Der Vaquita stirbt aus

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Vaquitas (Phocoena sinus) sind die seltensten Meeressäuger. 2021 sank der Bestand auf unter 10 Exemplare. Die kleinen, wegen ihrer Gesichtszeichnung auch „Panda der Meere“ genannten Schweinswale sterben aus. Vaquitas gibt es ausschließlich im Nordzipfel des Golfs von Kalifornien. Sie haben den kleinsten Lebensraum aller Meeressäuger. Er entspricht etwa einem ¼ der Größe von Los Angeles. Entdeckt wurde die auch als Kalifornischer Schweinswal bezeichnete Art erst 1958. Seit der Jahrtausendwende nahm der Bestand dann rasant ab: von 567 Tieren im Jahr 1997 über 245 in 2008 bis im November 2016 noch rund 30 Vaquitas übrig waren. Doch der Abwärtstrend der Art erweist sich als unaufhaltbar.

Vaquita: Chronik eines angekündigten Artentods

Ursache für das Aussterben der Vaquitas sind illegale Stellnetze. Diese können von den kleinen Schweinswalen nicht geortet werden. Sie verfangen sich in den dünnen Netzen und sterben. Dabei sind Vaquitas nur Beifang. Denn die Fischer haben es nicht auf die Meeressäuger, sondern auf die Schwimmblasen von Totoabas (Totoaba macdonaldi) abgesehen. Der Totoaba ist ein über 2 m großer und über 100 kg schwerer Umberfisch. Auch er ist vom Aussterben bedroht. Seine große Schwimmblase wird ihm zum Verhängnis. Sie gilt als Heilmittel und Aphrodisiakum in der traditionellen chinesischen Medizin.

Bis zu 100.000 Dollar kostet 1 kg Totoaba-Schwimmblase auf dem chinesischen Schwarzmarkt. In das lukrative Geschäft sollen laut dem mexikanischen Nachrichtenportal Reporte Indigo inzwischen auch mexikanische Drogenbanden verwickelt sein. Daher bezeichnet man Totoaba-Schwimmblasen auch als „Kokain des Meeres“:

Vaquita im Golf von Kalifornien.

Vaquita im Golf von Kalifornien. Foto: Paula Olson, NOAA, public domain

Halbherzige Schutzbemühungen für die letzten Vaquitas

Obwohl erste Schutzbemühungen ins Jahr 1993 zurückreichen, scheiterten diese an mangelnder Umsetzung. Damals rief Mexiko den Lebensraum der beiden endemischen Arten Vaquita und Totoaba zum Biosphärenreservat aus. Drei Jahre später trat ein Rettungsplan in Kraft. 2005 dann örtlich begrenzte Fischereiverbote. 2014 ein zweijähriges Stellnetzverbot.

Vaquita mit Stellnetzfischerbooten.

Keine Chance hat der kleine Vaquita (im Bild unten) gegen die Stellnetzfischer, die in seinem Lebensraum operieren. Foto: Paula Olson, NOAA, public domain

Gleichzeitig stellte die Regierung 74 Millionen US-Dollar als Ausgleichszahlungen an die Fischer bereit. Doch all das half nichts. Denn vielfach floss das Geld in neue Boote und Motoren. Folglich nahm der Fischereidruck weiter zu. Zwar ist die Stellnetzfischerei seit Juni 2017 endgültig verboten. Doch ohne Kontrollen und Strafen blieb dies wirkungslos.

Foto oben: © Paula Olson/NOAA/public domain


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