Die letzten Mittelmeer-Mönchsrobben

Die seltensten Robben der Welt

Mittelmeer-Mönchsrobben (Monachus monachus) gehören zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Meeressäugetieren Europas. Im Mittelmeer gibt es vielleicht noch 350 bis 450 erwachsene Individuen. Weitere etwa 260 Tiere sollen an den Küsten der Westsahara, Mauretaniens und auf den Ilhas Desertas bei Madeira leben. Gemeinsam mit ihrer nächsten Verwandten, der Hawaii- oder Laysan-Mönchsrobbe (Neomonachus schauinslandi) sind sie die seltensten Robben der Welt. Sporadische Vorkommen und Sichtungen sind auch aus Albanien, Kroatien, Ägypten, Libanon, Spanien und Syrien bekannt.

Mittelmeer-Mönchsrobbe: In freier Wildbahn (fast) ausgestorben

Auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten der IUCN sind Mönchsrobben als stark gefährdet eingestuft. Es gibt noch eine höhere Gefährdungsstufe. Dann folgt „In freier Wildbahn ausgestorben“. Über ihre Biologie weiß man nur wenig. Sie sind geheimnisvoll. Und könnten es auch für immer bleiben, denn heute geht es um die Letzten ihrer Art.

Aussehen

Schwimmende Kegelrobbe.

Auch unsere heimischen Kegelrobben gehören zur Familie der Hundsrobben (Phocidae). Im Mittelmeer kommen sie nicht vor.

Mit bis zu 300 kg Körpergewicht und etwa 2,40 m Körperlänge sind Mittelmeer-Mönchsrobben etwa so groß und schwer wie unsere heimischen Kegelrobben. Wie bei diesen sind die Weibchen kleiner als die Männchen. Ihr kurzes Fell ist schattiert, kann dunkel, braun oder grau sein.

Meist ist die Bauchseite heller und hat einen großen weißen Fleck. Hauptcharakteristikum, wie bei allen Hundsrobben, sind breite, hochgestellte Hinterflossen.

Vermehrung

Zwar können Junge das ganze Jahr über zur Welt kommen. Doch die meisten erblicken im September und Oktober das Licht der Welt. Die Tragzeit liegt bei etwa neun bis elf Monaten. Zur Geburt der etwa ein Meter großen Jungtiere suchen die Weibchen einen geschützten Platz. Oft ist dies eine Höhle, die nur tauchend erreicht werden kann.

Erst nach zwei bis sechs Wochen an Land gehen die Jungtiere ins Wasser und bleiben dann bis zu drei Jahre lang bei ihrer Mutter. Ihre Lebenserwartung liegt wahrscheinlich bei bis zu 30 Jahren.

Lebensgewohnheiten

Gehört ebenfalls zu den seltensten Robben der Welt: die Hawaii-Mönchsrobbe.

Nächster noch lebender Verwandter ist die Hawaii-Mönchsrobbe (Neomonachus schauinslandi) – Foto: Rosel Eckstein by pixelio.de

Viel ist nicht bekannt. Sie ernähren sich von Fischen, Tintenfischen und Krebsen. Mönchsrobben jagen allein, meist nachts. Dabei können sie etwa 15 Minuten lang in bis über 200 m Tiefe abtauchen. Meistens verstecken sie sich tagsüber vor Menschen in geschützten Höhlen oder auf abgelegenen Stränden.

Es sind sehr standorttreue Säugetiere. Ihnen vertraute Küstenabschnitte verlassen sie nur selten. Jungtiere dagegen erkunden gerne entlegenere Gebiete.

Gnadenlose Jagd

Einst waren Mittelmeer-Mönchsrobben begehrt – wegen ihres Fleisches. Auch diente ihr Fett als Lampenbrennstoff, das Fell verarbeitete man zu Pelzmänteln. Robbenschicksal. Bereits im 15. Jahrhundert sollen Portugiesen schätzungsweise 5 000 Mönchsrobben erlegt haben.

Heute ist es weniger die Jagd, die die scheuen und sich nur langsam vermehrenden Meeressäuger bedroht. Vielmehr werden sie in ihren Lebensräumen durch ausufernden Tourismus gestört. Doch geschützte Strände und Bruthöhlen sind im Mittelmeerraum mittlerweile eine Rarität. Heute dringen Sporttaucher, Touristen und Fischer bis in die abgelegensten Bereiche vor. Das gefährdet zunehmend die Aufzucht der Jungen. Nimmt den Tieren ihre wichtigen Ruheplätze.

Mönchsrobbe.

Mittelmeer-Mönchsrobbe – Foto: Jürgen und Edith Fleissner

Heftige Verluste müssen die Flossenfüßer auch als unabsichtlicher Fang in Fischernetzen verkraften. Nahrungsmangel, Meeresverschmutzung, Krankheiten und Vergiftungen setzen ihnen zusätzlich zu.

Perspektive?

In den letzten Jahren zunehmende Sichtungen z. B. in Kroatien, wo die Art offiziell als ausgestorben gilt, geben Anlass für Hoffnung. Auch der Plan. Und der Plan, 36 mauretanische Mönchsrobben im Naturpark Jandía auf Fuerteventura anzusiedeln, stimmt optimistisch. Denn einst gab es den Lobo de Mar (Meereswolf) natürlich auch in den Gewässern der Kanarischen Inseln.

Doch der Kampf um das Überleben der einzigen im Mittelmeer vorkommenden Robben ist noch lange nicht gewonnen.

Foto oben: Jürgen und Edith Fleissner