Delfin Schwenteeny in Kiel nicht mehr gesehen

Einzelgängerischer Gemeiner Delfin hat Kiel verlassen

Nun ist dieser sehr exotische Kielbesucher verschwunden. Seit dem 9. April hielt sich ein Gemeiner Delfin (Delphinus delphis) in der Kieler Förde auf. Zuletzt recht dauerhaft in der Mündung der Schwentine. Folgerichtig nannte man ihn fortan „Schwenteeny“. Schnell wurde er zur lokalen Attraktion. Begeisterte mit akrobatischen Sprungvorführungen, die so manchen Großen Tümmler blass aussehen ließen. Doch am 4. Juni verschwand er aus der Schwentinemündung. Zuletzt will ihn jemand an der Hörnbrücke hinter dem Schwedenkai gesehen haben. Eine Sackgasse. Und seitdem fehlt jede Spur vom Delfin Schwenteeny in Kiel.

Zu langweilig hier?

Vielleicht war es dem einzelgängerischen Meeressäuger zu langweilig geworden. Denn das Zuschauerinteresse war wohl deutlich zurückgegangen.

Springen gegen das große Jucken?

Anfang Juni entdeckte Meeresbiologe Sven Koschinski bei dem auffällig oft aus dem Wasser springenden Delfin Anzeichen für eine weit fortgeschrittene Hautkrankheit. Kreisrunde Flecken an der rechten Körperseite und hinter der Finne. Im Gesicht des Tiers entdeckte Koschinski sich bildende Ekzeme.

Fachleute wie der Kieler Walexperte Boris Culik vermuteten, dass das schmutzige Wasser der Schwentinemündung die Ursache sein könnte. Derartige Hautkrankheiten sind bei Delfinen häufig. Meist sind sie aber nur lästig. Sprang Delfin Schwenteeny in Kiel so intensiv, um sich von Hautparasiten zu befreien oder gegen einen Juckreiz anzukämpfen? Verließ er die Schwentine, weil in salzhaltigerem Wasser Hautkrankheiten besser heilen?

Nato-Übung mit zu viel Lärm?

Eine andere Theorie ist, dass der Lärm des Seemanövers Baltops den Delfin vertrieb. Denn Pfingstsonntag und Pfingstmontag liefen von Kiel aus über 50 Kriegsschiffe aus.

Keine Wiederkehr?

Wegen der am 22. Juni beginnenden Kieler Woche mit ihren Massen an Booten und Schiffen ist es sehr unwahrscheinlich, dass Schwenteeny zurückkehren wird.

Was bleibt vom Delfin Schwenteeny in Kiel?

Vom Delfin Schwenteeny in Kiel bleiben viele unvergessliche Delfinbegegnungen. An einem Ort, an dem man das nicht unbedingt erwarten kann. Mit einem Individuum einer Delfinart, die in der Ostsee nur ganz selten mal vorbeischaut. Delfin Schwenteeny in Kiel ist eine außergewöhnliche Tierpersönlichkeit mit großem Interesse an Menschen. Denn meist trifft man die bis zu 2,5 m großen und bis zu 75 kg schweren Gemeinen Delfine fern der Küsten im Mittelmeer oder der Nordsee nicht allein. Sondern in Schulen. Da sind dann gerne auch mal bis zu tausend und mehr Individuen gemeinsam unterwegs.

 

Meerwissen für Schlauberger
aus den Meldungen der CHRONIK XXII 2019 von Dr. Andreas Pfander

Ein Gemeiner Delfin aus dem Mittelmeer. Während der letzten 5 Jahre wurde die Art 52 Mal in schwedischen und dänischen Gewässern beobachtet. Foto: Edith und Jürgen Fleissner

Bei dem Delfin in der Kieler Förde handelt es sich um einen Gemeinen Delfin oder Delphinus delphis (Linnaeus, 1758).

Im Gegensatz zu dem Großen Tümmler Fiete/Freddy/Ecki, der sich im Herbst 2016 vor der Holtenauer Schleuse und Eckernförde aufhielt und der wahrscheinlich für den Tod von 8 Schweinswalen verantwortlich ist, wird er sich Schweinswalen vielleicht eher freundschaftlich nähern, um Gesellschaft zu haben.

Solche interspezifischen „Freundschaften“ zwischen verschiedenen Zahnwalarten gibt es immer mal wieder. So zwischen einem Gemeinen Delfin genannt „Sleepy“ und einem Weißschnauzen-Delfin genannt „Neddy“ in den Jahren 2000 bis 2002 vor der schwedischen Küste bei Simrishamn. In schottischen Gewässern wurde mehrfach ein Schweinswal in Begleitung eines Delfins beobachtet.

Zuletzt wurde ein Ostsee-Delfin am 11.07.2018 bei der Insel Fehmarn und am 17. 07 2018 vor Lübeck bzw. Travemünde beobachtet. Dabei handelt es sich aber um eine andere Art, nämlich um den Großen Tümmler oder Tursiops truncatus (Montagu, 1821). Eine Art, zu der auch Selfie und Delfie sowie Freddy/Ecki/Fiete gehören, die 2015 und 2016 in dänischen, schwedischen und deutschen Gewässern vorkamen.

Ein Gemeiner Delfin hielt sich von Oktober 2015 bis Februar 2016 ständig bei Skærbæk im Kleinen Belt auf. Insgesamt wurde diese Art während der letzten 5 Jahre 52 Mal in schwedischen und dänischen Gewässern beobachtet. Wobei es sich häufig um die gleichen Individuen gehandelt hat, die gesichtet wurden. Eine letzte Beobachtung dieser Delfine gab es fast zeitgleich bei Landskrona SE am 08. Nov, 2018 und am 11./12. Nov. 2018 im Limfjord, Dänemark.

Am 30. Juni 2018 wurde eine 15 bis 20 Individuen umfassende Delfinschule zwischen Maasholm und Kegnæs beobachtet. Die Art konnte leider nicht bestimmt werden. Möglicherweise könnte es sich dabei um Weißschnauzen-Delfine (Lagenorhynchus albirostris Gray, 1846) gehandelt haben. Seit 1844 gibt es über 160 Nachweise dieser Art in der Ostsee. Die aber seit fast 20 Jahren nur noch im Kattegatt und Skagerak sowie in der nördlichen Nordsee beobachtet wird.

Foto oben: Edith und Jürgen Fleissner