Immer weniger Nordsee-Schweinswale

Die Zahl der Nordsee-Schweinswale geht stark zurück. Denn zwischen 2002 und 2019 sank ihre Zahl im Durchschnitt um etwa 1,8 Prozent jährlich. Damit dürften hier nur noch rund 23.000 der kleinen Wale leben. Diese besorgniserregende Entwicklung deckte eine Studie von Forschern der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, des Centrums für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg und der Fundación Macuáticos Colombia auf. Das Fachmagazin „Frontiers in Marine Science“ veröffentlichte sie Anfang Januar 2020. Darin sprechen die Autoren von einer besorgniserregenden Entwicklung.

Meeresschutzgebiete ohne Schutzfunktion

Als klares Zeichen einer völlig verfehlten Meeresschutzpolitik ist dabei die Tatsache zu werten, dass ausgerechnet im wichtigen Schweinswal-Schutzgebiet vor Sylt besonders starke Verluste auftreten. Denn am Sylter Außenriff, einer „Schweinswal-Kinderstube“, sank der Bestand um durchschnittlich 3,8 Prozent jährlich. Schweinswalmütter kommen hierher, um ihre Jungen zur Welt zu bringen und die wichtigen ersten Lebenswochen mit ihnen zu verbringen.

Weiter südlich vor Borkum dagegen verzeichneten die Forscher einen Anstieg der Population.

In einem Stellnetz ertrunkener Schweinswal.

In einem Stellnetz ertrunkener Schweinswal – Foto: Krzysztof E. Skora

Dabei liegen die Ursachen für den Rückzug der Nordsee-Schweinswale auf der Hand: In deutschen Meeresschutzgebieten ist alles erlaubt, außer Meeresschutz!

Von Kies- und Sandabbau, intensiver Fischerei, dem Bau von Offshore-Windkraftanlagen, intensivem Schiffsverkehr bis hin zum Betrieb der Ölbohrinsel „Mittelplate A“ vor Friedrichskoog mitten im Weltnaturerbe Nationalpark Wattenmeer.

Schweinswalzählungen – eine schwierige Materie

Von Booten aus lassen sich die Bestände der kleinen Wale nicht erfassen. Denn meist sieht man sie nicht. Zum Atmen kommen die auch Kleine Tümmler genannten scheuen Meeressäuger nur kurz an die Wasseroberfläche. Dann sind sie auch schon wieder weg, zumindest, wenn Menschen in der Nähe sind.

Daher setzen Wissenschaftler auf Zählungen aus der Luft. Aus den per Flugzeug beim Auftauchen oder Schwimmen gesichteten Tieren wird dann eine ungefähre Bestandsgröße errechnet.

Schweinswale – raus aus der Nordsee

Autorin Tina Bauer schreibt in ihrem Artikel „Raus aus der Nordsee!“ in der Süddeutschen Zeitung vom 9./10. Januar 2020 dazu: „Es ist höchste Zeit, Schutzgebiete zu schaffen, die diesen Namen auch verdienen. Menschen sollten aus der Hälfte der jetzt schon bestehenden Schutzzonen verbannt werden. Mindestens“.

Treffender lässt sich die katastrophale deutsche Meeresschutzpolitik kaum auf den Punkt bringen.

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Zwei Gewöhnliche Schweinswale (Phocoena phocoena) – Foto: Ecomare/Sytske Dijksen