Kleine Schwertwale vor der türkischen Küste

Seit 25 Jahren auch die erste zuverlässige Sichtung für die gesamte Ägäis

Kleiner Schwertwal in der Aegiis.

© Uğur Özdemir

Erstmals sind Kleine Schwertwale (Pseudorca crassidens) in der nördlichen Ägäis vor der türkischen Küste aufgetaucht. Ein Fischer von der nordägäischen Insel Gökçeada sichtete acht dieser zu den Delfinen zählenden Art Ende Januar circa 6 sm vor der Küste. Geistesgegenwärtig filmte er die Meeressäuger. Anschließend informierte er türkische Meeresforscher um Arda M. Tonay von der Universität Istanbul.

Kürzlich bestätigten die Wissenschaftler gemeinsam mit Kollegen der Türkischen Stiftung für Meeresforschung (TUDAV), dass es tatsächlich Kleine Schwertwale waren.

Wer spielt denn da?

Kleiner Schwertwal in der Aegiis spielt mit Langleine.

Der junge Kleine Schwertwal spielt mit der Langleine – © Uğur Özdemir

Aufmerksam wurde der Fischer Uğur Özdemir, als plötzlich ein ziemlich großer Delfin mit der von ihm zum Fang von Tintenfisch gerade ausgebrachten 150 m langen Langleine spielte. Aber es war kein Großer Tümmler. Diese auch um sein Boot herum auftauchenden Tiere hatte er noch nie zuvor gesehen.

Das waren tatsächlich Kleine Schwertwale

„Die Tiere zeigten deutlich die besonderen Merkmale des Kleinen Schwertwals, wie einen abgerundeten Kopf, den Winkel des Maulspaltes und die Form der Rückenflosse. Informationen über solche Sichtungen seltener Arten sind wertvoll, um unsere regionale Biodiversität zu verstehen“, berichten Tonay und Kollegen im „Journal of the Black Sea/Mediterranean Environment“.

Fernreisende

Ende 2019 tauchte eine Gruppe Schwertwale (auch Orcas genannt) aus Island im Mittelmeer vor Genua auf. Nun sind auch einige der den großen Verwandten nur namentlich nahestehenden Kleinen Schwertwale auf Fernreisen. Denn meist leben diese sehr agilen, sozialen und verspielten Delfine in tropischen bis warmen gemäßigten Zonen.

Karte der Sichtungen Kleiner Schwertwale in der Aegiis.

© Arda M. Tonay, Universität Istanbul

Nur selten schwimmen sie in halb geschlossene Meere wie das Mittelmeer. Folglich sind sie hier auch nur als Besucherart anerkannt.

Seltene Gäste im Mittelmeer

Zwischen 1988 und 2013 wurden neun Sichtungen und acht Strandungsereignisse von Kleinen Schwertwalen im Mittelmeer gemeldet, davon drei in der Ägäis. Zwischen der Insel Chios (Griechenland) und Çeşme (Türkei) wurden 1992 mindestens sieben gesichtet und fotografiert. 1993 strandete ein toter im Golf von Argolikos (Griechenland). 1995 strandete ein weiterer lebend in der Bucht von İzmir und verstarb später.

Kleine Schwertwale in der Aegiis.

© Uğur Özdemir

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN ist die Art als potenziell gefährdet eingestuft. Allerdings stehen nicht genügend Daten zur Verfügung, um den Populationstrend beurteilen zu können.

Citizen Science hilft Wissenschaft

Türkische Meeresforscher begrüßen und fördern die Zusammenarbeit mit lokalen Fischern. „Sie können zu unserem grundlegenden Wissen über Meeressäuger und ihre Wechselwirkungen mit der Fischerei in türkischen Gewässern beitragen“, schreiben Arda M. Tonay und Kollegen.

Titel der Publikation:
Ayhan Dede*, Arda M. Tonay, Onur Gönülal, Ayaka Amaha Öztürk. SHORT COMMUNICATION – First sighting of false killer whales (Pseudorca crassidens) in the northern Aegean Sea.
Aquatic Journal Black Sea/Mediterranean Environment; Vol. 26, No. 1: 106-111 (2020)

Foto oben: © NOAA Photo Library – anim2620, CC BY 2.0