Hainetze gegen Haiangriffe?

5 Minuten

Auch wenn Haiangriffe auf Menschen außergewöhnlich selten vorkommen, erzeugen sie viel Aufmerksamkeit. Um das Vordringen von potenziell für den Menschen gefährlichen Haien bis in Strandnähe zu verhindern, setzt man in Südafrika (bereits seit 1952), Australien und anderen Ländern gegen Haiangriffe sogenannte Hainetze ein. Damit will man Haie von Bade- und Surfstränden „fernhalten“. Hainetze stehen stark in der Kritik. Denn sie verschärfen die Biodiversitätskrise an den betroffenen Küstenabschnitten. Seltene und bedrohte Haie und viele andere Meerestiere (Rochen, Meeresschildkröten, Delfine und größere Fische) sterben in großer Zahl. Dabei sind fast alle der von Hainetzen getöteten Tiere für Menschen völlig harmlos!

Zu den potenziell für Menschen gefährlichen Haiarten zählt man Sambesi- oder Bullenhaie (Carcharhinus leucas), Weiße Haie (Carcharodon carcharias) und Tigerhaie (Galeocerdo cuvier).

Was ist ein Hainetz?

Hainetze sind ca. 200 m lange und ca. 6 m hohe Kiemennetze. Man verankert sie wie pelagische Stellnetze in 10–14 m Wassertiefe. Die Netze stehen parallel zur Küstenlinie jenseits der Brandung zwischen 300 und 500 m vor der Küste knapp unter der Wasseroberfläche. Sie sind, von kleineren Unterbrechungen abgesehen, das ganze Jahr über gestellt und werden regelmäßig kontrolliert. In Südafrika zum Beispiel, aber nur einmal am Tag und nur an Werktagen.

Hainetze sind Todesfallen für viele Meerestiere

Lebend in den Netzen gefundene Tiere (einschließlich Haie, Meeresschildkröten und Wale) lässt man wieder frei. Tote Tiere werden entfernt und manchmal zu Forschungszwecken eingesetzt. In südafrikanischen Hainetzen sterben unter anderem:

Zwischen 2013 und 2017 starben in südafrikanischen Hainetzen jedes Jahr durchschnittlich 416 Haie und mehr als 160 andere Meerestiere, darunter Delfine, Meeresschildkröten und Wale. Im gleichen Zeitraum lag der Jahresdurchschnitt in Hainetzen gefangener völlig harmloser Rochen und Geigenrochen bei 135,8 Tieren. Lediglich die Hälfte von ihnen traf man bei Kontrollen noch lebend an und konnte sie befreien.

Viele Haie sterbden in den Hainetzen: Toter Bullenhai, Provinz KwaZulu-Natal.

Toter Bullenhai, Provinz KwaZulu-Natal. Foto: Fiona Ayerst/Marine Photobank

Sonderform der Haifischerei

Hainetze agieren im Grunde wie eine kommerzielle Haifischerei. Nur, dass der Fang nicht genutzt wird. Besonders katastrophal an dieser Fischereimethode ist ihre Beifangrate. Stellnetze haben eine doppelt so hohe Beifangrate wie Schleppnetze. De facto schwächt man mit Hainetzen die Populationen großer Haiarten. Delfinbeifänge sowie Beifänge kleiner und für den Menschen harmloser Hai- und Rochenarten nimmt man dabei in Kauf.

Der junge Buckeldelfin „Beebop“ starb in einem gegen Haiangriffe aufgestellten Hainetz vor Richards Bay.

Ein junger Bleifarbener Delfin, der in einem Hainetz starb. Männliche Jungtiere gehören zu den am häufigsten in Hainetzen sterbenden Delfinen vor Südafrika. Sein Körper zeigt deutliche Netzmarken. Foto: Brett Atkins

Welche Alternativen zu Hainetzen gibt es?

Drumlines

Drumlines sind an einer Boje befestigte beköderte Haken. Mit ihnen konnte vor Australien und Brasilien zumindest die Delfinbeifangrate gesenkt werden. Doch auch diese Methode ist nicht nur wegen des Beifangs von Nicht-Zielarten umstritten: Denn mit den beköderten Haken lockt man gerade die Tiere an die Küste, die man hier nicht haben will: Haie. Und sie sterben am Köderhaken einen langsamen Tod, wenn sie nicht rechtzeitig befreit werden.

Elektrozäune

Elektrozäune oder Shark Barriers sind am Meeresgrund verankerte Elektrokabel. Von ihnen sind unter schwachem Strom stehende Drähte gespannt. Sie reichen bis an die Wasseroberfläche. Damit kann man die elektrosensiblen Haie abschrecken.

Shark-Spotter

Der Einsatz von Shark Spottern, die im Wasser befindliche Menschen rechtzeitig vor einem Haiangriff warnen, hat sich z. B. vor Kapstadt bereits bewährt.

Besser als Hainetze: Warnschild am Strand von Muizenberg (Südafrika) mit Hai Spotter Hinweis zum Schutz vor Haiangriffen.

Warnschild am Strand von Muizenberg, Südafrika, mit Hai-Spotter-Hinweis. © Kathleen Reaugh/Marine Photobank

SMART drumlines

In Australien werden seit September 2021 an vier Stränden der Capricorn Coast im Great Barrier Reef Marine Park in Queensland SMART Drumlines getestet. In Westaustralien, wo Hainetze verboten wurden, sind sie bereits im Einsatz. Auch New South Wales (NSW) testet diese Technik. SMART Drumlines melden über einen Signalgeber, wenn ein Hai oder ein anderes Tier am Köderhaken hängt. Dadurch kann man die Tiere rechtzeitig befreien. Auf diese Weise befreite Haie erhalten zudem einen Sender. So lassen sich ihre Wanderrouten per GPS-Tracking mit der SharkSmart-App verfolgen. Bisherige Erfahrungen sind positiv. Es zeigte sich beispielsweise, dass von Smart-Drumlines befreite Haie an dem betreffenden Küstenabschnitt bei ihrer Wiederkehr einen größeren Abstand einhalten. Sie haben gelernt, die Gefahr zu meiden.

Titelfoto: Bleifarbener Delfin im Hainetz, David Savides und Bullenhai im Hainetz, Fiona Ayerst/Marine Photobank


Weiterführende Informationen