Den Internationalen Tag der Robben gibt es seit 1982. Er geht auf eine Resolution des US-Kongresses zurück und ist in den USA als International Day of the Seal bekannt. Ursprünglich wollte man damit auf die Grausamkeiten bei der Jagd auf Klappmützen- und Sattelrobben im Nachbarland Kanada aufmerksam machen. Heute steht an diesem Tag die Überlebenssituation der 34 Robbenarten oder Flossenfüßer (vom lateinischen „Pinnipedia“) im Vordergrund.
„Massive Veränderungen in der Meeresumwelt, ausgelöst durch die Folgen des Klimawandels, Überfischung und Meeresverschmutzung, wirken sich negativ auf die Überlebenssituation dieser semiaquatischen Meeressäugetiere aus“, erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.
Kernaussagen
- Der Internationale Tag der Robben macht seit 1982 auf die Grausamkeiten der kanadischen Robbenjagd und den Schutz der Tiere aufmerksam.
- Der Tag der Robben soll auch auf die Gefahren durch Menschen, Lebensraumverluste und Umweltgifte hinweisen.
- Massive Umweltveränderungen durch Klimawandel, Überfischung und Verschmutzung gefährden das Überleben vieler Robbenarten.
- Robben sind an das Leben im Ozean angepasst, verbringen aber auch viel Zeit an Land und benötigen Respekt und Abstand von Menschen.
- Hawaiianische Mönchsrobben und Mittelmeer-Mönchsrobben sind stark vom Aussterben bedroht.
- 1. Mal im Wasser, mal an Land
- 2. Hundsrobben, Ohrenrobben und Walrosse
- 3. Schnurrhaare
- 4. Es klappt auch längere Zeit ohne Essen
- 5. Robben dürfen austrocknen
- 6. Wie trinken Robben?
- 7. Wie bewegen sich Flossenfüßer
- 8. Hawaiianische Mönchsrobben
- 9. Mittelmeer-Mönchsrobben
- 10. Ausgerottet: Karibische Mönchsrobbe
- 11. Robbenwelpen können sehr laut „heulen“
- 12. Auch an Land schnell
- 13. Bandrobben
- 14. Gefahren
1. Mal im Wasser, mal an Land
Robben sind hervorragend an das Leben im Ozean angepasst. Allerdings verbringen sie auch viel Zeit an Land und begegnen dabei zwangsläufig auch Menschen. Dies hat oft fatale Folgen.
An der deutschen Nordseeküste sterben jährlich viele Hundert kranke, verletzte oder verlassene junge Seehunde und Kegelrobben per Kopfschuss durch Seehundjäger.
In Namibia werden jedes Jahr Zehntausende Südafrikanische Seebären und deren Welpen erschlagen.
Noch in den 2000er-Jahren erschlugen kanadische Robbenjäger jährlich etwa 300.000 Welpen von Sattel- und Klappmützenrobben. Da es für die Produkte mittlerweile kaum noch Märkte gibt, sank die Zahl allerdings deutlich.
2. Hundsrobben, Ohrenrobben und Walrosse
Die größte Familie der Flossenfüßer sind die Echten Robben oder Hundsrobben (Familie Phocidae) mit 13 Gattungen und 18 Arten. Zu den Hundsrobben zählen auch unsere heimischen Seehunde und Kegelrobben. Hundsrobben verwenden in erster Linie ihre hinteren Flossenfüße, um sich – ähnlich wie beim Hinterradantrieb – beim Schwimmen „durch das Wasser zu schieben“. Trotz ihres Namens besitzen Hundsrobben keine Ohrenmuscheln.
Ohrenrobben (Familie Otariidae) dagegen besitzen Ohrenmuscheln. Zu dieser sieben Gattungen und 15 Arten umfassenden Familie gehören Seelöwen, Seebären und Pelzrobben. Sie verwenden beim Schwimmen in erster Linie ihre vorderen Flossenfüße – wie beim Frontantrieb.
Die mit wehrhaften Stoßzähnen ausgestatteten Walrosse sind in ihrer Familie die einzige und zugleich die größte Art der Flossenfüßer. Walrossbullen können über 3,6 Meter groß und bis zu 1,9 Tonnen schwer werden. Ihre beeindruckenden Hauer setzen sie als Multitool zur Verteidigung, für interne Auseinandersetzungen, als Kopfstütze oder zum Aufbrechen von Atemlöchern im Eis ein.
3. Schnurrhaare, die sie wie Katzen benutzen
Robben besitzen viele, gut entwickelte Schnurrhaare. Ähnlich wie bei Katzen ist ihr Tastsinn äußerst sensibel. Wissenschaftler glauben, dass sie mit ihren Schnurrhaaren Vibrationen von vorbeischwimmenden Beutetieren erkennen können. Das ist hilfreich, denn in ihren aquatischen Lebensräumen herrscht oft schlechte Sicht. Und blinde Robben in freier Wildbahn scheinen in der Lage zu sein, zu jagen und zu fressen.
© NOAA Fisheries
4. Es klappt auch mal für längere Zeit ohne Essen
Robben besitzen eine dicke Speckschicht. Deshalb können sie längere Zeit ohne zu fressen auskommen. Ansonsten sind sie gnadenlose Opportunisten, denn sie fressen alles, was verfügbar ist: eine Vielzahl von Fischen, Muscheln, Krebstieren und kleinere Meeressäuger. So machen Kegelrobben Jagd auf Seehunde und Schweinswale. An Land jedoch fressen Robben nie.
5. Robben dürfen austrocknen

Robben sind semiaquatisch. Deshalb müssen sie auch nicht konstant nass sein. Sie kommen an Land, um sich auszuruhen, zum Haarwechsel oder um sich um ihren Nachwuchs zu kümmern.
© NOAA Fisheries
Es ist fatal, wenn gutmeinende Menschen am Strand ruhende Seehunde finden und versuchen, sie nass zu halten. Derartige Belästigungen sind nicht nur streng verboten, sie können für die Tiere tödlich enden. Daher betonen NOAA Fisheries und Meeresschützer am Internationalen Tag der Robben auch besonders die Wichtigkeit des Abstandhaltens.
Wenn Sie am Strand eine Robbe entdecken, halten Sie Abstand und lassen Sie sie in Ruhe!
Robben brauchen – laut Empfehlung von NOAA Fisheries – mindestens 45 m Abstand zu Menschen oder ihren Haustieren. Sie benötigen auch kein auf sie gekipptes Wasser. Sie müssen nicht gefüttert werden. Das Abdecken einer Robbe mit Decken oder Strandtüchern kann dazu führen, dass sie überhitzt und stirbt.
6. Wie trinken Robben?
Wie alle Meeressäugetiere stillen Flossenfüßer ihren Wasserbedarf über ihre Nahrung. Sie vermeiden es, Meerwasser zu trinken. Geschieht dies dennoch, kann das Tier ernsthaft krank werden. Arktische Robben, die lange Zeit auf dem Eis verbringen, fressen manchmal Süßwassereis und Schnee.
7. Wie bewegen sich Flossenfüßer
Manche Robbenarten bewegen sich wie eine Raupe, andere „gehen“.
Pelzrobben und Seelöwen (Otariidae) können ihre Hinterflossen unter ihren Körper drehen, wodurch sie an Land „gehen“, anstatt zu kriechen. Bei Hundsrobben (Phocidae) wie dem Seehund sind die Beckenknochen verwachsen. Deshalb können sie ihre Hinterflossen nicht unter ihr Becken bringen und kriechen an Land mit wellenförmigen, raupenartigen Bewegungen. Dies bedeutet nicht, dass sie verletzt sind!

Grafik: Jakovche – Licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.
8. Hawaiianische Mönchsrobben
Hawaiianische Mönchsrobben (Neomonachus schauinslandi) kommen nur auf den Pazifikinseln vor und sind eine der am stärksten gefährdeten Robbenarten. Sie leben nirgendwo anders auf der Welt! Sie können bis zu 20 Minuten lang den Atem anhalten und mehr als 550 m tief tauchen. Damit erreichen sie die Tiefsee. Normalerweise tauchen sie jedoch durchschnittlich 6 Minuten in Tiefen von weniger als 60 m, um am Meeresboden nach Nahrung zu suchen. Ihre Population ist seit mehr als sechs Jahrzehnten rückläufig.
Derzeit lebt noch ein Drittel des früheren Bestands. Allerdings konnte der Rückgang durch Schutzmaßnahmen verlangsamt werden und stieg seit 2013 wieder leicht um etwa 2 Prozent jährlich. Eine gute Nachricht, nicht nur zum Internationalen Tag der Robben.
© Dianne Tomita Stevens-Poire
9. Mittelmeer-Mönchsrobben
Auch der Bestand der Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus) ist in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Im Mittelmeer sollen noch zwischen 350 und 450 erwachsene Individuen leben. Weitere etwa 260 Tiere findet man an den Küsten der Westsahara, Mauretaniens und auf den Ilhas Desertas bei Madeira.

Die zu den Hundsrobben zählende Art ist in etwa so groß und schwer wie unsere heimischen Kegelrobben und ist eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten europäischen Meeressäugetierarten.
© Jürgen und Edith Fleissner
10. Ausgerottet: Karibische Mönchsrobbe
Der Internationale Tag der Robben ist auch eine Gelegenheit, an eine der ersten vom Menschen ausgerotteten Meeressäugerarten zu denken. Denn diese unrühmliche Auszeichnung traf die Karibische Mönchsrobbe (Neomonachus tropicalis). Ihr Schicksal war im Jahr 1494 besiegelt, als Kolumbus die Karibikinseln entdeckte. Die letzten wenigen Überlebenden der Art sah man im Jahr 1952. Seit 2000 gilt die Karibische Mönchsrobbe offiziell als ausgestorben.

Karibische Mönchsrobbe unbekannten Geschlechts im New Yorker Aquarium um 1910.
© New York Zoological Society
11. Einsame Robbenbabys können wie Babys sehr laut „heulen“
„Heulen“ ist bei kleinen Robben ein normales Verhalten. Es hilft Müttern, ihre Welpen an überfüllten Stränden wiederzufinden, wenn sie von der Nahrungssuche an die Küste zurückkehren. Deshalb ist auch längst nicht jeder kleine Seehund, der allein am Strand liegt und „heult“, in Not!
12. An Land manchmal um einiges flinker als Menschen – zumindest auf rutschigen Felsen
Nördliche Seebären (Callorhinus ursinus) zählen zu den Ohrenrobben. Sie zeichnen sich durch ihren stämmigen Körper, einen kleinen Kopf, eine sehr kurze Schnauze und ein extrem dichtes Fell aus, das unmittelbar an Flossengelenken endet. Ihre Flossen sind die längsten in der Familie der Ohrenrobben. Die Hinterflossen können bis zu einem Viertel ihrer gesamten Körperlänge einnehmen. Zudem sind ihre Vorderflossen unglaublich stark. Dadurch können sie gut auf allen Vieren laufen oder gar rennen. Mit Leichtigkeit entkommen sie einem Menschen auf rutschigem Fels und können sogar fast senkrechte Klippen erklimmen.
13. Bandrobben
Bandrobben (Histriophoca fasciata) sind die auffälligsten und am leichtesten erkennbaren Flossenfüßer.
Mit ihrem charakteristischen Muster aus hellen Bändern auf dunklem Fellhintergrund sind Bandrobben unverwechselbar. Die Welpen dagegen werden mit einem dicken, wolligen, weißen Fell geboren.

© NOAA Fisheries
14. Gefahren für Flossenfüßer
Zu den natürlichen Feinden von Robben zählen Orcas, große Haie und Robben wie die bei uns heimische Kegelrobbe.
Die größten Gefahren gehen jedoch vom Menschen aus. Dazu gehören, neben der direkten Jagd, Lebensraumverluste etwa durch die Folgen des Klimawandels und ausufernder Tourismus (Übertourismus). Hinzu kommen Haustierparasiten, Beifangverluste durch die Fischerei und Nahrungsmangel durch Überfischung sowie Umweltgifte wie PCB, DDT oder Glyphosat, die sich in den Tieren anreichern und sie schädigen.
Auch auf diese Aspekte soll mit dem Internationalen Tag der Robben hingewiesen werden.
Titelfoto: Seehund und Schwan vor Travemünde von Kirsten Bruns
Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag













