Für Meeressäuger tödlich: Militärische Sonare

Besonders sehr tief tauchende Schnabelwale sind betroffen

Moderne Zerstörer und Kreuzer setzen zur Ortung von U-Booten und Torpedos militärische Sonare ein. Doch wenn bei Marinemanövern Mittelfrequenzsonare (MFAS) oder Niedrig-Frequenz-Sonartechnologie (LFAS) eingesetzt werden sterben regelmäßig Meeressäuger. Insbesondere Schnabelwale sind betroffen. Taktische Mittelfrequenz-Sonare (MF Sonare) operieren mit frequenzmodulierten Tönen von ca. 2 bis 8 kHz. Dabei erreichen sie einen Nenn-Schallpegel von 235 dB (der maximale Pegel kann noch lauter sein). Für Meeressäuger bedeutet dieser extrem hohe Lärmpegel ein tödliches Verletzungsrisiko (Blutungen, akustisches Trauma). Hinzu kommt ein erhebliches Risiko für Gehörschäden. Und das noch in vielen vielen Kilometern Entfernung.

Militärische Sonare: Auslöser für Walstrandungen

Die Verwendung derartiger Sonare führte seit den 1960er-Jahren bei ersten Tests und seit den 1980er-Jahren bei Militärmanövern regelmäßig zu Massenstrandungen von Walen. Vor allem bei tieftauchenden Walarten wie Schnabelwalen erzeugen diese weitreichenden Sonare panikartiges Auftauchen. Doch durch die zu schnelle Druckänderung beim Auftauchen perlt Stickstoff aus dem Blut. Das hat Gas- und Fettembolien zur Folge. Und die können tödlich sein. Weiterhin beeinträchtigen Gehörschäden die Orientierung der Tiere so stark, dass sie stranden und sterben.

Schalldruck der Sonare ruft erhebliche Verletzungen hervor

Drei Zerstörer Der US-Navy in Formation.In einem dokumentierten Fall – beim Einsatz des Zerstörers USS Shoup/Arleigh Burke-Klasse in der Juan de Fuca und Haro Strait/USA – wurden noch in 40 km Entfernung panikartige Fluchtreaktionen bei Schweinswalen und zwei anderen Arten beobachtet. Im Anschluss strandeten 14 Schweinswale. Bei einigen der untersuchten 11 Tiere wurden Blutungen an den Ohren, im Gehirn und im vorderen Bereich des Rückenmarks festgestellt. Verursacht vom erheblichen Schalldruck der Sonare.

Verbot für militärische Sonare in US-Gewässern

Im August 2003 setzte US-Bundesrichterin Elizabeth Laporte dem Einsatz der neuen Niedrig-Frequenz-Sonartechnologie (LFAS) in US-Gewässern ein vorläufiges Ende. Sie argumentierte, dass dieses Sonar Meeressäuger und Fische gefährdet. Damit verstößt der Einsatz gegen US-Gesetze zum Schutz von Meeressäugern und der Umwelt. Auslöser des Verfahrens war ein Vorfall aus dem Jahr 2000. Damals hatte die US-Marine vor den Bahamas militärische Sonare getestet. Daraufhin waren mehrere Schnabelwale gestorben.

LFAS-Sonar wird zum Aufspüren besonders leiser U-Boote eingesetzt. Das System besteht aus bis zu 18 Lautsprechern. Diese senden Schallwellen mit Frequenzen zwischen 250 und 500 Hertz und einem Schalldruck von bis zu 215 Dezibel aus. Sie breiten sich über Hunderte von Kilometern aus.

Dreijähriges Sonar-Moratorium aus Rücksicht auf Delfine und Wale im Pazifik

Im September 2015 dann einigte sich die US-Navy mit US-Naturschutzorganisationen, darunter der Natural Resources Defense Council (NRDC), auf den Einsatz von Sonarsystemen und Übungsmunition in bestimmten Gebieten im Pazifik zu verzichten oder stark einzuschränken. Zum Schutz von Meeressäugern.

Die Schutzzonen umfassen wichtige Lebensräume für Delfine und Wale rund um Hawaii und vor der Küste Kaliforniens. Laut einer von der US-Marine 2013 veröffentlichten Umweltverträglichkeitsstudie musste damit gerechnet werden, dass bei Waffentests und Marinemanövern Hunderte Delfine und Wale getötet, über 10 000 schwer und fast zwei Millionen leicht verletzt werden.

Eine ganze Reihe residenter Delfinpopulationen rund um Hawaii und vor der Küste Kaliforniens sowie Buckel- oder Blauwale erhielten so eine Schonfrist. Einen derart umfassenden Verzicht auf den Einsatz von Waffensystemen zum Schutz von Meerestieren gab es seitens der US-Marine noch nie.

Militärische Sonare sind seit 2007 vor den Kanaren verboten

Bereits im Dezember 2007 verbot das spanische Umwelt- und Verteidigungsministerium militärische Sonare in einem Umkreis von 50 Seemeilen (ca. 90 km) um die Kanarischen Inseln. Damit reagierte die spanische Regierung als erstes Land auf eine Empfehlung des EU-Parlamentes vom Oktober 2004.
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