verlust von Biodiversität könnte auf lange Sicht bedeuten, dass wir nichts mehr zu essen haben. Es geht eben nicht nur um Eisbären und Pandas. Wenn die Eisbären morgen aussterben, hat das keine Folgen für unseren Alltag. Die spielen für uns gar keine Rolle. 

Eisbären sind egal – Freunde machen Sie sich mit so einem Satz sicher nicht.

Eisbär betrachtet von Eisscholle sein Spiegelbild im Wasser.

Foto: 2015 Doug Gould/Marine Photobank

Er beschreibt aber eines der großen Missverständnisse in den Diskussionen um Artenschutz. Die meisten denken an diese wenigen ikonischen Arten, die vom Aussterben bedroht sind. Schöne Tiere, imposant und süß. Aber viel entscheidender sind andere, die unsere Ökosysteme am Laufen halten. 

Sollen wir also kein Geld mehr für den Schutz von Eisbären oder Pandas verwenden, zugunsten anderer Arten?

So einfach ist das nicht. Man braucht solche Botschaftertiere, um ein Bewusstsein für Artenschutz hervorzurufen. Selbst wenn sie ökologisch möglicherweise nicht wertvoller sind als irgendein brauner, stinkender Käfer. 

Ihre Bühnenshows besuchen Tausende, oft reisen komplette Familien an. Die begeistern Sie auch eher mit Bildern von Tigern und Orang-Utans.

Bei diesen Tieren stockt den Zuschauern von Jung bis Alt der Atem. Mit dem Juchtenkäfer kommt man da nicht weit. Es ist wie in der Politik – keiner gewinnt Wahlen, indem er über die Details der mittelfristigen Finanzplanung referiert. Wir benötigen ein Narrativ, das uns emotional anspricht. Auch mich hätte die Leidenschaft vielleicht nicht gepackt, wenn ich mich statt mit Berggorillas nur mit Insekten beschäftigt hätte. 

Wann ist Ihr Interesse am Naturschutz entstanden?

Ich habe schon als Kind jeden Tierfilm auf unserem Schwarz-Weiß-Fernseher verschlungen. Als mir meine Mutter Bücher von Bernhard Grzimek schenkte, habe ich mit denen lesen gelernt. 

Vor rund zehn Jahren fingen Sie an, sich auf den Artenschutz zu konzentrieren. War es zu Beginn schwierig, Ihre Kollegen von dem Thema zu überzeugen?

Oktopus.

Man braucht Botschaftertiere, um ein Bewusstsein für Artenschutz hervorzurufen

Damals kamen oft Reaktionen nach dem Motto: „Ach, wir hatten doch schon diesen Panda-Film und jenen Eisbären-Beitrag. Warum sollen wir jetzt noch einen über Koalas machen?“ Oder ich hörte Sprüche wie: „Ist doch toll, wenn uns keine Mücken mehr stechen!“ Aber inzwischen ist das nicht mehr schwer. Auch wenn das Thema Klimawandel weiter dominiert.

Anfang des Jahres haben Sie in einem Interview gesagt, dass das Artensterben schlimmer als der Klimawandel sei.

Es ist natürlich intellektueller Unsinn, eine Krise gegen die andere aufzurechnen. Außerdem ist der Klimawandel eine der Ursachen für das Artensterben. Was ich damals sagen wollte: Wir haben das Gefühl entwickelt, dass alles wieder gut wird, wenn wir die Klimakatastrophe in den Griff bekommen. Aber das stimmt nicht. Sie ist ein Mosaikstein in einem viel größeren Zerstörungsbild. Und wir müssen endlich anfangen, die ganze Zerstörung zu sehen. Das Artensterben ist möglicherweise das größte Menschheitsproblem unseres Jahrhunderts.

Wissen Experten eigentlich, welche Tiere und Pflanzen entscheidend sind, um unser Ökosystem zu erhalten?

Nein. Die Voraussetzung dafür wäre, dass wir das System vollständig verstanden hätten. Doch wir wissen nur, dass wir Vielfalt brauchen, um das System stabil zu halten. Wir haben keine Ahnung, wie viele und welche Lebewesen dafür notwendig sind. Wir benehmen uns wie ein Affe am Schaltpult im Atomkraftwerk. Er ist intelligent genug, die Knöpfe zu bedienen, aber er ahnt nicht, was passiert, wenn er einen bestimmten Knopf drückt. Wenn es gut läuft, geht im Klo nur das Licht aus. Aber wenn es schlecht läuft, gibt es eine Kernschmelze.

Wie sähe eine solche Kernschmelze beim Artenschutz aus?

Hunger, Verteilungskriege und gewaltige Flüchtlingswellen, weil die Lebensgrundlagen hopsgehen. Supermächte wie Russland, China und die USA würden um die letzten Ressourcen kämpfen. Ich bin jedoch optimistisch, dass das nie passieren wird. Wir können es noch schaffen. Aber je länger wir warten, desto unangenehmer wird es, umzusteuern.

Was vermag der Einzelne zu tun?

Als Einzelner kann man nicht die Welt retten. Aber man kann Impulse setzen, indem man sagt, ich benutze keine Plastiktüten mehr. Ich fahre weniger Auto und mehr Bahn oder Fahrrad. Ich esse mehr Bioprodukte und weniger Fleisch. Man muss sein Leben nicht komplett auf links drehen, es helfen kleine Schritte. Nicht jeder muss gleich Vegetarier werden – aber muss es wirklich jeden Tag Fleisch sein? Genügt nicht der Sonntagsbraten?

Das reicht schon?

Wenn der Einzelne ein bisschen reduziert, setzt er für die Wirtschaft Impulse. Verkaufen sich nachhaltige Produkte besser, produzieren Unternehmen lieber diese Produkte. Wer ökologisch wirtschaftet, sollte mehr Profit machen als der, der unökologisch handelt. Ganz entscheidend für den Artenschutz ist deshalb die Landwirtschaft.

In welcher Hinsicht?

Die Landwirtschaft ist in Deutschland einer der Hauptgründe für das Artensterben. Es ist schade, dass Umweltschützer und Bauern so wenig miteinander reden und sich eher beschimpfen, denn sie stehen eigentlich auf derselben Seite. Landwirte kontrollieren die größten Flächen und könnten deshalb die größten Umweltschützer sein.

Red Tide vor Sarasota.

Red Tide vor Sarasota. Quelle Sarasota Dolphin Research Program – Facebookseite

Wie sollen sie das anstellen?

Wir müssen ihnen ermöglichen, ihren Job anständig zu machen, indem wir sie anständig bezahlen. Wir sind geizig. Wenn wir immer nur die billigsten Nahrungsmittel kaufen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sie mit industriellen Methoden produziert werden.

Also nur noch Bioprodukte kaufen?

Es hilft nichts, wenn künftig fünf Prozent der Landwirte mit Biosiegel durch die Gegend laufen und die anderen machen weiter wie bisher. Die Frage ist eher: Wie können wir konventionelle Landwirtschaft so gestalten, dass die Artenvielfalt steigt?

Wie lautet Ihr Vorschlag?

Es gibt wissenschaftlich begleitete Projekte, die Naturschutz mit konventioneller Landwirtschaft verknüpfen. Damit weniger gespritzt wird, kann etwa eine Vorfrucht wie Rotklee gesetzt werden, die auf natürliche Weise düngt. Auch Bodendecker helfen, die unter dem Korn auf dem Acker wachsen und das Unkraut unten halten. So setzt man weniger Pestizide ein. Die Fruchtfolgen sollten überdacht werden, damit nicht jahrelang nur Monokulturen wachsen. Außerdem sind breitere Feldrandstreifen und Brachflächen vielversprechende Möglichkeiten.

Verstärken solche Maßnahmen nicht die finanzielle Schieflage vieler Betriebe?

Im Gegenteil, sie sichern deren Zukunft, denn sie verhindern, dass die Ökosysteme kollabieren und dadurch den Bauern ihre wirtschaftliche Basis genommen wird. Außerdem subventionieren wir Steuerzahler rund 40 Prozent des Bauerneinkommens. Da können wir auch mitreden, wie diese Subventionen eingesetzt werden.

Heute sind Subventionen von der Größe des Betriebs abhängig.

Je größer der Hof, desto mehr Geld fließt oft. Es sollte stattdessen sozial-ökologisch verantwortliches Wirtschaften gefördert werden. Der, der weniger Schaden an der Umwelt anrichtet, muss mehr Subventionen bekommen, als der, der großen Schaden anrichtet, den die Allgemeinheit auch noch ausbaden muss.

Sie haben mal gesagt, dass keiner Klugscheißer und Missionare möge. Wann sind Sie einer?

Dirk Steffens.

„In meinen Filmen klugscheiße ich ein bisschen. Das gehört dazu.“ Quelle: obs/TERRITORY

Na, jetzt gerade bei diesem Gespräch.

Unabhängig davon, denn ich habe ja gefragt.

In meinen Filmen klugscheiße ich ein bisschen. Das gehört dazu.

In welchen Situationen können Sie sich als Privatmann nicht zurückhalten?

Wenn jemand seinen Müll in die Natur wirft. Aber wenn ich beim St.-Pauli-Heimspiel im Millerntorstadion bin, schnacke ich nicht plötzlich andere Fans an: „Leute, keine Currywurst mehr!“ Das wäre der falsche Ort und der falsche Moment, um so etwas zu tun.

Essen Sie selbst auch Stadionwurst?

Ja, ein-, zweimal im Jahr vielleicht.

Kein schlechtes Gewissen?

Nein. Es ist nie entscheidend, etwas ganz zu lassen. Sonst wird das ja quasi religiös, wie oft beim Thema Ernährung. Wenn ich Berichte über die Frage „Fleisch essen – ja oder nein“ mache, schwappen manchmal richtige Hasswellen über mich hinweg. Dieses Schwarz-Weiß-Denken ist das, was Menschen gegeneinander aufbringt und keine Lösungen produziert. Es ist doch völlig egal, ob jemand Vegetarier ist oder ein paarmal im Jahr eine Bratwurst isst. Der wird dadurch kein schlechter Mensch. Wenn wir den aber so behandeln, wird der bockig und hat überhaupt keine Lust mehr, auf seinen Fleischkonsum zu achten …

… und isst erst recht ein Steak mehr?

Genau. Ich bin Norddeutscher, wir sind stur. Wenn mir jemand sagt, was ich machen soll, dann mach ich das schon aus Prinzip nicht. Diese moralinsauren Besserwisser finde ich unerträglich. Doch das heißt nicht, dass wir nicht vernünftig über Probleme reden können. Die meisten Leute sind eigentlich ganz in Ordnung. Es läuft niemand rum und sagt: „Ich möchte gern die Welt zerstören und habe Bock darauf, Orang-Utans auszurotten.“

Apropos – Sie waren kürzlich in Indonesien. Dort wird der Urwald zugunsten von Palmölplantagen abgeholzt, und die Orang-Utans verlieren dadurch mehr und mehr Lebensraum. Kommen Sie von einer solchen Reise zurück und rufen zum Boykott von Palmölprodukten auf?

Ich würde erst mal gar nichts boykottieren. Weil die Geschichten dahinter komplex sind. Ein ernsthafter, massenhafter Boykott von Palmöl etwa würde dafür sorgen, dass wir dieses Pflanzenfett hier selbst produzieren müssten. Und das wäre ökologisch möglicherweise die noch größere Katastrophe.

Warum denn das?

Palmen sind effizienter bei der Fettproduktion als Mais, Raps oder Sonnenblumen. Man bräuchte hierzulande viel mehr Monokulturen, um genauso viel Fett zu erzeugen. Diese Flächen benötigen wir aber für andere Nahrungsmittel. Im Übrigen leben auf einer Palmölplantage in Indonesien immer noch mehr Arten als auf einem hiesigen Maisfeld. Hinzu kommt, dass wir etwas verurteilen, was wir selbst getan haben: Wir finden in Deutschland zwar intakte Natur, aber keine Wildnis, keinen Urwald mehr.

Nur weil wir selbst etwas Schlechtes getan haben, müssen wir das nun bei anderen akzeptieren?

Nein. Aber mit dem Finger auf die Leute auf Borneo zu zeigen und das zu verurteilen, was uns damals wohlhabend gemacht hat, ist nicht der richtige Weg. Natürlich sind die Menschen in Indonesien intelligent genug zu begreifen: Wenn wir uns genauso verhalten wie die Europäer vor hundert Jahren, geht’s noch weiter mit der Erde bergab. Aber ich habe Verständnis dafür, dass sich die Leute in Schwellenländern wie China, Indien oder Indonesien nicht einfach von uns vorschreiben lassen wollen, was sie zu tun haben.

Klingt kompliziert.

Ich weiß, dass es cooler ist, wenn ich ein Orang-Utan-Baby auf dem Arm habe und sage: „Rettet die Orang-Utans, stoppt das Abholzen des Regenwaldes, kein Palmöl!“, statt hier über die Details der hiesigen Landwirtschaft zu sprechen. Es wäre einfacher, und wir würden uns wohler fühlen, weil es uns nicht persönlich betrifft.

Was aber würden Sie zum Schutz der Orang-Utans vorschlagen?

Auch hier sollte die Wirtschaft Konzepte entwickeln, die es den Leuten ermöglichen, ein menschenwürdiges Auskommen zu haben, ohne dass zu viel Natur zerstört wird. Bei Geld setzt die Vernunft aber leider oft aus. Vor ein paar Jahren hat etwa der Präsident von Ecuador vorgeschlagen, im Yasuni-Nationalpark kein Öl zu fördern, wenn die internationale Gemeinschaft sein Land dafür entschädigt. Was die internationale Gemeinschaft natürlich nicht getan hat. Es wurde also gebohrt.

Angesichts der Komplexität, der Widersprüchlichkeit und der Unmöglichkeit, manch moralische Frage eindeutig zu beantworten – in welchen Momenten haben Sie keine Lust mehr auf das ganze Umweltthema?

Cover des Buchs Biodiversitot von Prof. Dr. Michael Schrödl und Dr. Vreni Häussermann.

Die Artenforscher Prof. Dr. Michael Schrödl (SNSB – Zoologische Staatssammlung München) und Dr. Vreni Häussermann (Biologische Forschungsstation Huinay, Chile) rufen in ihrem aufrüttelnden Werk dazu auf, die globale Artenvielfalt endlich konsequent und rasch zu erfassen. Solange es sie noch gibt.

Das passiert mir jeden Tag einmal. Das Ganze ist so übergroß, und es hat Besitz von meinem Leben ergriffen. Fast alles, was ich mache, hat mit Biodiversität zu tun. Das finde ich manchmal Furcht einflößend, weil auch ich gern einfach mal surfen gehe, statt mich ständig mit den Weltproblemen zu beschäftigen. Aber dann stelle ich mir die Frage: Was würde geschehen, wenn alle, die sich einsetzen, einfach aufgeben? Dann passiert gar nichts mehr. Das können wir ja nicht machen. Außerdem bin ich grundsätzlich ein Optimist.

Sehen Sie sich in der Tradition großer Tierfilmer wie David Attenborough oder Heinz Sielmann?

Eher in der von Bernhard Grzimek. Man kannte den als netten, harmlosen Onkel, der im Fernsehstudio saß und oft einen Affen dabeihatte. Aber er war auch derjenige, der bereits 1956 als einer der Ersten einen Film über Lebensraumzerstörung, Überbevölkerung und Jagdtourismus in Afrika gemacht hat. Und der den deutschen Fernsehzuschauern die Zumutungen der Hühnermast gezeigt hat, indem er über den Zaun einer Farm gestiegen ist und dort illegal gefilmt hat. Der Mann war Aktivist, ist dabei aber stets ein freund­licher, verbindlicher Herr geblieben, mit dem man sprechen konnte.

Kein Ideologe?

Nein. Und er hat den schlauen Satz gesagt: „Eine gute Dokumentation besteht zu 70 Prozent aus Unterhaltung und nur zu 30 Prozent aus Information.“ Damit hat er 1960 für den Film „Serengeti darf nicht sterben“ den Oscar gewonnen.

Hätten Sie auch gern einen Oscar im Schrank?

Klar! Jeder Filmemacher wünscht sich das. Aber ich bin leider nicht Grzimek, deshalb wird es wohl nichts.