Um das Vordringen von potenziell für den Menschen gefährlichen Haien bis in Strandnähe zu verhindern, setzt man in Südafrika (bereits seit 1952), Australien und anderen Ländern sogenannte Hainetze ein. Damit will man Haie von Bade- und Surfstränden „fernhalten“. Hainetze stehen stark in der Kritik. Denn sie verschärfen die Biodiversitätskrise an den betroffenen Küstenabschnitten. Seltene und bedrohte Haie und viele andere Meerestiere (Rochen, Meeresschildkröten, Delfine und größere Fische) sterben in großer Zahl. Dabei sind fast alle der in den Netzen sterbenden Tiere für Menschen vollkommen harmlos!
Zunehmend außer Kontrolle gerät die Situation im australischen Queensland, Heimat des spektakulären Great Barrier Reef. 2025 verhedderten sich bereits zwölf Buckelwale in vor der Küste aufgestellten Hainetzen, viele davon vor der Sunshine Coast. 2024 verfingen sich dagegen „nur“ acht Wale in den gefährlichen Stellnetzen.1
Kernaussagen
- Hainetze sind eine Sonderform der Fischerei, mit der man gezielt küstennah lebende große Haiarten ausrotten will.
- Hainetze in Australien und Südafrika töten jährlich Tausende harmloser Meerestiere und verschärfen die Biodiversitätskrise.
- Alternativen zu Hainetzen, wie Shark-Spotter, SMART-Drumlines oder Elektrozäune (Shark Barriers), zeigen vielversprechende Ergebnisse.
- Die Bestandszunahme bei Buckelwalen erhöht das Risiko von Verhedderungen.
- Der Premier des australischen Bundesstaats Queensland will den Schutz von Walen nicht „auf Kosten eines einzigen Menschenlebens“ ausweiten
- Ein Unfall mit einem Hai, auch Haiangriff genannt, ist ein außergewöhnlich seltenes Ereignis.
Hainetze in Queensland bringen Buckelwale in Not
Im Zuge des katastrophalen „Hai-Abwehrprogramms“ von Queensland fallen zahllose Meerestiere wie Buckelwale, Delfine, Meeresschildkröten und Rochen den vor den Küsten aufgestellten Netzsperren und sogenannten SMART-Drumlines (Köderhaken) zum Opfer. Im Jahr 2024 sollen sich laut Angaben der Humane Society International 1.641 Meerestiere in den Netzen verfangen haben. Mehr als die Hälfte davon waren keine Haie, mehr als 980 Tiere mussten sterben! Betroffen waren unter anderem 22 Wale und Delfine, 37 Meeresschildkröten und 46 Rochen.
Besonders dramatisch verlief der stundenlange Überlebenskampf einer Buckelwalmutter mit ihrem Kalb am 17. September 2025 in einem vor Noosa an der Sunshine Coast aufgestellten Haiabwehrnetz. Stundenlang versuchte die Mutter, ihr Kalb vor dem Ertrinken zu bewahren. Ihr Martyrium hatte ein glückliches Ende. Beide wurden befreit. Leider konnte man nicht sämtliche Netzreste entfernen, was die beiden sicherlich stark behindern dürfte. David Crisafulli, Premier des australischen Bundesstaats, erklärte gegenüber theguardian.com, dass man den Schutz der Wale nicht „auf Kosten eines einzigen Menschenlebens“ ausweiten werde.

Mit ein Grund für die zunehmenden Verhedderungen von Buckelwalen in australischen Hainetzen, ist, dass die Buckelwalpopulation auf etwa 50.000 Individuen angewachsen ist. Außerdem liegt die Sunshine Coast auf der aktuellen Wanderroute der großen Wale. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Verhedderung in Fischereigerät (entanglement) mittlerweile eine der Haupttodesursachen von Großwalen ist.
Was sind die für Menschen potentiel gefährlichsten Haiarten?
Zu den potenziell für Menschen gefährlichen Haiarten zählen hauptsächlich Sambesi- oder Bullenhaie (Carcharhinus leucas), Weiße Haie (Carcharodon carcharias) und Tigerhaie (Galeocerdo cuvier).2
Ein Unfall mit einem Hai, auch Haiangriff genannt, ist ein außergewöhnlich seltenes Ereignis. Jedoch erzeugt jeder einzelne Vorfall extrem viel Aufmerksamkeit in den Medien, bei Touristikern und Lokalpolitikern.
Was ist ein Hainetz?
Hainetze sind ca. 200 m lange und ca. 6 m hohe Kiemennetze. Man verankert sie wie pelagische Stellnetze in 10–14 m Wassertiefe. Die Netze stehen parallel zur Küstenlinie jenseits der Brandung zwischen 300 und 500 m vor der Küste knapp unter der Wasseroberfläche. Sie sind, von kleineren Unterbrechungen abgesehen, das ganze Jahr über gestellt und werden mehr oder weniger regelmäßig kontrolliert.
Todesfallen für viele Meerestiere
Lebend in den Netzen gefundene Tiere (einschließlich Haie, Meeresschildkröten und Wale) lässt man wieder frei. Tote Tiere werden entfernt und manchmal zu Forschungszwecken eingesetzt. In südafrikanischen Hainetzen sterben unter anderem:
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Bleifarbene Delfine (Sousa plumbea)
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Indopazifische Große Tümmler (Tursiops aduncus)
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Langschnäuzige Gemeine Delfine (Delphinus capensis)
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Sambesi- oder Bullenhaie (Carcharhinus leucas)
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Weiße Haie (Carcharodon carcharias)
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Tigerhaie (Galeocerdo cuvier)
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Riesengitarrenrochen des Rhynchobatus djiddensis-Artenkomplexes, Großer Geigenrochen (R. djiddensis)
Sonderform der Haifischerei
Hainetze agieren im Grunde wie eine kommerzielle Haifischerei. Nur, dass der Fang nicht genutzt wird. Besonders katastrophal an dieser Fischereimethode ist ihre Beifangrate. Stellnetze haben eine doppelt so hohe Beifangrate wie Schleppnetze. De facto schwächt man mit Hainetzen die Populationen großer Haiarten. Delfinbeifänge sowie Beifänge kleiner und für den Menschen harmloser Haie und Rochen nimmt man dabei in Kauf.
Welche Alternativen zu Hainetzen gibt es?
Drumlines
Drumlines sind an einer Boje befestigte beköderte Haken. Mit ihnen konnte vor Australien und Brasilien zumindest die Delfinbeifangrate gesenkt werden. Doch auch diese Methode ist nicht nur wegen des Beifangs von Nicht-Zielarten umstritten: Denn mit den beköderten Haken lockt man gerade die Tiere an die Küste, die man hier nicht haben will: Haie. Und sie sterben am Köderhaken einen langsamen Tod, wenn sie nicht rechtzeitig befreit werden.
Elektrozäune
Elektrozäune oder Shark Barriers sind am Meeresgrund verankerte Elektrokabel. Von ihnen sind unter schwachem Strom stehende Drähte gespannt. Sie reichen bis an die Wasseroberfläche. Damit kann man die elektrosensiblen Haie abschrecken.
Shark-Spotter
Der Einsatz von Shark Spottern, die im Wasser befindliche Menschen rechtzeitig vor einem Haiangriff warnen, hat sich z. B. vor Kapstadt bereits bewährt.

SMART-Drumlines
In Australien werden seit September 2021 an vier Stränden der Capricorn Coast im Great Barrier Reef Marine Park in Queensland SMART-Drumlines getestet. In Westaustralien, wo Hainetze verboten wurden, sind sie bereits im Einsatz. Auch New South Wales (NSW) testet diese Technik. SMART-Drumlines melden über einen Signalgeber, wenn ein Hai oder ein anderes Tier am Köderhaken hängt. Dadurch kann man die Tiere oft rechtzeitig befreien, aber nicht immer. Auf diese Weise befreite Haie erhalten zudem einen Sender. So lassen sich ihre Wanderrouten per GPS-Tracking mit der SharkSmart-App verfolgen.
Bisherige Erfahrungen sind positiv. Es zeigte sich beispielsweise, dass von Smart-Drumlines befreite Haie an dem betreffenden Küstenabschnitt bei ihrer Wiederkehr einen größeren Abstand einhalten. Sie haben gelernt, die Gefahr zu meiden.
- Queensland Government | Department of Primary Industries: Report animals entangled in shark nets or drumlines ↩︎
- Florida Museum International Shark Attack File ↩︎
Titelfoto: Bleifarbener Delfin im Hainetz, © David Savides | Bullenhai im Hainetz, © Fiona Ayerst/Marine Photobank
Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag

