Saws and the City: Riesige Sägefische in Miami

Ausgerechnet in der dicht besiedelten Biscayne Bay können Einwohner von Miami und Miami Beach beim Blick aus dem Fenster wieder Schmalzahn-Sägerochen (Pristis pectinata) sehen. Die Rückkehr dieser großen und spektakulären Sägefischart dokumentierten jetzt Wissenschaftler der US-Klima- und Ozeanbehörde NOAA Fisheries. Sie identifizierten mindestens 14 Individuen, die sich zwischen 2017 und 2020 in der sogenannten NOAA Biscayne Bay Habitat Focus Area aufhielten. Es handelt sich dabei um erwachsene und jugendliche männliche und weibliche Tiere.

Fischer aus Miami mit Schmalzahn-Sägerochen um 1920.

Fischer aus Miami präsentieren erbeutete Schmalzahn-Sägerochen, Leoparden-Stechrochen und einen Tarpun um 1920 – © W. A. Fishbaugh/courtesy of State Library & Archives of Florida: https://www.floridamemory.com/items/show/165364

Erstmals erfasst wurde die heute vom Aussterben bedrohte Rochenart in der Biscayne Bay 1890. Um 1930 dann galten sie hier als ausgestorben. Seit 10 Jahren allerdings gibt es zunehmend Berichte über die Rückkehr der urtümlichen Fische.

Schutzmaßnahmen in der Biscayne Bay für Schmalzahn-Sägerochen

Seit 1992 stehen Schmalzahn-Sägerochen in der Biscayne Bay unter Schutz. Zwei Jahre später dann erweiterte die Florida Fish and Wildlife Conservation Commission bereits eingeleitete Maßnahmen durch ein Verbot der Stellnetzfischerei.

Das half. Denn mit ihren bis zu 1,5 m langen Sägen verheddern sich die fast 8 m groß werdenden Rochen unentrinnbar in Netzmaterial jeglicher Art.

Seit dem Jahr 2000 sah man Schmalzahn-Sägerochen in die Bucht zurückzukehren. Mit Vorliebe halten sie sich hier in von Mangroven gesäumten Gewässern mit einer Tiefe von weniger als einem Meter auf.

„Frühere Studien haben gezeigt, dass seichtes Wasser in Mangrovengebieten, in die Süßwasser fließt, ein idealer Lebensraum für diese Art ist. Das Vorkommen von Sägefischen in der Bucht weist auf die Notwendigkeit hin, jetzt, wie in anderen Teilen ihres Verbreitungsgebiets, die Öffentlichkeit zu informieren. Damit auch die Bürger von Miami diese einzigartigen Tiere besser verstehen und schützen können“, erklärt NOAA-Fischereibiologin Dr. Joan Browder.

Einer der letzten verbliebenen Lebensräume für Schmalzahn-Sägerochen

Von Angelschnüren befreiter Schmalzahn-Sägerochen im Biscayne-Nationalpark.

Biscayne-Nationalpark-Ranger befreiten diesen Schmalzahn-Sägerochen, der sich in Angelschnüren verheddert hatte – © Biscayne National Park

Gemäß des NOAA Fisheries Smalltooth Sawfish Recovery Plan 2009 ist die untere Südwestküste Floridas ein wichtiges Vermehrungsgebiet für Schmalzahn-Sägerochen in den USA.

Größere Bestände mit ausgewachsenen Meeressägen finden sich noch im etwa hundert Meilen nördlich von Biscayne Bay gelegenen Jupiter Inlet. Somit kam die Biscayne Bay Habitat Focus Area seit jeher als eine wahrscheinliche Küstenreiseroute zwischen diesen beiden Standorten in Frage.

Jetzt wollen NOAA Fisheries gemeinsam mit dem Shark Research and Conservation Program der Universität Miami sicherstellen, dass die Erfolgsgeschichte der Saws in the City weitergeht.

Sägerochen gehören zu den am stärksten gefährdeten Meeresfischen

Im Februar 2021 warnten Wissenschaftler der Simon Fraser University (SFU) aus British Columbia, Kanada, in einer auf Science Advances veröffentlichten Studie vor dem Aussterben der „Heckenscheren mit Flossen“. Während sie früher in 90 Ländern entlang der Küsten und in Flussmündungen  lebten, sind die heute in mehr als der Hälfte davon ausgestorben. Hauptursachen sind Überfischung und Zerstörung der Lebensräume.

Weltkarte mit den verbliebenen Lebensräumen der Schmalzahn-Sägerochen (Pristis pectinata).

Es gibt nur noch wenige Regionen, in denen Schmalzahn-Sägerochen überlebt haben – © NOAA Fisheries

Foto oben:
Drei Schmalzahn-Sägerochen (Pristis pectinata) bei den Bahamas – © Tonya Wiley/IUCN Shark Specialist Group