Japan – Land des blutigen Meeres

Am 1. September beginnt die sechsmonatige Delfintreibjagd in Japan

Bald schon wird sich die Meeresbucht von Taiji wieder rot färben. Wieder werden Fischer ganze Delfinschulen in eine Bucht treiben, um die Tiere dann brutal zu töten. Ein einziger Ort in Japan und nur rund 25 Fischer sind an diesem Gemetzel beteiligt. Bis zu dreimal pro Woche jagen sie Große Tümmler und andere Arten wie Rundkopf- oder Weißstreifendelfine mit Motorbooten in eine Bucht, die sie dann absperren. Wild stechen sie mit Messern und Harpunen auf die wehrlosen Lebewesen ein, die weder fliehen noch sich wehren können. Panische Sprünge und das hohe Kreischen der Tiere vermitteln nur ansatzweise das unsägliche Leid, das ihnen angetan wird.

Über 2000 Delfine im Visier

Delfinmassaker, Japan.

Mit Motorbooten werden die Delfine in eine Bucht getrieben Foto: © Ric O’Barry

Für die Saison 2018/2019, die am 1. September 2018 beginnt und am 31. März 2019 endet, erteilte die japanische Regierung eine Quote von 2040 Delfinen. Wie auch Wale, landen sie größtenteils in japanischen Kochtöpfen. Sogar Schulen werden für ihren Mittagstisch damit beliefert. Dass durch die Verschmutzung der Meere das Delfinfleisch hochgradig mit toxischem Quecksilber und anderen Umweltgiften verseucht ist, interessiert die Regierung wenig. Sie verheimlicht der Bevölkerung die mit dem Verzehr des Fleisches verbundenen Gefahren für die Gesundheit.

Grausame Tradition

Als ob Traditionen, die alt sind, auch immer gut sind, muss auch hier die „alte Tradition“ herhalten, wenngleich sie nur ein Deckmantel ist: Tatsächlich wurde die Delfintreibjagd erst 1969 eingeführt. Während die Einnahmen aus dem Handel mit dem Delfinfleisch eher bescheiden sind, ist der Verkauf der Lebendexemplare an die Delfinariumsindustrie der wesentliche wirtschaftliche Motor der Jagd: Der „Stückpreis“ kann bis zu 150.000 US-Dollar betragen!

Denn die schönsten der zusammengetriebenen Tiere bleiben verschont und werden an Aquarien in der ganzen Welt verkauft. Begehrt sind die Meeressäuger u.a. in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Türkei, Russland, China, Thailand, Südkorea sowie in der Karibik. Das japanische Taiji gilt dabei als erste Beschaffungsadresse.

Düstere Pläne für die Zukunft

Ausländische Aktivisten vor Ort und weltweite jahrelange Proteste zahlreicher Natur- und Tierschutzorganisationen haben bislang in der japanischen Bevölkerung zumindest einen zaghaften Widerstand bewirkt. Doch durch den Druck von außen scheinen sich junge Politiker der Regierung mit den Fischern zu solidarisieren. Wie The Japan Times berichtete, wird gerade eine andere Bucht als Meeresanlage zur Gefangenschaftshaltung von Delfinen umgebaut. Bereits jetzt leben dort 50 Delfine. Zudem sei mit China ein Vertrag in Höhe von $ 15 Millionen abgeschlossen worden, um chinesische Aquarien mit Delfinen aus Taiji zu versorgen. Bereits letztes Jahr schloss man mit Gleichgesinnten in Europa eine Städtepartnerschaft: mit Klaksvik auf den Färöern – die zu Dänemark gehörenden Inseln, wo regelmäßig vor allem die zur Familie der Delfine zählenden Grindwale aus „alter Tradition“ massenhaft abgeschlachtet werden.

Ehemaliger „Flipper“-Trainer kämpft für Delfine

Ric O'Barry.

Ric O’Barry hofft, das Ende der Delfinmassaker erleben zu dürfen
Foto: © Ric O’Barry’s Dolphin Project

Ric O’Barry, ehemaliger „Flipper“-Trainer, der vor 48 Jahren zum Delfinschützer wurde, kämpft mit seiner Organisation Ric O’Barry’s Dolphin Project seit 15 Jahren gegen die Taiji-Massaker. Seither führen Freiwillige dort jedes Jahr „Wachen“ durch und berichten der Öffentlichkeit live über das blutige Geschehen vor Ort. O’Barry selbst ist in Japan inzwischen unerwünscht, es besteht Ausweisungsbefehl, sobald er japanischen Boden betritt.

Die oscarprämierte Dokumentation „Die Bucht“ von 2009 berichtet über O’Barrys Einsatz. 2011 wurde der damals 72-Jährige für sein Engagement auch mit dem „Bambi“ geehrt, dem wichtigsten deutschen Medienpreis.

Wir fordern besseren Schutz für Kleinwale weltweit!

Die kommende Tagung der IWC (Internationale Walfangkommission) vom 4. bis 14. September in Florianopolis, Brasilien, bietet dafür eine gute Gelegenheit. Die deutsche Organisation Pro Wildlife wird sich dort für Delfine und andere Kleinwale einsetzen. Wir freuen uns, diese wichtige Initiative zu unterstützen!

Was kann man tun?

Es gibt verschiedene Online-Petitionen, die man unbedingt unterschreiben sollte, etwa auf Change.org:

www.change.org/p/world-ban-the-slaughter-of-dolphins-during-the-taiji-drive-hunt-in-japan

Sie fordert ein Ende der Delfinmassaker und richtet sich an Doug Cress, Chef des Weltzooverbands WAZA (World Association of Zoos and Aquariums), sowie an die zuständige Fischereibehörde in der Präfektur Wakayama.

Und: Boykottieren Sie Delfinarien und Einrichtungen zum Schwimmen mit Delfinen. In vielen Urlaubsländern stammen die dort gehaltenen Tiere aus Taiji!
Ulrike Kirsch, 30. August 2018

 

Videos – Vorsicht, grausame Bilder!