Walfang: Orcas jagen kleine Meeressäuger

Der einst exzessive Walfang im Nordpazifik beeinträchtigt bis heute zahlreiche Tierarten

Orcas jagen verstärkt kleinere Meeressäuger wie Seehunde, Pelzrobben, Seelöwen und Seeotter. Denn es gibt nicht mehr genug große Wale. Daher sind Schwertwale oder Orcas (Orcinus orca) gezwungen, auf andere Jagdbeute auszuweichen. Mit der Folge, dass auch diese Arten indirekt zu Opfern des kommerziellen Walfangs werden.

Orcas jagen flexibel

Zunächst wichen die Schwertwale, mit fast 10 m Länge und bis zu 9 Tonnen Gewicht die größte Delfinart, auf Seehunde aus. Daraufhin ging deren daraufhin bereits in den frühen 1970er-Jahren stark zurückging. Anschließend traf es nach und nach Pelzrobben, Seelöwen und schließlich Seeotter. Und deren Populationen haben sich davon bis heute nicht erholt.

Seehunde und Pelzrobben wurden leichte Opfer der durch ihre riesige, bis zu 1,8 m hohen Finne leicht zu erkennenden, geschickten Jäger. Dennn sie sind leicht zu erbeuten und haben einen hohen Nährwert. Als diese Beute dann seltener wurde, veränderten die Oracs ihre Jagdstrategie erneut. Dann fingen sie an, auch energetisch weniger ergiebige Tiere wie Seeotter zu erbeuten.

Eine der längsten und komplexesten ökologischen Kettenreaktionen, die jemals beschrieben wurden

Der kommerzielle Walfang hat das gesamte ökologische Gleichgewicht der Meere nachhaltig gestört. Denn weniger Seeotter bedeuten mehr Seeigel. Und mehr Seeigel heißt weniger Seetangwälder vor Westalaska. Mit dieser Hypothese schildern Alan Springer und seine Kollegen von der University of Alaska in Fairbanks eine der längsten und komplexesten ökologischen Kettenreaktionen, die jemals beschrieben wurden.

Geringfüge Verhaltensänderungen mit gravierenden Auswirkungen auf das Ökosystem

Das Beispiel verdeutlicht eindrücklich, dass maßlose Ausbeutung oder massive, einseitige Eingriffe in ein Ökosystem einen vernichtenden Dominoeffekt auslösen. Früher ging man davon aus, dass der Rückgang der kleinen Meeressäugerarten auf Effekte am unteren Ende des Nahrungsnetzes zurückzuführen sei – beispielsweise auf Nahrungsknappheit.

Die Theorie von Springer sucht dagegen nach Ursachen im oberen Bereich der Nahrungsnetze. So berechneten die Forscher, dass allein die etwa 4.000 Schwertwale im Gebiet der Aleuten ihr Fressverhalten nur um ein Prozent ändern mussten, um den Bestand anderer Meeressäuger negativ zu verändern. Denn Orcas jagen (fast) alles und sie kriegen alles, was sie jagen.
Foto oben: Zwei Schwertwale: Jessica Horne/Marine Photobank.