Probleme der Korallenrestauration

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Seit Jahren wird weltweit versucht, geschädigte Riffe wiederherzustellen. Einige Ansätze waren wissenschaftlich begleitet und sorgfältig geplant. Die meisten allerdings nicht. Spenderriffe wurden beschädigt. Positive Folgen für die Empfängerriffe blieben aus. Neuester Marketing-Versuch sind Bestattungen als Riffbaustein, die ein US-Unternehmen anbietet. Dabei wird die Asche in aus Beton gefertigte sogenannte „Reef Balls“ (250 kg bis 1,8 t schwere durchlöcherte Kegel mit rauer Oberfläche) eingearbeitet. Nach eigenen Angaben hat man schon mehr als 3.000 solcher Bestattungen an 25 Stellen entlang der Ostküste der USA und im Golf von Mexiko durchgeführt. Als derzeit effektivste Methode bei der Wiederherstellung geschädigter Riffe gilt allerdings das direkte Ansiedeln von Korallenlarven.

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht

Der Wiederherstellung von Korallenriffen (Korallenrestauration) hat angesichts des von Klimawandel und Meeresverschmutzung befeuerten globalen Korallensterbens immer größere Bedeutung. Eine wissenschaftliche Analyse zu Ausmaß, Umfang und Methoden von 50 Projekten zur Riffwiederherstellung ergab jedoch, dass lediglich 6 % wissenschaftlich begleitet wurden. Meist jedoch stand im Vordergrund, eine touristische Attraktion anzubieten.

Fehlgeleitete Ansätze

Auffangen von Korallenlarven von Korallenstücken mittels künstlicher Strukturen, Florida Keys
© OceanImageBank/ David Gross

Bei fast der Hälfte aller Restaurationsprojekte sammelte man Korallenfragmente aus intakten Riffen durch Abbrechen. Und bei gut einem Drittel fand keine Analyse zu Ursachen der Schädigung der Empfängerriffe statt. Somit entließ man die abgebrochenen Korallen oftmals in Umweltsituationen (z. B. gestörtes Ökosystem, Fischerei, Eintrag von Nährstoffen aus der Landwirtschaft, belastete Abwässer), mit denen sie nicht zurechtkommen konnten.

Direkte Korallenverpflanzung

Restaurationstechniken wie die direkte Verpflanzung mit und ohne zwischengeschalteter Aufzuchtphase erfordern die Verwendung von Zement- oder Stahlkonstruktionen oder beidem zur Fixierung der Korallensetzlinge. Zusätzlich bedarf es intensiver Pflege mit vielen Tauchgängen.

Außerdem zielt diese Technik hauptsächlich auf schnell wachsende, verzweigte Arten ab. Für massive und knollige, langsamer wachsende Arten ist das weniger geeignet. Somit vernachlässigt das direkte Verpflanzen abgebrochener Korallenstücke die Wiederherstellung der ursprünglichen genetischen Vielfalt des Empfängerriffs.

Ansiedlung von Korallenlarven

2014 fanden erstmals Versuche statt, die Wiederansiedlung von Korallenlarven für die Riffwiederherstellung zu nutzen. Erste positive Ergebnisse erzielte man damit auf den Philippinen. Bei der Larven-Wiederansiedlung oder Larvenvermehrung werden Korallen-Gameten beim Spawning (Laichvorgang) entweder im Riff gesammelt und dann an Land gebracht.

Oder man gewinnt sie von im Labor gezüchteten Kolonien. Nach der Befruchtung bekommen die kleinen Korallenlarven (Planula-Larven) mehrere Tage lang Zeit, in einem Wasserbecken heranzuwachsen.

Hälterungstanks zur Zucht von Korallenlarven im AIMS mit Korallen und Korallenlarven für Anti-Biofouling Versuche

Im Australian Institute of Marine Science (AIMS) in Townsville, Australien, steht die weltweit größte und professionellste Anlagentechnik für Versuche mit Korallen und Korallenlarven unter kontrollierbaren Bedingungen. © Lisa Roepke

Haben sie eine gewisse Größe erreicht, setzt man sie dann unter einer über der Wiederherstellungsstelle im Empfängerriff gespannten Netzmatte frei. Nach einigen Tagen Ansiedlungszeit entfernen Taucher das Netz.

Vorteile

Das direkte Ansiedeln von Korallenlarven hat viele Vorteile. Es kann im Vergleich zu „konventionellen“ Transplantationsprojekten zur Wiederherstellung einer größeren genetischen Vielfalt beitragen. Denn man kann es bei allen Wachstumsformen von Spenderkorallen anwenden. Zudem sind viel weniger Arbeitsstunden und damit Taucheinsätze für Pflege und Kontrolle notwendig.

Hinzu kommt, dass keine künstlichen Substrate wie Zement oder Eisen in die Meeresumwelt ausgebracht werden. Die Zementindustrie ist einer der größten Verursacher des Klimawandels und der damit verbundenen Korallenbleiche. Außerdem ist die direkte Ansiedlung von Korallenlarven kosteneffizient, wenn man auf wiederverwendbare Materialien achtet.

Projekt zur Korallenrestauration mit Haushaltstrichtern.

Haushaltstrichter und PET-Flaschen im Einsatz für die Korallenrestauration, Bandasee, Indonesien. © BandaSea

Herausforderungen

Die größten Herausforderungen dieser Technik sind das Wissen über die Laichzeiten (Spawning) sowie Kenntnisse zur Entwicklung und Aufzucht von Korallenlarven. Sind diese Voraussetzungen gegeben, hat das direkte Ansiedeln von Korallenlarven großes Potenzial für eine erfolgreiche und nachhaltige Restauration geschädigter Riffe.

Korallenrestauration in Indonesien

In Indonesien fanden 2020 und 2021 an verschiedenen Standorten staatlich finanzierte Versuche zur Wiederherstellung von Riffen statt. Meist setzte man dabei auf „konventionelle“ Verpflanzung mit der Entnahme von Korallenfragmenten aus gesunden Riffen.

In mindestens einem Fall transportierte man die Fragmente stundenlang auf Eis in Styroporboxen. Bei der Ankunft am Wiederherstellungsort waren die meisten Korallen gestorben. Dieser Vorfall und ähnliche Versuche in kleinem Maßstab verschiedener privater Initiativen zeigen, dass ein besseres Bewusstsein für die Vor- und Nachteile verschiedener Wiederherstellungsmethoden und eine bessere Planung dringend erforderlich sind.
Nach Informationen von Mareike Huhn (BandaSEA)

Studie zu Methoden der Korallenrestaurierung
Boström-Einarsson, Lisa, Russel C Babcock, Elisa Bayraktarov, Daniela Ceccarelli, Nathan Cook, Sebastian C A Ferse, Boze Hancock, et al. 2020. “Coral Restoration – A Systematic Review of Current Methods, Successes, Failures and Future Directions.” PLoS ONE 13 (7): 1–24.

Foto oben: Ausgebleichtes Riff bei den Malediven – © OceanImageBank/The Ocean Agency


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