Island: Jagd auf Zwergwale eingestellt!

Land der Gegensätze: Walfang versus Walbeobachtung

Erst vor wenigen Tagen machte der isländische Finnwaljäger Kristjan Loftsson Schlagzeilen. Er hatte einen seltenen Hybriden aus Finn- und Blauwal – oder sogar einen Blauwal – erlegt. Jetzt erreichen uns zwei erfreuliche Meldungen aus dem kleinen Land im Nordatlantik. Die Jagd auf Zwergwale wurde eingestellt! Ein seltener Nordatlantischer Glattwal wurde gesichtet.

Sind Zwergwale in Island zukünftig sicher?

Buckelwal vor Island.

Buckelwal vor Island                                              Foto: Pixabay

Während Loftssons Firma Hvalur hf es auf Finnwale abgesehen hat, jagt Gunnar Bergmann Jonsson Zwergwale. Sie sind die mit bis zu 10 m Länge kleinsten der Großwale. Wie der Ecologist berichtet, will Jonsson sein blutiges Geschäft nun einstellen. Grund sei, dass man wegen eines im letzten November deutlich vergrößerten Schutzgebiets weiter aufs Meer hinaus fahren müsse. Letztes Jahr hatte er deshalb „nur“ 17 Zwergwale erlegt. Während es dieses Jahr nur 6 einer ihm für 2018 zuteilten Quote von 217 Tieren waren.

Walbeobachtung statt Walfang

Gegen den Walfang regt sich auch in Island immer mehr Widerstand. Es fanden bereits mehrere Demonstrationen statt, die nächste am 28. Juli. Gefordert wird die komplette Einstellung des Walfangs.

Zum Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung hat sicherlich auch die wachsende Anzahl der Walbeobachter beigetragen. Denn Whalewatching hat sich dort inzwischen zu einem lukrativen Einkommenszweig entwickelt.

Sensationelle Entdeckung: „Mogul“ vor Island

Am 23. Juli machten die Beobachter von Elding Whale Watching Reykjavik eine sensationelle Sichtung: Sie begegneten einem der höchst seltenen Nordatlantischen Glattwale (Eubalaena glacialis)! Nur drei Sichtungen dieser Spezies hat es vor Island in den letzten 30 Jahren gegeben.

Südlicher Glattwal.

Enger Verwandter: Südlicher Glattwal
Foto: Ken Moore/Marine Photobank

Inzwischen weiß man sogar, „wer“ dieser Wal ist: „Mogul“, in 10-jähriges Männchen von der amerikanischen Ostküste. Es wurde noch im April vor der Stellwagen Bank in Massachusetts gesehen! Mogul konnte seit seiner Geburt 2008 „verfolgt“ werden. Mithilfe der Fotoidentifizierung können Forscher einzelne Tiere wiedererkennen. Markante Merkmale sind neben Narben an Kopf und Körper vor allem die charakteristischen „Schwielen“ auf dem Kopf. Das sind dicke Platten aus Keratin, die von Tausenden Walläusen besiedelt sind. Die Wale werden katalogisiert. So kann man mehr über Biologie und Verhalten der Meeressäuger erfahren.

Atlantischer Nordkaper

Die auch als Atlantischer Nordkaper bekannte Spezies gilt als stark gefährdet. Weniger als 450 Exemplare sollen laut dem Anderson Cabot Center for Ocean Life überlebt haben. Tendenz fallend! Im östlichen Nordatlantik gibt es nur noch eine Handvoll der bis zu 18 m großen Wale. Die meisten leben im westlichen Nordatlantik. Dort ziehen sie von ihren Nahrungsgründen im Norden (Neuschottland u.a.) bis zu ihren Fortpflanzungsgründen u.a. in Florida.

Die größten Gefahren für die Nordkaper sind Kollisionen mit Schiffen sowie die Fischerei, in deren Netze und Leinen sie sich immer wieder verfangen.

Der „richtige“ Wal

Glattwale waren die bevorzugte Beute von Walfängern. Denn als Küstenbewohner und langsamer Schwimmer war diese Art besonders leicht zu erlegen – daher auch der englische Name „right whale“ – der richtige Wal zum Töten! Nachdem sie nahezu ausgerottet waren, stellte man sie bereits 1937 unter Schutz. Doch einige Walfangländer, wie Japan und Russland, kümmerte das wenig. Sie machten noch bis in die 1960er-Jahre illegal weiter.