Mittelmeer-Mönchsrobbe: Stark bedroht

Bericht vom Mönchsrobben-Workshop der 5. Konferenz Schutzgebiete für Meeressäuger

Vom einstigen Verbreitungsgebiet der Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus) ist nicht mehr viel übrig. Einst lebten sie im Schwarzen Meer, verteilt über das gesamte Mittelmeer, im Atlantik vor Portugal bis zu den Azoren, Madeira und den Kanaren bis hinunter nach Senegal. Heute sind ihre Bestände auf verschwindend kleine und voneinander isolierte Reste geschrumpft. Bereits 1985 zählte die Weltnaturschutzorganisation (IUCN) die Mittelmeer-Mönchsrobbe zu einer der zwölf weltweit am stärksten vom Aussterben bedrohten Tierarten.

Die Situation ist ernst

Nadja Hohenadl auf der 5. int Conference on Marine Mammal Protected Areas.

Nadja Hohenadl – Angehende Meereswissenschaftlerin von der Scottish Association for Marine Science (SAMS) in Oban

Artenschützer setzen seit Jahren große Anstrengungen in Gang, um das Aussterben der etwa 2,5 m großen und bis zu 280 kg schweren Hundsrobben aufzuhalten.

Folglich waren die recht menschenscheuen Flossenfüßer auch Thema eines Workshops der 5. Konferenz Schutzgebiete für Meeressäuger (ICMMPA – Int. Conference on Marine Mammal Protected Areas).

Nadja Hohenadl war für uns vor Ort.

Griechenland

Man findet Mönchsrobben in allen Gewässern rund um Griechenland. Hier lebt die größte Population mit etwa 300 Tieren. Bisher weiß man von 16 Aufzuchtplätzen. Zwar wächst die Population deutlich, aber die Tiere sind hohen Risiken ausgesetzt. Vor allem an Aufzuchtstellen und dort, wo die Jungen ihre ersten Jahre verbringen.

Gefahren drohen durch Tourismus, Bootsverkehr, Verfangen in aktiven oder entsorgten oder verloren gegangenen Fischernetzen. Aber auch von Tauchern in den Robbenhöhlen. Überfischung und Verlust des Lebensraumes sind weitere Risikofaktoren.

In Studien wurde festgestellt, dass der Kampf um den Lebensraum auch zwischen den Robbenindividuen stattfindet. Mütter streiten sich in den Höhlen um den besten Platz für die Jungen, weil nur begrenzter Platz an Land verfügbar ist.

Erfreulicherweise sinkt der Anteil der in Fischernetzen ertrunkenen Mönchsrobben in Griechenland durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit. Besucher und Ortsansässige wissen nun, was sie Logo Hellenic Society for the Study and Protection of the Monk Sealmachen dürfen und was nicht. Zudem wurde ein Rehabilitationsprogramm aufgebaut. Und der Zugang zu bekannten Aufzuchtplätzen wurde wieder eingeschränkt bzw. an den ursprünglichen Zustand angepasst.
Panos Dendrinos von MOm – Hellenic Society for the Study and Protection of the Monk Seal

Türkei

Seit 32 Jahren erforscht man in der Türkei Mittelmeer-Mönchsrobben. Die vielleicht noch 100 Individuen teilen sich auf drei klar differenzierbare Kolonien auf. Das Verfangen in aktiven oder entsorgten Fischernetzen („Geisternetzen“) ist hier die Haupttodesursache. Hinzu kommt, dass Robbenhöhlen von Besuchern und Tauchern betreten werden. Ein Problem, dass sich mit dem stark angestiegenen Tourismus noch verstärkt. Taucher zeigen keinen Respekt.

Zusätzlich zerstören Straßen- und Häuserbau und Hafenvergrößerungen den Lebensraum. Daher setzt man auf verstärkte Öffentlichkeitsarbeit sowie Schutz- und Rettungssysteme. Logo SAD-AFAG Geplant ist, die einzelnen isolierten Kolonien wieder zu verbinden.
Cem Orkun Kiraς von SAD-AFAG und Meltem Ok Middle Eastern Technical University

Zypern

Plastikmüll am Strand.

Großteiliger Plastikmüll beeinträchtigt den Lebensraum der Mittelmeer-Mönchsrobben

Nur 14 Individuen leben hier. Gefährdet sind sie durch sehr viel Müll in den Robbenhöhlen und durch Küstenerschließung. Dagegen ist Beifang in den Gewässern um Zypern kein Problem. In diesem Jahr wird eine Meeresschutzzone eingerichtet, zu der nur fünf ortsansässige Fischer Zugang haben werden.

Die Schutzzone ist Teil eines nationalen Aktionsplans. Dieser legt auch fest, dass mindestens 200 m um die Robbenhöhlen keine menschlichen Aktivitäten stattfinden dürfen. Leider keine Einigung gab es bisher bei der Frage, ob öffentlich nicht bekannte Höhlen auch „geheim“ bleiben sollen, um sie vor Touristen zu schützen.
Melina Markou, Ministry of Fisheries and Marine Research

Italien

Citizen-Science-Programme unter Mitarbeit der Fischer sind hier sehr intensiv. Selbst Taucher berichten von Sichtungen. Nur ab und zu werden Robben auf Sizilien und Sardinien beobachtet. Dies vor allem im Winter. Dann sind sehr viel weniger Besucher auf den Inseln. Gefahren drohen Mönchsrobben vor allem durch kleine Fischkutter (Beifang in Netzen) und illegale Dynamitfischerei.

Kroatien

Mönchsrobbe.

Mittelmeer-Mönchsrobbe in griechischen Gewässern – Foto: Jürgen und Edith Fleissner

Junge Robben ziehen vermutlich aus Griechenland nach Norden und zeigen sich gelegentlich auch in Albanien und Kroatien. In Kroatien gelten sie offiziell als ausgestorben. Nur vereinzelt wird von Sichtungen berichtet.

Libanon

Von dort gibt es viele aktuelle Sichtungen, aber auch Funde von in Netzen verhedderten trächtigen Weibchen.

Libyen

Eine große Gefahr geht für die Robben vor allem von kleinen, privaten Fischerbooten aus.

Israel

Das größte Vorkommen der Robben ist im Norden des Landes. Von 2009 bis 2016 gab es 66 Mönchsrobben-Sichtungen an der Küste Israels.
Giulia Mo, Institute for Environmental Protection and Research, ISPRA

Cabo Blanco, Spanien

Hier lebt mit etwa 220 Mittelmeer-Mönchsrobben die weltweit zweitstärkste Subpopulation. Sie wird 365 Tage im Jahr mit Kameras überwacht. Rund um die Höhlen gilt striktes Fischereiverbot. Beste Überlebenschancen haben die Robben hier ab einem Alter von zwei Jahren. Die Kolonie hält sich nur innerhalb eines Kilometers entlang der Küste auf.

Gefahren drohen durch einstürzende Höhlen, das sehr schnell wachsende Fischereigewerbe sowie durch ein potenzielles Massensterben, weil sich die Tiere auf so einem kleinen, begrenzten Gebiet aufhalten. Dem will man mit Umsiedelungsversuchen zur Etablierung neuer Kolonien entgegenwirken.
Pablo Fernandez de Larrinoa von der Fundación CBD-Habitat

Madeira, Portugal

Hier leben etwa 20 erwachsene Tiere. Die meisten von ihnen auf den Ilhas Desertas. Aber auch auf Madeira selbst tauchen die in Portugal als lobo-marinho (wörtlich: Seewolf) bekannten Robben mittlerweile wieder auf.

Die Höhlen wurden neun Monate lang mit Kameras überwacht, um sie nicht regelmäßig betreten zu müssen. Auf diese Weise ließ sich in Erfahrung bringen, ob die Höhlen zur Aufzucht oder „nur“ als Aufenthaltsstätte dienten. Die Überlebensrate der Jungtiere ist sehr niedrig. Dies ist wohl hauptsächlich durch regelmäßig zur Geburtssaison herrschende Stürme und Unwetter bedingt ist.

Die Robben jagen „nur“ innerhalb von einem 200 m Umkreis der Höhlen. Sie scheinen in schlechter körperlicher Fassung zu sein, deren Ursache man in einer unzureichenden Nahrungsgrundlage vermutet.
Rosa Pires vom Parque Natural de Madeira

Foto oben: Jürgen und Edith Fleissner


Rücksichtslose Touristen vertreiben Mönchsrobbe

Trifft man auf eine Mönchsrobbe an Land empfiehlt es sich, sich vorsichtig zurückzuziehen. Die Menschen auf dem Video verhalten sich rücksichtslos und falsch. Derartiges Verhalten ist strafbar!

 

Mittelmeer-Mönchsrobben: Verhaltenstipps