Kegelrobben in der Ostsee – geliebt und gejagt

Nicht nur auf Durchreise: Auch 2019 werden wieder Kegelrobben-Babys erwartet

Im März 2018 war es soweit: Nach etwa 100 Jahren gab es wieder eine Kegelrobbengeburt an der deutschen Ostsee. Insgesamt kamen 2018 an den Stränden Mecklenburg-Vorpommerns vier Jungtiere zu Welt. Diese größten in Deutschland freilebend vorkommenden Raubtiere tauchen seit 2005 immer häufiger bei uns auf. Und mittlerweile ist klar, dass sich die bis zu 300 kg schweren und 2,5 m großen Hundsrobben bei uns wieder ansiedeln. Kegelrobben in der deutschen Ostsee schauen nicht nur einfach mal vorbei.

Gemeinsames Schicksal: Wolf und Kegelrobbe

Kegelrobbe liegt am Strand.

Vom Seehund unterscheiden sich Kegelrobben durch ihre viel massigere Gestalt und ihren charakteristischen, spitz zulaufenden Kopf. Foto: Wolfgang Vogt; PIXABAY

Noch zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts lebten Kegelrobben entlang der gesamten Ostseeküste. Es sollen weit über 100.000 Exemplare gewesen sein. Doch wenn es um Nahrungskonkurrenz aus dem Tierreich geht, kennt der Mensch keine Gnade.

In einem Crescendo der Vernichtung rotteten Fischer und Jäger die Kegelrobben der südlichen Ostsee innerhalb weniger Jahrzehnte nahezu aus.

Mittlerweile haben sich die Bestände wieder etwas erholt, dank Jagdverbot und Rückgang von Umweltgiften. In der nördlichen Ostsee soll es jetzt mehr als 24.000 geben. Und die machen sich auf, ihre einstigen Lebensräume an der deutschen Ostseeküste wieder zu besiedeln.

Im Greifswalder Bodden, in den Gewässern um Rügen, Usedom und Darß, leben sie mittlerweile ganzjährig. Die Bestandsdichte ist allerdings noch sehr klein.

Fischer töten ein Viertel des deutschen Kegelrobbenbestandes

Wie bei der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland stößt auch die Rückkehr der gewandten Heringsjäger nicht überall auf Begeisterung. Zwar freuen sich Touristen und Naturfreunde über ein echtes Wildtierhighlight. Doch ein oder mehrere deutsche Fischer töteten im Herbst 2017 rund ein Viertel des in vorpommerschen Gewässern lebenden Bestandes, mindestens 23 Tiere starben.

Schwimmende Kegelrobbe.

Kegelrobben waren seit den 1970er-Jahren sowohl an der deutschen Nordsee- als auch der deutschen Ostseeküste nicht mehr anzutreffen. Foto: PIXABAY

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stralsund gegen einen verdächtigen Fischer wegen des möglichen Verstoßes gegen das Tierschutz- und das Bundesnaturschutzgesetz wurden im Sommer 2018 eingestellt – wen wundert das?

Im Sommer 2018 war die Zahl der Kegelrobben in vorpommerschen Gewässern auf 15 Exemplare gesunken. Dennoch fordern Fischereilobbyverbände einen Abschuss und die Festlegung einer Bestandsobergrenze.

Ob die sympathischen Robben in Deutschland eine Zukunft haben werden, ist somit ebenso ungewiss wie beim Wolf.

Das sollten Sie wissen

Kegelrobben sind eine von drei Meeressäugetierarten, die ständig in der Ostsee leben. Ihr Name leitet sich von den kegelförmigen Zähnen und der Kopfform ab. Mit etwas Glück kann man diese charismatischen Tiere am Strand beobachten. Dann sollte man auf jeden Fall die Verhaltensratschläge des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund beachten.

Kegelrobbenbaby am Strand.

Kegelrobbenbabys blicken in Deutschland in eine sehr unsichere Zukunft. Foto: PIXABAY

Also Einhalten eines Sicherheitsabstand von 100 Metern, die Tiere nicht anfassen oder gar versuchen, sie zu füttern, Hunde an die Leine nehmen, nicht versuchen, mit den Tieren zu interagieren.

Wer den großen Raubtieren zu nah auf den Pelz rückt, muss damit rechnen, dass sie fest zubeißen.

Wenn Sie ganz großes Glück haben und ein Jungtier sehen, melden Sie Ihre Beobachtung dem Deutschen Meeresmuseum oder an die zuständigen Behörden (Polizei, Nationalpark, Biosphärenreservat oder Gemeinde). Jungtiere sollte man in jedem Falle absolut in Ruhe lassen!