Finnwale in der Adria

Finnwale (Balaenoptera physalus) sind die einzigen Wale, die ganzjährig im Mittelmeer leben. Die Gesamtpopulation liegt vorsichtigen Schätzungen zufolge bei 5.000 Tieren. Auch in der Adria lässt sich die Bartenwalart gelegentlich blicken. Dies dürfte mit einem zeitweise günstigen Nahrungsangebot zusammenhängen.

Finnwaljahr 2020

Finnwal in der Adria vor Hvar

Finnwal in der Adria vor der Insel Hvar. Sogar weiter nördlich vor der kroatischen Insel Krk und im Velebitkanal gab es schon Sichtungen der zweitgrößten Tiere der Erde. Foto: Martina Duras/VAL-DSM

Fast jedes Jahr gibt es ein oder zwei Meldungen über Sichtungen von Finnwalen in der Adria. Im Jahr 2020 ließen sich die Bartenwale allerdings außergewöhnlich häufig hier blicken.

So wurde im März 2020 ein etwa 12 m großes Tier bei der Insel Vis gesichtet. Im April tauchten vier Finnwale bei Rogoznica auf. Im Juli wurde einer vor Omiš gesichtet, und einer (oder derselbe) vor Vrgada, im August wurde ein Finnwal unter der Krk-Brücke gesichtet, im September einer im Velebitkanal (es ist nicht ausgeschlossen, dass es sich um dasselbe Tier wie im August gehandelt hat). Und Anfang November entdeckte ein Fischer zwei Finnwale im Golf von Triest, im slowenischen Teil der Adria.

Die zweitgrößten Tiere der Erde

Finnwale sind nach dem Blauwal die zweitgrößten Tiere der Erde. Sie erreichen Größen bis zu 27 m, auf der Nordhalbkugel aber meist nicht mehr als 24 m. Ihr Gewicht reicht von 30 bis 80 t.

Barten eines Finnwals

Die Barten eines Finnwals bilden den Filtrierapparat. Er besteht aus Hornplatten mit ausgefranstem Saum. Foto: Ulrike Kirsch/DSM

Finnwale nehmen gern den Mund voll

Finnwale gehören gleichfalls zu den Filtrierern: Sie ernähren sich von Plankton und Kleingetier. Dabei nehmen sie einen „Mundvoll“ Wasser auf, aus dem sie sich ihre Beute herausseihen. Ein Mundvoll heißt bei ihnen rund 70.000 Liter Wasser! Dann pressen sie es durch ihre Barten wieder hinaus, sodass die Beute daran hängen bleibt und hinuntergeschluckt werden kann.

Gefahren

Aufgrund ihrer Ernährungsweise sind Finnwale einem besonders hohen Risiko durch Mikroplastik ausgesetzt: Sie nehmen es mit dem Wasser als auch über das ebenfalls damit belastete Zooplankton auf.

Finnwale gelten weltweit als gefährdet und sind geschützt.

Verhaltenstipps für Bootsfahrer

Die oberste Devise lautet: See a blow go slow.

  • Sprich: Bei Sichtung eines Walblases unbedingt die Geschwindigkeit drosseln: nicht mehr als 5 kn bzw. 9 km/h. Sind die Meeressäuger in Ihrer Nähe, schalten Sie in den Leerlauf.
  • Mit dem Boot einen Mindestabstand von 100 Metern einhalten, bei Anwesenheit von 3 Booten 200 m.
  • Blas von Buckelwalen

    See a blow, go slow: Siehst du einen Blas, geh vom „Gas“. Hier ist der typische Blas von Buckelwalen zu sehen. Eine Art, die im gesamten Mittelmeer sehr selten ist. Aber auch schon in der Adria gesichtet wurde. Foto: Thara58/Pixabay

    Als Faustregel gilt, je mehr Boote bei einer Beobachtung anwesend sind, desto größer sollte der Abstand zu den Meeressäugern sein. Die Tiere könnten sich sonst eingekesselt oder bedrängt fühlen.

  • Bleiben Sie nicht länger als ca. 30 Minuten.
  • Fahren Sie nie auf die Meeressäuger zu. Nähern Sie sich den Tieren nur seitlich, nie frontal von vorn oder hinten. Vermeiden Sie abrupte Richtungs- und Beschleunigungsänderungen.
  • Bitte melden Sie Totfunde, Sichtungen von kranken oder verletzten Tieren an die allgemeine kroatische Rufnummer 112, die sich um alles Weitere kümmert. Oder an uns zur Weiterleitung.
Blas eines Großen Tümmlers

Auch bei Delfinen ist der Blas oft sichtbar. Hier der Blas eines Großen Tümmlers in der Adria. Und natürlich gelten die Verhaltenstipps auch bei Begegnungen mit Delfinen. Foto: Ulrike Kirsch/DSM

Die Empfehlungen richten sich nach den Vorgaben der kroatischen Naturschutzbehörde.

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Titelfoto: Finnwal, Wayne Hoggard/NOAA