Sieg für die Wale: Walfang bleibt verboten

Sieg für die Wale!

Vom 10. bis 14. September 2018 fand im brasilianischen Florianópolis die 67. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) statt. Auf dem Spiel stand erneut das weltweite Walfangverbot. Doch die Walschützer siegten – Japans Antrag auf Aufhebung wurde mit 41 zu 27 Stimmen abgelehnt! Neben den klassischen Walfangbefürwortern Norwegen und Island unterstützten vor allem Länder aus Afrika und dem asiatischen Raum den Antrag. Doch es wurde ein Sieg für die Wale!

Forderungen Japans

Vor allem Japan, das dieses Jahr auch den Vorsitz führte, kämpft mit allen Mitteln für die Wiedereinführung des kommerziellen Walfangs. Während die Walfangländer Island und Norwegen das Verbot nicht anerkennen, nutzt Japan ein Schlupfloch des Moratoriums, um Wale unter dem Deckmantel der Wissenschaft zu erlegen – das Fleisch landet dennoch auf dem Markt.

Auf der Tagung forderte Japan quotenregulierten Walfang sowie Änderungen im Abstimmungsverfahren bei der IWC: Entscheidungen sollten fortan mit einfacher, anstatt wie bisher mit Dreiviertelmehrheit getroffen werden. Dann geräte ein Sieg für die Wale schnell in Gefahr.

Pro-Walfang-Fraktion wächst

Isändisches Walfangboot "Hvalur 8"

Walfangboot „Hvalur 8“. Hvalur ist die einzige Firma in Island, die Finnwale töten darf. Foto: Sven Koschinski

Der dieses Jahr der IWC neu beigetretene Inselstaat Sao Tome und Príncipe vor der Westküste Afrikas stimmte ebenfalls für die Wiederaufnahme des Walfangs. Bereits 2007 hatte Japan dem Inselstaat ein Angebot gemacht, um in dessen Territorialgewässern Walfang betreiben zu können. Nach Angaben der Online-Plattform Macauhub ist Japan der wichtigste Kooperationspartner der Inseln im Fischereisektor.

Der Vorwurf des Stimmenkaufs zur Erweiterung der Pro-Walfang-Fraktion ist nicht neu: Wiederholt soll Japan sich mithilfe von „Finanzspritzen“ in Form von Entwicklungshilfe Stimmen ärmerer Staaten gesichert haben.

Pro-Walfang-Fraktion wächst

Seit vielen Jahren wird das sogenannte Revised Management Scheme unter den IWC-Mitgliedern diskutiert, bei dem Walbestände nachhaltig“„bewirtschaftet“ werden sollen. Doch wäre kontrollierter Walfang überhaupt möglich? Problematisch ist nicht nur die Feststellung zuverlässiger Bestandszahlen, die als Grundlage für eine Abschussquote herangezogen werden müssten, sondern auch die Umsetzung von Kontrollen. Bereits vor Inkrafttreten des Walfangverbots gab es vereinzelte Einschränkungen – um die sich manche Länder jedoch wenig kümmerten und trotzdem weitermachten.

Würde der kommerzielle Walfang wieder erlaubt, würde dies lediglich den illegalen Handel fördern. Denn falsch deklarierte Walprodukte wurden in Japan schon vor Jahren entdeckt. DNA-Analysen hatten gezeigt, dass zum menschlichen Verzehr angebotenes Walfleisch auch von Delfinen und geschützten Buckel-, Finn- und Seiwalen stammte. Warum also sollten Mechanismen, die in der Fischerei schon nicht greifen– Einhaltung von Quoten, Durchführung von Kontrollen, wahrheitsgetreue Deklaration –, beim Walfang plötzlich funktionieren?

Walbestände und Walfang

Buckelwal vor Island.

Buckelwal vor Island                                              Foto: Pixabay

Viele Walarten standen 1986, als der Walfang verboten wurde, am Rande der Ausrottung. Vor allem mit der Erfindung der Kanonenharpune 1868 und dem Aufkommen von Fabrikschiffen, die eine Verarbeitung an Ort und Stelle ermöglichten, nahm die Jagd auf die Giganten der Meere neue Dimensionen an. Fing man bis dahin hauptsächlich langsame Arten, wie Glattwale, die nach dem Töten nicht versanken (daher im Englischen auch der „richtige“ Wal – „Right Whale“), küstennah lebende Buckelwale oder Grauwale, die im Nordatlantik bereits im 17. Jahrhundert ausgerottet waren, konnte man nun auch Jagd auf schnelle Furchenwale machen, wie Blau- und Finnwale.

Auch der Pottwal, der größte der Zahnwale, wurde verstärkt zur Beute, als sich die amerikanische Walfangindustrie zu Beginn des 18. Jahrhunderts entwickelte und den Pottwalfang 200 Jahre lang dominierte. 1966,  als die Bestände von Blau- und Buckelwal bereits soweit dezimiert waren, dass die IWC deren Bejagung verbot, gab es endlich Entlastung und einen ersten Sieg für die Wale.

Erfolg des Walfangverbots

Dank des Walfangverbots konnten sich einige Arten inzwischen wieder erholen, wenngleich manche noch immer als gefährdet oder sogar stark gefährdet gelten, wie Pottwale beziehungsweise Blau- und Finnwale. Denn Wale werden weiterhin getötet, sei es von Ländern, wie Island und Norwegen, die das Moratorium nicht anerkennen, sei es unter Sondergenehmigungen wie wissenschaftlicher Walfang oder für den sogenannten Subsistenz-Walfang indigener Völker zum Lebenserhalt. So starben seit Beginn des Walfangmoratoriums laut IWC bis 2016 insgesamt knapp 54.000 Wale.

Internationale Walfangkommission/IWC

Pottwal vor Dominica wird von einem Schnorchler fotografiert.

Pottwal                      Foto: Peter G. Allinson/Marine Photobank

Ursprüngliches Ziel der 1946 von 14 Staaten gegründeten IWC, die seit 2012 alle zwei Jahre, anstatt jährlich tagt, war der Erhalt der Walbestände zur Bejagung. Heute spielt angesichts wachsender Gefahren für Meeressäuger auch der Schutzgedanke eine wichtige Rolle, und zwar nicht nur für Großwale, sondern auch für Delfine und andere Kleinwale.

Wale in Gefahr

Japan will die IWC  zu ihren Wurzeln zurückführen, übersieht aber, dass sich die Zeiten geändert haben. Drohte im 19. Jahrhundert „lediglich“ die direkte Bejagung den Walen den Garaus zu machen, so sind die Meeressäuger heute vielen weiteren Gefahren ausgesetzt: Meeresverschmutzung, akustische Verschmutzung, Schiffskollisionen, Beifang in Fischernetzen, Nahrungsverknappung.

Heute wissen wir sehr viel mehr über ihre komplexe Biologie, ihr komplexes Leben und ihre erstaunlichen Fähigkeiten als die damaligen Walfänger. Sie müssen geschützt und dürfen nicht gejagt werden. Das gelang auf der diesjährigen IWC-Tagung. Doch in zwei Jahren dürfte das Bangen erneut losgehen. Der Sieg für die Wale ist nicht gesichert!

Wir freuen uns, dass wir die IWC-Teilnahme von Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife unterstützen konnten. Ihre Organisation ist als eine von mehreren auf der IWC als Beobachter zugelassen. Bereits seit 20 Jahren kämpft die Biologin für die Aufrechterhaltung des Walfangverbots.
Ulrike Kirsch – DSM, 20. September 2018