Roter Thun auf der Roten Liste

Bei einer Länge von bis zu 5 Metern kann ein ausgewachsener Roter Thunfisch 700 Kilogramm und mehr auf die Waage bringen. Derart große Exemplare sind heute allerdings eine Rarität. Denn die räuberischen Giganten stehen wegen Überfischung auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. 2021 immerhin verschob sich der Status der Art anlässlich der letzten Rote Liste Aktualisierung von „gefährdet“ auf „gering gefährdet“. Ein ermutigendes Signal.

Rote Thunfische

Rote Thunfische (Thunnus thynnus) gehören mit den beiden verwandten Arten Südlicher Blauflossenthunfisch (Thunnus maccoyii) und Nordpazifischer Blauflossenthunfisch (Thunnus orientalis) zu den Blauflossenthunen. Seinen Namen verdankt Thunnus thynnus dem stark dunkelroten Fleisch.

Innerhalb von nur 30 Jahren brachen die einst riesigen Bestände zusammen. Am schlimmsten traf es die Populationen im West-Atlantik. Ihr Bestand sank seit den 1970er-Jahren auf gerade noch 10 Prozent seiner ursprünglichen Größe. Hauptursache war katastrophales Fischereimanagement. Denn die weltweite Sushi-Hype heizte die Nachfrage kräftig an. Naturgemäß ist dabei Japan der wichtigste Abnehmer. Für Dosenthunfisch wird Roter Thunfisch dagegen nicht verwendet. Hierfür ist er zu kostbar.

Noch vor 100 Jahren mutete man das streng schmeckende Fleisch allerhöchstens Hunden oder Katzen zu. Zum Speisefisch – und einer begehrten Delikatesse – wurde Roter Thun erst in den vergangenen 50 Jahren.

„Ferrari” unter den Fischen

Rote Thunfische sind enorm schnell. Erreichen Reisegeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h. In der Spitze schaffen sie auch 80 km/h. Eine Atlantikdurchquerung schaffen die Riesenfische in nur 40 Tagen.

Fast warmblütig

Ein ungewöhnlich stark entwickeltes, meist neben den Muskelpaketen befindliches Blutgefäßsystem, auch Wundernetz genannt, ermöglicht es ihnen, ihre Körpertemperatur gegenüber der umgebenden Wassertemperatur relativ konstant zu halten. Wenn sie es so richtig eilig haben, sollen bis zu 15 Grad über der Umgebungstemperatur drin sein. Rote Thunfische sind die einzigen Knochenfische, denen dieses Kunststück gelingt.

Junge Weibchen legen pro Laichsaison im Schnitt 500.000 Eier. Alte und große Thunfischweibchen sogar bis zu zehn Millionen. Die Larven schlüpfen nach nur drei Tagen. Dann sind sie gerade einmal drei Millimeter groß. Doch bereits nach einem Monat haben die kleinen Thunfische stolze 3,5 Zentimeter erreicht. Ihre Lebenserwartung soll bis zu 20 Jahren reichen. Derartige Methusalems gibt es wohl kaum noch. Wegen Überfischung.

Rote Thunfische jagen wie Wölfe

Rote Thune jagen wie Wölfe. Im Verband. Sie kesseln ihre Beute ein. Nähern sich ihr rasend schnell im Halbkreis und umschließen sie. Eine Jagdtechnik, die auch verschiedene Delfinarten, wie z. B. Orcas gerne anwenden. Ihre bevorzugte Jagdbeute sind Makrelen und Sardinen.

Heringe sind eine begehrte Beute von Roten Thunfischen. Eine Ladung Heringe in einer Fischkiste.

Heringe: Begehrte Beute von Roten Thunfischen – Foto: PublicDomainPictures/Pixabay

Obwohl ihr Stoffwechsel an die Hochgeschwindigkeitsjagd angepasst ist, fressen Rote Thunfische je nach den Umständen alles, was sie finden. Bald flinke Makrelen, bald am Grund lebende Flundern, ja sogar Schwämme.

Bradford Chase von der Massachusetts Division of Marine Fisheries fand in den Mägen von Roten Thunfischen vor New England an erster Stelle Heringe. Aber auch vielerlei andere größere und kleinere Fische. Von Haien bis zu Seepferdchen. Von Rochen bis zu Plattfischen sowie die verschiedensten Tintenfische, Krebse und anderes.

Rote Thunfische fressen alles, was sie erwischen, und sie erwischen fast alles, was da im Wasser oder am Boden schwimmt oder treibt, krabbelt oder haftet. Dafür benutzen sie hauptsächlich ihren Gesichtssinn.

Weite Wege

Rote Thunfische verteilen sich im Wesentlichen auf zwei Lebensräume. Westatlantik und Ostatlantik. Außerdem soll es noch eine dritte, südliche Population vor der Küste von Südafrika geben. Sie schwimmen in Schwarmverbänden. Dabei gerne zusammen mit anderen Thunfischarten (Albacore, Gelbflossen– und Großaugenthune oder Skipjack).

Während sich die Bestände des West- und Ostatlantiks bei der Nahrungssuche vermischen, schwimmen sie zum Ablaichen getrennte Wege. Rote Thune haben feste Laichplätze. Deshalb sind sie auf ihren jährlichen Wanderungen dorthin berechenbar. Das macht sie vergleichsweise leicht befischbar.

Während die Population aus dem Westatlantik zwischen April und Juni im Golf von Mexiko ablaicht, zieht es die des Ostatlantiks von Juni bis August ins Mittelmeer. Auf dem Weg zu den Laichgebieten legen sie mehr als 5800 Kilometer zurück. Durchqueren den gesamten Atlantik. Dabei bleiben sie die meiste Zeit dicht an der Wasseroberfläche. Denn dort ist es mit Wassertemperaturen von 12 bis 16 Grad noch vergleichsweise angenehm temperiert.

Zu grosser Traube gebunüdelte gefrorene Thunfische werden aus einer Ladeluke gezogen.

Foto: George Stoyle/Marine Photobank.

ICCAT (International Conspiracy to Catch All Tuna)

Zuständig für die „Bewirtschaftung“ der Bestände des Roten Thunfisches ist die Internationale Kommission zum Erhalt des Atlantischen Tunfischs (ICCAT, International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas). Kritiker bezeichnen die ICCAT aufgrund ihres schlechten Fischereimanagements auch als „International Conspiracy to Catch All Tuna“.

Ermutigende Signale

Die meisten Thunfischarten galten 2011 als vom Aussterben bedroht. Doch nach einem Jahrzehnt der Bemühungen von Naturschützern und der Industrie, darunter strenge Fangquoten und ein hartes Vorgehen gegen illegalen Fischfang, scheinen sich einige Bestände zu erholen.

Foto oben: Thunfischschwarm, NOAA/Marine Photobank