Grauwale wandern weit

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Grauwale (Eschrichtius robustus) verdanken ihren Namen ihrer grau melierten Körperfarbe. Auf der Haut sitzen unregelmäßig verteilt bis zu 200 kg an Seepocken und Walläusen. Diese Giganten leben grundsätzlich in Küstennähe. Daher sind sie eine der am besten untersuchten Walarten.

Grauwale unterscheiden sich derart deutlich von allen anderen Walen, dass man sie einer eigenen systematischen Familie zugeordnet hat. Unter den heutigen Bartenwalen, zu denen z. B. Buckelwale oder Finnwale zählen, steht die Art einmalig da. Denn Grauwale suchen sich ihre Nahrung hauptsächlich am oder über dem Meeresboden. Dort filtern sie allerlei kleine Organismen aus dem Sediment oder der Wassersäule. Ungewöhnlich ist auch, dass ihre Tragzeit bei über einem Jahr liegt.

Artensteckbrief Grauwal

Wie groß sind Grauwale?

Sie werden bis 15 m lang und können dann 34 Tonnen auf die Waage bringen.

Was frisst der Grauwal?

Grauwale ernähren sich von einer breiten Palette benthischer (auf oder im Meeresboden) und epibenthischer (über dem Sediment) lebender Organismen wie Würmern, Krebstieren (Flohkrebse oder Ruderfußkrebse), Schnecken und kleinen Fischen. Dabei fressen sie fast ausschließlich während der Sommermonate in den nahrungsreichen Gewässern vor der Westküste Nordamerikas. Dadurch wird die lange Wanderung bis nach Mexiko und zurück zum Risiko. Denn dabei nehmen sie kaum noch Nahrung zu sich. Auch nicht, während sie den Winter vor der Küste Mexikos verbringen.

Wie weit wandern Grauwale?

Die jährlichen Rundwanderungen der ostpazifischen Grauwale gehören zu den bekanntesten und längsten im Tierreich. Bei ihrer Rundwanderung zwischen den Nahrungsgründen entlang der Küste Alaskas und den Fortpflanzungsgründen entlang der Küste Mexikos in die Baja California legen sie bis zu 20.000 Kilometer zurück. Normalerweise treffen sie im Dezember in der Baja California ein. Dort halten sie sich dann bis zu vier Monate lang auf, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Dann geht es wieder zurück. Lediglich Buckelwale wandern noch längere Strecken.

Wie viele Grauwale gibt es noch?

Seit dem Höchststand der Population im Ostpazifik im Jahr 2016 mit etwa 27.000 Exemplaren sank der Bestand von 2019 bis 2022 um 38 Prozent auf 16.650 Tiere. Im Westpazifik (Nordost-Sachalin und Südost-Kamtschatka) gibt es noch einen kleinen Bestand von etwa 300 erwachsenen Grauwalen.

Sie gründeln und wühlen am und im Meeresboden

Ihre Nahrungsaufnahme macht Grauwale einzigartig unter Meeressäugetieren. Wenn sie in Sedimenten am Meeresboden gründeln und wühlen, rollen sie sich langsam schwimmend auf die Seite. Dabei filtern sie die Nahrung durch die 130 bis 180 groben Bartenplatten auf beiden Seiten ihres Oberkiefers. Hierbei bevorzugen die meisten Grauwale ihre rechte Seite. Dies führt im Laufe eines Grauwallebens zur schnelleren Abnutzung der rechten Barten.

Bei ihrer ungewöhnlichen Form der Nahrungsaufnahme hinterlassen sie lange Schlammspuren und „Fütterungsgruben“ (feeding pits) im Meeresboden. Bis zu 1,25 Tonnen dieser Nahrung kann ein ausgewachsener Wal täglich konsumieren.

Ein Grauwal in der Baja California zeigt seine Barten.

Grauwal in der Lagune von San Ignacio, Mexiko. © Iris Ziegler

Jährliches Grauwal-Treffen in der Baja California

Wie die anderen Bartenwale auch, wandern Grauwale zwischen Nahrungs- und Fortpflanzungsgründen hin und her. Wobei der Reproduktionszyklus eng an den Wanderzyklus gebunden ist. Fast alle Tiere treffen sich jedes Jahr in den geschützten Lagunen der Baja California.

Grauwal-Whalewatching in der San Ignacio Lagune, Mexiko.

Whalewatching mit Grauwalen in der Lagune von San Ignacio, Mexiko. © Iris Ziegler

Das sehr salzhaltige und flache Wasser der Lagunen bietet Walmüttern eine optimale Möglichkeit, ihre bei der Geburt bereits etwa viereinhalb Meter langen und 500 Kilogramm schweren Kälber sicher zu gebären und aufzuziehen. Die Walkälber kommen bei der Geburt mit dem Schwanz voran zur Welt. Sie werden sofort von ihren Müttern und manchmal „Helferinnen“ an die Wasseroberfläche gebracht, damit sie ihre Lungen mit Luft füllen können.

Grauwale: Einst leichte Beute für Walfänger

Während des 17. und 18. Jahrhunderts gab es auch im Nordatlantik Grauwale. Dort wurden sie allerdings von Walfängern ausgerottet. Heute gibt es noch eine kleine Population mit etwa 300 erwachsenen Tieren im westlichen Pazifik. Der Bestand der Grauwal-Population im Ostpazifik ist dagegen wesentlich größer. Er unterliegt jedoch starken Schwankungen. Im Jahr 2022 lag er bei 16.650 erwachsenen Tieren. Im Jahr 2016 hatte es dagegen noch 27.000 Grauwale gegeben. Wissenschaftler vermuten, dass die Art ihre Lebensraum-Kapazität ausgeschöpft hat.

Die Grauwale des östlichen Pazifiks zählen zu den Erfolgsgeschichten im Meeressäugerschutz. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren sie durch den kommerziellen Walfang fast ausgerottet. 1946 dann verbot die Internationale Walfangkommission (IWC) die Jagd. Damit konnte ihr Aussterben verhindert werden. Seitdem nahm ihre Zahl stetig zu.

1994 strich man Grauwale dann von der Roten Liste bedrohter Tierarten. Jedoch bleibt ihr Bestand unter dem früherer Zeiten. Vor Beginn des kommerziellen Walfangs Mitte des 19. Jahrhunderts soll er bei ca. 96.000 Individuen gelegen haben.

Titelfoto: Springender Grauwal, NOAA Fisheries/Dave Weller


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