Seegras pflanzen im Mittelmeer: Projekt „Die Meeresgärtner“

Seegraswiesen schützen unser Klima, unsere Küsten und die Artenvielfalt. Ihre Zerstörung muss gestoppt werden! Dort, wo es möglich ist, sollte man Seegras pflanzen (renaturieren). Genau das macht das Projekt „Die Meeresgärtner“ von Project Manaia im Mittelmeer.

Im Fokus steht die Art Posidonia oceanica. Es heißt nicht zu Unrecht die Lunge des Mittelmeers. Posidonia oceanica lebt ausschließlich im Mittelmeer (endemische Art). Noch gibt es im Mare Nostrum große Posidonia-Bestände. Jedoch stehen sie unter immer stärker werdendem Umweltstress. Auch durch die Folgen von Übertourismus wie Zerstörungen durch rücksichtsloses Ankern. Doch Urlauber können auch helfen, diese außergewöhnlichen Meeresökosysteme zu erhalten. Als Citizen Scientist leistet man zudem einen Beitrag zum Klimaschutz und hilft, für unzählige Meerestiere unersetzliche Lebensräume zu schützen.

Am 20. April 2026 heißt es: Leinen los für die SY Waya Waya und ihre Crew. Von Licata auf Sizilien führt die erste Route auf direkter Fahrt hinüber in die im Südwesten der Peloponnes-Halbinsel gelegene kleine Hafenstadt Pylos. Über verschiedene Stationen entlang des Peloponnes, darunter auch Stoupa auf der Mani-Halbinsel, Malta und Sizilien, ist für den 26. September die Rückkehr nach Licata geplant.

Stipendium für Studierende und Doktoranden aus den östlichen und südlichen Mittelmeerländern. Dank eines großzügigen Spenders, der ungenannt bleiben möchte, kann Project Manaia im Rahmen der Saison 2025 ein Stipendium für eine einmonatige Forschungsexpedition in den atemberaubenden griechischen/italienischen/maltesischen Gewässern anbieten. Diese Möglichkeit steht ausschließlich Studierenden und Hochschulabsolventen aus den Ländern des östlichen und südlichen Mittelmeerraums offen, die Meeresbiologie, Umweltwissenschaften, Ozeanografie oder eine eng verwandte Disziplin studieren.
⇒ Weitere Informationen.

2025 starteten die Expeditionen am 21. April in Licata auf Sizilien. Von dort ging es die italienische Küste entlang nach Crotone, bevor mehrere Stationen entlang der griechischen Westküste, bei den Ionischen Inseln, auf dem Programm standen. Ende September kehrte die SY Waya Waya von Malta aus in ihren Heimathafen in Licata zurück.

Während der Projektsaison 2025 segelten „Die Meeresgärtner“ 2.200 nautische Meilen (4.074 km). Dabei fanden 457 Posidonia-Seegrassamen sowie unzählige ausgerissene Pflänzchen ein neues Zuhause in bestehenden Posidonia-Seegraswiesen. Engagierte Menschen aus 21 Nationen waren als aktive Crew an Bord. Darunter auch erstmals zwei Stipendiatinnen aus Ländern des südlichen Mittelmeers (Tunesien und Libanon).

Den Saisonabschluss markierte schließlich der 3. November. Manuel Marinelli präsentiere im Rahmen einer Vortragsreihe des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen von 1864 (NWV) in der Pazifik-Ausstellung des Bremer Übersee-Museums das Meeresgärtner-Projekt für Klima- und Artenschutz im Mittelmeer.

Manuel Marinelli (Project Manaia) mit Dr. Simon Jungblut (Uni Bremen/Naturwissenschaftlicher Verein zu Bremen von 1864) in in der Pazifik-Ausstellung des Bremer Übersee-Museums.
Manuel Marinelli von Project Manaia (links) mit Dr. Simon Jungblut (Uni Bremen/Naturwissenschaftlicher Verein zu Bremen von 1864) in der Pazifik-Ausstellung des Bremer Übersee-Museums, © Project Manaia

Seegras pflanzen: Wie Urlauber helfen können

Sammeln Sie frische, abgerissene Seegraspflanzen oder -samen und geben Sie diese bei einer der Stationen des „Meeresgärtner-Netzwerks“ ab.

Bitte keine Teile aus einer Seegrasweide entfernen oder die Samen aktiv von den Pflanzen „pflücken“. Beides ist in den meisten Anrainerstaaten des Mittelmeers verboten!

Fundstück: abgerissene Pflanzen

  • Die Pflanzen sollten möglichst noch im Wasser oder beim Sammeln zumindest noch nass sein.
  • Es müssen noch Wurzeln dran sein, und zumindest ein, zwei Blätter sollten intakt sein.
  • Die gesammelten Pflanzen einfach in einen Zip-lock-Beutel packen (oder in anderen Plastiksack, den man dann verknotet) und im Kühlschrank aufbewahren oder abgeben.
  • Bei Raumtemperatur hält sich die Pflanze nur circa einen Tag. Dabei wäre es allerdings wichtig, dass man ein nasses Taschentuch um die Wurzeln wickelt. Für die Aufbewahrung gilt: Je kühler (nicht gefroren), desto besser.

Speziell befugte und geschulte Taucher setzen die abgerissenen Pflänzchen mit Wurzeln wieder im Meeresboden ein (siehe Video).

Fundstück: Seegras-Samen

  • Seegras-Samen sehen aus wie Oliven. Sie schwimmen an der Oberfläche oder werden an den Strand angespült, normalerweise im Juni. Auch sie sind geeignet, um Seegras zu pflanzen.
  • Man kann sie einfach in einem mit Salzwasser gefüllten Marmeladenglas oder Ähnlichem aufbewahren. Wiederum am besten im Kühlschrank, denn so halten sie sich über Wochen und Monate.
  • Haben Sie keine Möglichkeit, Seegras-Samen mitzunehmen, werfen Sie sie wieder ins Meer zurück.
Seegrassamen von Posidonia oceanica (Neptungras).
© OceanImageBank/Dimitris Poursanidis

Die eingesammelten Samen werden erst an einer Struktur fixiert (z. B. an einem Felsen oder biologisch abbaubarem Kabelbinder oder Bindfaden). Wenn sie dann die notwendigen Wurzeln gebildet haben, können sie je nach Lage entweder vor Ort weiterwachsen oder man „verpflanzt“ sie noch einmal, damit sie eine Wiese bilden können. Die Entwicklung der Wiesen wird überprüft.

Neues Leben für eine von einem Anker ausgerissene Posidonia-Seegraspflanze. August 2024, Insel Stoupa, Griechenland.

Schulung der Meeresgärtner-Stationen

Die Tauchbasen arbeiten lokal als „Meeresgärtner“ und pflanzen Seegras gemeinsam mit ihren Kunden in existierenden Wiesen.

Project Manaia veranstaltet dazu jeweils einen Workshop. Dort wird gezeigt, wie es gemacht wird und worauf man sich konzentrieren muss, wenn es darum geht, die Wiesen nach der Wiederbepflanzung zu beobachten.

Informationsmaterial

Das Meeresgärtner-Netzwerk

Stand: Januar 2026

Italien

Frankreich

Griechenland

Kroatien

Malta

Preise und Auszeichnungen

Das Projekt gewann im Januar 2024 den boot Dive Award 2024 in der Kategorie Klimaschutz.

Auszeichnung für „Die Meeresgärtner“ als hervorragendes Beispiel durch die UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen.

Im August 2024 wurde das Renaturierungsprojekt „Die Meeresgärtner“ von der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen ausgezeichnet. Es ist ein besonders positiver Beitrag zur Erhaltung und Wiederherstellung von Ökosystemen der Meere und Küsten und ihrer biologischen Vielfalt und damit ein „Hervorragendes Beispiel“. 1

Überregionale Netzwerke

Projekt Manaia ist Partner beim Mediterranean Posidonia Network

UN-Nachhaltigkeitsziele

Unterstützer

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  1. Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2021 bis 2030 zur UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen erklärt, um das Bewusstsein noch stärker auf den großen Wert intakter Ökosysteme zu lenken. Funktionierende Ökosysteme sind entscheidend für unsere Natur und unsere Gesellschaft. Sie sind wertvoller Lebensraum einer großen Vielfalt von Tieren und Pflanzen sowie Pilzen und Mikroorganismen. Zudem haben sie enormen Einfluss auf die Regulierung der Wasserkreisläufe und der Umgebungstemperatur, auf die Luftreinhaltung und die Produktion von Nahrungsmitteln. Ebenso tragen sie zum Hochwasserschutz und zu einem natürlichen Klimaschutz sowie zur Bereitstellung von Erholungsräumen bei.

    Mit der Würdigung positiver Beispiele demonstriert die UN-Dekade, wie die Erhaltung und Wiederherstellung von Ökosystemen mit ihrer Naturvielfalt in Deutschland erfolgen kann. Es wird verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich mit Engagement aktiv für die Ökosysteme einzusetzen. Die Modellprojekte sollen dabei Vorbild und Anregung zugleich sein. ↩︎

Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag

Titelfoto: Meeresgärtner mit Neptungras, Malta, © Maria Feck


Weiterführende Informationen