Er ist die zweitgrößte unter den derzeit lebenden 10 Arten der Hammerhaie. Der Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini) wird mit seiner maximalen Länge von über 4 m bei mehr als 150 kg Gewicht nur vom imposanten Großen Hammerhai überragt. Denn der erreicht, seinem Namen entsprechend, über 6 m. Man findet den Bogenstirn-Hammerhai nahezu weltweit in allen tropischen, subtropischen und gemäßigten Küstenregionen. Er ist der am häufigsten in unmittelbarer Landnähe lebende Hammerhai.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) ist die Art aktuell als „critically endangered“ gelistet – vom Aussterben bedroht. Eine Stufe vor „extinct in the wild“ – ausgestorben.
Soziale Haie mit großem Hammerkopf
Die meisten Haie, wie der legendäre Weiße Hai, durchstreifen die Weltmeere als Einzelgänger. Bogenstirn-Hammerhaie dagegen zeigen sich dagegen recht gesellig. So trifft man sie in kleineren bis teilweise riesigen Gruppen oder Schwärmen. Dabei können sich mehrere Tausend Tiere versammeln.
Nachts dagegen geht man lieber allein auf die Jagd. Zunächst schwimmen sie gemütlich in 100 Metern Wassertiefe umher. Von dort unternehmen sie urplötzliche Tauchsprints in größere Tiefen.
Ein Hammerhai mit intensiver Körpersprache
Ein ausgewachsener Sphyrna lewini hat nur Orcas als natürliche Feinde. Suchen sie daher tagsüber Schutz in der Gruppe? Vielleicht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie einfach nur gern zusammen sind. Denn ihr Kommunikationsrepertoire ist, soweit bislang bekannt, ebenso überraschend wie umfangreich.

Mit körpersprachlichen Signalen stimmen diese Hammerhaie nicht nur ihr Schwarmschwimmverhalten untereinander ab, sondern legen auch eine Rangordnung fest. Und wer weiß, was Drehungen, Schütteln des mächtigen Hammerkopfes, Öffnen der Kiefer oder Schwimmen in Schleifen sonst noch alles zu bedeuten haben?
Männchen und Weibchen treffen sich fast ausschließlich in den Sommermonaten zur Partnersuche. Ansonsten ist man lieber unter sich. Bei der Partnerwerbung gehen sie relativ grob zu Werke. Es kann zu Verletzungen kommen. Dies führt zu den bei ihnen typischen Narben.
Fortpflanzung
9 bis 10 Monate dauert es, bis die Weibchen zwischen 10 und 40 aus einer Dottersackplazenta im Mutterleib geschützt geschlüpfte Junghaie lebend gebären (Viviparie). Für die Geburt der zwischen 40 und 55 Zentimeter kleinen Haie wandern die Weibchen in flache Meeresregionen. Hier bleiben die Jungtiere in größeren, gemischtgeschlechtlichen Gruppen zusammen und verbringen ihre ersten Lebensjahre gemeinsam.
Die mit dem Hammerkopf
Den namensgebenden, stark verbreiterten Kopf nennt man auch Cephalofoil. Je nach Hammerhai-Art fällt die sonderbare Kopfverbreiterung unterschiedlich aus. Auch ändert sie sich im Verlauf des Erwachsenwerdens. Dabei unterscheidet sie sich zudem bei Männchen und Weibchen. Beim fast 2 m großen Flügelkopf-Hammerhai ist der Kopf fast so breit wie die Hälfte der Körperlänge. Beim Bogenstirn-Hammerhai erreicht er 30 % der Gesamtlänge des Körpers, kann dabei bis zu 130 cm breit sein. Den Schaufelnasen-Hammerhai dagegen hält man auf den ersten Blick gar nicht für einen Hammerhai.
Rundumsicht mit verblüffender Tiefenwahrnehmung
Immer noch wirft der Hammerkopf viele Fragen auf. Unstrittig ist, dass er das Sichtfeld der Tiere enorm erweitert. Denn sie haben dadurch nicht nur 360 Grad Rundumsicht, sondern auch eine besonders gute Tiefenwahrnehmung. So verfügen Bogenstirn-Hammerhaie über ein Sichtfeld von 182 Grad pro Auge! Menschen schaffen etwa 180 Grad, das aber nur mit beiden Augen zusammen. Legt man die Sichtfelder beider Haiaugen zusammen, verfügen sie am vorderen Kopfende zudem über eine Überlappung des Gesichtsfeldes von 32 Grad.
Noch mehr schaffen nur die mit den breitesten Köpfen: Flügelkopf-Hammerhaie mit ihrer Überlappung von mehr als 48 Grad. Kombinieren die Tiere dann Augen- und Kopfbewegungen, können sie ihre Stereosicht sogar noch weiter erhöhen.
Wahrnehmung elektrischer Impulse – Lorenzinische Ampullen
Zudem optimiert der Hammerkopf die Elektroortung. Denn hier sind mehr Rezeptoren zur Wahrnehmung elektrischer Impulse (Lorenzinische Ampullen) untergebracht als auf einem normalen Haikopf. So lassen sich Beutefische in schwärzester Tiefe besser aufspüren.
Sturzflugartige Tieftauchgänge
Und zu guter Letzt wirkt der spoilerartig verbreiterte Kopf wie eine Tragfläche. Er erhöht die Manövrierfähigkeit. Besenderte Bogenstirn-Hammerhaie zeigten vor Hawaii beeindruckende Schnell- und Tieftauchfähigkeiten. Vom Oberflächenwasser aus schossen sie in atemberaubender Geschwindigkeit sturzflugartig in Tiefen von über 800 Metern hinab.
Auch ein Hammerhai, der friert nicht gern …
Doch am Ende dieser Schnelltauchgänge vom vor Hawaii rund 25 Grad Celsius warmen Oberflächenwasser finden sich die Fische plötzlich in vier Grad kaltem Wasser wieder. Zur Kompensation des damit drohenden Wärmeverlustes setzen diese Kiemenatmer nun den Tauchtrick der Meeressäuger ein: Sie halten die Luft an. Wie sie das anstellen, weiß man bisher nicht. Ihre Körpertemperatur können sie jedenfalls auch in großen Tiefen relativ konstant halten. Ähnlich wie tief tauchende Walen, Delfine oder Robben. Das ist erstaunlich. Denn Haie verfügen als Knorpelfische kaum über Mechanismen, aktiv ihre Körpertemperatur gegenüber der Umgebungstemperatur zu regulieren.
Vom Aussterben bedroht
Wie bei allen anderen Haiarten auch gibt es für Bogenstirn-Hammerhaie viel zu wenige Daten über Bestandsstruktur und Populationsdynamik.
Auch Hammerhaie sind Opfer der illegalen Haiflossenindustrie (Shark Finning), andere sterben als Beifang. Bei seit Jahrzehnten viel zu hohem Fischereidruck verbunden mit ihrer langsamen Vermehrungsrate befinden sich die großen Hammerhaie heute am Rand der Ausrottung. Auch der zum Supercockpit umgebildete Kopf gerät ihnen jetzt zum Nachteil. Denn allzu leicht verheddern sie sich damit in verschiedenen Netztypen.

© OceanImageBank/Toby Matthews
Als nicht weniger verhängnisvoll erweist sich das ausgeprägte Sozialleben von Sphyrna lewini. Denn die großen getrenntgeschlechtlichen Schulen machen sie zum begehrten Fischerei-Ziel. So wird leicht eine ganze Generation Weibchen oder Männchen in einer Region weggefischt. Nachwuchs? Fehlanzeige. Kein Wunder, dass die Bestände dieser faszinierenden und majestätischen Hammerhaie vielerorts um bis zu 99 Prozent zusammengebrochen sind. Dabei hätten sie uns noch so vieles zu berichten aus ihrem für uns noch weitgehend rätselhaften Leben.
Titelfoto: © Ben Phillips/pexels


