Neuer Meeressäuger-Tauchrekord

Cuvier-Schnabelwale gehören zu den Extremtauchern unter den Meeressäugern. Und das in jeder Hinsicht. Sie gehen nicht nur extrem tief runter, sie bleiben dort auch extrem lange. Doch die fast vier Stunden, die sich ein Cuvier vor der Küste des US-Bundesstaates North Carolina bei Cape Hatteras irgendwo tief unten im Ozean aufhielt, verblüffen selbst Experten. Den neuen Meeressäuger-Tauchrekord dokumentierte die Biologin Nicola Quick von der Duke University.

Bisheriger Rekordhalter war ebenfalls ein Cuvier-Schnabelwal. Er begab sich 2014 auf einen Tauchgang von zwei Stunden, siebzehn Minuten und erreichte dabei 2992 Tiefenmeter. Doch selbst dieser schon unglaubliche Tauchrekord wurde überboten.

Beutezüge in absoluter Finsternis

Pottwal mit Freediver.

Foto: Willyam

Leibspeise bei Schnabelwalen ist Tintenfisch. Und die begehrtesten Exemplare kann man wohl nur in Tiefseeregionen von 200 Metern bis 3 Kilometern Tiefe erbeuten.

In dieser Hinsicht stehen die meist bis zu sieben Meter langen und zwei bis drei Tonnen schweren Schnabelwale den wesentlich größeren Pottwalen in nichts nach.

Schnabelwale verblüffen mit langen Tauchzeiten

Ging man bislang davon, dass Cuvier-Schnabelwale im Schnitt Tauchgänge von etwa 30 Minuten schaffen, bis ihnen der Sauerstoff ausgeht, muss diese Grenze nun um einiges nach oben versetzt werden. Denn die Daten von Nicola Quick zeigen, dass die Tiere meist eine Stunde unter Wasser bleiben. Doch immer wieder gibt es auch sehr viel längere Tauchzeiten. „Cuviers-Schnabelwale sind außergewöhnlich, aber diese Tauchgänge übertrafen bei weitem alles, was wir bisher gesehen hatten“, sagt Quick.

Mit Sensoren und Satelliten auf den Spuren der Schnabelwale

Nicola Quick und ihrem Team gelang es vor der Küste von North Carolina, bei 23 an der Wasseroberfläche ruhenden Schnabelwalen Sensoren anzubringen. Kamen die Tiere nach einem ihrer Tauchgänge zu einer der überraschend kurzen Erholungszeiten an die Wasseroberfläche, begann die Datenübertragung via Satellit. Auf diese Weise dokumentierten die Wissenschaftler schließlich Daten von 3.600 Tauchgängen – darunter der neue Tauchrekord. Er wurde 2017 aufgestellt.

Wie sind derartige Tauchrekorde überhaupt möglich?

Immerhin weiß man von einigen Anpassungen bei diesen besonderen Meeressäugern. So kollabiert ein Teil ihrer Lunge. Organe und Gewebe, die jetzt nicht zum Tauchen und Beutemachen gebraucht werden, werden nur noch schwach durchblutet. Der Stoffwechsel sinkt auf ein absolutes Minimum, der Herzschlag verlangsamt sich. Dennoch ist noch lange nicht geklärt, was genau dort unten eigentlich passiert.

Überraschend kurze Erholungsphasen

Auch nach einem Tauchrekord benötigen Cuvier-Schnabelwale nur kurze Erholungsphasen.

Photo: NOAA Fisheries/Anne Simonis

Auch mit ihren unerklärlich kurzen und uneinheitlich langen Erholungsphasen verblüfften die Tiere. Selbst nach einem zweistündigen Tauchgang genügten einem Schnabelwal 20 Minuten. Dann machte er sich schon wieder auf den Weg in die Tiefe.

Ein anderer dagegen trödelte nach einem „nur“ 78 Minuten dauernden Tauchgang fast vier Stunden – unterbrochen von kürzeren Abstechern – an der Wasseroberfläche herum.

Über die Gründe von Extremtauchgängen wie beim neuen Tauchrekord können die Forscher nur spekulieren. Bislang gehen die Vermutungen von besonders reichhaltiger Nahrung bis hin zu Spätfolgen von Unterwasserlärm.

“Extreme Diving in Mammals: First Estimates of Behavioral Aerobic Dive Limits in Cuvier’s Beaked Whales,” N.J. Quick, W.R. Cioffi, J.M. Shearer, A. Fahlman and A.J. Read; Sept. 23, 2020, Journal of Experimental Biology. DOI: 10.1242/jeb.234187

Foto oben:
Rekordhalter unter den Tauchern: der Cuvier-Schnabelwal
Danielle Waples, under NOAA/NMFS permit 14809-03 and NOAA General Authorization 16185