Färöer töten Delfine: EU-Kommission bleibt tatenlos

Das volksfestartige Delfinmassaker von rund 1.400 Weißseitendelfinen Mitte September auf den zu Dänemark gehörenden Färöerinseln löste weltweit Entsetzen aus. Nun wollten einige EU-Abgeordnete, darunter auch die Naturwissenschaftlerin Jutta Paulus von den Grünen/EFA wissen: Was gedenkt die EU-Kommission gegen das jährliche massenhafte Töten von Delfinen zu tun?

Die Bewohner der Färöer-Inseln töten massenhaft Delfine: Aufgereihte Weißseitendelfine, getötet bei einem Grindadrap auf den Färöer-Inseln

Aufgereihte Weißseitendelfine – Foto: Erik Christensen (licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Angesicht der selbst für Färöer Verhältnisse extrem hohen Anzahl getöteter Delfine zeigten sich sogar einige Insulaner schockiert. Meist sind es allerdings die ebenfalls zur Delfinfamilie zählenden Grindwale, auf die die Färinger es abgesehen haben. So geschehen gleich zwei Wochen später, als 52 Grindwale gestorben sein sollen.

Gelegentlich fallen auch andere Meeressäugerarten dieser grausamen Tradition zum Opfer: Große Tümmler, Rundkopfdelfine und Nördliche Entenwale.

Delfine töten als Tradition?

Sobald ein Insulaner eine vorbeiziehende Delfinschule entdeckt, wird zur Jagd „geblasen“. Boote treiben die Meeressäuger in eine Bucht, wo weitere Färinger schon darauf warten, die Delfine abzuschlachten. Das Fleisch wird dann kostenlos an die Einwohner verteilt.

Eine Bucht, in der Inselbewohner massenhaft Delfine töten

Blutige und grausame Tradition auf den Färöern. Boote treiben Grindwalschulen in die Bucht, in der bereits Menschen warten, um die Delfine töten zu können. Foto: iStock.com/Dimitrios Karamitros

Als Rechtfertigung für das Abschlachten dient den Insulanern der Verweis auf angeblich traditionelle Subsistenzwirtschaft. Nach färöischen Angaben starben 2020 576 Grindwale sowie 35 Weißseitendelfine.

Delfinmassaker in Europa

Wie kann es sein, dass derart viele Delfine in Europa ganz legal getötet werden dürfen? Und welche Rolle spielt Dänemark dabei? Das wollten parteiübergreifend 53 EU-Parlamentarier von der EU-Kommission wissen, darunter auch die Naturwissenschaftlerin Jutta Paulus von den Grünen/EFA.

Sonderstatus der Färöerinseln

Die Färöer sind als teilautonome Nation des Königreichs Dänemark nicht Teil der EU. Gleichwohl genießen die Inseln etliche Vorteile durch bilaterale Vereinbarungen zu Fischerei und Handel sowie wissenschaftliche und technologische Kooperationen.

Lachsfarm bei den Färöer-Inseln

Zuchtlachse machen rund die Hälfte der färöischen Exportwaren aus – Foto: Erik Christensen/CC-BY-SA-3.0

Im Klartext: Die Vorteile nutzt man auf den knapp 55.000 Einwohner zählenden „Schafsinseln“ gern. Ansonsten aber verbittet man sich jegliche Einmischung. Besonders, wenn diese das Töten von Delfinen berührt.

Schutzabkommen

Dabei sind Wale und Delfine in Europa durch verschiedene Übereinkommen geschützt: etwa die Bonner Konvention CMS mit regionalen Abkommen wie ASCOBANS (Abkommen zur Erhaltung der Kleinwale in der Nord- und Ostsee, des Nordostatlantiks und der Irischen See) oder die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Unter diesen Abkommen ist es Mitgliedsstaaten verboten, Wale und Delfine in irgendeiner Form zu belästigen, einzufangen oder zu töten.

Dänemark ist zwar Unterzeichner dieser Abkommen, verstand es aber, dass die Färöerinseln hier außen vor blieben. Daher liegen deren Gewässer außerhalb der durch ASCOBANS geschützten Gebiete. Die Färinger sind damit nicht an die Abkommen gebunden und rechtlich nicht zu belangen. Aus demselben Grund sieht sich auch die Bonner Konvention außerstande, etwas zu unternehmen.

Etwas ist faul im Staate Dänemark

Grindwale gehören zu den Delfinen, die auf den Färöer-Inseln in großer Zahl getötet werden

Meistens töten die Bewohner der Färöerinseln die ebenfalls zur Delfinfamilie zählenden Grindwale – Foto: Wayne Hoggard/NOAA

Nach Ansicht der EU-Parlamentarier erleichtert und unterstützt das EU-Mitglied Dänemark das jährliche Töten von Delfinen auf den Färöern.

Daher wollten sie von der Kommission wissen, ob Maßnahmen geplant seien, um mithilfe verfügbarer wirtschaftlicher Instrumente ein Ende der Delfinmassaker herbeizuführen. Und ob die Kommission mit anderen Mitgliedsstaaten und internationalen Organisationen wie der Internationalen Walfangkommission IWC zusammenarbeiten wird, um Weißseitendelfine und Grindwale zu schützen.

Delfinmassaker auf den Färöern? Sorry, nichts zu machen

So lässt sich die Antwort von Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissar für Umwelt und Ozeane, zusammenfassen. Es sei unwahrscheinlich, dass sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen kurz- oder mittelfristig ändern würden, da dies eine Änderung der Abkommen und internationalen Übereinkommen erfordern würde, liest man in Sinkevičius‘ Antwort.

„Die Kommission hat ihre Besorgnis über die jährliche Jagd auf den Färöern gegenüber den dänischen Behörden bereits zum Ausdruck gebracht. Zudem wird sie weiterhin mit EU-Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten, um die bestehenden Bemühungen der IWC [Internationale Walfangkommission] zur Abwehr von Gefahren, denen Kleinwale ausgesetzt sind, zu unterstützen“, heißt es weiter.

Jutta Paulus sieht die EU dennoch in der Pflicht: „Die Europäische Union muss sich aktiv für den weltweiten Schutz der Biodiversität stark machen, gerade dort, wo europäisches und internationales Recht nicht gilt. Tradition darf keine Entschuldigung mehr für unnötiges Tierleid sein. Gerade Dänemark  steht nun in der Verantwortung, Einfluss auf die Färöerinseln zu nehmen und Anreize für ein Ende des ausartenden Delfinfangs zu setzen.“

Kurzum: Es bleibt, wie es ist

„Einmal mehr zeigt sich, dass die EU einfach nicht gewillt ist, Meeresbewohner besser zu schützen: egal ob es um den im Atlantik vom Aussterben bedrohten Makohai geht oder um die extrem hohen Beifangraten von Delfinen in der französischen Fischerei im Golf von Biskaya oder um das jährliche Abschlachten von Delfinen auf den Färöerinseln. Mehr als ein Schulterzucken ist bei der EU-Kommission leider nicht drin“, erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz/DSM.


Zeichnung Visit Faroe

Wir rufen zum Boykott auf!

👉 Reisen Sie nicht auf die Färöerinseln

👉 Kaufen Sie keine Produkte von den Färöerinseln

Exportschlager der Inseln sind mit mehr als 95 % Fischprodukte, wobei Zuchtlachs rund die Hälfte aller färöischen Exporte ausmacht. Diesen findet man auch hier in Deutschland, z. B. von der Färinger Firma Bakkafrost oder bei „Deutsche See“.


👉 Petitionen

Koalition gegen das jährliche massenhafte Töten von Delfinen auf den Färöerinseln: Kampagne Stop the Grind Wir unterstützen die internationale Koalition
#STOP THE GRIND

Dort findet man verschiedene Aktionsmöglichkeiten zum Protest gegen das jährliche massenhafte Töten von Delfinen auf den Färöerinseln.

Außerdem gibt es mehrere Petitionen, die ein Ende dieser grausamen „Tradition“ fordern, zum Beispiel:

Action Network: End dolphin and whale hunting in the faroe islands

Avaaz: End the dolphin grind


👉 Bedrohten Meeressäugern helfen

Titelfoto: Grindadráp 2018, Foto: Himmelunäd (licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)