Kein Walfang in Island 2019

Erstmals seit 17 Jahren fällt der kommerzielle Walfang in Island aus. Ein grundsätzliches Ende des Walschlachtens im Nordatlantik ist damit allerdings noch nicht in Sicht. „Für die Wale ist das endlich einmal eine wirklich gute Nachricht“, kommentiert DSM-Vorstand Ulrike Kirsch. Hintergrund ist die Ausweitung der Fangverbotszone vor der Küste durch die Regierung des Inselstaates. Daraufhin kündigten die beiden einzigen Walfang-Unternehmen des Landes an, den Walfang einzustellen. Begründet wird dies auch mit zu hohen Kosten.

Walfang in Island zu unwirtschaftlich

„Die Boote hätten weit aufs Meer hinausfahren müssen, um Zwergwale zu jagen“, wird Gunnar Bergmann Geschäftsführer von IP-Utgerd Jonsson in mehreren Quellen zitiert.

Isländische Zwergwalfänger jagen künftig Seegurken
Quelle: Pixabay

Fast schon skurril ist, dass IP-Utgerd von bis zu 10 m großen Bartenwalen nun auf 10 bis 30 cm lange Seegurken wechseln will.

Bereits 2018 stellte IP-Utgerd den Zwergwalfang aus wirtschaftlichen Gründen frühzeitig ein. Nach nur sechs erlegten Tieren aus einer Quote von 217.

Nicht genügend Zeit zur Vorbereitung?

Das andere in Island aktive Walfangunternehmen, Hvalur mit seinem Chef Kristjan Loftsson, ist dagegen auf die Jagd von bis zu 23 m großen Finnwalen spezialisiert.

Loftsson ließ bereits Anfang Juni verkünden, dass er nicht genügend Vorbereitungszeit habe. Denn die Regierung stellte 2019 die Fanggenehmigungen sehr spät aus. Und jetzt müssen die Hvalur-Walfangkutter im Hafen bleiben.

Walfleisch wird zum Ladenhüter

Andere Quelle sprechen dagegen auch von wirtschaftlichen Problemen. Loftsson wird seine Ware, Walfleisch, nicht los. Es gibt Absatzschwierigkeiten in Japan und auch niemand sonst will es haben. Somit gibt es in diesem Jahr erfreulicherweise keinen Walfang in Island.

Starb ein Blauwal beim Walfang in Island?

Walfang in Island: Isändisches Walfangboot "Hvalur 8"

Walfangboot „Hvalur 8“. Hvalur ist die einzige Firma in Island, die Finnwale töten darf. Foto: Sven Koschinski

Loftsson fügte 2018 dem Image des stark vom Tourismus lebenden Inselstaates schweren Schaden zu. Seine Walfänger harpunierten wahrscheinlich einen der auch in Island streng geschützten Blauwale.

Anschließend behauptete Loftsson, es habe sich um einen Hybrid (Kreuzung) aus Blau- und Finnwal gehandelt. Während die vom Aussterben bedrohten Blauwale gesetzlich geschützt sind, trifft dies auf die sehr seltenen Hybride nicht zu.

Im Anschluss an diese Verschleierungsaktion forderten 17 Wissenschaftler, dass Island den Walfang bis zur Klärung einstellt. Darunter auch ITAW-Leiterin Ursula Siebert von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover.

Kreuzungen zwischen unterschiedlichen Walspezies sind selten. Meist kommt dies zwischen Finn- und Blauwalen vor. Im jetzigen Fall soll es sich um eine Kreuzung aus einem männlichen Finnwal und einem Blauwalweibchen handeln. Zwischen 1983 bis 1989 erlegten isländische Walfänger nachweislich drei Furchenwalhybriden.

Walfang in Island versus Walbeobachtung

Auch in Island ist der Walfang inzwischen nicht mehr unumstritten. Die Zahl der Befürworter fiel von 60 % im Jahr 2013 auf 34 % in diesem Jahr, wie die australische ABC.net berichtet. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die wachsende Anzahl der Walbeobachter. Denn wirtschaftlich bedeutender als der Walfang in Island ist dort mittlerweile Whalewatching.

Walfangländer

Island, das wie Norwegen und Japan trotz des Verbots des kommerziellen Walfangs weiterhin Wale jagte, operierte zunächst – wie Japan – unter dem Deckmantel der Wissenschaft. 1992 verließ das nur knapp 350.000 Einwohner zählende Land die Internationale Walfangkommission (IWC).

2003 trat man erneut bei, verweigerte jedoch die Anerkennung des von der IWC 1982 beschlossenen und 1986 in Kraft getretenen Walfangverbots. Isländische Walfänger jagten vor allem Zwergwale (Balaenoptera acutorostrata), die in ihrem Bestand als nicht gefährdet gelten, und, nach zweijähriger Pause, auch wieder Finnwale (Balaenoptera physalus).

Somit betreiben derzeit noch Japan und Norwegen aktiv kommerziellen Walfang. Japan erstmals seit drei Jahrzehnten wieder. Bis zum Austritt aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) 2018 hatten japanische Walfänger allerdings Jahrzehnte lang unter dem Deckmantel eines sogenannten wissenschaftlichen Walfangs operiert.

Daneben jagen indigene Gruppen wie z. B. die Inuit aufgrund zugewiesener Quoten Wale. Meist ist dies nicht nachhaltig und ebenso grausam wie der kommerzielle Walfang.

Blauwal und Finnwal: Geschützte Arten

Sowohl Finn- als auch Blauwal sind stark gefährdet und stehen unter Schutz. Auch wenn sich der Blauwalbestand seit Ende der Walfangzeit leicht erholt haben soll, so gehen aktuelle Expertenschätzungen von weltweit nur noch 10.000 bis 25.000 Tieren aus. Dies entspricht etwa 3 bis 11 % des Bestands von 1911! Die Population der Finnwale im Nordatlantik betrug im Jahr 2000 groben Schätzungen zufolge 53.000 Individuen.

Mit zu knapp 34 m Länge sind Blauwale (Balaenoptera musculus) die größten lebenden Tiere der Erde. Danach kommen Finnwale mit bis zu knapp 23 m Länge (die Exemplare auf der Südhalbkugel sind sogar noch größer).

Foto oben von Hard to Port: Der von isländischen Walfängern harpunierte Blau- oder Hybridwal