Isländische Walfänger schlachten seltenen Hybridwal

Experten bleiben dabei, dass es ein Blauwal war

Anfang Juli erlegten isländische Walfänger eine seltenen Hybridwal. Es soll eine Kreuzung aus Blau- und Finnwal gewesen sein. DNS-Analysen eines isländischen Labors bestätigen zwar die Hybridtheorie. Dennoch halten Walexperten aufgrund von Fotos daran fest, dass es sich mit großer Sicherheit um einen Blauwal handelt. In einem offenen Brief hatten 17 Wissenschaftler, darunter auch Prof. Prof. h.c. Dr. Ursula Siebert, Leiterin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, gefordert, dass Island den Walfang bis zur Klärung der Speziesbestimmung einstellt.

Blauwale sind auch in Island geschützt!

Auch die Organisation Hard to Port meldet Zweifel an. Sie bezeichnet das isländische Labor als „Loftsson-freundlich“ – Kristjan Loftsson ist Chef des Walfangunternehmens Hvalur. Eine anderslautende Speziesbestimmung hätte für ihn wohl das vorzeitige Ende der Walfangsaison bedeutet und die Zukunft seines Unternehmens gefährdet, wie Hard to Port auf ihrer Facebookseite erklärt. Denn während Zwergwale, Finnwale und auch Hybriden bis zu einer von der isländischen Regierung jährlich festgelegten Quote getötet werden dürfen, sind Blauwale auch in Island geschützt.

Isändisches Walfangboot "Hvalur 8"

Walfangboot „Hvalur 8“. Hvalur ist die einzige Firma in Island, die Finnwale töten darf. Foto: Sven Koschinski

Hvalur ist die einzige Firma in Island, die Finnwale töten darf – 2018 sind 161 Tiere gestattet! Zusätzlich kann Loftsson einen Teil der letztes Jahr nicht in Anspruch genommenen Quote nutzen, sodass er insgesamt auf rund 190 Finnwale kommt, wie er in einem Interview mit der ZEIT im April verkündete.

Walfangländer

Island, das wie Norwegen und Japan trotz des Verbots des kommerziellen Walfangs weiterhin Wale jagt, operierte zunächst – wie Japan auch heute noch – unter dem Deckmantel der Wissenschaft. 1992 verließ das nur knapp 350.000 Einwohner zählende Land die Internationale Walfangkommission (IWC), trat 2003 erneut bei, verweigerte jedoch die Anerkennung des von der IWC 1982 beschlossenen und 1986 in Kraft getretenen Walfangverbots. Island jagt vor allem Zwergwale (Balaenoptera acutorostrata), die in ihrem Bestand als nicht gefährdet gelten, und, nach zweijähriger Pause, auch wieder Finnwale (Balaenoptera physalus).

Blauwal und Finnwal: Geschützte Arten

Sowohl Finn- als auch Blauwal sind stark gefährdet und stehen unter Schutz. Auch wenn sich der Blauwalbestand seit Ende der Walfangzeit leicht erholt haben soll, so gehen aktuelle Expertenschätzungen von weltweit nur noch 10000 bis 25000 Tieren aus. Dies entspricht etwa 3 bis 11 % des Bestands von 1911! Die Population der Finnwale im Nordatlantik betrug im Jahr 2000 groben Schätzungen zufolge 53.000 Individuen.

Mit zu knapp 34 m Länge sind Blauwale (Balaenoptera musculus) die größten lebenden Tiere der Erde und können vermutlich ein Alter von 80 bis 100 Jahren erreichen. Danach kommen Finnwale mit bis zu knapp 23 m Länge (die Exemplare auf der Südhalbkugel sind sogar noch größer).

Ein Hybridwal?

Kreuzungen zwischen unterschiedlichen Walspezies sind selten und kommen meist zwischen Finn- und Blauwalen vor. Im jetzigen Fall soll es sich um eine Kreuzung aus einem männlichen Finnwal und einem Blauwalweibchen handeln. Zwischen 1983 bis 1989 erlegten isländische Walfänger nachweislich drei Furchenwalhybriden.

Walfleisch für den japanischen Markt

Blauwal

Ein Blauwal: Whalewatching hat sich in Island inzwischen zu einem lukrativen Einkommenszweig entwickelt. Foto: Pixabay

Das meiste Walfleisch wird – trotz internationalen Handelsverbots – nach Japan exportiert, ein Teil landet in heimischen Supermärkten oder in Restaurants. Aufgrund der sinkenden Exportzahlen – Japan ließ das Fleisch in den letzten Jahren unter anderem wegen schlechter Qualität zurückgehen –, will der 75-jährige Loftsson nun Nahrungsergänzungsmittel daraus herstellen.

Walfang versus Walbeobachtung

Auch in Island ist der Walfang inzwischen nicht mehr unumstritten. Die Zahl der Befürworter fiel von 60 % im Jahr 2013 auf 34 % in diesem Jahr, wie die australische ABC.net berichtet. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die wachsende Anzahl der Walbeobachter, denn Whalewatching hat sich in Island inzwischen zu einem lukrativen Einkommenszweig entwickelt.

Lasst die Wale in Ruhe

„Wir rufen Kristjan Loftsson, seine Firma Hvalur hf und die Regierung Islands dazu auf, den Walfang mitten in Europa endlich einzustellen. Die Tötung dieses sehr seltenen Hybridwals ist eine große Tragödie“, erklärt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.
Ulrike Kirsch, DSM – Juli 2018

Video von Hard To Port

184 – Whaler Watching Documentary Trailer from Hard To Port on Vimeo.