Haie: Gejagte Jäger

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Vor √ľber 450 Millionen Jahren tauchten die ersten Haie in den Meeren auf. Heute gibt es etwa 350 bis 370 Arten. Von harmlosen handspannengro√üen Exemplaren √ľber J√§ger, wie den Wei√üen Hai. Bis hin zum gr√∂√üten Fisch der Welt, dem 18 Meter langen Walhai. Ausgerechnet die beiden gr√∂√üten, der 15 Meter gro√üe Riesenhai und der Walhai, ern√§hren sich dabei ausschlie√ülich von Plankton. Sie sind ebenso friedlich, wie weitgehend unerforscht. Mittlerweile sind Haie gejagte J√§ger: Der Bestand nahezu aller Hochseehaie und ‚ÄďRochen sank in den letzten 50 Jahren im Schnitt um 70 Prozent. Dabei sind sie als Gesundheitspolizei unerl√§sslich f√ľr gesunde Meeres-√Ėkosysteme.

Haie: Erfolgsmodell der Evolution

Irrt√ľmlicherweise werden Haie oft als ‚Äěunterentwickelte‚Äú Vorfahren der Knochenfische angesehen. Doch es gab bereits kleine knochenfischartige Wassertiere als die ersten Knorpelfische entstanden. Beide haben sich unabh√§ngig voneinander entwickelt. Und unterscheiden sich grundlegend.

Haie haben kein festes Knochenskelett.  Ihr Skelett besteht aus Knorpel. Allerdings weist dieser durch die Einlagerung von prismatischem Kalk stellenweise eine hohe Festigkeit auf. Haie besitzen keine richtigen Schuppen, sondern eine mit Hautz√§hnen best√ľckte K√∂rperdecke. Zudem haben sie keine Schwimmblase. Trotz dieses fehlenden Auftriebsorgans stimmt das weit verbreitete Ger√ľcht nicht, Haie m√ľssten st√§ndig in Bewegung bleiben, um Sauerstoff √ľber die Kiemen aufzunehmen oder nicht auf den Meeresboden zu sinken. Viele Arten ruhen auf dem Meeresgrund. Einige Hochseeformen legen zwischendurch Pausen ein, ziehen sich zum Schlafen sogar in H√∂hlen zur√ľck.

Zwei Bullenhaie mit einem Taucher. Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank.

Bullenhaie beim Synchronschwimmen.
Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank

Dank ihrer perfekten K√∂rperform k√∂nnen sie m√ľhelos schwimmen und ihre H√∂he problemlos regulieren ‚Äď Haie brauchen keine Schwimmblase. Einer perfekten ‚Äě√úberlebensmaschine‚Äú gleich hat sich ihre K√∂rperform in der langen Zeit ihrer Entwicklung kaum ver√§ndert. Bemerkenswert ist auch, dass ihre Z√§hne sind nicht fest im Kieferknochen verankert sind. Diese sitzen in meist mehreren Reihen im Zahnfleisch und werden bei vielen Arten regelm√§√üig ersetzt (Revolvergebiss). 

Dieses evolutiv so erfolgreiche, quasi zeitlose Modell besitzt ‚Äď wie nur wenige Fische ‚Äď am Kopf befindliche Elektrorezeptoren. Damit k√∂nnen sie elektrische Signale auffangen und auswerten. Das erleichtert m√∂glicherweise das Navigieren mit Hilfe des Erdmagnetfeldes in den endlosen Weiten der Meere. Hauptfunktion dieses elektrischen Organs soll jedoch die eines Radarger√§tes sein. Denn mit ihm sp√ľren sie versteckte Beutetiere auf.

Hoch entwickelte Fortpflanzungsmethoden

Obwohl es sich um eine altert√ľmliche Lebensform handelt, verf√ľgen die gejagten J√§ger √ľber hoch entwickelte, den Knochenfischen im Grunde √ľberlegene Fortpflanzungsmethoden. Sie besitzen √§u√üere Geschlechtsorgane und leiten eine innere Befruchtung mittels Kopulation ein. Die Mehrheit, etwa 70 Prozent, ist lebendgeb√§rend. Andere wie Katzen-, Horn- oder Walhaie legen Eier (Oviparie) ‚Äď vergleichbar mit H√ľhnern.

W√§hrend gew√∂hnliche Fischweibchen in der Regel Hunderttausende bis viele Millionen Eier frei ins Wasser abgeben, wo sie dann besamt werden, sorgen Eier legende Haie vergleichsweise besser f√ľr ihren an Zahl weitaus geringeren Nachwuchs. Eingebettet in gro√üe stabile Hornkapseln mit spiraligen Haftf√§den, die sich im Tang oder an Korallen anheften, wachsen die Embryonen gut gesch√ľtzt auf dem Dottersack bis zum Schl√ľpfen heran.

Vermehrung im Schneckentempo

Doch gerade ihre einst erfolgreichen Fortpflanzungsstrategien werden den Meeresjägern heute zum Verhängnis. Denn ihre Vermehrung findet im Schneckentempo statt. Bei vielen Arten dauert es zehn bis 18 Jahre, bis sie fortpflanzungsfähig sind. Während sich einige das ganze Jahr oder nur während bestimmter Monate vermehren, legen andere Arten Pausen von 1-2 Jahren ein. Manche bringen nur zwei Junge pro Reproduktionszyklus zur Welt. Nur wenige wie der Blauhai erreichen Höchstraten von hundert Jungtieren.

Grenzen evolutiver Durchsetzungsfähigkeit

Bei durch die moderne Industriefischerei verursachten Verlustraten von gesch√§tzten √ľber 273 Millionen get√∂teten Haien j√§hrlich st√∂√üt dieses Erfolgsmodell heute an die Grenzen seiner evolutiven Durchsetzungsf√§higkeit. Die Verluste k√∂nnen nicht mehr ausgeglichen werden.

Gejagte Jäger: Hai Gebisse zum Verkauf.

Das Gebiss eines Wei√üen Hais ist Hochseeanglern und Souvenirj√§gern viele Tausend Dollar wert und stellt damit die Hauptursache f√ľr die akute Gef√§hrdung dieser Art dar. Foto: (c) Wolcott Henry 2005/Marine Photobank

Haie liefern verschiedene Produkte f√ľr den Handel: Fleisch und Haut, die zu Handtaschen und Cowboystiefeln verarbeitet wird. Ebenfalls sehr begehrt sind Haiflossen, deren angeblich Potenz f√∂rdernde Wirkung den Markt kr√§ftig angeheizt hat.

Gejagte Jäger: Hai hängt in einem Fischernetz, Fidschi

Effektive Haischutz-Projekte sind heute eine Frage des √úberlebens f√ľr die gejagten J√§ger. ¬© OceanImageBank/Tom Vierus

Bei der gezielten Flossenfischerei, dem sogenannten ‚ÄěFinning‚Äú, werden den Tieren direkt nach dem Fang die Flossen abgeschnitten. Dann wirft man sie verst√ľmmelt zur√ľck ins Meer. Dort sterben sie. Hauptabnehmer sind Hongkong, China und Singapur. Obwohl der Handel mit Haiflossen stetig zunimmt, √ľbertrifft die Nachfrage das Angebot. In Hongkong kann eine Schale Haifischflossensuppe von bestimmten Arten mehrere Hundert Euro kosten.

Auch Heilmittel aus Haiknorpel erfreuen sich gro√üer Beliebtheit. Auch wenn eine Wirkung der als Wundermittel gegen Krebs angepriesenen P√ľlverchen unbewiesen ist.


Gejagte Jäger: Experten warnen seit vielen Jahren vor ihrem Aussterben

Ein gezieltes Fischereimanagement f√ľr Haie und die ebenfalls zu den Knorpelfischen geh√∂renden Rochen gibt es nicht. Internationale und nationale Fischereistatistiken geben, im Gegensatz zu vielen Gruppen der Knochenfische, durchweg nur sehr pauschale Informationen √ľber Zahl und Art gefangener Knorpelfische. Bereits 1994 warnten Experten auf der Internationalen Artenschutzkonferenz in Fort Lauderdale vor der drohenden Ausrottung vieler Haiarten.

Und so k√§mpfen diese den Delfinen in Sachen Unterwasserman√∂vrierf√§higkeit in nichts nachstehenden Knorpelfische heute um ihr √úberleben. Es k√∂nnte gut sein, dass sich unser Wissen √ľber viele Haiarten einmal darauf beschr√§nken wird, dass diese ein enormes Gebiss und wir Angst vor ihnen hatten.


Was können Sie tun?

Verzichten Sie ‚Äď auch im Urlaub ‚Äď auf den Verzehr von Haiprodukten. Achten Sie dabei auf als Kalbsfisch, Seest√∂r oder Schillerlocke ‚Äěgetarnte‚Äú Haiprodukte.

Citizen Science ‚Äď B√ľrgerforscher:
Mithilfe der sozialen Medien wollen Haiforscher mehr √ľber Haie und Rochen im Mittelmeer herausfinden, um eine umfassende Datenbank √ľber die Arten zu erstellen. Daf√ľr wurde das MECO Project gegr√ľndet (Mediterranean Elasmobranch Citizen Observations): Denn je mehr wir wissen, umso besser k√∂nnen wir Arten sch√ľtzen!

Die √∂ffentliche Facebook-Gruppe hei√üt: Hai-Sichtungen Mittelmeer/Sharks of the Mediterranean. Dort k√∂nnen Sie Ihre Sichtungen melden … und staunen, welche Arten schon entdeckt wurden!

Bildspenden:
Sie haben einen Hai gesehen? Wir freuen uns immer √ľber Bildmaterial (Foto, Video), denn: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

Sterben die Haie, stirbt das Meer!

Toter Hai hängt in einem Fischernetz, Fidschi

Helfen Sie bedrohten Haien


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