Auftakt zur alljährlichen Delfintreibjagd

Der 1. September eines jeden Jahres markiert den Auftakt eines grausamen Geschehens: die sechs Monate dauernde Delfintreibjagd in Taiji. Dann treiben die dortigen Fischer vorbeiziehende Delfinschulen in die Meeresbucht von Taiji, um sie brutal abzuschlachten. Bereits gestern, am ersten Jagdtag, geriet eine Gruppe Großer Tümmler in ihre Fänge. Die Delfine kamen mit dem Leben davon, doch sieben wurden für den Verkauf an Delfinarien eingefangen. Dies berichtet die Organisation Dolphin Project des Delfinschützers Ric O’Barry.

Die Bucht

Die „Bucht“ ist berüchtigt. Seit Jahrzehnten protestieren Natur- und Tierschützer weltweit gegen das entsetzliche Abschlachten der Meeressäuger. Dokumentation liefen in Stern TV und der Tagesschau. Sogar ein ganzer Dokumentarfilm „The Cove“ berichtete über das blutige Treiben, das jährlich vom 1. September bis zum 31. März des Folgejahres dauert.

Nur rund 25 Fischer sind an diesem Gemetzel beteiligt. Einen Großteil der zusammengetriebenen Delfine schlachten sie brutal ab. Bis zu dreimal pro Woche jagen sie Große Tümmler und andere Arten wie Rundkopfdelfine mit Motorbooten in die Bucht, die sie dann absperren. Wild stechen sie mit Messern und Harpunen auf die wehrlosen Lebewesen ein, die weder fliehen noch sich wehren können. Panische Sprünge und das hohe Kreischen der Tiere vermitteln nur ansatzweise das unsägliche Leid, das ihnen angetan wird.

Delfinfleisch auf der Speisekarte

Delfintreibjagd in Taiji, Japan.

Delfintreibjagd in Taiji: Mit Motorbooten werden die Delfine in eine Bucht getrieben. Foto: © Ric O’Barry

Das Delfinfleisch landet, wie auch das von Walen, größtenteils in japanischen Kochtöpfen. Sogar Schulen werden für ihren Mittagstisch damit beliefert. Dass durch die Verschmutzung der Meere das Delfinfleisch hochgradig mit toxischem Quecksilber und anderen Umweltgiften verseucht ist, interessiert die Regierung wenig. Sie verheimlicht der Bevölkerung die mit dem Verzehr des Fleisches verbundenen Gefahren für die Gesundheit.

Geldgier

Angeblich handelt es sich bei dem Delfinmassaker in Taiji um eine alte Tradition. Abgesehen davon, dass „alt“ nicht gleich „gut“ bedeutet, ist sie lediglich ein Deckmantel: Denn tatsächlich wurde die Delfintreibjagd erst 1969 eingeführt. Und während die Einnahmen aus dem Handel mit dem Delfinfleisch eher bescheiden sind, ist der Verkauf der Lebendexemplare an die Delfinariumsindustrie äußerst lukrativ. Der Delfinhandel ist der eigentliche Motor der Jagd: Der „Stückpreis“ kann bis zu 150.000 US-Dollar betragen!

Denn die schönsten der zusammengetriebenen Tiere bleiben verschont und werden an Delfinarien und Vergnügungsparks in der ganzen Welt verkauft. Begehrt sind die Meeressäuger u.a. in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Türkei, Russland, China, Thailand, Südkorea sowie in der Karibik. Das japanische Taiji gilt dabei als erste Beschaffungsadresse.

Bedrohte genetische Vielfalt

„Abgesehen von der besonderen Grausamkeit, mit der die japanischen Fischer die Delfine zusammentreiben und töten, schädigt die Delfintreibjagd die genetische Vielfalt und damit das Überleben der vor der Küste des Landes lebenden Delfinarten. Durch die ständige Entnahme gerade vermehrungsfähiger Weibchen sinkt das Reproduktionspotenzial der Populationen des Großen Tümmlers und der Rundkopfdelfine. Diese stehen jedoch bereits durch Fischerei, Schiffsverkehr oder toxischen Umweltbelastungen unter erheblichem Druck. Alles zusammen genommen, droht damit ein lokales Aussterben der betroffenen Arten“, erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Ehemaliger „Flipper“-Trainer kämpft für Delfine

Ric O'Barry protestiert gegen die Delfintreibjagd

Foto: © Ric O’Barry’s Dolphin Project

Ric O’Barry, ehemaliger „Flipper“-Trainer, der vor 51 Jahren zum Delfinschützer wurde, kämpft mit seiner Organisation Ric O’Barry’s Dolphin Project seit 2003 Jahren gegen die Taiji-Massaker. Seither führen Freiwillige dort jedes Jahr „Wachen“ durch und berichten der Öffentlichkeit live über das blutige Geschehen vor Ort. O’Barry selbst ist in Japan inzwischen unerwünscht, es besteht Ausweisungsbefehl, sobald er japanischen Boden betritt.

Die oscarprämierte Dokumentation „Die Bucht“ von 2009 berichtet über O’Barrys Einsatz. 2011 wurde der damals 72-Jährige für sein Engagement auch mit dem „Bambi“ geehrt, dem wichtigsten deutschen Medienpreis.

Was können Sie tun?

Boykottieren Sie Delfinarien und Einrichtungen zum Schwimmen mit Delfinen. In vielen Urlaubsländern stammen die dort gehaltenen Tiere aus Taiji! Delfine und Wale können in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden!

Unterschreiben Sie Online-Petitionen, etwa die hier von Dolphin Project. Sie fordert ein Ende der brutalen Delfintreibjagd und ist an den Premierminister sowie weitere Zuständige in Japan adressiert:

https://www.dolphinproject.com/take-action/end-dolphin-hunting-in-taiji/