Durchbruch beim Fidschi-Projekt: Forscherin beschreibt eine neue Rochenart

Mit einem von der Meereswissenschaftlerin Kerstin Glaus geleiteten Projekt untersuchen wir seit 2024 die Vielfalt und Häufigkeit der bei den Fidschi-Inseln lebenden Rochenarten.1 Untersuchungsgebiete sind die Natadola-Bucht auf der Hauptinsel Viti Levu sowie die zur Yasawa-Inselgruppe gehörende Insel Drawaqa. Zum Einsatz kommt dabei eine Kombination aus Feldforschung mit beköderten Unterwasserkameras, morphologische Untersuchungen von auf Fischmärkten angebotenen Fängen und eDNA-Analysen (Umwelt-DNA). Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Frage, ob es bei Fidschi neue, bislang nicht als eigenständig anerkannte Arten gibt und ob diese nur dort vorkommen (endemische Arten). Von Anfang an zählten die hier lebenden Blaupunkt-Maskenrochen zu den „Hauptverdächtigen“. Denn die Maskenrochen in Fidschi haben kaum blaue Punkte. So fing alles an.

Konservierung eines Maskenrochens im Labor für weitere Studien. Hinweis: Dieses Exemplar stammt von einem lokalen Fischmarkt und wurde nicht speziell für die Forschung getötet.
Kerstin Glaus konserviert einen Fidschi-Maskenrochen für spätere Untersuchungen im Labor der University of the South Pacific (USP). Hinweis: Der Rochen stammt von einem lokalen Fischmarkt und wurde nicht speziell für Forschungszwecke getötet, © Kelly Brown, USP

Mit ihrer im Juni 2025 veröffentlichten Studie zeigen Kerstin Glaus und Kollegen, dass die in den Gewässern des Fidschi-Archipels lebenden Maskenrochen (siehe Titelfoto) eine eigenständige und nur hier vorkommende (endemische) Rochenart sind.2 Die neue Art erhielt den Namen: Neotrygon romeoi n. sp. (n. sp. steht für new species).

Die Neu-Klassifizierung kann direkte Auswirkungen auf den Schutzstatus der Tiere nach sich ziehen. Denn als endemische Art können sie jetzt unter den Fidschi Endangered and Protected Species Act fallen. Mit diesem Gesetz werden Handel, Schutz und Management gefährdeter oder nur bei Fidschi vorkommender Arten geregelt. Damit will die Regierung die einzigartige Biodiversität der Fidschi-Inseln besser schützen und erhalten.

Projektarbeiten

Beköderte Kamerafalle (baited remote underwater video system/BRUV) für den Unterwassereinsatz bei den Fidschi-Inseln.
Selbst gebautes Modell eines beköderten Kamerasystems
(baited remote underwater video system/BRUVS)

An beiden Untersuchungsgebieten messen wir Umweltparameter (pH-Wert, Salzgehalt, gelöster Sauerstoff, Temperatur) und setzen beköderte Kamerasysteme (baited remote underwater video systems/BRUVS) ein. Damit lassen sich Arten identifizieren sowie deren Verhalten und Häufigkeit analysieren.

Unser Projekt fügt sich nahtlos ein in das auch von Fidschi unterstützte 30-x-30-Ziel des UN-Übereinkommens zur biologischen Vielfalt. Denn auch mit kleinflächigen Projekten kann man eine große Wirkung erzielen.

Das 30-×-30-Ziel bedeutet, dass 30 Prozent der Land- und 30 Prozent der Meeresflächen bis 2030 unter Schutz stehen sollen.

Rochenarten der Fidschi-Inseln

Niemand weiß, wie viele Rochenarten es in den Gewässern der Fidschi-Inseln gibt.

Verschiedene Rochen auf einem Fischmarkt auf den Fidschi-Inseln.
Maskenrochen und Gefleckte Adlerrochen
auf einem Fischmarkt

Laut veralteter und nicht überprüfter Literaturangaben soll es bei Fidschi 19 Rochenarten (ohne Sägerochen) geben. 12 Arten wurden bei Citizen-Science-Projekten (Bürgerforschungsprogrammen) erfasst, und von sechs Arten wurde die DNA nachgewiesen.3

Mindestens 8 der gefundenen Rochenarten fallen in den Geltungsbereich des Artenschutzgesetzes der Fidschi-Inseln.

Kleinfischer fangen kleinere küstennah lebende Rochen, während ozeanische Arten wie Mantarochen, Kuhschwanzrochen oder Stachelrochen als Beifänge der Langleinenfischerei zum Opfer fallen.

Fidschi-Maskenrochen: eine 2025 neu beschriebene, endemische Art

Fidschi-Maskenrochen sind die am häufigsten bei den Fidschi-Inseln gefangenen Rochen.
Fidschi-Maskenrochen, © Alison Smith

In den Gewässern der Fidschi-Inseln sind Maskenrochen die am häufigsten gefischten Rochen.4 Die Durchmesser von bis zu 40 cm erreichenden Knorpelfische sind im gesamten Archipel weitverbreitet. Seit Juni 2025 steht fest: Aufgrund eindeutiger genetischer und morphologischer Unterschiede handelt es sich um eine eigenständige und nur hier vorkommende (endemische) Art. Der Fidschi-Maskenrochen erhielt den Artnamen Neotrygon romeoi5 n. sp.

Diese Rochen gehören zur Familie der Stachelrochen (Dasyatidae) und zählen dort zum Maskenrochen-Artenkomplex der Gattung Neotrygon. Hierzu zählten bislang 16 anerkannte Arten. Darunter 13 Blaupunkt-Maskenrochen-Arten. Mit der neuen Art erhöht sich die Zahl der Neotrygon-Arten auf 17. Mit dem Fidschi-Maskenrochen ist jetzt die 14. Blaupunkt-Art hinzugekommen, auch wenn sie selbst nur sehr verschwommene blaue Punkte aufweist.

Niedrige Reproduktionsrate

Wie die anderen Maskenrochen auch – soweit man das überhaupt weiß – sind Fidschi-Maskenrochen aplazental lebendgebärend (vivipar) mit histotropher Ernährung der Embryonen (Nährstoffversorgung über Gebärmuttersekrete). Kerstin Glaus schätzt, dass ein Weibchen von 1 bis 3, maximal 4 Jungtiere zur Welt bringen kann.

Ein Rochen im Zorro-Look

Der Gattungsname Maskenrochen für die Neotrygon-Arten könnte treffender nicht sein. Sie zeichnen sich eine gut erkennbare maskenartige dunkelbraune Zeichnung über den Augen, mit einer starken Konzentration schwarzer pfefferartiger Flecken darin, aus. Das erinnert an die Maske des Zorro.

Fidschi-Maskenrochen sind Meister der Tarnung, © Tom Vierus
© Tom Vierus

Jedoch sind bei keinem anderen Maskenrochen die zwei schwarzen Flecken hinter den Augen derart ausgeprägt wie bei Neotrygon romeoi.

Perfekte Tarnung

Auf dem Rücken sind Fidschi-Maskenrochen beige bis mittelbräunlich mit einem subtilen grünlichen Ton gefärbt. Charakteristisch sind viele relativ kleine Flecken mit weißlicher Mitte, umgeben von diffus gesäumten dunkelgrauen bis schwärzlichen Außenringen auf dem Rücken. Ihr bis zu 20 cm langer peitschenartiger Schwanz hat mehrere Stacheln.

Fidschi-Maskenrochen sind von Nacken bis zum Schwanzansatz durchgehend mit Stacheln bedeckt, ein Merkmal, das es bei keiner der anderen Maskenrochen-Art gibt.

Vielleicht sind die Stacheln eine Anpassung, mit der sie sich besser vor Fressfeinden wie küstennah lebenden Bullenhaien und anderen Haiarten schützen können.

Neue Forschungen

Diese mittelgroßen Stachelrochen leben auf Sandflächen in der Gezeitenzone, in Korallenriffen, Seegraswiesen, Lagunen und an Abhängen in Tiefen bis mindestens 23 m. Sie sind meist einzelgängerisch unterwegs. Manchmal trifft man sie auch paarweise und gelegentlich sogar in Gruppen von bis zu fünf großen, wahrscheinlich geschlechtsreifen Tieren. Ansonsten ist über ihre Biologie wenig bekannt.

Momentan betreut Kerstin Glaus eine Mikroplastikstudie am Institute of Marine Resources (IMR) der University of the South Pacific in Suva auf der Insel Viti Levu. Dabei untersucht einer ihrer ehemaligen Mitarbeiter, Waisiki Sevakarua, Anzahl und Art von Mikroplastik im Magendarm-Trakt der Rochen.

Außerdem untersucht und vermisst ihr IMR-Team bei Tieren vom Fischmarkt die Geschlechtsorgane, um die Größe der Rochen bei der Geschlechtsreife herauszufinden.

Rosa Peitschenrochen

Rosa Peitschenrochen (Pateobatis fai) schwebend über dem Meeresboden.

Es ist nicht viel bekannt über die Biologie der Rosa Peitschenrochen (Pateobatis fai). Ihr Vorkommen in Fidschi wurde erst in jüngster Vergangenheit dokumentiert. Es handelt sich um große Rochen mit einem fast 1,50 m breiten, diskusförmigen Körper und langem, schmalem Schwanz. Dieser kann bis zu 2,6-mal länger sein, als der Körper des Rochens breit ist. Die Tiere können ihn in peitschengleiche Bewegungen versetzen.

Diese Rochen sind auffällig gefärbt. Ihre Körperoberfläche ist rosa braun bis gräulich. Den Rand des Diskuskörpers umlaufen zahnförmige dunkle Flecken. Man nimmt an, dass sie lebendgebärend (ovovivipar) sind, wobei die Jungtiere bei der Geburt bereits einen Umfang von etwa 30 cm haben sollen. Ihre Lebenserwartung soll bei bis zu 20 Jahren liegen.

Die großen Rochen sind für ihre rätselhaften Versammlungen (Aggregationen) von bis zu 25 Individuen am Meeresboden bekannt. Was genau sie dabei tun, ist unklar. Es wird vermutet, dass es mit der Fortpflanzung zu tun hat. Innerhalb der Natadola-Bucht treten solche Aggregationen recht häufig auf. Status auf der Roten Liste der IUCN: gefährdet)

Ozeanien-Fächerrochen

Erst seit 2016 ist der Ozeanien-Fächerrochen (Ø ca. 22 cm) als eigene Art (Taeniura lessoni) anerkannt. Die kleinen Rochen leben in Flachwasser-Korallenriffen und kommen bis zu einer Tiefe von 18 m vor. Sie werden auf den Fidschi-Inseln in der lokalen Fischerei gefangen. Ansonsten ist nichts zu dieser Stachelrochenart bekannt. Wegen ihrer schönen Musterung kann man sie einzeln erkennen und katalogisieren. Status auf der Roten Liste der IUCN: unzureichende Datenlage.

Ozeanien-Fächerrochen Lewa (fidschianisch für „junge Frau“) mit ihrem ständigen Begleiter.

Das ist Lewa (fidschianisch für „junge Frau“) mit ihrem ständigen Begleiter, einem Schnapper. Lewa ist leicht am blauen Punkt gleich unterhalb des linken Auges und an den ein L bildenden Punkten an der linken Körperseite zu erkennen. Kerstin Glaus schätzt Lewa auf ca. 25 cm Breite und 24 cm Länge (ohne Schwanz gemessen). Ganz so jung dürfte Lewa aber nicht mehr sein: Im März 2024 war das Weibchen sichtbar trächtig6.

Weißfleck-Geigenrochen

Geigenrochen (Wedgefish) in der Natadola Bay-InterContinental, Fidschi.
© InterCon und ReefSafari

Die bis zu 3 m großen urtümlichen Rochen zählen zur marinen Megafauna. Sie leben bis in 60 m Tiefe auf dem Kontinentalschelf, auf sandigen Lebensräumen und in Korallenriffen. Geigenrochen gehören zu den am stärksten gefährdeten Salzwasserfischen. In der Natadola-Bucht treten Weißfleck-Geigenrochen (Rhynchobatus australiae) manchmal paarweise auf. Status auf der Roten Liste der IUCN: vom Aussterben bedroht.

Igelrochen

Ein Igelrochen im Roten Meer.
© Patrick Schmidt

Eine große, stark gepanzerte Rochenart (Ø ca. 1,2 bis 1,4 m). Bei den Fidschi-Inseln werden Igelrochen (Urogymnus asperrimus) wenig befischt. Auf Fidschianisch heißen sie „Vai varoro“, was so viel wie gepanzerter Rochen bedeutet. Ihre dicke Haut ist gespickt mit zahlreichen Dornen. Diese dienen wahrscheinlich zum Schutz vor Fressfeinden. Dank der Dornen haben selbst Speerfischer kaum eine Chance, einen Igelrochen zu erbeuten. Obwohl die Art zur Familie Dasyatidae gehört, also zu den Stachelrochen, hat der Igelrochen keinen Stachel.

Igelrochen sollen über 20 Jahre alt werden. Obwohl sie weitverbreitet sind, weiß man insgesamt sehr wenig über sie. Die großen Rochen leben küstennah, sind lebendgebärend (ovovivipar) und werden in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet als Zielart und Beifang von einer Vielzahl von Küstenfischereien gefangen. Man findet sie in Tiefen von bis zu 130 Metern.

Ihr Fleisch gilt als hochwertig und wird auch international gehandelt. Gleichermaßen begehrt ist die Haut größerer Exemplare. Man verarbeitet sie zu Leder, um daraus Accessoires wie Handtaschen herzustellen. Status auf der Roten Liste der IUCN: stark gefährdet, mit abnehmender Bestandsentwicklung.

Ihre Spende für die Fidschi-Rochen

Fast 70 % der in den Gewässern Fidschis dokumentierten
Rochen haben ein erhöhtes Aussterberisiko!

Auf Basis der vom Projekt gewonnenen Daten lassen sich Managementstrategien entwickeln und Schutzzonen für seltene und unbekannte Rochen der Fidschi-Inseln einrichten.

Kerstin Glaus und Rob Macfarlane vom Drawaqa Marine Conservation Trust mit Rochen-Flyern.
Projektleiterin Kerstin Glaus und Rob Macfarlane vom Drawaqa Marine Conservation Trust
mit unseren Projektflyern
Info-Flyer zum Projekt Seltene und unbekannte Rochen der Fidschi-Inseln.
  1. Mit Unterstützung von Drawaqa Marine Conservation Trust, Crystal Blue Reef Safari, Barefoot Manta Island Resort, IHG Hotels and Resorts-InterContinental Fiji ↩︎
  2. Glaus, K., White, W. T., O’Neill, H. L., Thurnheer, S., & Appleyard, S. A. (2025). A new blue-spotted Maskray species (Neotrygon, Dasyatidae) from Fiji. Journal of Fish Biology, 1–12. https://doi.org/10.1111/jfb.70094  ↩︎
  3. Glaus K, Gordon L, Vierus T, Marosi ND, Sykes H. Rays in the Shadows: Batoid Diversity, Occurrence, and Conservation Status in Fiji. Biology. 2024; 13(2):73. https://doi.org/10.3390/biology13020073 ↩︎
  4. Kerstin Glaus, Rusila Savou, Juerg M. Brunnschweiler. Characteristics of Fiji’s small-scale ray fishery and its relevance to food security. Marine Policy, Volume 163, 2024, 106082, ISSN 0308-597X
    https://doi.org/10.1016/j.marpol.2024.106082 ↩︎
  5. Der lateinische Artbeiname ist dem verstorbenen Romeo Glaus, dem Vater des Erstautors, gewidmet, in Anerkennung seiner anhaltenden Inspiration, Unterstützung und seines tiefen Respekts vor der Natur. ↩︎
  6. Glaus Kerstin, Vierus Tom, Macfarlane Robert, Observational data on the reproductive condition of female Oceania fantail rays, Taeniura lessoni, from Drawaqa Island, Fiji, Frontiers in Marine Science, Volume 11-2024, DOI=10.3389/fmars.2024.1401258 ↩︎

Titelfoto: Ein Blaupunkt-Maskenrochen bei Drawaqa Island, Yasawas (Fidschi), auf flachem Sand mit etwas Seegras in ≃18 m Wassertiefe, © Robert Macfarlane
Informationen und Copyright für weitere Fotos (soweit nicht anders angegeben): Kerstin Glaus/DSM

Update: überarbeiteter und mit neuem Datum veröffentlichter Beitrag


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